Inhaltsverzeichnis
1. Bestattungssitten, Gräber und Friedhöfe der Achämenidenzeit 3
1.1. Pasargadae 3
1.2. Susa 7
2. Privatgräber 10
2.1. Kuh-i Ramat bei Persepolis 11
2.2. Ghalekuti I und II, Gilan, Iran 11
2.3. Mesopotamien 12
2.4. Nekropolen und Gräber in Phönizien, Syrien und Jordanien zur Achämenidenzeit 14
2.5. Deve Hüyük 16
2.6. Hacinebi 17
2.7. Palästina 17
2.8. Ägypten 18
3. Zusammenfassung 20
4. Bibliographie 22
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1. Bestattungssitten, Gräber und Friedhöfe der
Achämenidenzeit
Dieser Beitrag untersucht die Gräber und Bestattungssitten im Großreich der Achämenidenzeit. Dabei werden die Königsgräber von Naqsh-i Rustam nicht besprochen. Lediglich das Kyrosgrab und mögliche Vorgängerbauten sollen vorgestellt werden, bevor das Hauptaugenmerk auf die Privatgräber 1 im Großreich gelegt wird. Während es zu einzelnen Gräbern wie dem Kyrosgrab oder dem reichen Frauengrab in Susa kleinere Artikel existieren, die das jeweilige Grab in einen Kontext stellen, wurden Gräber und Friedhöfe in einem größeren regionalen Umfeld nur für die das Gebiet der Levante untersucht. Der Raum Palästina wurde von Ephraim Stern bearbeitet und die Regionen Jordanien, Syrien und Phönizien von Astrid Nunn. Der Großraum Mesopotamien und Iran wurden bislang völlig ausser Acht gelassen. Im Iran liegt es unter anderem am zu geringen Quellenmaterial, in Mesopotamien möglicherweise an den Altgrabungen und den unzuverlässig publizierten Befunden. Allerdings liefern die zahlreichen Rettungsgrabungen in den letzten Jahrzehnten vor allem in Nordmesopotamien und SO-Anatolien im Rahmen der Stauseeprojekte aussagefähiges Quellenmaterial, dass es zu untersuchen gilt.
1.1. Pasargadae
In Pasargadae befindet sich das leere Grab des Kyros. 2 Neun Jahre nachdem seine Truppen in Babylon einmarschierten starb Kyros im Jahre 530 v.u.Z. an den Folgen einer Verwundung in einer Schlacht gegen die Massageten am Araxes.
Strabon zitiert in seiner Geographika Buch 15, Kpt. 3 Absatz 7 den Griechen Aristobulus, der von dem Besuch Alexander des Großen am Grab des Kyros berichtet. Das Grab soll von Bäumen dicht bestanden und verborgen gewesen sein. Aristobulus soll auf Geheiß des Königs (Alexander d. Gr.) das Grab betreten haben. Dort habe er eine goldene Kline, einen Tisch mit Gefäßen und einen goldenen Sarg gesehen. Alles sei mit Edelsteinen besetzten Tüchern verziert gewesen. Bei Arrian 3 , der ebenfalls den Aristobulus als Gewährsmann anführt, wird der Sarg des Kyros als Wanne bezeichnet.
1 Als Privatgräber sollen hier sämtliche nicht als großkönigliche Bestattungen verstandene Gräber angesprochen werden, selbst wenn es sich bei besonders reich ausgestatteten Gräbern möglicherweise auch um die Beisetzungen von Satrapen oder lokalen Herrschern handeln mag.
2 Die Identifizierung der Totenstätte als zum Großkönig gehörend gilt als sicher. vgl. Boardman, Perser 67 +112 .
3 Arrian, Anabasis 6, 29, 5.
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Bei einem späteren Besuch Aristobulus war das Grab bereits geplündert - lediglich die Kline und der zerbrochene Sarg, seien noch am Ort gewesen. Es wird weiter berichtet, dass eine Magi-Wache das Grabmal beschützen sollte - als Bezahlung sollte die Wache ein Schaf jeden Tag und zusätzlich ein Pferd jeden Monat erhalten, das Kyros geopfert wurde.
Das Grab liegt an markanter Stelle in Pasargadae und wurde aus Steinblöcken gefertigt. Es ist aus sechs konzentrischen umlaufenden Plattformen gefertigt und mit einem Grabhaus bekrönt. Ein Satteldach schließt das Grabhaus ab, der Schlußstein fehlt jedoch. Die ursprüngliche Höhe betrug mehr als 11,00 m. Die Basis misst 13,35 x 12,30 m und die Grundfläche des Grabhauses 6,4 x 5,35 m. Die Ecken der Anlage sind an den Kardinalpunkten orientiert, der schmale Eingang in das Grabhaus ist 1,39 m hoch, 78 cm breit und zeigt nach NW. 4 Eine schmale doppelflügelige Tür hat einst den Zugang zur Grabkammer verschlossen gehalten. Die Türsockel stehen noch an. 5 Durchschreitet man die Tür, so durchquert man einen 1,20 m langen Gang und gelangt in die 3,17 m lange und 2,11 m breite und ursprünglich 5,6 m hohe Grabkammer. 6 Hier sollen laut der oben genannten Augenzeugenberichte der Sarkophag, eine Kline und ein Tisch gestanden haben. 7 Die Grundfläche von 6,6 m 2 mag zu klein für das angeführte Inventar erscheinen, unter anderem ein Grund dafür, dass das Bauwerk lange Zeit nicht für das Kyros-Grab gehalten wurde. Allerdings fand sich in einem Hügelgrab bei Losarskata Mogila bei Duvanlij in Südbulgarien - ehemals die Satrapie Skudra (Südbulgarien) - ein reich ausgestattetes Grab achämenidischer Zeitstellung, in der ein Leichnam auf einer hölzernen Kline gebettet war, die sich in einem wannenförmigen Steinsarkophag befand. 8 Ähnliches mag auch für die enge Grabkammer im Kyrosgrab vorstellbar gewesen sein.
Über dem Eingang zum Grab, direkt unter dem Giebel, war in 5 cm starkem Relief eine Strahlensonne von etwa 49 cm Durchmesser dargestellt. 9 Diese Rosette erinnert an ein Architekturelement phrygischer Felsfassaden, lykischer Felsgräber in Myra oder auch an die reichverzierten Scheibenakrotere an archaisch-griechischen Tempeln und Palästen. 10 Gerne wird darin ein Symbol für Ahuramazda gesehen, der über den Toten Kyros wachen soll. Im
4 Stronach, Pasargadae 26-27.
5 Stronach, Pasargadae 37.
6 Stronach, Pasargadae, 27; Boardman, Perser 68.
7 Boardman, Perser 68.
8 zitiert nach: von Gall, AMI 12, 272.
9 Stronach, Pasargadae 35-37.
10 von Gall, AMI 12, 274.
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Bericht des Curtius Rufus wird erzählt, dass Darius III. über dem Feldherrenzelt als Erkennungszeichen eine Sonne, die in Glas eingeschlossen gewesen war, angebracht hatte. Möglicherweise geht die Darstellung der Strahlensonne als Identifikationsmerkmal für den König aber auf diesen Brauch zurück. 11
Von Gall bezieht sich bei einer anderen Deutung des Dekors auf Plutarch, der in Artaxerxes 3 schreibt, dass die Perser ihre Sonne Kyros nennen. Die Strahlensonne stellt damit für von Gall ein Namenssymbol für Kyros dar.
Dies führt zu einer weiteren Diskussion um das Kyrosgrab. es geht um die bei den antiken Autoren zitierte Inschrift, die in persisch und in griechisch am Grabmal angebracht gewesen sein soll. Die Inschrift lautet folgendermaßen oder ähnlich, je nach Bericht: "O Mensch, ich bin Kyros, der Sohn des Kambyses, der das Reich Persien gegründet hat und König von Asien war. Mißgönne mir daher nicht dieses Denkmal." Eine Inschrift - oder Spuren davon - wurden nicht an dem Bauwerk festgestellt, ein Angriffspunkt vieler Skeptiker, die in dem Bauwerk nicht das Grabmal des Kyros sehen wollen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das weitere Schicksal des Grabes, nachdem Aristobulus es geplündert aufgefunden hatte. Der mumifizierte - gemeint ist aber wohl in Wachs gehüllte - Leichnam des Kyros wurde in den wiederhergestellten Sarg gebettet und die Grabkammer mit Girlanden geschmückt. Daraufhin wurde der Eingang mit Steinen und Lehmziegeln zugesetzt. In den feuchten Lehm soll abschließend Alexander der Große sein Siegel eingedrückt haben. 12 Deutet man die Überlieferung der beiden Inschriften am Grab nicht wörtlich, sondern symbolisch, so kann die Strahlensonne für die persische Inschrift und der Siegelabdruck für die griechische Inschrift stehen. 13 Letztlich ist es natürlich auch möglich, dass eine Inschrift im zugemauerten Türbereich angebracht war und heute nicht mehr erhalten ist.
Kontrovers diskutiert wird auch die Frage nach dem Ursprung dieser einmaligen Art von Grabgestaltung. 14 Die Hinweise scheinen jedoch in die Richtung Lydien (s.u.) und Ionien zu zeigen. Eine Mischung dieser Elemente mit traditionellen iranischen Vorstellungen und vielleicht auch mesopotamischen Einflüssen (Stufen = Ziqqurrat ??) scheint wahrscheinlich. 15
11 von Gall, AMI 12, 275.
12 Arrian, Anabasis VI, 29, 10.
13 von Gall, AMI 12, 279.
14 Stroncah, Pasargadae 39-43.
15 Stronach, Pasargadae 43. Eine mesopotamische Verbindung wird von Boardman, Perser 68 abgelehnt.
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Folgt man Boardman 16 können verschiedene Vergleiche zum Kyros-Grab angeführt werden.
1. Das Pyramidengrab in der Nähe von Sardis. Dieses wird von Boardman in die dreißiger Jahre des VI. Jh. v.u.Z. datiert. 17 Zwar sind von diesem Bauwerk nur Reste von sechs Stufen erhalten, ein Aufbau fehlt, jedoch wird angenommen, dass es sich dabei um ein Grab handelte. Andere Gräber in Lydien sind unter Hügeln verborgen, so dass angenommen werden kann, dass hier ein Perser bestattet worden ist. 18
2. Ein aus dem Felsen geschlagenes Grab bei Taa Kule, Nahe Phokaia, bei dem der obere Teil, vier steinerne Stufen mit einem quaderförmigen Aufsatz, an das Grab des Kyros erinnern. Zwar befindet sich in dem Aufsatz keine Bestattung, aber architektonische Elemente
- ein griech. cyma reversa Profil an der Scheintür des Grabes und eine Faszie mit nach oben gebogenen Enden - finden sich sowohl hier als auch beim Kyrosgrab. Eine Datierung in die archaische Zeit Griechenlands scheint gegeben. 19
3. Takht-i Rustam: Ein Denkmal mit vergleichbarem Mauerwerk wie es das Pyramidengrab aus Sardis aufweist. Es wurde für das Grab des Kambyses gehalten, da es einerseits in der Nähe eines Palastes, andererseits auch in der Nähe der Königsgräber von Naqsh-i Rustam liegt, in denen wiederum die Nachfolger von Kambyses bestattet worden sind. 20 Die Basis dieses Grabes steht auf einer Fläche von 12,9 x 12,0 m und ist damit je einen Fuß kleiner als das Grab des Kyros.
4. Weitere jüngere Belege für diese Grabform finden sich auch an anderen Orten Persiens. Diese Gräber waren möglicherweise für Prinzen gedacht, weisen aber eine leichtere Bauweise auf als das Grab des Kyros. So zum Beispiel ein Grab bei Gur-i Dukhtar: Die Konstruktion weist vier Stufen und einen Giebel auf. Ein Grab bei Dereagzi hat drei Stufen und darauf einen aufgestellten Sarkophag. 21
Lydisch-ionische oder gänzlich ionische Einflüsse offenbaren sich, wenn man die Bauweise des Kyros-Grabes genauer untersucht. Anathyrose und die Verwendung von Klammern weisen dabei lydo-ionische Züge auf, rein ionisch sind die gleich hohen Stufen und dabei die Absetzung der oberen drei von den unteren, wie es üblich ist bei der Krepis bei Tempeln. 22
16 Boardman, Perser 68 ff.
17 Boardman, Perser 68.
18 Boardman, Perser 68. Xenophon nennt den Abradatas, einen König von Susa, der bei der Schlacht um sardis gefallen ist und von seiner Frau in einem gewaltigen Denkmal bestattet wurde.
19 Boardman, Perser 70.
20 Boardman, Perser 70, 73.
21 Boardman, Perser 73.
22 Boardman, Perser 73.
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Abschließend kann jedoch kein verbindliches Urteil über die Herkunft des Kyrosgrab gefällt werden.
1.2. Susa
In Susa wurde bislang nur ein einziges Grab gefunden, dass sicher der achämenidischen Epoche zugeschrieben werden kann. 23 Es fand sich auf der Akropolis. Bei dem Grab handelt es sich um eine Körperbestattung in einem unverzierten wannenförmigen Bronzesarg. Der Sarg war aus einem einzigen Stück gefertigt und maß 1,29-1,65 x 0,66-0.96 x 0,56 m. An oxidierten Stellen am Sarg haben sich Abdrücke eines Stoffes von sehr feinem Garn erhalten. 24 Lehmziegel, die in dem Sarg gefunden wurden, deuten einen Überbau, vielleicht in Form eines Satteldaches an. Das Skelett lag in gestreckter Rückenlage, die Arme seitlich am Körper, die Hände auf der Brust ruhend. Die Beine lagen parallel zueinander und ausgestreckt. Da keine anthropologischen Untersuchungen unseres heutigen Standarts vorgenommen werden konnten, bleibt eine endgültige Zuweisung von Alter und Geschlecht des Skeletts unbeantwortet. De Morgan interpretierte die grazilen Knochen als die einer Frau und die abrasierten geben einen Hinweis auf ein hohes Alter. 25 Die reichen Schmuckbeigaben und das Fehlen von Waffen scheinen die Identifizierung mit einem Frauengrabes zu unterstützen, jedoch ist sowohl in der Darstellung im Flachbild als auch durch Textzeugnisse zu beweisen, dass auch Männer reichlich Schmuck trugen. 26 Schmuck, zwei Silbermünzen, zwei Alabastergefäße und eine Silberschale bildeten das Beigabenensemble.
Da die Beigabe an Schmuck so reichlich ist, wird bezweifelt, dass sie zur gleichen Zeit getragen wurde. 27 Im Grabkontext spiegelt sich hier also vielleicht eine symbolische Aussage wider. Der Schmuck im einzelnen:
N Ein goldener Halsreif, dessen beiden Enden in Löwenkopfprotome auslaufen. Der Halsring besteht aus zwei Teilen, die im Nacken geschlossen werden können. Einlegearbeiten aus Lapislazuli, Türkis und Perlmutt. Einen vergleichbaren Halsring trägt Darius III auf dem Mosaik, dass die Schlacht bei Issus darstellt.
23 Jacques de Morgan entdeckte das Grab am 6. Februar 1901 bei den Ausgrabungen in Susa vgl. de Morgan, MDP 8, 29-58.
24 De Morgan, MDP 8, 57.
25 De Morgan, MDP 8, 42.
26 Tallon, City of Susa 242.
27 Tallon, City of Susa 242.
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Quote paper:
Magister Artium Daniel Hockmann, 2007, Bestattungssitten, Gräber und Friedhöfe der Achämenidenzeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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