INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Die Person der Frau Ava 4
3. Werk und Überlieferung. 6
4. Zeitgenössische Rezeption 8
5. Das Leben Jesu 10
5.1 Die Stellung des Leben Jesu im Gesamtwerk 10
5.2 Quellen 10
5.3 Die Darstellung der Höllenfahrt 11
5.3.1 Quellen für Avas Darstellung der Höllenfahrt 11
5.3.2 Gemeinsamkeiten der Darstellung der Höllenfahrt im Leben Jesu und im
Nikodemusevangelium 12
5.3.3 Unterschiede zwischen der Darstellung der Höllenfahrt im Leben Jesu und im
Nikodemusevangelium 12
5.3.4 Einflüsse volkssprachlicher und bildlicher Darstellungen auf die Darstellung
der Höllenfahrt im Leben Jesu 15
6. Schlussgedanke. 17
Bibliographie 18
Prim ärliteratur: 18
Sekund ärliteratur: 18
Elektronische Quellen: 18
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat die Lebens- und Schaffensgeschichte Frau Avas, sowie Avas heilsgeschichtliche Dichtungen zum Thema. Bei letzteren wird schwerpunktmäßig das Leben Jesu und vor allem die dort enthaltene Höllenfahrt Christi behandelt.
Die Beschäftigung mit Ava und ihrem Werk ist so interessant wie sie auch schwierig ist. Interessant deshalb, weil Frau Ava die erste mit Namen überlieferte Dichterin ist, die in deutscher Sprache schrieb. Dies war für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich und bemerkenswert, da in den vorhergehenden Jahrhunderten, bis etwa zur Mitte des 11. Jahrhunderts, eindeutig lateinisch dichtende Geistliche das Gebiet der Literatur beherrschten. 1 Somit war das Verfassen volkssprachlicher Dichtungen, nach einer Jahrhunderte langen Pause 2 , etwas sehr Neues und Innovatives - wenn auch kein „voraussetzungslose[r, A.H.] Neubeginn“ 3 - und spiegelte gleichzeitig die Existenz einer nach volkssprachlichen Texten verlangenden Leserschaft wieder. 4 Schwierig, weil sowohl über Ava als auch über Entstehung, Quellen und Publikum ihres Werkes nur Bruchstückhaftes sicher und vieles offen für Spekulationen ist, wie sich im Laufe dieser Arbeit zeigen wird.
Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 2-4) wird deshalb versucht den heutigen Forschungsstand zur Person Avas, ihrem Gesamtwerk und dessen Überlieferung sowie seiner zeitgenössischen Rezeption zusammenfassend wiederzugeben. Hierbei wird auch auf unterschiedliche und teils widersprüchliche Ansichten in der Forschung eingegangen; einerseits um die Thematik von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu beleuchten und andererseits um zu demonstrieren, wie unsicher und spekulativ ein Großteil unseres „Wissens“ über die Dichterin und ihr Werk ist.
1 Beutin, Wolfgang, et. al.: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart, 6 2001, S. 18.
2 Beutin, Wolfgang, a.a.O., S. 11.
3 Gutfleisch-Ziche, Barbara: Volkssprachliches und bildliches Erzählen biblischer Stoffe. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften. Frankfurt am Main, 1997. S. 13.
4 Gutfleisch-Ziche, Barbara, a.a.O., S. 13-14.
3
Der zweite Teil (Kapitel 5) beschäftigt sich mit Avas Leben Jesu. Hier wird schwerpunktmäßig auf die Darstellung Christi Höllenfahrt eingegangen und, unter besonderer Berücksichtigung der Arbeit Barbara Gutfleisch-Ziches, 5 dargestellt, welche Quellen Frau Ava bei der Verfassung dieser, nicht in den vier Evangelien enthaltenen, Szene beeinflusst haben.
2. Die Person der Frau Ava
Will man sich der Person Ava nähern und mehr Wissen über ihr Leben und Schaffen gewinnen, so wird man schnell damit konfrontiert, dass viele Erkenntnisse über sie auf Spekulationen beruhen. Bis heute konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, um wen es sich bei Frau Ava wirklich handelt. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass sie mit Ava inclusa identisch ist, einer Inkluse aus dem Kloster Melk, deren Tod am 07.03.1127 in mehreren Chroniken verzeichnet ist. 6 Für diese These sprechen die besonderen Lebensbedingungen von Inklusen, sowie die inhaltliche und sprachliche Gestaltung Avas Werks.
Die Lebensweise einer Inkluse bot durch ihre besonderen Umstände den passenden Nährboden für die Entstehung einer religiösen volkssprachlichen Literatur. Inklusen entstammten dem Laienstand und verfügten somit nicht über eine lateinischtheologische Ausbildung. Deshalb war die Schriftsprache der von ihnen verfassten Texte fast ausschließlich - bis auf wenige lateinische Floskeln oder religiöse Begriffeihre Volkssprache. Andererseits waren sie aber intensiv in das Leben der religiösen Gemeinschaft eingebunden, da es, um die bischöfliche Erlaubnis zu einem Dasein als Inkluse zu erhalten, einer „längeren Phase der klösterlichen und geistlichen Bewährung“ 7 bedurfte. Somit lebten potentielle Inklusen zumindest für einen gewissen Zeitraum im klösterlichen Verbund und kamen dadurch intensiv mit den christlichen
5 Gutfleisch-Ziche, Barbara, a.a.O.
6 Vgl.Gutfleisch-Ziche, Barbara, a.a.O., S. 148.
Bei Inklusen handelt es sich um „Männer oder Frauen, die sich für eine gewisse Zeit oder lebenslänglich […] zu Askese und Gebet einschließen oder einmauern ließen.“ (Der Brockhaus multimedial 2004 premium.)
7 Gutfleisch-Ziche, Barbara, a.a.O., S. 148.
4
Lehren und Vorstellungen ihrer Zeit in Berührung. Zusätzlich hatten die Zellen, die Inklusen bewohnten, sofern sie an eine Kirche angebaut waren, häufig eine Verbindung zum Kirchenraum. So konnten Inklusen „sowohl der Meß- als auch - in Klöstern - der Tagzeitenliturgie folgen“ 8 und hatten die Möglichkeit sich umfangreiches christliches Wissen anzueignen. Des Weiteren gingen Inklusen neben handwerklichen oft auch schriftstellerischen Tätigkeiten nach oder arbeiteten als Schreiber oder Lehrer. Aufgrund all dieser Tatsachen ist es also sehr gut möglich, dass es sich bei Frau Ava tatsächlich um Ava inclusa handelt, und dass sie während ihres Lebens als Inkluse ihre Dichtungen verfasste. Diese Annahme wird zusätzlich gestützt von dem von Ava in ihren Dichtungen verwendeten deutsch-lateinischem Vokabular. Die von ihr verwendeten lateinischen Begriffe entstammen eindeutig nicht nur der Theologie, sondern enthalten auch Vokabeln des alltäglichen Umgangs in einem kirchlichen oder klösterlichen Umfeld. Laut Stein entbehrt Avas Sprachwechsel zwischen Deutsch und Latein einer „klar erkennbare[n, A.H.] theologisch-exegetische[n, A.H.] Motivation“ weshalb er auf eine „im alltäglichen Umgang praktizierte mischsprachliche Technik“ 9 schließt, wie sie eine Inkluse hätte beherrschen können. Alle weiteren biographischen Daten über Frau Ava sind vierzehn Versen am Ende des Jüngsten Gericht zu entnehmen, die wie folgt lauten:
8 Stein, Peter K.: „Stil, Struktur, Historischer Ort und Funktion. Literarhistorische Beobachtungen und Methodologische Überlegungen zu den Dichtungen der Frau Ava“ in: Festschrift für Adalbert Schmidt zum 70. Geburtstag. hg. von Gerlinde Weiss,. Akademischer Verlag Hans-Dieter Heinz. Stuttgart, 1976, S.5-86, S.45.
9 Stein, Peter K., a.a O., S. 24.
10 Schacks, Kurt (Hg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Akademische Druck- und Verlagsanstalt. Graz, 1986. Jüngstes Gericht, Vv. 393-406.
5
Arbeit zitieren:
Andrea Rollig, 2005, Frau Ava - Person und Werk - unter besonderer Berücksichtigung der Darstellung der Höllenfahrt im Leben Jesu, München, GRIN Verlag GmbH
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