Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung. 3
1. Tag- und Nachtsymbolik. 5
1.1. Tag 5
1.2. Nacht 10
2. Meeressymbolik 15
3. Das Aufgehen in der Natur 18
Fazit 21
Literaturverzeichnis. 22
Prim ärliteratur. 22
Sekund ärliteratur 22
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Einleitung
Die Natur hat in F. I. Tjutčevs lyrischem Werk ein ambivalentes Dasein: zum einen zeichnet Tjutčev die helle, zum anderen die dunkle Seite der Natur. Seine Lyrik zeichnet sich insbesondere durch „Bipolarität“ aus: „Seine Dichtung ist in den meisten Fällen bei der Behandlung der gleichen Thematik ‚bipolar’, d. h. er hat für das gleiche Thema einerseits lichte und helle Farben sowie harmonische und fröhliche Klänge, andererseits düstere und unheimliche Farben und Töne.“ 1 Die Opposition von Tag- und Nachtseite der Natur bildet bei Tjutčev ein zentrales Paradigma. „Unser Poet“, so Vladimir Solov’ev in seinem berühmt gewordenen Aufsatz „Die Poesie Tjuttschews“, „ist gleichermaßen für die beiden Seiten der Wirklichkeit empfänglich; er vergisst nie, daß dieses helle Tages-Antlitz der lebendigen Natur, das er so tief zu empfinden und so glänzend darzustellen versteht [...] nicht der Urgrund des Weltalls ist.“ 2 Aus diesem Grund schätzte Solov’ev die Bedeutung Tjutčevs hoch ein. Das, was Tjutčev in seinem lyrischen Werk in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts thematisiert, finden wir ein halbes Jahrhundert später bei den Symbolisten vertreten. Tjutčevs zentrale Motive werden nicht nur von Solov’ev, sondern auch von anderen Symbolisten, wie z. B. Valerij Brjusov 3 neu entdeckt und in ihrer Wirksamkeit auf den Symbolismus neu bewertet. Auf die Bedeutung Tjutčevs für die Symbolisten weist Blagoj in seiner Arbeit
‚’, ‚ a', ‚ ’, ‚, ’.“ 4
Charakteristisch für Tjutčevs „philosophische“ 5 Lyrik sind Naturgedichte, die romantische Themen 6 wie die Nacht, das Meer, das Chaos oder den Traum zum Gegenstand haben, und in denen eine Berührung Tjutčevs mit der Dichtung und der Philosophie der deutschen Romantik anklingt. 7
1 Tschižewskij 1977, I, 131.
2 Solowjew 1953, 363.
3 Vgl. Brjusov 1975, 200ff.
4 Blagoj 1933, 232. Hervorhebung durch Kursivschrift dort.
5 Bubnoff 1956, 91.
6 Bei Blagoj 1933, 193 findet sich dazu folgende Stelle: „ -,
.“
7 Vgl. u.a. Tschižewskij 1977, 134; Toporov 1990, 33ff; Schneider 1982, 202.
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Besonders das Motiv der Nacht, das Tjutčev wiederholt entfaltet und in seinem lyrischen Werk so augenfällig erscheint, verbindet ihn mit Eichendorff, Novalis und vor allem mit Schelling, wie Toporov in seiner Arbeit „ “ feststellt. 8
In dieser Arbeit soll eine Untersuchung zur Lyrik Tjutčevs in Bezug auf ihre grundlegenden thematischen und motivischen Strukturen durchgeführt werden. Die vorliegende Arbeit betrachtet nicht das Gesamtwerk Tjutčevs, sondern beschäftigt sich ausschließlich mit bestimmten Motiven. Ziel der Arbeit ist die Darstellung zentraler Motive als auch die Erhellung ihres funktionellen Zusammenhangs in Tjutčevs lyrischem Werk. Im ersten Kapitel der Arbeit wird das archetypische Gegensatzpaar Tag und Nacht zuerst einer Einzeldarstellung unterzogen, bis sie in eine direkte Konfrontation treten. Dabei sollen die Elemente des Tag- und Nachtraums bestimmt werden, und es gilt in diesem Kapitel vor allem herauszuarbeiten, welche Funktion der Tag- und Nachtseite der Natur in Tjutčevs Lyrik zukommt. Im zweiten Kapitel der Arbeit wird die Meeressymbolik in den Blick genommen und hinsichtlich ihrer Bedeutung für das lyrische Werk Tjutčevs untersucht. Im dritten und letzten Kapitel soll Tjutčevs pantheistische Naturauffassung beleuchtet werden. Dabei wird ein Seitenblick auf die Spuren des Einflusses der Naturphilosophie des deutschen Idealismus auf Tjutčevs Lyrik zu werfen sein.
8 Vgl. Toporov 1990, 34.
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1. Tag- und Nachtsymbolik
1.1. Tag
Das archetypische Gegensatzpaar Tag und Nacht, das eine grundlegende motivische Opposition in Tjutčevs Lyrik bildet, erscheint in seinem lyrischen Werk am deutlichsten. 9 Die Beschaffenheit zweier gänzlich unterschiedlichen Welten, der Tag- und Nachtseite 10 der Natur, nimmt in Tjutčevs „philosophischer“ Lyrik eine zentrale Stellung ein.
Das Motiv des Tages scheint verglichen mit der Nachtwelt in Tjutčevs Lyrik weniger ausgeprägt. Der positiv gewerteten Tagseite der Natur steht bei Tjutčev die negative Symbolik des Tages gegenüber. Die Epitheta, mit denen der Tag in folgenden Textstellen gekennzeichnet wird, weisen auf die positive Wertigkeit des Tages hin: „“, „-“ (Tjutčev, I, 23); „“, „“ (I, 118); „“ (I, 215). In „ “ (I, 98), einem Gedicht mit einem sehr hohen Abstraktionsgrad und schwach entwickelten bildlichen Elementen, tritt der Tag als die Tageszeit hervor, welche die „Belebung der Erdgeborenen“ und die „Heilung der leidenden Seelen“ vermag. Der Tag gilt als „Freund der Menschen und Götter“. Die Opposition von Tag und Nacht, die bereits im Titel angelegt ist, bestimmt das gesamte Gedicht. Unterstrichen wird die Gegenüberstellung auch durch syntaktische Mittel. Die erste Strophe des Gedichts ist dem Tag gewidmet, die zweite der Nacht. Die beiden Strophen stehen in einem augenfälligen Kontrast sowohl formal als auch inhaltlich zu einander. In „ “ gleicht der Tag einem über den „namenlosen“ Abgrund ausgebreiteten Schleier 11 (), der die Menschheit vor der unmittelbaren Erfahrung des Grauens schützt:
„ ,
12 , . - [...]
9 Vgl. Toporov 1990, 48.
10 Dabei fällt auf, dass der Nachseite der Natur bei Tjutčev in der Forschung mehr Aufmerksamkeit
geschenkt wird, die Analyse der Tagessymbolik wird dagegen eher vernachlässigt.
11 Zur Symbolik des Schleiermotivs im lyrischen Werk Tjutčevs vgl. Blagoj 1933, 202; Toporov 1990, 53;
Bubnoff 1956, 96ff.; Hansen-Löve 1998, 111.
12 Hervorhebungen hier und auch in weiteren Zitaten aus der Lyrik Tjutčevs durch N. Bastron.
5
- ;
,
, ...
,
[...]
Der „goldgewobene“ Schleier erweist sich als eine wohltätige Illusion, die uns den Anblick des Abgrundes erträglich macht. Der Tag wird bei Tjutčev zum Verhüllungsraum. Erst wenn der Tag schwindet, zieht die Nacht das „segensreiche Gewebe des Schleiers“ weg und enthüllt zugleich den „namenlosen“ Abgrund aber auch das verborgene Geheimnis des Seins, die verdeckte Wirklichkeit. Tjutčevs Bild des Tages als „goldgewobener“ Schleier erweist sich als ambivalent. Einerseits figuriert der Schleier als Schutz vor der Abgründigkeit der Natur, andererseits verbirgt er die volle Offenbarung.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit dem Gedicht „ ..“. Die Thematik beider Gedichte, der Übergang von Tag zu Nacht sowie das Schleiermotiv, stehen einander auffälligerweise nahe. Auf diesen Zusammenhang weist auch Zelinsky hin: „Svjataja noč’ na nebosklon vzošla..“ [...] erweist sich im Ganzen als eine vertiefende Variation der zweiten Strophe des ersten Gedichts [ ]. Die Bild- und Sinnstruktur beruht auf dem gleichen metaphorischen Durchwirktsein von Teppich und Tag sowie von Abgrund und Nacht.“ 13 Hier liegen die wesentlichen
, / , / , / , . /..“ (I, 118).
Das Schleiermotiv ist bei Tjutčev auch in einem weiteren Gedicht realisiert. In „ -..“ begegnet das Motiv des Schleiers jedoch in
einer abgewandelten Form, es erfährt eine Modifizierung. Nicht der Tag, sondern die
; /..“ (I, 74). In der Verwendung des Schleiermotivs erweist sich
13 Zelinsky 1975, 86. Auf diesen Zusammenhang weist auch Blogoj 1933, 203 hin.
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Arbeit zitieren:
2006, Die Motivik in F. I. Tjutèevs lyrischem Werk „Не то, что мните вы, природа...“, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Jugendsprache in der Werbung - eine geschlechtsspezifische Analyse
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
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Magisterarbeit, 80 Seiten
Anonym hat den Text Die Motivik in F. I. Tjutèevs lyrischem Werk „Не то, что мните вы, природа...“ veröffentlicht
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