Unterrichtsentwurf für den 1. Unterrichtsbesuch im Fach Industriebetriebslehre Seite 2
1 Didaktische und methodische Schwerpunkte
Die geplante Unterrichtsstunde „Führt ein Wechsel der Fertigungsorganisation zur Verbesserung der Unternehmenssituation? - Ein Vergleich von Werkstätten- und Fließfertigung aus verschiedenen Blickwinkeln innerhalb der Unternehmung“ ist in die Unterrichtsreihe „Verfahrensmanagement“ eingebettet. Die Unterrichtsstunde findet in der Berufsschulklasse IB 51 statt. Bei dieser Lerngruppe handelt es sich um eine Unterstufenklasse des Bildungsgangs Industriekauffrau/Industriekaufmann, die sich aus 8 Schülerinnen und 5 Schülern zusammensetzt und in Blockform unterrichtet wird.
Nach den curricularen Vorgaben 1 des Landes NRW ist das Lernfeld Nr. 5 „Leistungserstellungsprozesse planen, steuern und kontrollieren“ im ersten Jahr der Ausbildung dem Fach Geschäftsprozesse zugewiesen. In der didaktischen Jahresplanung des Berufskollegs wird das Fach „Geschäftsprozesse“ auf zwei Fachlehrer zu gleichen Teilen verteilt. Die Unterrichtsreihe „Verfahrensmanagement“ ist hier im Fach Geschäftsprozesse 1 dem Fachlehrer Herrn OStR X. zugeteilt. 2 Schwerpunkte der Unterrichtsreihe sind die Beschreibung und der Vergleich der verschiedenen Fertigungstypen und Fertigungsorganisationen.
Die Lerngruppe zeichnet sich einerseits durch ihre eher geringe Größe von nur 13 Personen, andererseits auch durch eine konstant starke Motivation und überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Lernenden aus.
Der Einstieg in die heutige Unterrichtsstunde erfolgt anhand einer Fallsituation. Die Geschäftsleitung der Lehmann Kleinmöbel GmbH verzeichnet eine kontinuierlich schlechter werdende Marktposition und erwägt, die Fertigungsorganisation von der Werkstättenfertigung zur Fließfertigung umzustrukturieren. Die Schülerinnen und Schüler haben in der vorhergehenden Stunde bereits die beiden Verfahren kennen gelernt und aus allgemeiner Sicht verglichen. In der heutigen Stunde sollen die Schülerinnen und Schüler die anstehende Neustrukturierung schwerpunktmäßig aus Sicht einer bestimmten Abteilung innerhalb der Unternehmung betrachten. Sie bekommen in einem Rollenauftrag eine bestimmte Perspektive zugeteilt, die sie in der folgenden Abteilungsleiterkonferenz vertreten sollen. In der nachgelagerten Stunde werden die Schülerinnen und Schüler als eine weitere Lösungsmöglichkeit für
1 Vgl. Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen, S. 10.
2 Im Rahmen des Ausbildungsunterrichts unterrichte ich die Unterrichtsreihe „Verfahrensmanagement“ von Beginn an.
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die Lehmann Kleinmöbel GmbH die Gruppenfertigung kennen lernen. Die vier Beobachterinnen und Beobachter verfolgen zunächst die Vorbereitungsphase je einer Abteilungsleitung und später auch die Konferenz selbst. Sie erstellen auf Folie eine Übersicht über die Argumente der jeweiligen Abteilung. Diese vier Folien werden in der Sicherungsphase durch das Overlay-Verfahren zusammengeführt.
Aufgrund der horizontalen didaktischen Reduktion kann nicht auf alle Funktionsbereiche einer Unternehmung, die bei einer solch umfassenden Organisationsveränderung einbezogen werden, Rücksicht genommen werden. Weiterhin werden aus Sicht einer jeweiligen Abteilung nur eine begrenzte Anzahl Pro- und Contraargumente aufgezeigt, was ebenfalls eine horizontale didaktische Reduktion darstellt.
Die Funktion des Betriebsrats wird in dieser Stunde aufgrund der vertikalen didaktischen Reduktion auf eine reine Meinungsbildung beschränkt. Die im § 87 BetrVG vorgesehenen Mitbestimmungsaktivitäten werden nicht berücksichtigt.
2 Ziele und Kompetenzen
2.1 Stundenziel
Die Schülerinnen und Schüler können Vor- und Nachteile der Umstrukturierung von der Werkstätten- zur Fließfertigung aus der Sicht eines bestimmten Funktionsbereiches einer Unternehmung nennen.
2.2 Förderung der Kompetenzen
2.2.1 Fachkompetenz
Zu Beginn der Unterrichtsreihe haben die Schülerinnen und Schüler zunächst die verschiedenen Bestimmungsgrößen der Fertigungsverfahren kennen gelernt. Im weiteren Verlauf wurden die Fertigungsverfahren nach der Wiederholung des Fertigungsvorgangs (Fertigungstypen) behandelt. Die Lernenden haben „Mass Customization“ und die verschiedenen technischen Fertigungsverfahren kennen gelernt. In der Fertigungsorganisation haben die Schülerinnen und Schüler das Problem der Maschinenbelegung im Bereich der Werkstättenfertigung behandelt, und die Errechnung der Taktzeit und den optimalen Fließbandabgleich im Gebiet der
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Reihen- und Fließfertigung durchgeführt. Die Werkstättenfertigung und Reihen- und Fließfertigung wurden miteinander verglichen. Allgemeine Vor- und Nachteile der Organisationen wurden erarbeitet.
In der heutigen Stunde lernen die Schülerinnen und Schüler, die jeweiligen Vor-und Nachteile der zwei Fertigungsorganisationen aus der Sichtweise jeweils eines bestimmten Funktionsbereichs einer Unternehmung zu betrachten.
Im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe erlernen die Schülerinnen und Schüler die Eigenschaften der Fertigungsorganisationen „Gruppenfertigung“ und
„Baustellenfertigung“. Zum Abschluss der Reihe werden die verschiedenen Fertigungsverfahren nach dem Grad der Beteiligung menschlicher Arbeitskraft behandelt. Hier wird zunächst die Substitution der menschlichen Arbeit durch Kapital aufgegriffen und in weiterer Abfolge die computergestützten Fertigungsverfahren erläutert.
2.2.2 Methodenkompetenz
Seit Beginn der Unterrichtsreihe haben sich die Schülerinnen und Schüler bereits mehrfach anhand von textbasierten Informationen Zusammenhänge eigenständig erarbeitet. Der Fertigungsorganisationstyp „Reihen- und Fließfertigung“ wurde von den Schülerinnen und Schülern in arbeitsteiliger Gruppenarbeit eigenständig erarbeitet und dem Plenum präsentiert.
In der heutigen Unterrichtsstunde üben die Schülerinnen und Schüler, schon gewonnene Informationen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Sie müssen sich in die in der Rollenbeschreibung vorgesehene Rolle versetzen und die sich daraus ergebenen Aspekte in der Konferenz vertreten. Da die Moderation der Konferenz der Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter ebenfalls aus den Reihen der Lernenden besetzt wird, erweitert diese Person die Moderationskompetenz und lernt, u. a. durch die Verteilung der Wortbeiträge den Ablauf der Sitzung zu steuern. Die Schülerinnen und Schüler, die eine Beobachtungsfunktion einnehmen, erlernen, die Vor- und Nachteile ihrer zugeordneten Abteilung herauszufiltern und auf der Folie übersichtlich darzustellen. In der anschließenden Kurzpräsentation erweitern die vortragenden Schülerinnen und Schüler ihre Präsentationskompetenz.
Im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe vertiefen die Schülerinnen und Schüler die Kompetenz, sich eigenständig auch komplexere Zusammenhänge selbst zu erarbeiten. Die erlangten Erkenntnisse werden immer mehr durch die Lernenden
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selbst vorgestellt, was die Präsentationskompetenz im Hinblick aus die Abschlussprüfung und ihre weiter Tätigkeit weiter ausbauen soll.
2.2.3 Sozial- und Humankompetenz
Seit Beginn der Unterrichtsreihe herrscht in der Klasse eine sehr angenehme Lernatmosphäre. Das Sozialverhalten ist, bezogen auf die Gesamtgruppe, sehr gut. Die Konzentrationsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler ist zumeist auf hohem Niveau. Es entstehen Diskussionen, die durchweg sachlich, kontrovers und tiefgründig geführt werden.
In der heutigen Unterrichtsstunde üben die Lernenden zunächst, in Partnerarbeit relevante Argumente zu filtern. Da dies in einem sehr engen Zeitfenster geschieht, müssen sich die Schülerinnen und Schüler schnell auf einen „roten Faden“ einigen, was die Teamfähigkeit und Kooperationskompetenz schulen soll. Da die Lernenden angehalten sind, Sachverhalte aus einer anderen Sichtweise zu betrachten, wird ihre Empathiekompetenz gefördert. Dies ist wichtig, um in zukünftig anstehenden Diskursen andere Meinungen antizipieren zu können. In der Phase der Konferenz sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die ihnen auferlegte Meinung konstruktiv diskutieren. Sie müssen sich einerseits gegenüber den anderen Mitgliedern der Konferenz durchsetzen, sollen aber darüber hinaus auch offen und interessiert für Aspekte aus anderer Sicht der Unternehmung sein. In dieser Phase soll die Kommunikationsfähigkeit geschult werden.
Im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe sollen Kooperationskompetenzen gestärkt werden. Dabei wird auf eine häufig wechselnde Gruppen- bzw. Partnerzusammensetzung geachtet, um die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu trainieren, sich auf neue Arbeitsgruppen einzustellen.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Hdl. Nils Kralemann, 2006, Verfahrensmanagement: Werkstättenfertigung versus Fließfertigung, München, GRIN Verlag GmbH
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