Exegese zu Markus 10,17-27 Seite 0
Inhaltsverzeichnis
0 Vorbesinnung 1
1
Ubersetzungsvergleich 1
2 Kontext und Abgrenzung 2
2.1 Kontext 2
2.2 Abgrenzung 3
3 Gliederung 3
4 Literarkritik 4
4.1 Synoptischer Vergleich 4
4.2 Aufbau und Redaktionsgeschichte 5
5 Formkritik 7
6 Begriffskl arungen 7
7 Traditionsgeschichte 8
8 Religionsgeschichtlicher Vergleich 9
9 Einzelexegese 10
10 Skopus 12
11 Verk undigungsansatz 13
11.1 Zielgruppe 13
11.2 Aktueller Verk undigungsansatz 13
A
Ubersetzung 16
B NTD Mk 10 18
Gero W Waßweiler
Exegese zu Markus 10,17-27 Seite 1
0 Vorbesinnung
Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, l¨ auft ihm ein Mann entgegen um ihn zu fragen, wie er denn das ewige Leben gewinnen kann. Er hat ein echtes Anliegen und hat sich von Jugend an darum bem¨ uht, die Gebote zu halten. Dem Text ist zu entnehmen, dass Jesus ihn lieb gewann und ihm dies anrechnet. Er fordert jedoch von ihm ein Letztes: Den Verkauf aller seiner G¨ uter und damit das Loslassen der ” Lebensgrundlage“ des Mannes. Er fordert von ihm den letzten Schritt, den, der die Gebote ¨ ubersteigt: die sorglose Nachfolge.
Hier konfrontiert Jesus den Mann mit der Schwere der Nachfolge. Dieser Text soll m. E. nicht f¨ ur das reine Loslassen allen Besitzes pl¨ adieren, sondern auffordern, das Herz nicht an weltlichen Reichtum zu h¨ angen. Der Text zeigt auf, wie schwer es doch f¨ ur uns Menschen ist, dies zu tun, und zeigt trotzdem Jesu liebevolles Erbarmen mit uns Menschen. V. 27 best¨ arkt dies noch einmal mit den Worten, dass es zwar f¨ ur Menschen unm¨ oglich ist, ihm in der Nachfolge gleich zu werden, jedoch dass Gott sich der Menschen dennoch erbarmt.
1 ¨ Ubersetzungsvergleich
F¨ ur den ¨ Ubersetzungsvergleich wurden nachstehend genannte ¨ Ubersetzungen herangezogen.
• Rev. Luther 1984 (LUT)
• Einheits¨ ubersetzung (EH ¨ U)
• Eduard Schweizer NTD (NTD)
Des weiteren habe ich zum besseren Textverst¨ andnis eine eigene ¨ Ubersetzung
erstellt (s. Anhang). Die relevanten Unterschiede von 10,17-27 werden im Folgenden dargestellt:
Vers 21: In diesem Vers zeigen sich gleich mehrere Unterschiede der verschiedenen ¨ Ubersetzungen:
• LUT: ” . . . und gewann ihn lieb und sprach zu ihm . . .“
• EH ¨ U: ” . . . und weil er ihn liebte, sagte er . . .“
• NTD: ” . . . , bekam ihn lieb und sprach zu ihm . . .“
Nach SSNT 1 steht an dieser Stelle aor. γαππω, wonach die bessere Lesart hier wohl die nach LUT bzw. NTD sein d¨ urfte.
• LUT: ” . . . , so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!“
1 Vgl. Rienecker: Sprachlicher Schl¨ ussel zum Neuen Testament, Mk 10,21, 110.
Gero W. Waßweiler
Exegese zu Markus 10,17-27 Seite 2
• EH ¨ U: ” . . . , und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“
• NTD: ” . . . , und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm folge mir nach.“
Nach Vergleich mit der eigenen ¨ Ubersetzung und den hier vorliegenden Stellen
bevorzuge ich die Lesart ” bleibenden Schatz“ (EH ¨ textn¨ aher als ” folge mir nach“ (LUT).
Vers 24:
• LUT: ” Die J¨ unger aber . . .“
• EH ¨ U: ” Die J¨ unger waren ¨ uber seine Worte . . .“
• NTD: ” Die J¨ unger aber . . .“
Hier bevorzuge ich die Lesart von LUT bzw. NTD, welche dem gr. οο δδ µαθητα gerecht wird. Ich denke, dass die NTD ¨ Ubersetzung von Eduard Schweizer f¨ ur die Exegese die geeignetste ¨ Ubersetzung ist. Sie scheint nahe an den urspr¨ unglichen Text zu kommen und gibt die M¨ oglichkeit, wichtige Begriffe und Zusammenh¨ ange im weiteren Verlauf zu kl¨ aren, ohne sie vorher inhaltlich festzulegen. Zitate werden, soweit nicht anders benannt, im weiteren Verlauf dieser ¨ Ubersetzung entnommen.
2 Kontext und Abgrenzung
2.1 Kontext
Der Text befindet sich im großen Bereich der ”
nachfolge“ (8,27-10,52), direkt nach ” Heiden“ und vor ”
Der Text folgt auf die ersten beiden Leidensank¨ undigungen, wobei die zweite eine Reihe von J¨ ungerbelehrungen er¨ offnet, wobei es sich hier um die dritte Unterweisung handelt. Im Anschluß folgt die dritte Leidensank¨ undigung. 3 In V. 10,1 ist davon zu lesen, dass sich viele Leute um Jesus versammelt haben und er sie lehrte, wie er es gewohnt war. Ganz nach Art eines Rabbi. Nach den Versen 10,2-12 handelt es sich offensichtlich um ein Streitgespr¨ ach mit den Pharis¨ aern.
2 Vgl. Bull: Bibelkunde des Neuen Testaments, 25.
3 Pohl: Das Evangelium des Markus, 378.
Gero W. Waßweiler
Exegese zu Markus 10,17-27 Seite 3
In den unmittelbar vorangehenden Versen spricht Jesus davon, dass Menschen, die wie Kinder sind, das Reich Gottes geh¨ ort. Interessant ist die in V. 24 folgende Anrede der J¨ unger als Kinder.
2.2 Abgrenzung
Es stellt sich die Frage, ob neben den V. 17-27 auch die folgenden 28-30 (¨ uber den Lohn der Nachfolge) dem Text zuzuordnen sind. Die V. 28-30 k¨ onnen inhaltlich und im Zusammenhang auch ohne den vorangegangenen Text stehen, ohne ihren Sinnzusammenhalt zu verlieren. Auch erscheinen die ersten Verse ohne die folgenden als abgechlossenes und zusammenh¨ angendes St¨ uck. Nach Josef Schmid haben die V. 17-22 und 23-27 einen ” . . . so guten Zusammenhang . . . , daß dieser Zusammenhang als historisch gelten darf.“ 4 Die darauf folgenden Verse (28-30) sieht er dagegen als ” . . . zweifellos . . . urspr¨ unglich selbst¨ andiges St¨ uck, mit dem V. 31 nur lose verbunden ist.“ Und ” das Wort des
Petrus V. 28 . . . unmittelbar hinter V. 23-27 psychologisch schwer denkbar“ 5 ist.
Auch Joachim Gnilka 6 kommt zu dem Schluss, dass die V. 28-31 ” als selbst¨ andige Einheit aufzufassen“ sind. Er begr¨ undet dies damit, dass diese Verse mit dem Vorausgehenden eher assoziativ (¨ uber die Stichworte ewiges Leben und
Nachfolge) verkn¨ upft sind und auch ein neues Thema, ” einbringen. Er geht davon aus, dass ” Anliegen sind“ und dass daher damit zu rechnen ist, ” daß der Evangelist die Einheit an diese Stelle gesetzt hat.“
7
Da dies insgesammt schl¨ ussig scheint, umfasst der Textabschnitt f¨ ur die weitere Exegese somit die V. 17-27. Des weiteren wird dies auch dem begrenzten Umfang dieser Exegese gerecht.
3 Gliederung
1. V. 17-22 Begegnung mit dem reichen Mann 1.1. V. 17 Einl. Frage: Was ist notwendig um das ewige Leben zu ererben?
1.1.1 V. 18 Zur¨ uckweisung Jesu ( Warum nennst du mich gut?“)
”
1.1.2 V. 19 Bedingung: Befolgung der Gesetze / Vergegenw¨ artigung der Gebote
1.1.3 V. 20 Erf¨ ullung der Bedingung
1.1.4 V. 21 Weitere Bedingung: Loslassen von Besitz und Nachfolge
4 Vgl. Schmid: Das Evangelium nach Markus, 190f.
5 Ebda.
6 Vgl. Gnilka: Das Evangelium nach Markus, 91.
7 Ebda.
Gero W. Waßweiler
Exegese zu Markus 10,17-27 Seite 4
1.2. V. 22 Frust des Mannes und Abwendung
2. V. 23-27 J¨ ungerbelehrung 2.1. V. 23-24 Schwierigkeit f¨ ur Beg¨ uterte 2.2. V. 25 Orientalische Illustration 2.3. V. 26-27 Aufregung der J¨ unger und Gottes Perspektive
4 Literarkritik
4.1 Synoptischer Vergleich
F¨ ur den Synoptischen Vergleich werden Mt 19,16-26, Lk 18,18-27 und Mk 10,17-27 herangezogen.
Zun¨ achst f¨ allt auf, dass die drei Synoptiker jeweils eine andere Person mit Jesus sprechen lassen. Mit diesen Variationen umfassen die Synoptiker drei Lebensabschnitte und damit auch drei Einstellungen, indem sie von einem J¨ ungling (Mt 19,20), einem Mann (Mk 10,17) und einem Obersten (Lk 18,18) sprechen.
Weiterhin ist die einleitende Anrede und Frage in Mt eine deutlich andere als in Lk und Mk. Hier wird danach gefragt, ” . . . was soll ich Gutes tun, . . .“(Mt
19,16). Die Antwort Jesu ist hier entsprechend anders, indem Jesus auf das Gute eingeht. Die Intention des Mt ist hier v¨ ollig kontr¨ ar zu der des Mk und Lk. Nach Eduard Schweizer ” entgeht er der Schwierigkeit, daß Jesus nach Mk 10,18 abzulehnen scheint, gut zu sein.“ 8
Bei der Aufz¨ ahlung der Gebote (Mt 19,18-19; Mk 10,19; Lk 18,20) f¨ allt auf, dass Mt das Gebot der N¨ achstenliebe anf¨ ugt (was nach Eduard Schweizer auch in j¨ ud. Katechismen geschieht 9 ) und dass nur bei Mk das Gebot ” . . . du sollst
nichts vorenthalten, . . .“ (Mk 10,19) vorhanden ist. Nur bei Mk ist auch die Gem¨ utsbewegung Jesu ” . . . bekam ihn lieb . . .“ (Mk
10,21) vorhanden. Bei Mt ist stattdessen (und anstelle von ” (Mk 10,21)) ” . . . Willst du vollkommen sein, . . .“ (Mt 19,21) zu lesen. Dazu ist bei Eduard Schweizer zu lesen: ” Aber das Vollkommensein ist nach 5,48
(s.d.) jenes ’mehr’, das Jesus nach 5,20 von jedem J¨ unger erwartet, n¨ amlich ubt man ein in der Nachfolge Jesu.“ 10 die N¨ achstenliebe. Sie lernt man und ¨
Das l¨ asst vielleicht auch den o.g. Zusatz in Mt 19,19 erkl¨ aren. Das Jesuswort ¨ uber die Reichen in Mt 19,23 wird erst bei Mt durch die Einleitungsformel ” Amen, ich sage euch, . . .“ eingef¨ uhrt. Dabei f¨ allt auf, dass
8 Schweizer: Das Evangelium nach Matth¨ aus, 252.
9 Ebda, 253.
10 Ebda.
Gero W. Waßweiler
Arbeit zitieren:
Gero W. Waßweiler, 2006, Exegese zu Markus 10, 17-27 (Der reiche Jüngling), München, GRIN Verlag GmbH
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