Inhaltverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Die Politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 4
3 Ein Überblick 6
3 Ereignisse in Deutschland 6
3 Prozesse 7
4 1968 in der DDR 10
5 Der Einfluss der 1968er auf den Wandel der politischen Kultur 11
5 Rezeption der Ereignisse und Differenzierung 13
6 Fazit 15
7 Literatur 16
1. Einleitung
Die Bezeichnung „1968er Jahre“ bringt eine gewisse Bedeutungsschwere mit sich, man ist fasziniert von der Ereignisdynamik dieses Jahres und streitet sich aber darüber, ob die Demokratie in Deutschland trotz oder wegen der 68er gestärkt wurde. Synonyme für diese Zeit gibt es ebenfalls genug, „Stunde Null“ oder „Zweite Geburt“ der Bundesrepublik verdeutlichen, dass es damals große Veränderungen gegeben hat und mit ihnen einen wichtigen Wandel in der Politischen Kultur.
In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, woran man den Wandel in der Politischen Kultur in der Bundesrepublik der 60er Jahre feststellen kann und welche Auslöser es dafür gegeben hat. Unter anderem soll dabei auch hinterfragt werden, welche Rolle die Studentenbewegung bei diesen Prozessen gespielt hat.
Bislang gibt es zum Thema der 1968er in Deutschland keine abgeschlossene Forschung oder Geschichtsschreibung, die bislang veröffentlichten Arbeiten sind häufig geprägt von persönlichen Erinnerungen der Akteure ohne eine fundierte Quellenarbeit. Vermutlich auch aufgrund der mangelhaften Quellenlage ist die Zeit der 60er Jahre im Gegensatz zur Phase der Gründung der BRD und der DDR also kaum ausreichend bearbeitet worden. Die meisten tatsächlich wissenschaftlichen Arbeiten haben sich bislang auf einen bestimmten Aspekt der Bewegung konzentriert oder bei der Beschäftigung mit einem Thema rund um politische Partizipation in Deutschland das Thema 68er gestreift, so beispielsweise in den Sammelbänden Politische Kultur und deutsche Frage von Werner Weidenfeld 1 oder Dieter Ruchts Protest in der Bundesrepublik 2 . Wolfgang Rudzio 3 und Oskar Niedermayer 4 haben in
ihren Bänden zum politischen System der Bundesrepublik viele vor allem statistische Fakten zum Thema Wandel der Politischen Kultur zusammengestellt. Vermutlich wird es im kommenden Jahr 2008 anlässlich der 40. Wiederkehr der Ereignisse neue Veröffentlichungen
Im Folgenden soll nun zunächst die Politische Kultur in der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit verdeutlicht werden sowie einige Prozesse aufgezeigt werden, die bereits einen Wandel ankündigten. Im dritten Kapitel wird dann ein Überblick über die Ereignisse des Jahres 1968 gegeben, sowohl weltweit als auch speziell für die Bundesrepublik.
1
Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989.
2 Rucht, Dieter (Hrsg.): Protest in der Bundesrepublik. Strukturen und Entwicklungen; Frankfurt a. M. 2001. 3 Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland; Opladen 2003.
4 Niedermayer, Oskar: Bürger und Politik. Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Deutschen; Wiesbaden 2005.
Anschließend werden verschiedene Prozesse vorgestellt, die dabei parallel abliefen und sich stark auf die Protestbewegung ausgewirkt haben. Um die späteren Abweichungen in der Entwicklung der Politischen Kultur in Ostdeutschland nachvollziehen zu können, sollte man sich auch ein Bild davon machen, welchen Einfluss die Bewegung in der DDR hatte. Dieser Themenkomplex sowie der ganze Komplex der damaligen gegenseitigen Beeinflussung bieten unglaublich viele Ansatzpunkte, um darüber eine eigenständige Arbeit zu verfassen. Für die Erfassung des Gesamtthemas wird es im vierten Kapitel zumindest eine verdichtete Beschreibung der damaligen Ereignisse und Besonderheiten geben. Im fünften und letzten Kapitel soll zunächst der Wandel in der Politischen Kultur konkret aufgezeigt werden. Dann werden die heutigen in der Öffentlichkeit vorherrschenden Vorstellungen durch eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Ursachen und Wirkungen hinterfragt und
2. Die Politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland
nach 1945
Um bestimmen zu können, welchen Einfluss die 1968er Jahre auf den Wandel in der politischen Kultur der Bundesrepublik hatten, sollte man sich zunächst die Ausgangslage klar machen. Wolfgang Rudzio hat dafür verschiedene Entwicklungsphasen bestimmt, die Zeit von 1945 bis 1966 kann man demnach unter dem Titel „Nachwirkungen früherer Verhältnisse“ 5 zusammenfassen. In dieser Zeit wurden demokratische Verhältnisse in der
Politik wiederhergestellt und gefestigt. In der kollektiven Erinnerung erscheint diese Phase zumeist als eine Zeit des Übergangs, geprägt von Unbeweglichkeit und einem Mangel an vorwärtsweisenden Ideen. 6 Dieses Bild von einem biederen Nachkriegsdeutschland mag auch
so geformt sein als Konsequenz aus dem Stellenwert, der der Studentenbewegung von 1968 heute zugeschrieben wird, daher ist es wichtig, sich zunächst die konkreten Ergebnisse von Umfragen in der Bevölkerung anzusehen.
In verschiedenen Studien hat man bereits damals versucht herauszufinden, inwieweit der Prozess der Demokratisierung auch in der Bevölkerung stattfand. Dabei wurde festgestellt, dass die Zustimmung zu Parteienpluralität und Machtstreuung stieg, allerding bekundete nur ein Drittel der Befragten politisches Interesse. Nur eine Minderheit nahm aktiv am politischen Geschehen teil, die politischen Parteien insgesamt hatten nur etwa eine Million Mitglieder,
6 Rudolph, Hermann: Eine Zeit vergessener Anfänge: Die sechziger Jahre; in: Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989; S. 59.
außerdem zeigte sich eine gewisse Distanz der Bevölkerung zur Klasse der Politiker: 1955 wollten 70 Prozent der Befragten ihren Sohn nicht gern als Politiker sehen. Des Weiteren wurden Gegenstände des nationalen Stolzes untersucht. Während 1959 jeweils nur 6 und 7 Prozent der Befragten Stolz auf die Sozialgesetzgebung und das politische System bekundeten, waren immerhin 36 Prozent stolz auf Volkseigenschaften. Ein Indiz für das Misstrauen der deutschen Bevölkerung gegenüber der Demokratie war die Resignation angesichts der Frage danach, was die Befragten sich selbst und ihrer Macht als Volk zutrauten: Nur 38 Prozent waren der Meinung, man könne ein als ungerecht empfundenes Gesetz des Bundes abwehren. 7 1957 untersucht Jürgen Habermas zusammen mit anderen Soziologen das politische Bewusstsein Frankfurter Stunden. Unter dem Titel „Student und Politik“ stellten sie 1962 ihre Ergebnisse vor. 66 Prozent der Befragten seien apolitisch und 16 Prozent seien autoritätsgebunden. Dennoch schlussfolgerte Habermas, dass eine weitere Demokratisierung anstehe, die sich allerdings vermutlich in außerparlamentarischen Aktionen äußern würde. 8
Man kann also davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sich eher nach äußerer Sicherheit und einem wirtschaftlichen Wiederaufstieg sehnte, als den Möglichkeiten politischer Partizipation nachzuspüren. So urteilten auch Almond und Verba in ihrer Studie The Civic Culture , dass die Deutschen zwar mit dem Output ihres Systems zufrieden seien, es aber noch keine Output-unabhängige Bindung an die Nachkriegsdemokratie gäbe. Allerdings wurde bereits zu Beginn der sechziger Jahre bewusst die Veränderung der Bundesrepublik in Gang gesetzt. Dabei gab es von politischer Seite aus Haushalts-, Finanz- und Strafrechtsreformen, außerdem fand eine tiefgreifende Veränderung in der Bildungslandschaft statt. 9 Und da man in Bereichen wie der Wirtschaft und der Justiz den Eindruck hatte, es gäbe eine Kontinuität mit dem „Dritten Reich“ begann man, im gesellschaftlich kulturellen Bereich sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, die Uraufführung von Rolf Hochhuths Der Stellvertreter 1963 entfachte beispielsweise bundesweite Debatten. Auch begann man, sich für die Stärkung von Grundrechten wie die Presse- und Meinungsfreiheit einzusetzen. Ereignisse wie die Spiegel-Affäre von 1962 förderten letztendlich die Entwicklung einer
7
Rudzio, S. 554; Turek, Jürgen: Demokratie und Staatsbewusstsein: Entwicklung der Politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland; in: Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989; S. 243.
8 Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er Bewegung; in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 22-23, 2001; S. 17.
9 Rudolph, S. 62.
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Janina Kraus, 2007, 1968, die Studentenbewegung und der Wandel der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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