Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Strategische Handelspolitik 3
2.1 Das Brander/Spencer-Modell 3
2.2 Marktversagen 5
3 Der Markt für zivile Großraumflugzeuge 6
3.1 Unvollständiger Wettbewerb 6
3.2 Verknüpfung mit dem Militärsektor 9
4 Airbus 11
5 Transatlantischer Auseinandersetzung 13
5.1 GATT-Abkommen von 1980 13
5.2 Agreement on Trade in Large Civil Aircraft 14
5.3 Verschärfter Wettbewerb der 90er Jahre 15
5.4 Jüngste Entwicklungen 17
5.5 Lösung vor der WTO nicht sinnvoll 19
6 Fazit 20
7 Literaturverzeichnis 22
1
1 Einleitung
Freihandel ist die beste handelspolitische Strategie; das zumindest versprechen uns die Theorien des internationalen Handels. Bei Aufnahme von Handelsbeziehungen und Spezialisierung basieren Wohlfahrtsgewinne bei der Theorie komparativer Kostenvorteile von David Ricardo etwa auf unterschiedlicher Produktivität. Die (Neo-) Faktorproportionenmodelle lassen Wohlfahrtsgewinne aller am Handel teilnehmenden Länder aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausstattung an Produktionsfaktoren (Kapital, Arbeit, Humankapital) erwarten. Auch neuere Theorien, die die Annahme vollständiger Konkurrenz aufgeben, stützen die Freihandelsdoktrin; so etwa das Krugman-Modell mit economies of scale bei monopolistischer Konkurrenz. Es gibt wenige Ausnahmen: Das Erziehungszoll-Argument steht für einen kurzen bis mittelfristigen Schutz gering entwickelter Industrien, sozusagen für eine Schonzeit, um sie hiernach dem freien Markt auszusetzen. Auch ein Vorteil durch Einfuhrzölle sehr großer Länder mit Einfluss auf den Weltmarktpreis (Optimalzoll-Theorie) kann zwar - bei sehr viel größeren Einbußen in der Weltwohlfahrt - theoretisch nachgewiesen werden, jedoch stellt dieser spezielle Fall den Freihandel keineswegs infrage. So überstand die Freihandelsdoktrin auch die politisch motivierten Denkrichtungen von Merkantilismus und Dependenzia weitgehend unbeschadet. Die Theorie der strategischen Handelspolitik von Barbara Spencer und James Brander wirft nun ein neues Bild auf die Sinnhaftigkeit staatlicher Interventionen bei international oligopolistischer Marktstruktur. 1
Der Fall Airbus bietet ein Beispiel für Subventionspolitik, zu deren Rechtfertigung diese Theorie herangezogen wird. Mit Hilfe politischer Unterstützung - ja, von der Politik initiiert - wurde ein Unternehmen auf dem Weltmarkt etabliert, dass nur noch Boeing als einzigem Konkurrenten gegenüber steht. Ziel der deutschen und französischen Regierungen war es, die Abhängigkeit in der Luftfahrt von den USA zu verringern und die zersplitterte europäische Flugzeugindustrie zu stärken. 2
1 Vgl. z.B. Bender (2003) oder Krugman (2000).
2 Vgl. Heymann (2006), S. 1.
1 Einleitung 2
Ich beginne mit der Vorstellung der Theorie (2.) und werde die Besonderheiten des Marktes für zivile Großraumflugzeuge erläutern. (3.) Hierauf folge ich mit einem kurzen Überblick über das Airbus-Konsortium (4.), um anschließend einen Einblick in den handelspolitischen Konflikt zwischen den USA und der EU zu geben. (5.) In einem Fazit (6.) werde ich zur Subventionspraxis Stellung beziehen und versuchen, eine Verbindung von Theorie und Praxis der Strategischen Handelspolitik zu erstellen.
3
2 Strategische Handelspolitik
Die Entwicklung der Theorie der strategischen Handelspolitik in den 1980er Jahren nannte Krugman eine Revolution der Theorie des Internationalen Handels: in der Ära des traditionellen internationalen Handels wurde Weizen fast auf allen Märkten angeboten, aber bei der neuen Theorie des internationalen Handels werden Flugzeuge als Handelsware im Markt angeboten. Diese neue Art Handelspolitik findet auf internationalen Märkten mit unvollständiger Konkurrenz statt und bedeutet den Einsatz protektionistischer Instrumente, um Marktanteile zur inländischen Unternehmung hin zu verschieben oder den Markteintritt einer heimischen Firma zu fördern. Die Monopolrente eines ausländischen Unternehmens soll ins Inland umgelenkt werden. Eine Wohlfahrtsverbesserung würde stattfinden, wenn Gewinnsteigerung und eine höhere inländische Konsumentenrente den Subventionsaufwand übersteigen. Der theoretische Nachweis hierfür wurde erstmals 1985 von Barbara Spencer und James Brander an der University of British Colombia erbracht. 3
Eine zweite Begründung für aktive Handelspolitik basiert auf positiven externen Effekten strategisch wichtiger Industrien, die über den Verkaufserlös nicht abgegolten werden.
2.1 Das Brander/Spencer-Modell
Grundannahme des Modells von Brander und Spencer ist ein Duopol-Markt mit einer ausländischen und einer inländischen Firma bei gleicher Faktorausstattung und Produktionsfunktion, die ihre homogenen Produkte ausschließlich auf einem Drittmarkt absetzen. Wohlfahrtssteigerungen eines Landes können also nur über den Anstieg der Produzentenrente erfolgen. Angenommen wird der klassische Cournot-Fall bei dem die Produktionsentscheidung eines Unternehmens als Reaktion auf die Produktion des anderen interpretiert wird. Das Cournot-Nash-Gleichgewicht bildet eine gewinnmaximale Angebotsmenge jedes der beiden Anbieter. Dieses Gleichgewicht ist stabil, weil materielle Anreize bestehen, nicht von dieser
3 Vgl. Bender (2003), S. 532.
2 Strategische Handelspolitik 4
Produktionsmenge abzuweichen. Sowohl eine Erhöhung als auch eine Verringerung der Produktion würde zu Gewinneinbußen führen. Beide Anbieter teilen sich die Duopolrente zu gleichen Teilen. Bei dieser Dyopol-Rente setzt die Idee von Brander und Spencer ein. So kann etwa mit Export-Subventionen die Situation des inländischen Produzenten derart verbessert werden, dass dieser optimalerweise in die Lage der so genannten Stackelberg-Unabhängigkeitsposition kommt. Das bedeutet, dass der inländische Produzent ein höheres Output verwirklicht, da er zusätzlich zu seinen Erlösen von Subventionen profitiert und diese in seine Gewinnfunktion einrechnet; der ausländische Produzent ohne Subvention wird seinerseits auf die neue Situation reagieren, indem er mit einer Reduzierung seiner Produktion sein nunmehr neues, niedrigeres Gewinnmaximum anstrebt. Brander und Spencer konnten einen positiven Wohlfahrtseffekt der Exportsubventionen nachweisen, da die Veränderung des Gewinns durch den höheren Absatz abzüglich der Subventionskosten positiv ausfällt. 4
Betreibt das Ausland eine Subventionspolitik, die ebenfalls auf die Eroberung der Stackelberg-Unabhängigkeitspostion gerichtet ist, so führt dies zu einem theoretischen Gleichgewichtspunkt, in dem in beiden Ländern die Subventionskosten die zusätzlichen Gewinne übersteigen und somit zu Wohlfahrteinbußen. 5 Der lachende Dritte wäre in diesem Fall der Konsument. Diese Reaktion des Auslandes impliziert aber auch ein interessantes Dilemma, da jedes Land sich subventionspolitisch besser stellt - ganz gleich, ob das Ausland interventionistisch oder freihandelspolitisch agiert. Folgen beide Länder ihrem strategischen Interesse, wird eine denkbar schlechte Lösung für beide verwirklicht. Dieses Gefangenendilemma bietet aber auch die Möglichkeit, durch Kooperation eine für beide Länder vorteilhaftere Lösung mit Subventionsabbau zu verwirklichen. Jedoch: angesichts verschiedener versteckter Möglichkeiten zur Subvention haben beide Seiten aber immer wieder Anreize, Vereinbarungen zu brechen und ihren handelsstrategischen Interessen zu folgen. 6
4 Vgl. ebenda (2003), S. 532 ff.
5 Vgl. ebenda (2003), S. 535.
6 Vgl. Wruuck (2006), S. 6.
2 Strategische Handelspolitik 5
Ein weiterer Grund, der häufig in Verbindung mit der Subvention strategisch wichtiger Industrien vorgebracht wird, ist das Auftreten von so genannten positiven externen Effekten. Solche externen Effekte liegen vor, wenn ökonomisches Handeln nicht beabsichtigte Nebenwirkungen auf die Wohlfahrt eines anderen hat, ohne dass hierfür jemand bezahlen würde. Positive externe Effekte gelten als Marktversagen, da zu wenig von den Gütern hergestellt wird. Das führt zu einer suboptimalen Allokation, woraus eine potentielle Rolle für einen Staatseingriff erwächst. 7 Entscheidend in der Argumentation um eine strategische Handelspolitik sind positive externe Effekte in Form gesellschaftlich nutzbaren Wissens, das sich aus den Forschungsbemühungen von Hochtechnologieunternehmungen ergibt.
2.2 Marktversagen
Identifiziertes Marktversagen gilt zwar als eine notwendige Bedingung für staatliche Intervention, ist allerdings keinesfalls ein hinreichendes Kriterium. 8 So ist zu beachten, dass Regierungen kaum Möglichkeiten haben, die Höhe externer Effekte der Hochtechnologieindustrie zu bestimmen. 9 Bis in die 1990er Jahre galt der Markt für Halbleiterchips als Schlüsselindustrie der Zukunft, die es zu fördern galt. Es wurden externe Effekte in Form zukunftsweisenden Wissens und Oligopolrenten erwartet, die Branche hatte also genau die Merkmale, die sich für eine strategisch orientierte Außenhandelspolitik eignen. Aber schon bald wurde aus der einstigen Zukunftsindustrie ein normales „Rohstoffgeschäft“, für das weder Oligopolrenten zu erwarten sind, noch positive Externalitäten. 10 Außerdem dürfen die zu fördernden Branchen keineswegs isoliert betrachtet werden. Die Subventionierung einer Branche führt unweigerlich dazu, dass Ressourcen aus anderen Bereichen abgezogen werden, also zu Nachteilen bei den Unternehmen, die mit den subventionierten um Ressourcen wie qualifizierte Arbeitskräfte konkurrieren. 11
7 Vgl. Pindyck u. Rubinfeld (2003), S. 872.
8 Vgl. Charles B. Blankart (2003), S. 55 ff.
9 Vgl. Wruuck (2006), S. 5.
10 Bsp. aus: Krugman (2000): The Chip Poker, S. 370-372.
11 Vgl. Krugman (2000), S. 369.
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Jonas Weidtmann, 2007, Strategische Handelspolitik und das Beispiel Airbus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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