Der Text behandelt das Thema der Verdrängung und der Projektion. Zunächst werde ich den Text wiedergeben. Im folgenden möchte ich in meiner Interpretation unter anderem das Verhältnis zwischen dem Mann vom Lande und dem Türhüter und die Wesensmerkmale des Gesetzes und dessen Wirkung auf den Mann untersuchen. Abschließend erfolgt eine Gesamtaussage und Beurteilung des Textes.
Die Erzählung Kafkas „Vor dem Gesetz“ handelt von einem Mann vom Lande, der von weit her gekommen ist und den Türhüter um Einlass in das Gesetz bittet. Dieser verwehrt ihm jedoch vorerst den Eintritt. Daher setzt sich der Mann vor den Eingang des Gesetzes und verbringt dort viele Jahre, in der Hoffnung, irgendwann eintreten zu dürfen. Als sein Lebensende naht, muss er erkennen, dass der Eingang die ganze Zeit nur für ihn allein bestimmt war und der Torhüter diesen nun schließt.
Es besteht eine Verbindung zwischen der ersten Aussage des Türhüters „Es ist möglich [in das Gesetz einzutreten], jetzt aber nicht“ und seiner letzten Aussage „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn“. Der Torhüter hält mit der Aussage des Möglichen die Option offen, dass der Mann vom Lande in das Gesetz eintreten kann, die Zeit jedoch noch nicht reif dafür sei. Das Tor ins Gesetz ist demnach für den Mann vorbestimmt, es komme aber auf den richtigen Zeitpunkt an. Am Ende muss der Mann erkennen, dass er diesen Zeitpunkt verpasst hat und sich mit seinem Tod auch die Tür zum Gesetz schließt.
Die Türe wäre jederzeit für den Mann offen gewesen, sofern er dies nur erkannt hätte. Alles was er hätte tun müssen, wäre das Ablegen seiner Höflichkeit gegenüber dem Türhüter gewesen.
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Dass er von diesem nicht aufgehalten worden wäre, zeigt die beinahe schon herausfordernde Aussage des Türhüters „Wenn es dich so lockt, versuche es doch trotz meines Verbotes hineinzugehn“. Alles deutet darauf hin, dass der Türhüter lediglich eine Personifizierung des Gewissens des Mannes darstellt und das Gesetz frei von jeglicher Einschränkung ist. Einzig in der Sichtweise des Mannes besteht eine Barriere zwischen ihm und dem Gesetz. Dabei ist das Gesetz an sich selbständig und willkürlich. Es existiert einzig und allein in seiner Rechtmäßigkeit und Ganzheit.
Die Wesensmerkmale des Gesetzes sind in dem Text deutlich erkennbar. Das Gesetz steht jedem offen und dennoch benötigt es vor seinen Türen einen Türhüter, der jedoch vom Menschen selbst geschaffen ist. Das Gesetz erscheint daher rätselhaft und unantastbar, es wirkt wie ein großes Geheimnis und erweckt solch fesselnde Neugierde, dass der Mann sein restliches Leben vor dem Eingang der Tür verbringt. Diese Faszination des Gesetzes wird von dem Türhüter in seinen Aussagen noch unterstützt („von Saal zu Saal stehen Torhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich ertragen“).
Da der Mann die wahre Bedeutung des Gesetztes nicht zu erkennen vermag, richtet er seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Türhüter und vernachlässigt dabei sein eigentliches Ziel. Für ihn ist der Türhüter das nächste Ziel, welches zu überwinden geht und so verliert er sich immer mehr in der Aufgabe, wie er den Türhüter nun von seinem Eintreten in das Gesetz überzeugen könnte. Mit dieser Abwendung vom Gesetz und Hinwendung zu weltlichen Dingen wird deutlich, dass der Mann vom Lande (
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Arbeit zitieren:
Kai Nellinger, 2006, Essay zu: Franz Kafka - Vor dem Gesetz, München, GRIN Verlag GmbH
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