Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
Gedichtsinterpretation : 3
Literaturnachweise : 16
2
Gedichtsinterpretation:
Diese Arbeit behandelt das Gedicht „Das Sklavenschiff“ von Heinrich Heine aus dem Jahre 1855, der Zeit des Realismus. Es handelt - wie auch der Titel „Das Sklavenschiff“ schon sagt - von Sklaverei und dem Menschen als Ware. Heinrich Heine wurde besonders durch das Buch „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher- Stove von 1852 zu diesem Gedicht inspiriert.
Das Gedicht ist in 34 alternierende Strophen aufgeteilt und gehört zur Gattung der Ballade. Es handelt sich hierbei um einen 4-hebigen Jambus, dessen Merkmal unbetontbetonte Silben sind. Bei den Kadenzen besteht ein unterschiedlicher Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Versschlüssen, wobei jedoch die weiblichen Versschlüsse dominanter zu sein scheinen. Seine teilweise gebundene Verssprache in der zweiten und vierten Zeile verringert den Vokabularspielraum dort jeweils deutlich. Die erste und dritte Zeile stehen dem als Blankverse gegenüber. Sie nähern sich damit der Prosa an, um den Erzählgehalt zu verstärken. Es folgt wohl der „universalistischen Gattungsvermischung“ 1 , die so ganz typisch für Heine ist. Durch das Reimschema abcb entsteht zum einen eine Verbindung der Verse untereinander, vor allem der zweiten und vierten Verse und es steht dadurch zum anderen jede Strophe für sich alleine und getrennt von den anderen. Den Endreim in der zweiten und vierten Zeile nennt man umarmenden Reim. Dieser bewirkt, dass die Strophe in ihrem Takt fließt und damit sehr geschlossen bleibt. Es gibt in diesem Gedicht hauptsächlich reine Reime, bis auf einige Ausnahmen wie beispielsweise den Strophen 1, 2, 11, 12, 19, 24 und 32.
1 Feldt, Michael: Lyrik als Erlebnislyrik: zur Geschichte eines Literatur- und Mentalitätstypus’ zwischen 1600 und 1900. Heidelberg. 1990. Carl Winter Universitätsverlag.
3
Diese unreinen Reime könnten in Verbindung mit Heines Ironie gebracht werden, denn es handelt sich hierbei meist um Themen, die irgendwie nicht vollkommen ernsthaft dargestellt werden.
Durch diesen Wechsel zwischen reimenden Versen und Blankversen entsteht der Eindruck der Seriosität, aber auch ein gewisses Maß an Struktur. Man würde vermutlich das Gedicht und dessen Thema nicht ernst genug nehmen, wenn sich jede Zeile reimen würde. Heine ist es demnach also sehr wichtig, dem Leser eine eventuell sogar kritische Meinung und nicht ein schön klingendes und an der Oberfläche gehaltenes Gedicht zu vermitteln. Des weiteren hat dieses Versschema zum Vorteil, dass der Autor mehr Möglichkeiten bei der Wahl der Wörter hat, wenn sich nicht alles reimt und dies dadurch den Ausdruck seiner Aussage verstärkt. Die vielen Enjambements innerhalb der Strophen bewirken ebenfalls eine gewisse Zusammengehörigkeit der Verse untereinander und ersetzen somit ein reines Reimschema aller vier Verse. Metrik und Syntax geben dem Gedicht also Grenzen. Um dies nun auf den Inhalt des Gedichts zu beziehen, stelle man sich eine Welle auf dem Meer vor, die an jedem Ende der Strophe wippt und somit für eine Unterbrechung im Gedicht sorgt, genauso wie eine Unterbrechung im Gedicht durch den Reim und den Punkt am Ende der jeweils vierten Zeile entsteht.
Diese 34 Strophen sind nicht wahllos gesetzt, sondern bilden eine zusammenhängende Geschichte über einen holländischen Großkaufmann und dessen Sklavenschiff. Diesen „Superkargo Mynheer van Koek“ könnte man als Personifikation für den Sklavenhandel sehen, denn er sieht die Sklaverei wirklich als gerechtfertigt an. Das kann man vor allem am Ende des Gedichts erkennen, wenn er von den „schwarzen Sünder[n]“ (wird noch verstärkt durch eine Alliteration) spricht. Er steht auch für die alte Welt und Ideologie. Dies wird vor allem in seinen sprachlichen Mitteln deutlich, denn im Zusammenhang mit ihm werden oftmals alte Wörter wie „probablen“ (=wahrscheinlichen), „Spottwohlfeil“ (=superbillig, hinterhergeschmissen, abwertend für günstig), „kuranzen“ (=in Umlauf bringen), „Büttel“ (=Ordnungshüter) und
4
„Wasserfeldscherer“ (=Wundarzt) 2 - Diese Wörter werden in der Fachsprache Archaismus genannt - verwendet. Heine also verwendet „zwecks [...] Distanzierung eine altertümelnde Sprache“ 3 .
Dem Großkaufmann ist nur der Profit wichtig, den er durch die schwarzen Gefangenen macht. Er ist ein präziser Rechner, so wie er auch in den ersten fünf Strophen beschrieben wird („kalkuliert“, „sitzt rechnend“). Herrn van Koek ist es letztlich gleich, wie viele Menschen während der Schifffahrt ihr Leben verlieren, wichtig ist ihm nur der Gewinn den er erhält, wenn mindestens die Hälfe der Sklaven lebendig in Rio-Janeiro ankommen. Dies hat Heine mit Hilfe der Anapher „Bleibt mir die Hälfte am Leben.“ „Bleiben mir Neger dreihundert nur“ am Ende der vierten Strophe und zu Beginn der fünften Strophe nochmals klar betont. Hierbei handelt es sich um ein und dieselbe Aussage, denn die Hälfte der Häftlinge ist 300. Van Koek hat keinerlei menschliches Mitgefühl für die Gefangenen. Nicht sie haben in seinen Augen die große Not wenn sie sterben, sondern er. Denn wenn er sich darüber Gedanken macht, die hohe Sterberate zu verringern, dann denkt er weniger an das Wohl der Sklaven, sondern vielmehr an seinen Umsatzverlust, den er dadurch hat. Dies hebt Heine mittels einer weiteren Anapher in der 16. Strophe fest: „Wie kann ich lindern das Übel? Wie kann ich...“. Und auch am Ende des Gedichts wendet er sich mit der Bitte fast schon flehend an Christus, er solle um des Geldes willen diese „schwarzen Sünder...[die] so dumm [sind] wie Rinder“ verschonen. Hier taucht abermals Heines Kritik an der Gesellschaft auf - er verwendet Vergleich und Ironie -, denn Christus ist für die Gerechtigkeit und Freiheit der Völker gestorben, was im völligen Gegensatz zur Haltung des van Koek und der Sklaverei steht.
Er ist aber auch sehr beeinflussbar, denn gleich nach dem Vorschlag van Smissen’s für ein Fest, welches die Stimmung heben und damit auch das Sterben verringern soll, lässt
Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion: DUDEN der deutschen Rechtschreibung. 2 Mannheim.1991.20. Auflage
Feldt, Michael: Lyrik als Erlebnislyrik: zur Geschichte eines Literatur- und 3
Mentalitätstypus’ zwischen 1600 und 1900. Heidelberg. 1990. Carl Winter Universitätsverlag.
5
Arbeit zitieren:
Kai Nellinger, 2004, Interpretation zum Sklavenschiff von Heinrich Heine, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Interpretation zu Ödön von Horváth "Jugend ohne Gott"
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Willensfreiheit oder Determinismus
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 26 Seiten
Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins. René Descartes un...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Das geschriebene Wort in seiner historischen Entwicklung
Seminararbeit, 25 Seiten
Radikaler Prediger und städtisches Umfeld - Thomas Müntzer in Zwickau,...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Zusammenfassung zu René Descartes: Meditationen oder Über die Grundlag...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 8 Seiten
Das Dionysische und seine Gegenspieler in Nietzsches "Geburt der ...
Hausarbeit, 19 Seiten
Descartes: Prinzipien der Philosophie
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 18 Seiten
John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Referat (Handout), 11 Seiten
Einführung in die Philosophie Descartes
Erkenntnistheorie
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 16 Seiten
Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung im 'Reinhart Fuchs...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Chinas Weg zur Marktwirtschaft
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Seminararbeit, 23 Seiten
Goethe: Willkommen und Abschied (spätere Fassung) - Textanalytische Üb...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Schiller, Friedrich - Kabale und Liebe - Szenenanalyse III.4
Referat / Aufsatz (Schule), 2 Seiten
Der Mensch als leib-seelisches Wesen bei Platon und Aristoteles - Eine...
Philosophie - Philosophie der Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Friedrich Nietzsche - Die Geburt der Tragödie - Zusammenfassung und Er...
Hausarbeit, 18 Seiten
Kai Simone Nellinger's Text Interpretation zum Sklavenschiff von Heinrich Heine ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kai Simone Nellinger hat den Text Interpretation zum Sklavenschiff von Heinrich Heine veröffentlicht
Kai Simone Nellinger hat einen neuen Text hochgeladen
Frankenstein's Island: England and the English in the Writings of Hein...
Siegbert Solomon Prawer
0 Kommentare