Gliederung
Gliederung ............................................................................................................. 2
Zäsur: Dreißigjähriger Krieg 3
Vorbemerkungen 4
I Strukturgeschichtlicher Zugang 7
Daniel Fischer 2007 11
II Ereignisgeschichtlicher Verlauf 14
Vom Prager Fenstersturz zum Böhmisch-Pfälzischen Krieg 1618-1623 16
Der Dänisch-Niedersächsische Krieg 1625-1629 17
Der Schwedische Krieg 1630-1635 18
1648: Der Westfälischer Frieden ein völkerrechtlicher Vertrag 23
III Endbetrachtung 26
IV Literaturliste 30
2 NA
Zäsur:
Dreißigjähriger Krieg
Der Dreißigjährige Krieg muss als gesamteuropäisches Ereignis gesehen werden, auch wenn man den Auslöser zum Krieg im Reich selbst zu suchen hat. Gerade als Zäsur im Bewusstsein des deutschen Volkes bis ins 20. Jahrhundert hinein hat der Dreißigjährige Krieg an seiner Aktualität nichts eingebüßt. Die als Ergebnis des Westfälischen Friedens 1648 entstandenen konfessionellen Einteilungen in protestantische und katholische Regionen sind in Deutschland bis in unsere Tage greifbar.
Zwei Blöcke (siehe Abbildung 3) traten schon im Vorfeld der Auseinandersetzung deutlich hervor: ein habsburgischer und ein antihabsburgischer. Diese doch mehr grobe Einteilung bedarf jedoch der Vertiefung.
Der Symbolwert der Daten 1618-1648 hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Mö- gen die genauen Kenntnisse doch rar sein, ist das Ereignis selbst gegenwärtig. Die Länge des Krieges ist von Zerstörungen von Kirchen und der enormen Dezimierung der Bevölkerung gekennzeichnet, obwohl hier regional differenziert werden muss.
Die Bedeutung der konfessionellen Komponente darf nicht unterschätzt werden, hat doch Martin Luther gerade einmal 100 Jahre früher Front gegen die katholische Kirche gemacht. Aus der Kirche, die er reformieren wollte entstand etwas Eigenes, ja Neues, das die Macht- verhältnisse der Habsburger seitens neuer Mächte zu berühren begann.
Als zentraleuropäische, machtpolitische Auseinandersetzung ist der Dreißigjährige Krieg als Vorstadium zum Gedanken des europäischen Gleichgewichtes geworden, der dann das Den- ken der europäischen Großmächte bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmte.
Vorbemerkungen
Abbildung 1 1 : Wappen der Habsburger
Habsburg und Spanien waren im 16. und zu Beginn des 17. Jahr- hunderts aufs engste verbunden. Damit bestanden zwei habsburgi- sche Linien, die der Kernlande und die Spaniens. Staatsheiraten waren gang und gebe. Die sog. „Spanische Sukzession“ (Thronfol- ge) zielte darauf ab, die Kaiserkrone des Reiches zwischen Madrid und Wien alternieren zu lassen. Der Wiener Linie lag nie daran, die spanische Linie in den Genuss der Kaiserkrone kommen zu lassen. Der Versuch scheiterte und Wien wusste 1617 im Onate-Vertrag Spanien territorial mit der Belehnung des Elsaß und in Reichsitalien zu entschädigen.
Frankreich stellte das einzige wirkliche Hindernis zur „Monarchia universalis“ Karls V. dar. Zudem gesellte sich antihabsburgischer Patriotismus in Italien zum antihabsburgischen Block. Die Schlüsselstellung Mailands in Reichsitalien erlangte Bedeutung im Krieg.
Nach diesem knappen Überblick über Europa ins Reich selbst. Der hier geschlossene Augs- burger Religionsfrieden von 1555 regelte das unbefristete Nebeneinander zweier Varianten des christlichen Glaubens. Der Frieden zielte letztlich auf die Absicherung des allgemeinen Landfriedens. Jedoch gab es kein Ende der Glaubenskämpfe. Der Frieden galt nur für Katho- liken und Protestanten während die Calvinisten ausgeschlossen blieben. Das Recht zur freien Bekenntniswahl war nur den Reichsständen zugedacht: „cuius regio, eius religio“ (wessen Land, dessen Religion). Die Formel verdeutlichte, dass die Untertanen der jeweiligen Region die Religion des Herrn anzunehmen hatten. Daneben ging eine Formierung reichsständischer Herrschaftssysteme zu ausgeweiteten Landesherrschaften vor sich. Dieser Prozess bedeutete eine Trennung aber auch Integration im Reich, denn am Festhalten an der Reichseinheit rüt- telte man nicht.
1
Geschichte, Lehrbuch für Klasse 7, 1. Aufl., Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, Berlin, 1989, S. 73.
Das politische System des Reiches (Abbildung 2) am Vorabend des Krieges war stark von der kaiserlichen Zentralgewalt bestimmt. Seit 1438 stellte das Haus Habsburg die Kaiser im Hei- ligen Römischen Reich Deutscher Nation und konnte sich der Mehrheit der Kurfürstenstim- men sicher sein. Das protestantische Kursachsen, das im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 von den Habsburgern unterstützt wurde (in der Form, dass der albertinischen Linie unter Mo- ritz von Sachsen gegen die ernestinische Linie die Kurwürde verliehen wurde), war traditi- onsgemäß eines der Länder, das den Kaiser des Hauses Habsburg zu unterstützen pflegte. Im Ausbau der Landesherrschaften entstand der kaiserlichen Zentralgewalt jedoch ein politi- sches Gegenstück. Ständische und absolutistische Tendenzen lassen hier einen Dualismus erkennen, der aufgrund seiner komplementären Staatlichkeit, die das Reich kennzeichnete, eine Besonderheit in Europa darstellte.
Abbildung 2 2 : Institutionen des Heiligen Römischen Reiches
Das Spannungsfeld im Reich entstand nun einerseits aus dem Verfassungsproblem und andererseits in Konfessionsfragen.
2
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Institutionen_HRR.png
Abbildung 3 3 : Die Mächte-
Trotz des Augsburger Religionsfriedens hatte die katholische Gegenreformation mit dem Ziel der Rekatholisierung eingesetzt.
Die Reichsverfassung war in der Krise. Kompetenzstreitigkeiten zogen die Gründung der pro- testantischen Union (1608) und der katholischen Liga (1609) nach sich. Erstmals hatten sich die Reichsstände in großen Bünden zusammengeschlossen. Im Streit um die Herzogtümer Jülich und Kleve spitzte sich die durch die Konfessionsfragen angeheizte Machtfrage zu. Erstmals traten Mächte Europas in Deutschland in Erscheinung. Im Vertrag von Xanten (1614) einigten sich schließlich Pfalz-Neuburg und Brandenburg und teilten die Herzogtümer auf. Kursachsen ging leer aus. Das Vorspiel zum Krieg war noch einmal friedlich ausgegangen. Es war klar, das bei zukünftigen unvorhersehbaren Auseinan- dersetzungen das Reich zum Schauplatz auswärtiger Interessen werden würde.
3
Geschichte, Lehrbuch für Klasse 7, 1. Aufl., Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, Berlin, 1989.
I. Strukturgeschichtlicher Zugang
Johannes Burkhardt 4 , Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Augs-
burg, hat mit seinen Untersuchungen zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges die notwen- digen Grobstrukturen herausgestellt, die für die Ereignisgeschichte von fundamentaler Bedeu- tung sind. Diese helfen auch, die in Abbildung 3 aufgezeigten Konstellationen zu erklären, die sich aus den dynastischen Verknüpfungen nicht unwesentlich speisten.
Das 17. Jahrhundert erscheint in der Nachbetrachtung als Jahrhundert des immerwährenden Krieges. Krieg war gleichsam der Normalzustand. Zwei säkulare Prozesse stehen im Zentrum der Betrachtung: die Herausbildung des frühmodernen Staates einerseits, die Erneuerung von Religion und Kirche andererseits.
Die klassische deutsche Einteilung sieht vier Kriege, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges etappenweise geführt worden sind.
Dreißigjähriger Krieg 1618-1648
► Böhmisch-Pfälzischer Krieg 1618-1623 ► Dänisch-Niedersächsischer Krieg 1625-1629 ► Schwedischer Krieg 1630-1635 ► Französisch-Schwedischer Krieg 1635-1648
Das Gewaltmonopol lag beim Staat und dessen Handlungsträgern. Der Dreißigjährige Krieg muss deshalb auch als Krieg der werdenden Machtstaaten begriffen werden. Die Universalan- sprüche Habsburgs mit Spanien, Frankreichs und Schwedens verknoteten sich mit den Ereig- nissen im Reich. Konfessionelle und ökonomische Aggressionsdynamiken traten offen zutage und beförderten die kriegerische Auseinandersetzung, schufen gar Vorwände.
Das Heilige Römische Reich, aufgrund der Erneuerung des Kaisertums durch Karl den Gro- ßen, das im Zuge des Mittelalters an die Ottonen, Salier, Staufer und schließlich die Habsbur- ger überging - immer noch das Nachgebilde des Römischen Reiches - war wegen dieser sei- ner prestigeversprechenden Stellung umworben.
4
Burkhardt, Johannes:
Der Dreißigjährige Krieg, Erstausg., in: Neue Historische Bibliothek, herausgeg. von Hans-Ulrich Wehler, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main, 1992.
Die Kaiserkrone des Reiches war schon ein Prestigeobjekt, das in Europa seinesgleichen suchte. Dieses Kaisertum war mit Erlass der Goldenen Bulle im Jahre 1356 an die Kür (Wahl) von sieben Kurfürsten im Reich gebunden. Deren doch auch unterschiedliche konfessionelle Ausrichtung nach der Reformation brachte das Kaisertum des Hauses Habsburgs allerdings nie in Gefahr.
Kurfürsten
drei geistliche
Erzbischof von Mainz Erzbischof von Köln Erzbischof von Trier
vier weltliche
Pfalzgraf bei Rhein Herzog von Sachsen Markgraf von Brandenburg König von Böhmen Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielten 1648 der Herzog von Bayern und 1692 der Herzog von Braun- schweig-Lüneburg (Hannover) die achte bzw. neunte Kurwürde zuerkannt.
In Europa ging es also um eine Universalhierarchie. Der Kampf um die A-Position dreier Großmächte mündete in den Dreißigjährigen Krieg. Die Dynastie der Habsburger trug den universalen Anspruch im Reich und auf katholischer Seite und trug traditionsgemäß die Kai- serkrone des Reiches. Frankreich hingegen sah sich in der Tradition des Franken Karl dem Großen und unterstützte, obwohl auch katholisch, die Gegner Habsburgs. Frankreichs Gottes- gnadentum steigerte den Herrscher zum allerchristlichsten König. Schwedens politisch- expansive Ziele im Ostseeraum kollidierten in der Thronfolgefrage mit den Habsburgern um Polen. Ferner stieß Schweden im Kampf um die Vormacht am Ostseesund mit Dänemark zu- sammen. Vorbild für Schweden waren die Goten. Plante Schweden eine Art Gegenreichsbil- dung von Norden her, musste es sich jedoch in den 1630er Jahren damit zufrieden geben, die Nummer 1 im Norden Europas zu sein.
Neben diesen Universalansprüchen gewannen in vielen Territorien die Stände zunehmend Oberwasser. In den Niederlanden sehen wir einen ähnlichen Dualismus wie im Reich.
5
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons /5/51/Balduineum_Wahl_Heinrich_VII.jpg
8
Quote paper:
Daniel Fischer, 2007, 1618-1648: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden - Religionskampf und europäische Machtauseinandersetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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