Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (cp) 2
2. Grundlagen der Beobachtungsmethodik (cp) 3
2.1. Formen der wissenschaftlichen Beobachtung 3
2.2. Grundlagen 4
2.3. Gütekriterien der Beobachtung. 5
2.4. Kategorisierung 7
2.5. Beobachtungsfehler 8
3. Beobachtungsgegenstand. 11
3.1. Bewegungsprofile (cp) 11
3.2. Efforts (Bewegungsantriebe) (bu) 12
3.3. Shape Flow (Formenfluß) (cp) 15
4. Beobachtung 17
4.1. Tabellen der Efforts und des Shape Flow 17
4.2. Problematiken bei der Beobachtung der Efforts (bu) 17
4.3. Problematiken bei der Beobachtung des Shape Flow (cp) 18
5. Auswertung der Beobachtung. 19
5.1. Auswertung der Efforts (bu) 19
5.2. Auswertung des Shape Flow (cp) 21
6. Berechnung der Beobachterübereinstimmung (bu) 22
6.1. Grundlage 22
6.2. Berechnung der Beobachtung. 23
6.3. Ergebnisse 24
7. Diskussion (bu) 25
8. Literaturverzeichnis. 28
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1. Einleitung (cp)
In der Sozialwissenschaft werden Hypothesen aufgestellt, zu deren Überprüfung verschiedene Methoden eingesetzt werden können, wie die Befragung, die Inhaltsanalyse oder aber die Beobachtung. Nach der Erhebung der Erfahrungsdaten werden diese ausgewertet, was dann zu Ergebnissen führt, die mit den Erwartungen ins Verhältnis gesetzt werden. Dadurch wird die Hypothese geschwächt oder gestützt. Kann die Nullhypothese zurückgewiesen werden, so gilt die Alternativhypothese als Maßstab einer vorläufig bewährten empirischen Theorie.
Unser Weg zur Gewinnung von Erfahrungsdaten ist die Beobachtung. Sie ist eine Technik, die im Alltag genauso notwendig ist wie auch beim wissenschaftlichen Arbeiten.
Dieser Forschungsprozess der Hypothesenüberprüfung basiert zum einen auf der theoretischen Ebene, zum anderen ist auch das konkrete wissenschaftliche Handeln von Bedeutung.
Bei der Theorie ist zuerst einmal die Richtung der Forschung festzulegen. Außerdem müssen eventuell auftretende Probleme schon im Vorhinein gelöst werden, z.B. muss festgelegt werden, was überhaupt erforscht werden soll, welche Methoden zur Untersuchung eingesetzt werden und wie die Ergebnisse Anwendung finden. Auf der zweiten Ebene muss eine Operationalisierung der Begriffe (Festlegung von beobachtbaren Indikatoren) stattfinden, um die Beobachtung zu standardisieren. Danach können die Daten erhoben und ausgewertet werden.
In der Psychologie wird die Beobachtung in vielen Bereichen eingesetzt und ist unvermeidbar. Auch im Alltag wird sehr viel beobachtet. Hier jedoch treten oft bewusste oder unbewusste Fehlwahrnehmungen, sogenannte Täuschungen, auf, die häufig zu Unstimmigkeiten führen. Um dies zu vermeiden werden in der Psychologie bestimmte Forschungsmethoden kontrolliert eingesetzt (BUNGARD, SUMASKI et al. 1986).
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GRAUMANN (1966) definiert die Beobachtung folgendermaßen: „Die absichtliche, aufmerksam-selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet, nennen wir Beobachtung. Gegenüber dem üblichen Wahrnehmen ist das beobachtende Verhalten planvoller, selektiver, von einer Suchthandlung bestimmt und von vornherein auf die Möglichkeit der Auswertung des Beobachteten im Sinne der übergreifenden Absicht gerichtet.“
2. Grundlagen der Beobachtungsmethodik (cp)
2.1. Formen der wissenschaftlichen Beobachtung
Die Varianten der wissenschaftlichen und systematischen Beobachtung beschreiben MEES & SELG (1977) wie folgt: Bei der wissenschaftlichen Beobachtung wird unterschieden in naturalistische, freie und systematische Beobachtung. Bei unserer Arbeit sind wir nur auf die letztgenannte eingegangen. Bei der wissenschaftlichen Beobachtung wird hauptsächlich die systematische Beobachtung verwendet. Charakteristisch dafür ist die Festlegung, Vereinheitlichung und Kontrolle.
Zuerst müssen äußere Rahmenbedingungen festgelegt werden, also wo (in welchem Umgebungsrahmen) beobachtet wird und wer bzw. was beobachtet werden soll (Personen und Situationen). Außerdem sollte schon erprobt worden sein, mit welcher Methode die Beobachtung durchgeführt werden soll, z.B. wie lange die Beobachtung dauern soll, ob mit oder ohne Pausen, mit zufälligen Zeitstichproben oder Ereignisstichproben usw. Diese Vereinbarungen müssen schon vor der ersten Beobachtung feststehen.
Ein Beobachtungssystem sagt dem Beobachter, was Gegenstand der Beobachtung ist und in welcher Form er Daten aufnehmen soll.
Bei der systematischen Beobachtung werden die allgemeinen Gütekriterien, die auch für andere Datenerhebungsmethoden gelten, verwendet. Die Beobachtung muss den Gütekriterien der Validität (Gült), der Reliabilität (Zuverlässigkeit, Genauigkeit), der Objektivität, zusätzlich der Normierung (Standardisierbarkeit) und der Ökonomie (effizienten Anwendbarkeit) genügen/standhalten).
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2.2. Grundlagen
Klassifikation von Beobachtungen:
Bei der systematischen Verhaltensbeobachtung werden verschiedene Arten unterschieden (MEES & SELG 1977): - Feld- und Laborstudien
Hier wird der Ort festgelegt, wo die Beobachtung stattfinden soll bzw. inwiefern der Beobachter auf die zu beobachtende Situation Einfluss nimmt. Bei der Beobachtung im Feld findet die Untersuchung in der natürlichen Umgebung der Observanden statt, es werden also solche Verhaltensweisen registriert, die mit und ohne Anwesenheit und Einflussnahme des Beobachters identisch sind. Bei den Laborbeobachtungen, also den nicht-naturalistischen Beobachtungen, werden Situationen geschaffen, in denen die Beobachter anwesend sind bzw. auf das zu beobachtende Geschehen Einfluss nehmen.
Feld- und Laborbeobachtungen sind kaum in reiner Form zu finden. Die Grenzen gehen eher fließend ineinander über. - Grad der Teilnahme
Beim Grad der Teilnahme wird unterschieden in aktiv und passiv teilnehmende Beobachtung. Bei der aktiven Form ist der Beobachter mit im Raum oder nimmt sogar an dem Untersuchungsprozess teil, z.B. als Gruppenmitglied. So kann der Beobachter die Situation genau nachempfinden, allerdings besteht auch die Gefahr, dass er sich zu sehr für seine Beobachtung engagiert und durch diese unterschiedliche Engagiertheit sehr unterschiedliche Ergebnisse entstehen können. Ein weiterer Nachteil dieser Beobachtungsform ist, dass das Beobachtungsprotokoll erst im Nachhinein erstellt werden kann, wodurch Verzerrungen möglich sind. Für psychologische Beobachtungen wird diese Form eher selten gewählt.
Bei der passiven Form der Beobachtung kann sich der Beobachter auch mit im Raum aufhalten, greift aber auf keinen Fall in das situative Geschehen mit ein. Hierbei soll der Beobachter aber nicht ablehnend und unfreundlich wirken.
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In der Psychologie wird häufig auch ein nicht-teilnehmendes Beobachtungsverfahren gewählt. Das Verhalten des Probanden wird entweder durch eine Einwegscheibe beobachtet oder es wird auf Video oder Tonband aufgezeichnet. Der Beobachter ist für den Probanden also nicht sichtbar. - Grad der Systematik
Hierbei wird unterschieden zwischen der offenen und der verdeckten Beobachtung. Wenn die Probanden über die Beobachtung informiert wurden, wird dies als offene oder wissentliche Beobachtung bezeichnet. Wissen die Probanden nicht, dass sie beobachtet werden, oder erfahren sie es erst nach der Beobachtung handelt es sich um eine verdeckte oder unwissentliche Beobachtung. - Vermittelte versus unvermittelte Beobachtungen
Bei der technisch vermittelten Beobachtung wird das Geschehen mittels Bild- oder Tonträger aufgezeichnet. Vorteil hierbei ist, dass das Beobachtungsmaterial gespeichert und jederzeit verfügbar gemacht werden kann. Wenn die Beobachtung durch eine Einwegscheibe nur protokolliert wird und keine Medien eingesetzt werden, handelt es sich um eine unvermittelte Beobachtung.
2.3. Gütekriterien der Beobachtung
Da die Beobachter bei ihren Untersuchungen unterschiedliche Schwerpunkte setzen, müssen verschiedene Kriterien beachtet werden. Diese sind wie oben bereits genannt die Objektivität, die Reliabilität und die Validität (MEES & SELG 1977). - Objektivität
Die Objektivität ist das Maß, in dem die Beobachtungsergebnisse unabhängig vom Beobachter sind, also der Grad der Übereinstimmung von Beobachtungsergebnissen, die von verschiedenen Beobachtern an demselben Beobachtungsobjekt erreicht werden.
Hier werden die Beobachtungen also nicht mechanisch aufgezeichnet, sondern durch menschliche Beobachter durchgeführt. Dabei sollte ein möglichst großes Ausmaß an interpersoneller Übereinstimmung bei den Daten mehrerer Beobachter, die
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sog. Intersubjektivität, erreicht werden. Die absolute Objektivität gibt es dadurch aber nicht, da jeder Mensch Informationen verschieden wahrnimmt. - Reliabilität
Die Reliabilität ist die Zuverlässigkeit oder die Genauigkeit mit der ein Instrument misst, was es faktisch misst, ohne Rücksicht auf den Gegenstand der Messung. Ausgedrückt wird diese Reliabilität durch einen Koeffizienten, der das Maß für die Übereinstimmung von Beobachtungen ist, die von verschiedenen Personen in gleichen Situationen gemacht wurden. Zuverlässig ist ein Instrument dann, wenn die Beobachtung beliebig oft wiederholt werden kann und es dabei zu annähernd den gleichen Ergebnissen führt, die sogenannte Retestreliabilität. Voraussetzung dafür ist die Stabilität, das heißt, dass die äußeren und die personenabhängigen Bedingungen konstant gehalten werden. Notwendig für eine hinreichende Reliabilität ist auch die Objektivität. Bei Beobachtungen werden Objektivität und Reliabilität auf die gleiche Weise bestimmt.
Je größer die Übereinstimmung der Beobachter ist, desto höher ist auch die Zuverlässigkeit dieses Messinstruments. - Validität
Die Validität ist die Gültigkeit eines Verfahrens, ob das Verfahren das misst, was es zu messen vorgibt bzw. was es messen soll. Voraussetzung hierfür sind die Objektivität und die Reliabilität.
Unterschieden wird hier zwischen der Kriteriumsvalidität, der Konstruktvalidität und der Inhaltsvalidität. - Kriteriumsvalidität
Zu überprüfen ist hierbei, inwieweit das Ergebnis der Beobachtung mit einem äußeren Kriterium korreliert. Dies kann zum Beispiel durch einen Vergleich der Daten mit einem gängigen Test, der herkömmlich zur Messung des Konstrukts verwendet wird, erreicht werden. - Konstruktvalidität
Überprüft wird hier die Operationalisierung anhand von Theorie und Empirie, inwieweit das Testverfahren mit dem theoretischen Konstrukt übereinstimmt.
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- Inhaltsvalidität
Die Beobachtungsergebnisse sollen die Beobachtungsmerkmale hinreichend genau wiedergeben. Es muss offensichtlich sein, dass der Test gültig und gut das Merkmal erfasst, das zu untersuchen ist (sog. Face-Validität). Außerdem sollte das Ergebnis generalisierbar sein. Ausgangspunkt ist das Verhalten der repräsentativen Stichprobe. Von diesem Verhalten soll auf das außerhalb der Beobachtungssituation bzw. auf das der Population, der die Stichprobe entnommen ist, geschlossen werden können.
2.4. Kategorisierung
Durch die Verwendung der systematischen Beobachtung soll eine größere Objektivität erreicht werden. Wie oben schon erwähnt, wird zuerst ein Beobachtungsrahmen geschaffen, in dem die Beobachtungsvorgänge nach vorgeschriebenen Regeln ablaufen. Somit wird die Beobachtung kontrollierbarer. Danach muss ein Beobachtungsschema erarbeitet werden mit z.B. Kategoriensystemen. Hierbei wird das zu beobachtende Verhalten nach verschiedenen Aspekten und Ausprägungen unterteilt und nach bestimmten Kategorien klassifiziert. Verschiedene methodische Aspekte müssen bei der Gewinnung von Kategorien beachtet werden. Das Kategoriensystem sollte möglichst aus theoretischen Überlegungen abgeleitet werden. Jedes Verhalten, das auftreten kann, sollte erfasst werden können und muss eindeutig einer Ka-tegorie zuzuordnen sein. Allerdings sollte die Anzahl der Kategorien so klein wie möglich gehalten werden, damit die Beobachter nicht überlastet werden. Durch die Schaffung eines Beobachtungsrahmens und die Einteilung in Kategorien wird die Beobachtung ökonomischer. Allerdings sollte der Aufwand der Beobachtung immer im Verhältnis zum Beobachtungsgegenstand stehen. Werden die Kategorien überarbeitet, müssen Kodierregeln entwickelt werden. Sie sollen die Protokollierungen der Beobachtungen vereinheitlichen (MEES & SELG 1977).
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Arbeit zitieren:
M.A. Barbara Urban, Carmen Petermann, 2002, Verhaltensbeobachtung in den Sozialwissenschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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