Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abteilung Sportwissenschaft
Arbeitsbereich IV – „Sport und Erziehung“
Belastung im Sportlehrerberuf
Eine Studie zum Zusammenhang von subjektivem Belastungserleben in Abhängigkeit spezifischer struktureller Merkmale der Sportlehrerpopulation in Bielefeld
Arne Dornseifer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Belastungen von Sportlehrkräften ... 3
2.1 Studien zur Belastung von Sportlehrkräften ... 3
2.2 Empirische Befunde zu möglichen Ursachen für auftretende Belastungen im Fach Sport ... 4
2.2.1 Arbeitsbedingungen und schulorganisatorische Voraussetzungen ... 5
2.2.2 Hygienische, soziale und gesellschaftliche Bedingungen ... 7
2.2.3 weitere Einflussfaktoren auf das Belastungsempfinden ... 8
3. Zusammenstellung der Forschungsfragen ... 12
3.1 Allgemeine Merkmale der Stichprobe ... 12
3.2 Mögliche Zusammenhänge zwischen den Merkmalen und dem Belastungsempfinden ... 12
4. Untersuchungsdesign der Fragebogenstudie ... 13
4.1 Stichprobe und Datengewinnung ... 13
4.2 Datenaufbereitung und Datenanalyse ... 13
5. Ergebnisse ... 14
5.1 Allgemeine Merkmale der Stichprobe ... 14
5.2 Mögliche Zusammenhänge zwischen den Merkmalen und dem Belastungsempfinden ... 23
6. Fazit und Ausblick ... 46
7. Literaturverzeichnis ... 47
8. Anhang ... 48
1. Einleitung
In letzter Zeit werden Belastungsstudien zum Lehrerberuf immer wieder in den Medien thematisiert. Wohl kaum ein Beruf ist in der Gesellschaft und Politik hinsichtlich seiner Belastung so umstritten, wie der des Lehrers. Während die Öffentlichkeit häufig denkt, der Lehrberuf sei ein gut bezahlter Halbtagsjob, zeigen Untersuchungen ein anderes Bild, nämlich dass der Lehrberuf einer der belastendsten Sozialberufe ist. Blick man nun genauer auf die Lehrkräfte des Faches Sport, so wäre im Hinblick auf aktuelle Arbeitszeitmodelle davon auszugehen, dass insbesondere der Beruf des Sportlehrers aufgrund fehlender Korrekturen von Klassenarbeiten scheinbar kaum oder gar nicht belastend ist und Lehrkräfte in diesem Fach folglich auch mehr Wochenstunden erteilen können als in anderen Fächern. Da allerdings alarmierende Zahlen über Frühpensionierungen und Burnout geplagte Sportlehrkräfte vorliegen, widmet sich unter anderem auch die sportwissenschaftliche Forschung diesem Problem. So findet z.B. Schaarschmidt (2005) in seinen Studien heraus, dass kein anderer Beruf so belastend und so Burnout gefährdet ist, wie der des Sportlehrers. Dabei stellt er neben den Gründen und Ursachen für Belastung im Lehrberuf auch Ergebnisse über den Einfluss von Alter und Geschlecht auf die Belastungsanfälligkeit vor.
In meiner Bachelorarbeit thematisiere ich die Belastungen von Lehrkräften im deutschen Schulsystem und befasse mich insbesondere mit den Anforderungen und Problemen, denen Sportlehrer und Sportlehrerinnen ausgesetzt sind.
Dabei stelle ich mir grundlegend die Frage, ob und in welchem Maße die Sportlehrkräfte belastet sind und suche nach Zusammenhängen zwischen dem Grad der Belastung und Faktoren wie dem Alter, dem Geschlecht, der Schulform, der Verteilung der Stundenanzahl sowie dem Grad der Ausbildung.
Hierzu gebe ich im Theorieteil meiner Arbeit den Forschungsstand einzelner Studien wieder, die sich bereits mit diesem Thema befasst haben und stelle die jeweiligen Belastungskategorien dar. Anschließend entwickle ich mithilfe dieser Erkenntnisse die für meine Arbeit relevanten Forschungsfragen.
Darauf folgt der empirische Teil der vorliegenden Arbeit. Er beinhaltet einen Methodikteil, der das Vorgehen der Datenerhebung im Rahmen einer Fragebogenuntersuchung an Bielefelder Sportlehrerinnen und Sportlehrern beschreibt. Dieser Fragebogen ist im Rahmen des Projekts „Sportlehrer/in – von wegen Traumjob“, welches durch die LUK NRW unterstützt wird, entstanden. Verantwortlich für die Durchführung sind Prof. Dr. Klaus Cachay, Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay sowie Valerie Kastrup von der Universität Bielefeld.
In dieser Arbeit nutze ich die erhobenen Daten, soweit sie in Bezug auf meine Fragestellung relevante Items enthalten. Nicht für alle wünschenswerten Teilfragen trifft dies zu, so dass ich in Kap. 2.2 und 3 nur solche Fragestellungen thematisiere, zu denen sich Items in Beziehung setzen lassen. Andererseits tauchen Ergebnisse auf, die im Sinne einer Grundauszählung für das Projekt von Bedeutung sind.
Mein Ziel besteht im empirischen Teil darin, zuerst allgemeine Merkmale der erfassten Bielefelder Sportlehrkräfte vorzustellen und dann die Daten im Rahmen meiner Forschungsfragen hinsichtlich relevanter Zusammenhänge zwischen den Merkmalen und der von den Sportlehrkräften empfundenen Belastung durch die Sportlehrertätigkeit auszuwerten.
2. Belastungen von Sportlehrkräften
Zunächst ist der Begriff "Belastung" zu klären, der für die Arbeit zentral ist. Heim/ Klimek verstehen Belastungen, auch Stressoren genannt, als situative Bedingungen, die der Akteur als eine Überforderung seiner Kompetenz und als aversive Bedrohung seiner Handlungsziele wertet. Wenn weitere Bewältigungsversuche erfolglos und der Stressor mittel- oder langfristig wirksam bleibt, kann davon ausgegangen werden, dass das betroffene Individuum Stressfolgen wie psychosomatische Beschwerden oder einen Burnout erfährt (Heim & Klimek, 1999, S. 36).
2.1 Studien zur Belastung von Sportlehrkräften
Aufgrund der alarmierenden Zahlen über dienstunfähige Lehrkräfte und der Menge an Lehrern, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, haben sich verschiedene Autoren mit den Ursachen und Gründen für die Belastung von Lehrern und von Sportlehrkräften im Speziellen beschäftigt. Der Blick wird in dieser Arbeit direkt auf Sportlehrkräfte und nicht allgemein auf den Lehrberuf gerichtet.
Eine Studie von Schaarschmidt (2005) erfasste anhand von verschiedenen Merkmalen das arbeitsbezogene Verhalten und Erleben unterschiedlicher Berufsgruppen und teilte die betroffenen Personen vier Mustern zu: Einem Gesundheits-, einem Schonungsmuster und zwei Risikomustern. In seiner Studie vergleicht er vorwiegend verschiedene soziale, helfende Berufe untereinander und orientiert die Charakteristik der Muster an den Kriterien Arbeitsengagement, Widerstandskraft und Emotion. Die höchste Belastung oder die problematischste Beanspruchungssituation liegt nach seinen Erkenntnissen bei der Berufsgruppe der Lehrer vor (S. 135). So ordnet er das Verhalten und Erleben eines Großteils der Lehrer den Risikomustern A und B zu. Beide Muster beschreiben Menschen, deren physischen und psychischen Ressourcen auf Dauer nicht ausreichen, um den Belastungen ihres Berufs standzuhalten. Im Fall des Risikomusters B rufen die Belastungen bei den Opfern einen Burnout-Prozess hervor.
Heim und Klimek (1999, S. 36, 39) verwiesen ebenfalls auf das bei Lehrern vermehrt auftretende sozial-psychologische Burnoutkonzept und führten diesbezüglich eine Fragebogenuntersuchung in Brandenburg und West-Berlin durch. Ausgangspunkt ihrer Untersuchung bildete eine Sammlung von 23 belastenden Situationen, die durch die Sportlehrkräfte der genannten Region hinsichtlich ihrer Auftretenshäufigkeit bewertet werden sollten.
Auf das von Heim und Klimek (1999) erstellte Untersuchungsinstrument stützen sich Miethling und Brand (2004), die sich mit Stressoren im Sportunterricht befassen. Sie untersuchen über die Belastungsursachen hinaus die psychischen Widerstandsressourcen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern in ihrer ersten Berufsphase. Sie zeigen anhand ihrer 152 Probanden auf, dass deren Beruf insbesondere in der ersten Berufsphase, also den ersten vier Jahren im Schuldienst, ein nennenswertes Stress-Potential mit sich bringt (Miethling & Brand, 2004, S. 48).
Die genannten Studien sind primär der quantitativen Sozialforschung zuzuordnen. Sie dringen nicht in tiefgründige individuelle Belastungsmuster vor. Dennoch lassen die Daten Schlüsse auf für den Sportunterricht spezifische Belastungsmomente zu.
[...]
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts (B.A.) Arne Dornseifer, 2007, Belastung im Sportlehrerberuf, München, GRIN Verlag GmbH
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