Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung 3
2. Zur Person Ronald Hitzlers 5
3. Identität in vormodernen Gesellschaften 7
4. Individualisierung als Vorraussetzung der Bastelexistenz. 9
5. Identität in modernen Gesellschaften 11
5.1 „Die zersprungene Einheit der Welt’“ 11
5.2 Bastelarbeiten 12
5.3 posttraditionale Vergemeinschaftung 15
5.4 Lebensstil, Massenkultur, Normalität 17
6. Kritische Betrachtung des Identitätskonzepts der Bastelexistenz 20
7. „Fatale Aussichten?“ 22
8. Literaturverzeichnis. 24
2
1. Vorbemerkung
„Persönlichkeit, etwas was mich ausmacht, was mich kennzeichnet, mich charakterisiert, ja irgendwie so.“ (Annegret Mueller)
„Ich weiß nicht wer ich bin, und Gegenfrage: ist es überhaupt wichtig zu wissen wer ich bin oder ist es nicht eher von Bedeutung wohin ich gehe. Was ich bin ändert sich und ist für jeden etwas anderes, wie soll man aus dem Subjektiven Identität schöpfen.“ (Meggie)
„Identität= Übereinstimmung zwischen Spiegelbild und Paßbild bei einer maximalen
Die Frage danach, was die Identität eines Menschen ausmacht, ist im alltagstheoretischen Diskurs, wie dieser kleine Ausschnitt zeigt, sehr kontrovers und stark vermengt mit ähnlichen Begriffen wie die des Charakters oder der Persönlichkeit. So erscheint es fast Ironisch, dass ein Begriff, welcher seiner Übersetzung aus dem lateinischen nach vollkommene Gleichheit bedeutet, auch im wissenschaftlichen Bereich, einmal abgesehen von der mathematischen Definition, alles andere besitzt als eine einheitliche Auffassung darüber was ihn ausmacht.
Auch innerhalb der Soziologie gibt es eine Vielzahl von klassischen bis modernen Ansichten darüber, was die Identität eines Menschen bestimmt und wie sie sich konstituiert. In dieser Arbeit soll das als modern einzuordnende Identitätskonzept der Bastelexistenz von Ronald Hitzler näher betrachtet werden.
Um das Modell umfassend darzustellen erfolgt nach einer kurzen Einführung zur Person Ronald Hitzlers im dritten Kapitel zunächst die Erläuterung seiner Auffassung über Identität in vormodernen Gesellschaften, da ihm diese innerhalb seines Konzepts der Bastelexistenz immer wieder als Vergleichspunkt dienen. Im darauf folgenden vierten Kapitel werden die groben Züge des von
1 Antworten einer E-Mail Befragung zum Thema: „Wie definierst du Identität?“ URL: http://www.glaubensversuche.de/experience/kleinehistorie/identitaet/index.html (Stand 12.03.06).
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Ulrich Beck geprägten Begriffs der Individualisierung erläutert, da diese als conditio sine qua non der Hitzlerschen Bastelidentität bezeichnet werden kann. Das fünfte Kapitel stellt den Hauptteil dieser Arbeit da und befasst sich mit den Einzelheiten des Identitätskonzepts der Bastelexistenz. Im Anschluss daran erfolgt eine kritische Betrachtung des Modells sowie im letzten Kapitel ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Identität nach Hitzler.
Das Modell stützt sich im Wesentlichen auf das dritte Kapitel der bereits 1988 veröffentlichte Arbeit Sinnwelten 2 von Ronald Hitzler. Weitere Monographien sind diesem Thema nicht gewidmet. Lediglich einige Aufsätze in Sammelbänden oder Fachzeitschriften befassen sich mit dem Thema der Bastelexistenz. Zwar betrachtet Hitzler sein Konzept in den Aufsätzen unter verschiedenen Gesichtspunkten, wie zum Beispiel die Bedeutung der Bastelexistenz für die Religion 3 , der ursprünglichen Theorie wird hier allerdings nur wenig hinzugefügt.
2 Hitzler, Ronald (1988): Sinnwelten, Ostdeutscher Verlag: Opladen.
3 Vgl. Hitzler, Ronald (1999): Individualisierung des Glaubens - Zur religiösen Dimension der Bastelexistenz. In: Honer, Anne/ Kurt, Ronals/ Reichertz, Jo: Diesseitsreligion - Zur Bedeutung moderner Kultur, Konstanz: Universitätsverlag, S. 351-368.
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2. Zur Person Ronald Hitzlers
Ronald Hitzler wurde am 4. März 1950 in Königsbronn geboren. 1971/72 absolvierte er an der Universität Konstanz zunächst ein integriertes sozialwissenschaftliches Grundstudium und schloss dort 1978 auch das Studium von Soziologie, Politikwissenschaften und Philosophie mit dem Titel des Magister Artium (M.A.) ab. Nach seinem Studienabschluss war er zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft bzw. als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten tätig. Er blieb bis 1982 an der Universität Konstanz am Lehrstuhl Kultur, Kommunikation und Methodologie, war danach tätig an der Universität Bamberg am Lehrstuhl Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland bei Peter Gross und dann zwischen 1985 und 1989 am Forschungsinstitut für Soziologie an der Universität Köln tätig. In dieser Zeit promovierte er an der Universität Bamberg. Seine Gutachter waren Peter Gross und Ulrich Beck. Von 1989 bis 1996 war er weiterhin an Universitäten im Fachbereich Soziologie tätig. Zunächst bis 1992 als Assistent von Ulrich Beck an der Universität Bamberg und dann folgte er ihm an die Universität München wo er Ulrich Beck 1995 zeitweise vertrat. 1995 Habilitierte Hitzler an der Freien Universität Berlin. Neben Friedhelm Neidhardt, Hans-Georg Soeffner und Dietmar Kamper war wiederum Ulrich Beck Gutachter seiner Habilitationsschrift. Seit 1997 ist er an der Universität Dortmund in der Professur (C4) in verschiedenen Fachbereichen der Soziologie tätig. 4
Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen vor allem in der Auseinandersetzung mit der Bastelmentalität sowie mit Jugendszenen. Dies spiegelt sich auch in seinen veröffentlichten Monographien wieder. Denn neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze in Fachzeitschriften und Beiträge in Sammelbänden veröffentlichte Hitzler lediglich zwei Monographien. Zum einen das bereits 1988 veröffentlichte Buch Sinnwelten 5 , welches in dieser Arbeit als
4 Vgl. Lebenslauf Ronald Hitzler auf www.ronald-hitzler.de S.1/2.
5 Hitzler: Sinnwelten.
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Grundlage zur Beschreibung seines Modells der Bastelexistenz dient und zum anderen das 2001 in Zusammenarbeit mit Thomas Bucher und Arne Niederbacher veröffentlichte Buch mit dem Titel Leben in Szenen - Formen jugendlicher Vergemeinschaftung heute 6 in dem er sich theoretisch und empirisch mit Jugendszenen auseinandersetzt.
Seine Theorie der Bastelexistenz ist zudem stark beeinflusst von den Theorien Peter Gross´ und Ulrich Becks. So stellt sich die Beck´sche Individualisierungstheorie als Grundstein der Bastelexistenz dar, das heißt die Existenz des Bastlers ist nur unter Individualisierungsbedingungen möglich. Auch die wissenschaftlichen Ansätze von Peter Gross spielen eine große Rolle innerhalb seiner Theorie, was nicht nur durch den bereits 1985 von Peter Gross veröffentlichten Aufsatz: „Bastelmentalität: ein ‘postmoderner’
Schwebezustand?“ 7 deutlich wird. So sagt Hitzler selbst: „Sein Vor-Denken hat sich über die Jahrzehnte so tief in mein Bewusstsein eingegraben, dass die Ideen von Peter Gross meine eigenen Überlegungen längst eher rhizomartig durchwuchern als dass sie noch ‘ordentlich’ als die seinen identifizierbar oder gar aus- noch nachweisbar wären.“ 8 Und so überschneiden sich die Theorien Hitzlers und Gross´ noch wesentlich mehr als in der Auffassung des Menschen als zoon politicon, also des Menschen als Gemeinschaftswesen, um nur ein Beispiel zu nennen. 9
6 Hitzler, Ronald/ Bucher, Thomas/ Niederbacher, Arne (2001): Leben in Szenen - Formen jugendlicher Vergemeinschaftung heute, Leske + Budrich: Opladen.
7 Gross, Peter: Bastelmentalität (1985): Ein „postmoderner“ Schwebezustand?, In: Schmid, Thomas (Hrsg.): Das pfeifende Schwein -Über weitergehende Interessen der Linken, Verlag Klaus Wagenbach: Berlin, S. 63-84.
8 Hitzler, Ronald (2001): Existenzbastler als Erfolgsmenschen. Notizen zur Ich-Jagd in der Multioptionsgesellschaft. In: Brosziewski, Achim/ Eberle, Thomas S./ Meader, Christoph (Hrsg.): Moderne Zeiten. Reflexionen zur Multioptionsgesellschaft, UVK-Verlag: Konstanz, S:183-198, S. 183
9 Vgl. Ebd. S. 184.
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3. Identität in vormodernen Gesellschaften
Ronald Hitzler stellt seiner Theorie der Bastelexistenz eine kurze Darstellung der Identität in vormodernen Gesellschaften voran. Er unterscheidet hierbei den Begriff vormodern die archaische und die traditionelle Gesellschaften.
Unter archaischen Gesellschaften versteht Hitzler insbesondere Kulturen ohne Schrift. 10 Identität ist hier eine tradierte und sozial vorgegebne Verortung des Menschen in der Gemeinschaft, zu der auch tote Menschen sowie Pflanzen, Tiere und natürlich Götter gehören. Das Leben archaischer Menschen fand demnach vorrangig in der Öffentlichkeit statt. Die Wirklichkeit konstituierte sich über Mythen. Das Wirklichkeitsverständnis kannte kein System von Kausalitäten und die Ordnung der Gemeinschaft schien somit ständig bedroht durch Veränderungen und Unregelmäßigkeiten von außen. Auch überlebensnotwendige Eingriffe konnten nur durch Rituale oder Bräuche wieder ausgeglichen werden. 11 Das Leben des Einzelnen in archaischen Gesellschaften ist demnach „insgesamt in einem Sinn-Zusammenhang verankert, - in einem Sinn-Ganzen, das alle Ereignisse und Erscheinungen umfasst.“ 12
Traditionelle Gesellschaften, die Hitzler als vormoderne Gesellschaften mit Schrift definiert, sind ebenso wie archaische Gesellschaften relativ stabil. Aber „der Numinose Bereich ist nun ‘transzendent’, das heißt er ist über die Welt herausgehoben und ‘wirkt’ auf diese ein.“ 13 Die vorhandene, hierarchischfunktionale Ordnung wird nun nicht mehr allgegenwärtig bedroht, sondern das was sie bedroht ist im Prinzip des Bösen selektiert. Alle Bereiche des Lebens sind durch den göttlichen, von einer politisch-religiösen Elite ‘vermittelten’ Willen bestimmt. 14
10 Vgl. Hitzler, Ronald (2003): Die Bastelgesellschaft. In: Prisching, Manfred (Hrsg.): Modelle der Gegenwartsgesellschaft, Passagen-Verlag: Wien, S.65-80, S.66.
11 Vgl. Hitzler: Sinnwelten, S.119.
12 Hitzler: Die Bastelgesellschaft, S.66.
13 Ebd. S.66.
14 Vgl. Hitzler: Sinnwelten, S.121.
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Arbeit zitieren:
B.A. Janin Zippel, 2006, Identität als Bastelexistenz - Das Identitätskonzept von Ronald Hitzler, München, GRIN Verlag GmbH
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