Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: die Ziele dieser Arbeit 3
2 Großbritannien und die Europafrage 4
2.1 Der Commonwealth und die Souveränitätsfrage 4
2.2 Die „special relationship“ 5
2.3 Die strukturellen Unterschiede 6
2.4 Formale Mißverständnisse 7
3 Englands Annäherung an Europa 7
3.1 Großbritanniens Weg in die EG 7
3.2 Die Thatcher - Ära 8
3.3 Thatchers Erbe: John Major und Europa 10
3.4 New Labour 12
4 Die aktuellen Entwicklungen zum Euro 17
4.1 Die wirtschaftlichen Voraussetzungen 18
4.2 Die öffentliche Meinung 19
5 Fazit 20
6 Literatur 22
1 Einleitung: die Ziele dieser Arbeit
Diese Arbeit will die Beziehung zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa darstellen. Zunächst soll kurz auf einige strukturelle, gedankliche und formale Hindernisse hingewiesen werden, die diese Beziehung auf immer wieder neue Proben stellen, und deren Kenntnis die Probleme der politischen Anbindung Großbritanniens an Europa erst verstehen lassen. Dies wird in Form eines historischen Rückblicks geschehen, der bis in die Zeit der imperialen Eroberungen zurückgeht. Das nächste Kapitel zeigt den Prozess der Integration Großbritanniens in ein politisches Europa über die letzten vierzig Jahre. Wichtig ist es hier, stets den gedanklichen Bezug zum vorhergegangenen Kapitel zu suchen. Beschrieben werden Großbritanniens erste umständliche Schritte in die EG und die Auswirkungen einer fünfzehnjährigen konservativen Regierungsphase auf die europäischen Beziehungen. Darauffolgend dargestellt ist der Wandel innerhalb der Labour-Regierung, der maßgeblich an der Annäherung Großbritanniens an Europa beteiligt ist. Es folgen Ausführungen zur ersten Amtszeit Blairs, sowie die Ergebnisse der 2001-Wahl, bevor nun das nächste Kapitel ausschließlich die aktuellen Entwicklungen um den Euro als Gegenstand hat. Aufgrund des derzeit starken Interesses der britischen Regierung an einer Teilnahme an der gemeinsamen europäischen Währung werden hier zum Einen die wirtschaftlichen Bedingungen einer Euro-Teilnahme Großbritanniens, zum Anderen die Meinung der britischen Öffentlichkeit zum Euro betrachtet. Beides Aspekte, von denen der Beitritt Großbritanniens zur Eurozone letztlich abhängt. Zum Ende dieser Arbeit werden die behandelten Aspekte noch einmal aufgegriffen und zusammenfassend dargestellt.
3
2 Großbritannien und die Europafrage aus geschichtlicher Perspektive
England gegen den Rest der Welt - dies war für lange Zeit die Devise des angelsächsischen Königsreiches. Schon die Geographie des Landes weist auf eine gewisse Eigenständigkeit und Unabhängigkeit hin. Aufgrund der Insellage war Großbritannien relativ unbeeinflußt von den Entwicklungen ringsherum. Kultureller Austausch, zum Beispiel zum europäischen Festland, fand kaum statt, und so entstanden über die Jahrhunderte unterschiedliche Strukturen, Traditionen und Weltanschauungen, letztere wurden besonders durch eine Entwicklung beeinflußt: Englands Aufstieg zur Weltmacht und die Bildung des British Empire. Um die Problematik im europäischbritischen Integrationsprozess zu verstehen, müssen zunächst einige Faktoren und Entwicklungen erklärt werden.
2.1 Der Commonwealth und die Souveränitätsfrage
England gewann durch Eroberungen auf der ganzen Welt Prestige und Reichtum. In den Lagerhallen und Kammern der Londoner Docklands häuften sich die exotischen Güter aus Übersee, und jedes mit Kostbarkeiten aus der „neuen Welt“ zurückkehrende Schiff ließ das Selbstbewußtsein der Briten ansteigen. Englands Fokus lag auf dem Ausbau des Imperiums und seiner globalen Rolle. Europa wurde eine geringere Aufmerksamkeit beigemessen, Englands einziges Anliegen hier war die Schaffung eines Machtgleichgewichts, das auf dem Kontinent den Frieden sichern sollte. Oberstes Staatsinteresse war die Sicherheit Großbritanniens sowie die Erhaltung der nationalen Souveränität und Identität. Und England war bekannt für die nüchterne Verfolgung der eigenen Interessen, so sagte einmal ein gewisser Lord Palmerston: „England hat keine ewigen Freunde oder Feinde, sondern nur ewige Staatsinteressen.“ 1 Dieser vermeindliche Grundsatz britischer Außenpolitik hat bis heute nicht nur überlebt, er stellt sogar eine große Hürde auf dem Weg der Annäherung Englands an Europa dar. Großbritanniens Grundanliegen im europäischen Integrationsprozess war von Beginn an die Beibehaltung seiner nationalen Souveränität als eine der wichtigsten Staatsinteressen. Als Winston Churchill 1946 von den „Vereinigten Staaten von Europa“ sprach, meinte
1 SCHWARZ 1997, S.14ff
4
er „keineswegs eine eng integrierte Gemeinschaft mit einer gemeinsamen europäischen Regierung“ 2 , die traditionsreichen britischen Institutionen sollten in ihrer Selbstständigkeit nicht gefährdet werden, ebensowenig wie das britische Pfund, der Inbegriff der nationalen Souveränität. Der Ursprung dieser Einstellung ist im historisch gewachsenen Nationalstolz der Briten zu sehen, der auf den Erfolgen des British Empire beruhte. Obwohl die Zeiten Englands als Weltmacht zu Ende sind, resultiert gerade aus dieser ehemaligen Weltmachtstellung bis heute das britische „Hochhalten der nationalen Flagge“, also das Festhalten an eigenen Traditionen und Unabhängigkeit, eben auch auf politischer Ebene. „Aus britischer Sicht bleibt der Nationalstaat auch in der europäischen Politik die bestimmende Einheit und die nationalen Parlamente die Hauptquelle demokratischer Legitimation.“ 3 Die Briten beharrten in der Frage um die „right sort of Europe“ stets auf einer dezentralen Staatsform und waren gegen eine politische Integration, gegen ein supranationalistisch strukturiertes Europa mit seinem Zentrum in Brüssel. 4 Dies wäre für die Briten die endgültige Eingeständnis des Verlustes ihrer globalen Vormachtstellung.
2.2 Die „special relationship“
Das Königreich fühlte sich mit einem Staat stets besonders verbunden: den USA. Einst aus England hervorgegangen, pflegten beide Nationen besonders im 2. Weltkrieg und im Kalten Krieg eine „special relationship“. Allerdings maßen die Briten diesem Verhältnis durchweg eine größere Bedeutung zu als es die Amerikaner taten. Die Engländer sahen in den USA einen engen außenpolitischen Partner, einen Verbündeten und Vertrauten, und sich selbst als 3. Macht im Kalten Krieg nach den USA und Russland. Nicht zuletzt wegen dieser Fokussierung auf die USA waren die Briten zunächst eher passiv in der Teilnahme an der EU. Die Amerikaner aber beschränkten sich in ihrer Beziehung zu Großbritannien fast ausschließlich auf Verteidigungsfragen und nahmen sonst relativ wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse und Meinungen der Engländer. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist seitens der USA zum Bedauern der Briten kaum noch etwas von den einstigen besonderen Beziehungen zu spüren, für die Amerikaner ist Großbritannien
2 KASTENDIEK/ROHE/VOLLE 1998, S. 459
3 PFETSCH 1997, S.267
4 KASTENDIEK/ROHE/VOLLE 1998, S. 459f
5
gleichgestellt mit Frankreich und Deutschland. 5 Auch der Abwendung der USA von Großbritannien ist es zu verdanken, daß seitdem ein stärkeres Interesse der Briten an Europa zu verzeichnen ist.
2.3 Die strukturellen Unterschiede
Beruhend auf dem über lange Zeit mangelnden Austausch zwischen England und dem Kontinentaleuropa entwickelten sich einige Unterschiede in den Strukturen. Zunächst zu den wirtschaftlichen Strukturen: die britische Wirtschaft ist liberaler, internationalisierter und auch abhängiger als die Wirtschaft in Deutschland oder Frankreich. England als Handelsnation hat in der Vergangenheit sehr auf den Export gesetzt, 1880 betrug der Anteil der exportierten Güter an den Gesamtgütern 40%. Auch wenn dieser Anteil bis 1995 auf 5,4% gesunken ist -Tendenz fallend, ein Beweis für den Bedeutungsverlust Englands im Internationalen Warengeschäft- hat Großbritannien trotzdem die offene, internationale Ausrichtung bewahrt: gerade das liberale Wirtschaftssystem zog in den letzten Jahren viele ausländische Investoren und transnationale Unternehmen oder Banken nach England, vor allem in die alte Metropole London, die dadurch nun zu ihrem verlorengeglaubten Glanz zurückfindet. In der Frage der europäischen Annäherung kommen diese Wirtschaftsprinzipen der Interdependenz und Abhängigkeit gelegen, die ökonomische Klasse Großbritanniens gibt sich überwiegend proeuropäisch. Demgegenüber steht allerdings die politische Klasse, die sich auf der Grundlage der Prinzipien Unabhängigkeit und Souveränität von Europa distanzieren. Die Diskussion um Europa wird durch den Kontrast dieser Standpunkte stets neu belebt.
Ein weiterer struktureller Unterschied liegt in den Rechtssystemen. Großbritannien hatte bisher keine geschriebene Verfassung, es galt das Recht nach Urteilssprüchen. Durch den Maastrichter Vertrag wurde England nun sozusagen eine Verfassung gegeben. Dies entwickelte sich als ein Streitpunkt, da manche Konservative dies als einen Eingriff in das englische System kritisierten. 6
5 SCHWARZ 1997, S.22ff
6 SCHWARZ 1997, S.27ff
6
Arbeit zitieren:
Katrin Soschinski, 2001, Großbritannien und Europa - ein schwieriges Verhältnis, München, GRIN Verlag GmbH
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