Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen 4
Schriftformen
2.1 Die karolingische Minuskel 4
2.2 Die gotischen Schriftformen 5
2.2.1 Die gotische Minuskel 5
2.2.2 Die Textur 6
2.2.3 Die gotische Kursive 7
3 Buchdruck, Humanismus und Renaissance 9
3.1 Der Einfluß des Buchdrucks auf die Entwicklung der Schrift 9
3.2 Die humanistischen Stilformen 10
3.2.1 Die humanistische Antiqua 10
3.2.2 Die Antiquakursive 12
4 Zweischriftigkeit und Schriftstreit 13
4.1 Die Entstehung der Zweischriftigkeit im deutschsprachigen 13
Raum
4.2 Der Schriftstreit von 1881 bis 1941 15
5 Die deutsche Schreibschrift am Beispiel der Sütterlinschrift 17
6 Die Entwicklung der Schreibschrift von 1941 bis heute 19
6.1 Das Verbot der gotischen Schrift 19
6.2 Die Entwicklung der Schriebschrift vom Ende des Zweiten 20
Weltkriegs bis heute
7 Schlußgedanke 23
Anhang
1 Quellenverzeichnis 25
2 Bibliographie 26
2
1 Einleitung
Mit diesen Worten beschrieb ein Schreiber des 8. Jahrhunderts seine anstrengende und mühsame Tätigkeit und forderte den Leser zum sorgfältigen Umgang mit dem ihm vorliegenden Buch auf. Seitdem hat sich sehr vieles geändert. Die Kunst des Schreibens ist kein Privileg einiger weniger mehr und auch das Schreiben an sich ist nicht mehr ein solch anstrengender Prozeß wie damals. Sehr viel offener und liberaler sind unsere Schreibgepflogenheiten heute. Jeder Mensch entwickelt ausgehend von der in der Schule gelernten Ausgangsschrift eine individuelle Handschrift. Im Gegensatz dazu mußte ein damaliger Schreiber einen Text Buchstabe für Buchstabe sorgfältig aufmalen bzw. -zeichnen. Schreibwerkzeug und Schriftträger erschwerten dies zusätzlich und hatten Auswirkungen auf die Gestaltung und das Erscheinungsbild der Handschrift.
Will man sich über die Entwicklung der Schrift in Deutschland klar werden und sich Einblick in ihren langen Weg von der aufreibenden und exklusiven Tätigkeit eines Schreibers wie dem oben zitierten zu einer für nahezu alle Bürger selbstverständlichen und nötigen Fertigkeit verschaffen, so muß man bis ins europäische Mittelalter zurückgehen, genauer gesagt bis ins frühe 9. Jahrhundert. Das ist nicht nur der Entstehungszeitraum des obigen Zitats, sondern auch der karolingischen Minuskel oder Carolina; der Schrift, die zum Ausgangspunkt für die Schriftentwicklung in Deutschland werden sollte.
1 »O glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse so das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, daß dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der ganze Körper leidet ... «
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2 Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftformen
2.1 Die Karolingische Minuskel
Im 7. und 8. Jahrhundert existierten viele Nationalschriften, die sich alle aus der römischen Kursive, einer Urkundenschrift aus dem Römerreich, entwickelt hatten. 2 Diese Nationalschriften werden auch unter dem Sammelbegriff vorkarolingische Minuskel zusammengefaßt und umfaßten „die westgotische Schrift in Spanien, die insulare Schrift in England, die merowingische Schrift in Frankreich und die italische Schrift in Italien, diese in der Unterscheidung in die langobardische und süditalische Schrift, sowie die päpstliche Kuriale.“ 3 Diese verschieden ausgeprägten Schriften hatten durchwegs ihre provinziellen Besonderheiten. So wurden in „den Schreibstuben der Klöster und in den Kanzleien der staatlichen und kirchlichen Verwaltung […] die unterschiedlichsten Buchstabenformen geschrieben.“ 4 Zusätzlich verwendete man ausgefallene Verzierungen, sowie mannigfache Kürzel und Ligaturen, wodurch die regionalen Schriften nur sehr schwer zu lesen und zu schreiben waren. Die Kommunikation im weitläufigen fränkischen Reich Karls des Großen war somit unnötig erschwert, weshalb sich zu Beginn des 9. Jahrhunderts die karolingische Minuskel (Abbildung 1) entwickelte, „eine gut lesbare, ganz diszipliniert geschriebene Kleinbuchstabenschrift im Vierzeilensystem mit Ober- und Unterlängen.“ 5 Sie breitete sich rasch in Europa aus und wurde zu der Schrift des Abendlandes im christlichen Mittelalter sowie zum „Hauptträger der antiken und christlichen Überlieferung.“ 6 Aufgrund ihrer Wichtigkeit und Verbreitung fand die karolingische Minuskel eine universale Verwendung und wurde nicht nur als Buchschrift, sondern auch als Urkunden- und Geschäftsschrift herangezogen. Alle späteren abendländischen Schriften entwickelten sich aus dieser Schrift.
2 Die jüngere römische Kursive geht ihrerseits auf die ältere römische Kursive zurück, welche über die capitalis quadrata mit der Römischen Kapitale aus dem 6. bis 5. Jahrhundert vor Christus verwandt ist. Die Römische Kapitale gilt als die älteste Form der lateinischen Schrift überhaupt. Sie ist vor allem als Inschrift auf römischen Denkmälern bekannt. Vgl. Sturm, Heribert (1961), S. 9-15.
3 Sturm, Heribert (1961), S.20.
4 Scheffler, Christian (1994), S. 235.
5 Ibid. S. 236.
6 Sturm, Heribert (1961), S.26.
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Die Entwicklung der karolingischen Minuskel unter Karl dem Großen wird in der Wissenschaft häufiger als „karolingische Schriftreform“ bezeichnet. Inwieweit Karl der Große wirklich für die Entstehung dieser Minuskelschrift verantwortlich war, ist allerdings umstritten. Matthias Tischler ist beispielsweise der Meinung, daß dieser zwar bestrebt war sein Großreich kultureller Reformen zu unterziehen um das Sprach- und Bildungsniveau anzuheben und seinem Volk den christlichen Glauben näherzubringen, daß die Entstehung der karolingischen Minuskel aber nicht unmittelbar damit zusammenhing. Erstens, so Tischler, sei es „unter den Karolingern zu keiner zentral von oben gelenkten Verbreitung eines normativen Musters“ gekommen, weshalb wir „auch keineswegs von einer ‚karolingischen Schriftreform’ sprechen“ 7 können. Zweitens sei die Existenz früher Formen der Carolina schon für einen Zeitraum vor dem Reformprogramm belegt. 8 Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, daß durch „Karls Reform der kirchlich-lateinischen Kultur, die sich der verwilderten Sprache annahm, auch die in der Schrift vorhandenen Tendenzen zu Zucht, Ordnung und Harmonie verstärkt“ 9 wurden.
2.2 Die gotischen Schriftformen
2.2.1 Die gotische Minuskel
Bereits ab dem 11. Jahrhundert entstand in Nordfrankreich und Belgien eine Schrift, die dem romanischen Ideal der karolingischen Minuskel entgegengesetzt war und ihre
7 Ibid. S. 541.
8 Tischler, Matthias M. (1994), S. 541.
9 Bischoff, Bernhard (1985), S.9.
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Blütezeit in Deutschland vom 13. - 15. Jahrhundert verzeichnen konnte: die gotische Minuskel (Abbildung 2). 10
Die runden Bögen der relativ breiten Buchstaben der Carolina wurden zusehends spitzer und eckiger, die Buchstaben an sich höher und schmaler. Außerdem fügte man Zierfüße und -köpfchen an die einzelnen Buchstaben an, verband sie durch Haarstriche und rückte sie enger zusammen, was der Schrift ein gedrängtes Aussehen verlieh. Aufgrund der immer eckiger werdenden Bögen, wirkte es, als wären die Buchstaben in sich „gebrochen“ und aus mehreren Einzelstrichen zusammengesetzt. Dies ist laut Herbert E. Brekle allerdings lediglich eine Art optische Täuschung, die durch die, bei der gotischen Minuskel verwendete links abgeschrägte Gänsefeder als Schreibwerkzeug hervorgerufen wurde. 11
Die teils in der Forschung verbreitete Meinung, die Entstehung der gotischen Minuskel stehe in direkter Verbindung zur Spitzbogenarchitektur der Gotik, erachten Brekle und Scheffler als nicht belegbar, sie räumen allerdings eine gemeinsame geistige Voraussetzung der Stilformen in den bildenden Künsten und den Buchstabengestalten ein. 12
2.2.2 Die Textur
Die gotische Minuskelschrift fand im 14. Jahrhundert in der Textur (Abbildung 3) ihre Vollendung. Diese erhielt ihren Namen aufgrund ihres Aussehens, da ihr
10 Die gotische Minuskel erhielt ihren Namen im 18. Jahrhundert von den Humanisten
11 Breckle, Herbert E. (1994), S. 199-200.
12 Breckle, Herbert E. (1994), S. 200. Scheffler, Christian (1994), S. 238.
6
Gesamtbild einem Gitter oder Gewebe ähnelte. Die Schäfte der Buchstaben waren doppelt gebrochen, Füße und Köpfe quadratisch gestaltet. Diese sehr feierlich wirkende Prunkschrift fand hauptsächlich in Meßbüchern Verwendung und diente somit vor allem kirchlichen und repräsentativen Zwecken. Gleichzeitig war sie die Schriftform in der Johann Gutenberg seine 42-zeilige lateinische Bibel druckte, 13 was für ihre große Beliebtheit auch als Buch- und Druckschrift spricht.
2.2.3 Die gotische Kursive
Entscheidend für die Entstehung der späteren deutschen Schreibschrift war die Herausbildung der gotischen Kursive (Abbildung 4). Diese entstand aus einem gewachsenen Bedürfnis nach einer Gebrauchsschrift für den Alltag sowie einer Kanzleischrift, die der gestiegenen Alphabetisierung der Bevölkerung Rechnung trugen. Bei dieser Schriftform handelte es sich nicht um eine neu entstandene Schrift, sondern um eine Weiterentwicklung der formstrengen und nur recht langsam zu schreibenden gotischen Minuskel. Charakteristisch für die gotische Kursive waren die Verkleinerung der Schriftzüge sowie die Verbindung der Buchstaben untereinander durch einen Diagonalstrich. Ein weiterer Unterschied zur viel starrer wirkenden
13 Vgl. Hartmann, Silvia (1998), S. 21.
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Arbeit zitieren:
Andrea Rollig, 2005, Die Entwicklung der Schreibschrift in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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