Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region
Gliederung
E i n l e i t u n g 3
1.0 Die Errichtung der emsländischen Konzentrationslager 5
1.1 von 1933 bis 1934 6
1.2 von 1934 bis 1936 8
1.3 von 1936 bis 1939 9
1.4 von 1939 bis 1940 10
1.5 von 1942 bis 1945 10
2.0 Die wirtschaftliche Bedeutung der Lager für das Emsland
2.1 Wirtschaftliche Hintergründe der Entstehung
der Lager 1933 11
2.2 Die Moore des Emslandes 12
2.3 Emslandkultivierung bis 1933 12
2.4 Der Stellenwert des Arbeitseinsatzes der
Gefangenen von 1933 bis 1938 13
2.5 Die Wirtschaftlichkeit der Gefangenenarbeit
bei der Moorkultivierung 15
2.6 Die Bedeutung der Lager für die
e m s l ä n d i s c h e n R e g i o n 1 6
2.7 Die Bedeutung der Emslandlager im Rahmen
der nationalsozialistischen Siedlungs- und Autarkiepolitik 20
2.8 Der Arbeitseinsatz der Gefangenen während des Krieges 23
2.9 Zeitzeugenbericht über die wirtschaftliche
Einflussnahme der Lager auf die Ortschaft Dalum 25
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region
3.0 Gedenkstättenpädagogik und Soziale Arbeit
3.1 Was sind eigentlich Gedenkstätten? 29
3.2 Geschichte der Gedenkstätteninitiativen 29
3.3 A r b e i t s f e l d e r 3 0
3.4 Möglichkeiten der Bildungsarbeit 31
3.5 Pädagogische Arbeit 31
3.6 Problembereiche 33
3.7 G e d e n k e n 3 4
4.0 Fazit / Schlussgedanken 36
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i 37
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region
Einleitung
Als ich mir dieses Thema: „Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region“ für meine Hausarbeit ausgewählt habe, wollte ich die Geschichte meines eigenen Wohnortes erfahren. Ich wohne in Dalum im Emsland, als ich das Seminar von Herrn Weese im letzten Semester besuchte und er uns von den Emslandlagern berichtete, konnte ich gar nicht recht glauben was alles dort geschehen sein sollte oder besser gesagt, dass es so was bei uns gegeben haben konnte. Wenn ich mich versuche zu erinnern, fällt mir nur der „Russenfriedhof“ aus dem zweiten Weltkrieg ein. Auf diesem Friedhof liegen gefallene Männer aus dieser Zeit. Ich wusste, bei uns im Ort gar nicht weit von meinem Haus, gab es ein Lager. Aber so wie meine Verwandtschaft davon spricht, hört es sich für mich immer an, als ob es ein Flüchtlingslager für die Vertriebenen aus den Kriegsgebieten wäre, da ich weiß, dass die Familien meiner Eltern dort nach ihrer Flucht gelebt hatten und aus ihren Erzählungen der Eindruck für mich entstanden war, dass es eigentlich eine „gute“ Zeit für sie in dem Lager wie sie es selber nennen, war. Ich habe nie aus den Erzählungen gehört oder wahrgenommen, dass es ein Strafgefangenenlager war. Weiter habe ich auch Geschichten über die Moorgondeln gehört, die zum „Russenfriedhof“ geschoben wurden, mit Leichen darin. Aber damit in Zusammenhang gebracht, habe ich das alles nicht. In der Fachhochschule erzählten mir Kommilitonen, die das Thema im Geschichtsunterricht durchgenommen hatten, kann ich mich trotz großer Anstrengung nicht dran entsinnen, dass ich das durchgenommen hätte. Man hörte auch immer von den Moorbauern, die es doch so schwer hatten, diese großen Moorflächen zu Kultivieren, um sie dann bebauen zu können. Irgendwie war ich ganz schön aufgewühlt als ich das dann alles erfahren habe und auch sehr wütend, dass man über die eigene Geschichte die so nah vor der Haustür ist, nichts weiß.
Ich habe mich dann auf eigene Faust im Internet aufgemacht und recherchierte, was alles vor meiner Haustür geschehen ist. Als ich dann in Papenburg im DIZ war, um mir Anregung und Ideen für ein Thema dieser
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region
Hausarbeit zu holen, war mir dann kurz nach der Durchsicht der Bücher dieses ins Auge gefallen: „Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region“, da doch so viele Lager einen Einfluss auf eine Region, die noch so neu und noch am Anfang ihrer Geschichte stand, haben muss. Das Interview was ich hier benütze ist nur aus der Sicht von Herrn Schmitjans. Ich habe mir die Teilstücke daraus entnommen, die meiner Ansicht nach relevant für die Beantwortung meiner Fragestellung ist. Im Fazit dieser Hausarbeit werde ich dann mein Resümee über meine gewonnenen Eindrücke inwieweit die Emslandlager eine Bedeutung auf die Region ausgeübt haben und die Weiterentwicklung dieses Landstriches vorangetrieben haben, darlegen.
Der erste Teil beschreibt die Funktion der Emslandlager. In verschiedene Abschnitte unterteilt, wird der Aufbau der Konzentrationslager im Emsland und in ganz Deutschland angerissen. Es wird erläutert welche Bedeutung die Emslandlager für das NS-System hatte.
In der zweiten Passage werde ich auf die Fragestellung meiner Hausarbeit näher eingehen. Ich beschreibe in den Unterkapiteln die wirtschaftliche Bedeutung der Emslandlager für die Region. Mit einem Interview, aus einer Dokumentation, die zur Jahrtausendwende in Zusammenarbeit unserer Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinde erschienen ist und die, die Geschichte unseres Ortes von Beginn der ersten Besiedelung bis heute aufzeichnet und diesen Zeitabschnitt nicht vergisst, gebe ich eine Zusammenfassung über das frühere Leben und die Eindrücke von Johannes Schmitjans aus der Zeit des Nationalsozialismus wieder.
Im Schlusskapitel werde ich meine Eindrücke und gewonnenen Erfahrungen während des Schreibens dieser Hausarbeit reflektieren und meine Fragestellung: „ Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region“ überprüfen, soweit ich sie beantworten kann.
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region S.5
1.0 Die Errichtung der emsländischen
Konzentrationslager
In den Konzentrationslagern fand der faschistische Terror des NS-Systems seinen stärksten Ausdruck. Ihr Hauptzweck zwischen den Jahren 1933 und 1936 war die Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners. Sie waren einerseits notwendige Konsequenzen der maßlosen politischen Gewaltanwendung, die mit der „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ einherging. Sie wurden zum wichtigen Instrument des Terrors (Buck/Weißmann 2003,S.8). In ihnen sollten die politischen Gegner durch eine ins Ungewisse ausgedehnte Gefangenschaft unter unmenschlichen Bedingungen, „umerzogen“ werden.
Konzentrationslager (KZ) wurden als Mittel der Einschüchterung auch nach außen hin wirksam. „Meckern darf, wer keine Angst hat, ins KZ zu kommen“, drohte Goebbels im Mai 1934 im „Völkischen Beobachter“ (Suhr 1985,S.28). Deshalb wurde die Existenz von Konzentrationslagern auch keineswegs vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Die Konzentrationslager wurden in einem Artikel der Emszeitung hämisch als Umerziehungslager für „Kommunisten“ genannt: „Leer - Samstagmorgen um 4.00 Uhr rollte von Leer ein Lastwagen mit etwa 20 Kommunisten, die in den letzen Wochen in der Stadt und im Kreis Leer festgenommen wurden, nach dem Konzentrationslager in Börgermoor ab. (…) (Emszeitung 31.07.1933 in Suhr).
Unmissverständlich wurde der emsländischen Bevölkerung klargemacht, dass jedwede Form der Solidarität mit den Gefangenen ebenfalls auf direkten Weg ins KZ führt.
„Dem Hochverräter aber wird sicherlich im Konzentrationslager ausreichend Gelegenheit gegeben werden, über die Niederträchtigkeit seiner Tat nachzudenken“ (Kosthorst 1983,S.249-261). Die Funktion der deutschen Konzentrationslager und die daraus resultierenden KZ-Vollzugsbedingungen sind bestimmt von der
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region S.6
wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des nationalsozialistischen Herrschaftssystems und lassen sich danach in fünf Zeitabschnitte unterteilen (Broszat 1967,S.74 ff, Pingel 1978,S.1 ff)
1.1 von 1933 bis 1934
In der Zeit von 1933 bis 1934 lassen sich drei Typen von Haftstätten für Schutzhäftlinge unterscheiden: 1. Reguläre Polizei- und Justizvollzugsanstalten; 2. „wilde“ Konzentrationslager, die völlig der Willkürherrschaft lokaler
3. staatliche Konzentrationslager, die von staatlichen Institutionen gegründet und der Polizei der Länder unterstellt waren.
Die Unterbringung von Schutzhaftgefangenen in regulären Haftanstalten verlor zunehmend an Bedeutung, wurde der Haftraum doch für die seit 1933 wachsende Zahl von politischen und kriminellen Justizgefangenen benötigt. Die „wilden“ Konzentrationslager wurden wegen der dort herrschenden Legalisierung des nationalsozialistischen Terrorsystems in der zweiten Hälfte des Jahres 1933 aufgelöst (Pingel 1978,S.33 ff). Hermann Göring begann im Frühjahr 1933 mit der Einrichtung staatlichen kontrollierten Konzentrationslager, ohne dabei jedoch eine Zentralisierung des preußischen Schutzhaftsystems in Angriff zu nehmen und ohne die zahlreichen noch bestehenden „wilden“ Konzentrationslager aufzulösen (Pingel 1978,S.33 ff). die emsländischen Konzentrationslager waren von Anfang Auch
an Einrichtungen des preußischen Staats. Die Initiative zu ihrer Errichtung ging vom preußischen Innenministerium aus. Im März 1933, während der ersten großen Verhaftungswelle, suchte man nach Unterbringungsmöglichkeiten für Schutzhäftlinge. Der Osnabrücker
Regierungspräsident Eggers erhielt den Auftrag, Hafträume für ca. 250 bis 300 Mann zu schaffen, da eine Inhaftierung der „kommunistischen
Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländischen Region S.7
Funktionäre und anderer in der kommunistischen Bewegungen tätigen Persönlichkeiten in Polizei- und Justizgefängnissen und Zuchthäusern auf die Dauer nicht möglich sei
(Schulz 1962,S.155). Die Aufforderung des Innenministeriums stieß auf großes Entgegenkommen kommunaler und regionaler Behörden, die ihrerseits ein starkes Interesse an dem Einsatz von
Gefangenenarbeitskräften zur Kultivierung der emsländischen Moorgebiete im Regierungsbezirk Osnabrück hatten. Verhandlungen zwischen dem Innenministerium und kommunalen Institutionen führten zu dem Entschluss, nicht nur einige hundert, sondern mehrere tausend Schutzhäftlinge im Emsland unterzubringen. Die Vorbereitungen für den Bau der Konzentrationslager Esterwegen und Börgermoor begannen (Buck/Weißmann 2003,S.8).
Die Konzentration aller politischen Gefangenen Preußens im Emsland wurde vor allem wirtschaftlich begründet, die erwartete „Dauerzahl“ von 10.000 Schutzhäftlingen sei „produktiv“ in „Unternehmungen des Staates“ zu beschäftigten, um so die Haftvollzugkosten zu senken. In den Emslandlagern seien ab 1934 sämtliche politischen Gefangenen Preußens unterzubringen, während alle bereits bestehenden „staatlichen“
Konzentrationslager zu schließen seien (Broszat 1967, S.24). Infolge des Strebens Görings nach einer formalen Legalisierung des faschistischen Terrorsystems in Preußen wurde die erste Wachmannschaft der emsländischen „staatlichen“ Konzentrationslager von der Osnabrücker Schutzpolizei gestellt. Sie überwachte den Aufbau des Lagers Börgermoor durch 90 Schutzhäftlige, die allesamt bauhandwerklich ausgebildet waren. Insassen des Lagers I errichteten später das Lager II bei Esterwegen, wo am 11.08 die ersten großen Gefangenentransporte eintrafen. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde das Lager III erbaut (Suhr 1985,S.31). Bevor die ersten großen Häftlingstransporte eintrafen, waren der Polizei bereits, entsprechend dem Wunsch Himmlers nach Unterbringung von SS-Angehörigen im KZ-Wachdienst. Die Übergabe der Lager Esterwegen II, III und Neusustrum an SS-Männer war unmittelbar von Göring angeordnet worden.
Arbeit zitieren:
Michaela Bublitz, 2006, Die Bedeutung der Emslandlager für die emsländische Region, München, GRIN Verlag GmbH
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