Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG - 3 -
1.1 FRAGESTELLUNG. - 3 -
1.2 LITERATUR. - 4 -
1.3 DIE SERIE ALS VORBILD. - 5 -
2. DIE SINGLE-FRAU - DAS UNBEKANNTE WESEN - 7 -
2.1 DEFINITION - 7 -
2.2 DER SINGLE - EIN PHÄNOMEN DER NEUZEIT? - 9 -
2.3 WIE VIELE SINGLES GIBT ES? - 11 -
3. URSACHEN DES SINGLE-FRAUE-NTRENDS. - 14 -
3.1 INDIVIDUALISIERUNG - 14 -
3.2 URSACHEN DES SINGLE-FRAUE-NTRENDS IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND. - 15 -
3.2.1 Sozioökonomische Rahmenbedingungen - 16 -
3.2.2 Normen- und Wertesystem der Gesellschaft - 18 -
3.2.3 Beziehungen zwischen den Geschlechtern. - 20 -
3.2.4 Wandlung der Auslebung individueller Bedürfnisse. - 23 -
4. LEBENSWEISE VON SINGLE-FRAUEN. - 23 -
4.1 LEBENSLAGE - 24 -
4.2 WERTPRÄFERENZEN. - 26 -
4.3 LEBENSZUFRIEDENHEIT. - 26 -
4.4 KONSUM- UND FREIZEITORIENTIERUNG - 27 -
4.5 LEBENSRAUM. - 29 -
4.6 SOZIALE NETZWERKE - 30 -
4.7 DIE SEXUALITÄT - 31 -
4.8 SINGLE-PHASE ODER LEBENSLANGES SINGLETUM? - 33 -
5. FOLGEN DES SINGLE-FRAUEN TRENDS. - 34 -
5.1 DER SINGLE EINE ZUMUTUNG FÜR WOHNUNGSMARKT, UMWELT UND DEN SOZIALSTAAT?
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5.2 KINDERLOSE SINGLE-FRAUEN ALS BEDROHUNG FÜR DIE NACHFOLGENDE GENERATION ?- 36 -
5.3 SINGLE- FRAUEN ALS BEREICHERUNG FÜR DIE FÜHRUNGSEBENE? - 39 -
6. GENERATION „SEX AND THE CITY“ UND KEIN ENDE? - 40 -
7. QUELLE-N UND LITERATURVERZEICHNIS - 43 -
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1. Einführung
1.1 Fragestellung
Die Zeiten in denen Linda de Mol glückliche Paare in der Show Traumhochzeit präsentierte, sind vorbei. Die moderne Frau sitzt nun am Dienstagabend vor dem Fernseher und schaut Sex and the City. Vier Single-Frauen in New York lösen Heiratsanträge und Hochzeiten im Abendprogramm ab. Verfolgt man die allgemeine Diskussion in den Medien, so könnte man tatsächlich glauben, dass heiraten out und das Single Dasein in ist.
Vom Single-Boom wird gesprochen, einem Rückgang der Heiratszahlen und die Folgen dessen werden als verheerend dargestellt. Ein Heer von Einzelkämpfern statt solidarischer Gemeinschaft, Egoismus und Ellenbogengesellschaft statt Nächstenliebe und gegenseitige Unterstützung, Spaßgesellschaft statt Kinderlachen und die Alterung der Gesellschaft werden prophezeit. Doch warum kam es in unserer Gesellschaft zu dieser Entwicklung und sind die Folgen wirklich so verheerend? Diesen Fragen soll diese Arbeit nachgehen, wenngleich sie sich auf die Single-Frauen begrenzt.
Beachtet man die Aussage Hradils, so scheint es wenig interessant die Single-Frauen getrennt zu untersuchen, da die „geschlechtsspezifischen Unterschiede in vieler Hinsicht geringer sind als die Unterschiede zwischen Singles und gleichaltrigen Nicht-Singles.“ 1 Ist es also wirklich sinnvoll die Single-Frauen als gesonderte Gruppe zu betrachten? Es spricht zumindest vieles dafür. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben einen Wandel herbeigeführt, welcher insbesondere die Lebensformen und Lebensweisen der Frauen verändert hat. Als konsequenteste Veränderung stellt sich dabei die Lebensform des Singles bei Frauen dar. Frauen, welche sich in ihren Eigenschaften im Zuge der Gleichberechtigung immer mehr den früher spezifisch männlichen Merkmalen (hohes Bildungsniveau, hohes Einkommen, hohe Berufskategorie) angenähert haben, weisen heutzutage eine geringere Familienneigung auf. Wären sie im Sinne der traditionellen Arbeitsteilung in der Familie verblieben, so gäbe es die Lebensform des Singles vermutlich (fast) gar nicht. Nur weil sie aus ihrer traditionellen Rolle ausgebrochen sind, wird das Thema Single folglich erst relevant. Genau um diese Frauen soll es in dieser Arbeit gehen, Single-Frauen wie die vier Charaktere der Serie Sex and the City.
Der Titel Generation Sex and the City wurde gewählt, weil man bei den Frauen, welche von den im Folgenden untersuchten Ursachen betroffen sind, erstmals von einer Generation sprechen kann. Mit dem Einsetzen der maßgeblichen gesellschaftlichen Veränderungen vor etwa 30 - 40 Jahren
1 Hradil, Stefan (1995): „Die ‘Single-Gesellschaft’“, Beck Verlag, München S.46.
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befindet sich nun die erste Generation 2 von Frauen, die mit dem Selbstverständnis der Veränderungen aufgewachsen sind, im Familienalter, also einer Phase, in der man normalerweise eine Familie gründet oder bereits gegründet hat. In diesem Alter lassen sich jetzt jedoch vermehrt Frauen verzeichnen, die wie die Serienheldinnen Singles sind, folglich keine Familie gegründet haben und in Zukunft wahrscheinlich auch nicht gründen werden.
Der außerdem im Titel verwendete Begriff des Single-Frauen-Trends soll im Rahmen dieser Arbeit nicht als eine in Mode gekommene Lebensform, sondern lediglich als eine Entwicklung in Richtung der Lebensform des Singles bei Frauen verwendet werden.
Dem Hauptteil vorangestellt ist eine kurze Darstellung des allgemeinen Forschungsgegenstandes des Singles. Im Anschluss daran erfolgt im zweiten Kapitel eine Untersuchung der spezifischen Ursachen, welche in ihrer Kombination zu einem Anstieg der Lebensform des Single geführt haben. Hier sollen insbesondere die Veränderungen für Frauen im Vordergrund stehen. Unterteilt werden die Ursachen schematisch, wenngleich eine solche Unterteilung auf Grund der enormen Verknüpfung kaum möglich ist. Sie soll jedoch der Überschaubarkeit dienen, ohne wichtige Informationen zu unterschlagen. Im weiteren Verlauf soll die spezifische Lebensweise von Singlefrauen näher untersucht werden. Diese werden innerhalb dieser Arbeit weder explizit als Ursache noch als Folge aufgefasst, da ihre Kausalität nicht eindeutig festgestellt werden kann. Im Anschluss daran werden die Konsequenzen des Single-Frauen Trends betrachtet. Dabei soll die Diskussion gesellschaftlich relevanter Fragestellungen in diesem Kapitel im Vordergrund stehen. Die Überschriften sind deshalb in jedem Fall als Fragen formuliert, um deren Zutreffen innerhalb der Kapitel zu erörtern. Abschließend erfolgt eine Prognose über die zukünftige Entwicklung des Single-Frauen-Trends.
1.2 Literatur
Die Literatur zum Thema dieser Arbeit ist durchaus als umfangreich zu bezeichnen. Dennoch müssen hier zwei Defizite betont werden, die die Bearbeitung des Themas maßgeblich erschwerten. Zum einen ist der Grossteil der vorhandenen Fachliteratur Ende der 80er/ Anfang der 90er Jahre verfasst worden und somit in diesem Zusammenhang als veraltet zu betrachten. Der immer noch nicht abgeschlossene Prozess der Individualisierung ist heutzutage wesentlich fortgeschrittener. Daraus ergeben sich einerseits Defizite bezüglich der vorhandenen statistischen Angaben, da diese stark veraltet und heute vermutlich kaum mehr zutreffend sind. Zum anderen könnte es zu Einschätzungen oder Erkenntnissen der Autoren gekommen sein, die der gegenwärtigen Lage nicht
2 Die durchschnittliche Abstandsfolge zwischen 2 Generationen wird beim Menschen auf etwa 25 Jahre angesetzt,
„Generationszeit“ Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001.
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mehr entsprechen, jedoch durch das Fehlen ausführlicher, aktueller Literatur nicht selektiert werden konnten. Um diesen Mängeln entgegenzutreten wurde vermehrt auf Internetquellen zurückgegriffen. Diese lieferten jedoch meistens nur sehr oberflächliche Informationen. Grund für das weichende Interesse von Wissenschaft am Untersuchungsgegenstand des Singles ist nicht der zahlenmäßige Rückgang der Lebensform des Singles, vielmehr ist die gesellschaftliche Normalität und Akzeptanz, welche die Lebensform des Singles mittlerweile gewonnen hat als Ursache zu vermuten, wie auch Stich es in ihrer 2002 erschienen Untersuchung feststellte. 3 Als zweites Problem erwies sich die in Kapitel 2.1 diskutierte, unterschiedliche begriffliche Auffassung des Singles. Die verschiedenen Untersuchungskonzepte waren dementsprechend nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichbar, wobei jedoch eine Fehleinschätzung nicht ausgeschlossen werden kann.
In dieser Arbeit wurden vor allem die Werke von Hradil, Küpper und Stich verwendet. Keines dieser Werke bezieht sich direkt auf den hier betrachteten Forschungsgegenstand der Single-Frauen, dennoch liefern sie umfassende und detaillierte Informationen, welche vielfach in diese Arbeit eingebracht wurden. Das Werk Hradils ist eine umfangreiche Auswertung empirischer Daten und eine Prognose des Single-Themas und diente vor allem zur Erklärung der Lebensweise. Die Studie Küppers, die Singles und Paare anhand verschiedener Kriterien vergleicht, war vor allem für die theoretische Vorarbeit, also Definition und Geschichte des Singles, hilfreich. Der Forschungsbericht von Stich über ihre Studie von Alleinlebenden im jungen und mittleren Lebensalter bot insbesondere im Bereich der Ursachen des Alleinlebens vielseitige Erklärungen.
1.3 Die Serie als Vorbild
„Es war einmal eine kleine Insel, auf der vier intelligente, wunderschöne Frauen lebten, die sehr eng miteinander
befreundet waren. Carrie Bradshaw war Journalistin und protokollierte in ihrer beliebten New York Star-Kolumne ‘Sex
and the City’ den Kampf der Geschlechter. Charlotte York war Galeristin und glaubte, einen Mann angelt man sich am
besten, indem man sich an gewisse Grundsätze hält. Die PR-Beraterin Samantha Jones vertrat die Meinung, dass
Frauen auf die gleiche Art Sex haben können wie Männer. Anwältin Miranda Hobbes war von der Würdelosigkeit
genervt, wollte sich jedoch nicht mit weniger zufrieden geben, als sie verdiente. Zwei Frauen waren blond, eine brünett,
und die vierte hatte feuerrote Haare. Doch eines hatten alle gemeinsam: Keine von ihnen hatte bisher den richtigen
gefunden. [...] Manchmal konnte man kaum glauben, dass vier so völlig unterschiedliche Frauen überhaupt
Freundinnen werden konnten. [...] Aber schließlich wohnten sie auf der einen schillernden Insel der Welt, auf die die
verschiedenartigsten Typen auf merkwürdige Weise zueinander finden. Eine Insel, mit so vielen männlichen Singles,
dass sie einen ‘Mann’ im Namen trägt. Diese Insel heißt.... Manhattan.“ 4 Die Hauptdarstellerinnen der Serie, die einen regelrechten Single-Kult hervorgerufen hat, spiegeln das idealtypische Bild der hier betrachteten Single-Frauen wieder. Sie sind gebildet, erfolgreich, finanziell unabhängig, ohne einen festen Partner und ohne Kinder, wohnen in einer schillernden Großstadt, gestalten obendrein und ganz frei von gesellschaftlichen Zwängen ihr individuelles
3 Vgl. Stich, Jutta (2002): „Alleinleben- Chance oder Defizit“, Leske und Budrich, Opladen, S.18.
4 Sohn, Amy (2004): „Sex and the City - Kiss and Tell“, Schwarzkopf&Schwarzkopf, Berlin, S.11-13.
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Sexualleben und verbringen ihre wertvolle Freizeit gern beim Shopping oder quatschen im Cafe´ mit ihren Freundinnen.
Durch Studien wurde belegt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Lebensweise der durchschnittlich drei Millionen Zuschauer und dem der Serienheldinnen gibt. Demnach sind „gebildete, beruflich ambitionierte Großstadtfrauen zwischen 20 und 30 Jahren, die einen unkonventionellen Lebensstil pflegen [...]“ 5 als Stammpublikum der erfolgreichen Serie zu bezeichnen.
Die Serie Sex and the City ist folglich als Konsequenz der spezifischen Lebensweise, welche in Städten wie New York seine Überspitzung und in der Serie seine Idealisierung gefunden hat, zu sehen. Im Gegenzug sorgte die Serie wiederum auch zu einer weiteren Verbreitung der Lebensweise. So behauptet Professor Henner H.J. Ertel vom G.R.P. Institut: „Einen so hochsignifikanten direkten Einfluss einer Serie auf nahezu jeden Aspekt des weiblichen Lebens habe er noch nie so deutlich in einer repräsentativen Studie messen können.“ 6 Als deutlich überspitzt kann man das Leben der Seriendarstellerinnen durchaus bezeichnen. „In den drei Serienjahren hat das Quartett immerhin 154 Männer auf Herz und Lenden überprüft, wobei 66 Prozent der deutschen Frauen zwischen 20 und 40 Jahren nach einer aktuellen Forsa-Umfrage gerade mal einen bis fünf Sexualpartner gehabt hätten.“ 7 Und Carrie Bradshaw, die Hauptdarstellerin der Serie, gibt einer Rechnung zufolge in der Serie etwa 235.000 Dollar jährlich für Miete, Mode, Taxis und Restaurants aus, wobei sie im realen Leben als Kolummnistin nur rund 50.000 Dollar verdienen dürfte. Und: kein Detail über Sex geht ihnen nicht über die Lippen: „Anal-oder Oralpraktiken [...], Penisgrößen, graue Schamhaare und männliche Potenzprobleme [...]“ 8 . Witzige und schlagfertige Dialoge über Beziehungen und Sex, gepaart mit dem Glamour und dem Lifestyle der neuen Single-Frau und einem kritischen Umgang mit den (Beziehungs-) Fragen unserer Zeit machte die Serie zu einem Erfolg in den USA und in Europa.
Die Arbeit soll zeigen, dass Frauen wie die Darstellerinnen der Serie kein reines Klischee sind. Sie erläutert die Ursachen für das Aufkommen der Lebensform des Singles bei Frauen und deren Folgen bezüglich der Entstehung der hier beschriebenen Lebensweise.
5 Bender, Silke (o.J.): „Die Botschaft lautet: Schaut! Uns! An! - Noch nie hatte eine TV-Serie so viel Einfluss aus das
weibliche Leben wie ‘Sex and the City’“, SonntagsZeitung (Schweiz)
URL:http://www.sonntagszeitung.ch/dyn/news/trend/436140.html (Stand 09.07.2005).
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Ebd.
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2. Die Single-Frau - das unbekannte Wesen
2.1 Definition
Wenn man jemandem in einem Gespräch unter Freunden als Single tituliert, bedarf es der Bedeutung keiner weiteren Erklärung. Dieser Begriff wird im Alltag ganz gebräuchlich und unmissverständlich verwendet. Die Personengruppe, welche der Single-Begriff im alltagstheoretischen Verständnis meint, zeichnet sich vor allem durch die Partnerlosigkeit aus. Ganz anders jedoch sieht es aus, wenn man sich in das Feld der Single-Forschung begibt. Es erfolgt nicht nur mit jedem Werk eine neue Definition, sondern auch die Auffassungen über den Forschungsgegenstand differieren sehr. So beklagen die Wissenschaftler selbst: „Die ‘Single’-Forschung weiß offenbar so recht nicht, worüber sie eigentlich spricht und worin ihr Forschungsgegenstand besteht.“ 9
Doch warum hat die Wissenschaft ein solches Problem mit einem Begriff, der im alltagstheoretischen Verständnis klar definiert ist?
Das Dilemma des Begriffs ist, in den Augen vieler Wissenschaftler, das schier unmessbare Kriterium der Partnerlosigkeit. Dieses rein subjektive Kriterium, über das individuell sehr unterschiedliche Auffassungen bestehen können, erscheint der Wissenschaft scheinbar zu ungenau. Eine weitere Barriere ist die Abgrenzung der Grundgesamtheit. Um diese bestimmen zu können, müssen gewisse Altersbegrenzungen vorhanden sein. Innerhalb des alltagstheoretischen Verständnisses gibt es solche Begrenzungen nicht, wenngleich eine „natürliche“ Begrenzung ganz selbstverständlich vorhanden ist. Niemand würde einen 11-jährigen Jungen oder eine 90-jährige Witwe als Single bezeichnen, wenngleich ein Interesse an einem Partner nicht ausgeschlossen werden kann.
Um jeglicher statistischer Unschärfe aus dem Weg zu gehen, wird als Messkriterium des Singles häufig der Einpersonenhaushalt und/oder der Familienstand verwendet. Hinter der statistischen Größe des Einpersonenhaushalts und des Familienstands tummelt sich jedoch eine Vielzahl von Lebensformen, welche nicht mit dem Single-Begriff identisch sind. So leben in Einpersonenhaushalten zu einem großen Teil verwitwete Frauen und auch Ehepaare, welche aus beruflichen Gründen in verschiedenen Städten wohnen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der Familienstand ist ebenso wenig ein Kriterium, werden unter dem Begriff der ledigen auch jene zusammengefasst, welche einen Partner haben, diesen aber nicht heiraten. Angesichts dessen wird deutlich, welche Defizite die Definition Hradils aufweist. Er bezeichnet innerhalb seiner Untersuchung „alle diejenigen als ‘Singles’, die 25 bis unter 55 Jahre alt sind und
9 Bachmann, Ronald (1992): „Singles“, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main S.28.
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alleine leben und haushalten.“ 10 Die Partnerlosigkeit, so erläutert er die Definition, sei unerheblich. Nebensächlich ist ebenso, ob diese Personen Kinder außerhalb des eigenen Haushaltes haben. Leben diese jedoch innerhalb des eigenen Haushaltes, so ist es kein Einpersonenhaushalt mehr und die Bezeichnung des Singles ist nicht mehr gerechtfertigt. Nach Hradil sind diese Personen alleinerziehend, wenngleich er einräumt, dass Alleinerziehende mit Singles so viel gemeinsam haben, dass man sie als Singles mit Kind bezeichnen könnte. 11
Auch der engere Single Begriff Hradils gestaltet sich sehr schwierig. Den Kriterien des Alters und des Einpersonenhaushalts wird die Partnerlosigkeit und der Wille zum Alleinleben hinzugefügt. 12 Zwar enthält diese Definition das Kriterium der Partnerlosigkeit, dennoch entrückt sie sich noch einmal stark vom eigentlichen Single. Die Freiwilligkeit des Alleinlebens ist im alltagstheoretischen Verständnis ebenso wenig erheblich, wie die Wohnform und der Familienstand. Beachtet man den Anteil der Singles, der tatsächlich freiwillig allein ist, wird schnell klar, warum auch die Freiwilligkeit kein gutes Kriterium ist. Nur bei 23% der Singles ist der Wunsch nach einer Partnerschaft überhaupt nicht oder deutlich wenig vorhanden. 13 Das Problem ist klar: Regen oder Traufe, Messbarkeit oder Gegenstandsnähe. Die Einzige Möglichkeit sich dem Begriff zu nähern, ist scheinbar das Verlassen des Bereichs der Soziologie. Für Psychologen steht nämlich das Kriterium der Partnerlosigkeit im Mittelpunkt, wenn es darum geht, den Single zu bestimmen. Dieses äußerst subjektive Kriterium ist zwar, wie bereits erwähnt, stark beeinflusst von den individuellen Auffassungen über eine Partnerschaft. Für Psychologen stellt dies dennoch kein Hindernis dar, es gerade deshalb zu untersuchen. 14 „In Einzelfällen weichen selbst staatliche Institutionen von rein objektiven Kriterien ab: Ob zwei Personen als Wohngemeinschaft zusammenleben oder ein Paar sind, ist für Sozialkassen das ausschlaggebende Kriterium für eine Unterstützung durch den Staat. In diesem Fall werden also die subjektiven Angaben von Personen über deren Beziehung zu anderen Menschen durchaus als ‘objektive’ behandelt und als valides Kriterium betrachtet.“ 15 Anhand der eben genannten Betrachtungen entschließt sich Küpper ihre Untersuchung an das Kriterium der Partnerlosigkeit zu binden. Wenngleich dieses für so manchen Soziologen zu ungenau erscheint, ist es dennoch das einzige, welches den Begriff des Singles eindeutig widerspiegelt. Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich die im Rahmen dieser Arbeit verwendete
10 Hradil: „Die ‘Single-Gesellschaft’“, S.7.
11 Vgl. Ebd. S.9.
12 Vgl. Ebd. S.9.
13 Vgl. Parship.de Single Studie Media Summary, S.15.
14 Vgl. Küpper, Beate (2000): „Sind Singles anders als die anderen? Ein Vergleich von Singles und Paaren“,
Inaugural - Dissertation an der Ruhr- Universität in Bochum, URL: http://www-brs.ub.ruhr-unibochum.de/netahtm/HSS/Diss/KuepperBeate/diss.pdf (Stand 24.07.2005) S.15.
15 Ebd. S.16.
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Definition des Singles. Als Single in der allgemeinen Definition betrachte ich, in Übereinstimmung mit der Definition von Küpper, Personen, welche sich im beziehungsfähigen Alter befinden, jedoch keinen festen Partner haben. 16 Im Rahmen dieser Arbeit soll speziell auf einen ganz bestimmten „Single-Frauen-Typen“ eingegangen werden. Zu diesem Zweck wird dieser hier spezifisch benannt. Frauen, die innerhalb dieser Arbeit im engeren Sinne als „Singles“ bezeichnet werden, sind der idealtypische weibliche Single 17 , also alleinstehend und kinderlos im jungen und mittleren Lebensalter.
2.2 Der Single - Ein Phänomen der Neuzeit?
Der Rückblick auf die Geschichte der Singles ist überaus beschwerlich. Dies liegt nicht nur daran, dass statistische Aufzeichnungen aus der Vergangenheit etwas ungenau und äußerst selten sind, auch die im Kapitel 2.1 diskutierte Unklarheit über den Forschungsgegenstand lässt die Literatur zu völlig verschiedenen Schlüssen kommen. Bachmann und Hradil beispielsweise kommen zu dem Ergebnis, dass der Single ein historisch neues Phänomen ist. 18
Küpper hingegen zeigt in ihrer Darstellung, dass es zu früheren Zeiten durchaus Lebensphasen (im beziehungsfähigen Alter) gab, welche von vielen als Singles durchlebt wurden oder durchlebt werden mussten. 19
Bleibt also immer noch die Frage: Ist der Single wirklich ein historisch neues Phänomen? Die Ehe genoss in allen Epochen vor unserer Zeit eine große Bedeutung. Doch während man zu Zeiten des römischen Reiches beispielsweise auch die nichteheliche Paarbeziehung (Konkubinat) gesellschaftlich anerkannte, war diese Lebensweise während der Christianisierung später kaum möglich. Verheiratete standen gesellschaftlich über den Ledigen. Die Kirche postulierte zudem eine strenge Moral und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der meisten Menschen machten es ihnen unmöglich allein zu leben. Lediglich junge Männer (Junggesellen) und junge Witwen lebten als Ergebnis der Heirat von jungen Mädchen mit 10 bis 15 Jahre älteren Männern im Sinne der Partnerlosigkeit allein. Frauen waren ebenfalls aus finanziellen Gründen häufig dazu gezwungen schnell wieder zu heiraten. Single-Frauen gab es allenfalls als unverheiratete Dienerinnen, Konkubinen oder Prostituierte. 20
16 Vgl. Ebd. S.16.
17 Vgl. Schmitz-Köster, Dorothee (1993): „Frauensolo - Eine selbstbewusste Lebensform“, Rowohlt Taschenbuch
Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, S.74.
18 Vgl. Bachmann: „Singles“, S. 51 sowie Hradil: „Die ‘Single-Gesellschaft’“, S. 17. Bachmann bezieht sich auf das
Single Leben im Familienlebensalter (also zwischen 30 und 40 Jahren) und Hradil auf die Existenz von
Einpersonenhaushalten.
19 Vgl. Küpper: „Sind Singles anders als die anderen?“, S.32-40.
20 Vgl. Ebd. S.32/33.
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Arbeit zitieren:
B.A. Janin Zippel, 2005, Generation Sex and the City - Ursachen und Folgen des Single- Frauen-Trends, München, GRIN Verlag GmbH
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