UNIVERSITÄT INNSBRUCK, Institut für Geschichte und Ethnologie
Internationales Graduierten Kolleg, Seminar
Sommersemester 2007
Vergangenheit als Argument
Samuel, Thukydides, Investiturstreit, Alte Schweiz
von
Johann Santer
Inhaltsverzeichnis
Samuel 4
Situation: 4
Argumentation: 5
Wirkung: 6
Text- und Quellenbetrachtung: 6
Literatur: 8
Thukidides 9
Der Peloponnesische Krieg – Melierdialog 9
Thukydides 9
Der Dialog 9
Literatur: 12
Der Investiturstreit 13
Reichskirchentum und Simonie 13
Kirchliche Reformbestrebungen und ihre Auswirkungen in Deutschland 13
Die Entwicklung des Investiturbegriffs 14
Heinrich IV. (*1050, wahrscheinlich in Goslar, + 1106 in Lüttich) 14
Gregor VII. (*um 1020 in Sovana, + 1085 in Salerno) 15
Canossa 16
Gegenkönige und Reichswirren 17
Literatur 18
Die Alte Eidgenossenschaft: „…die Schweiz, ein Fall für sich?...“ 20
Die Umkehr der Ständeordnung 20
Herkunft und Deutung des Namens und der Fahne 21
Wirtschaft und Verkehr der Alten Eidgenossenschaft 22
Auseinandersetzungen mit Habsburg und die Sorge um den Landfrieden 23
Literatur 24
In politischen Auseinandersetzungen wird die Kunde von der Vergangenheit häufig zur Rechtfertigung verschiedener, meist waghalsiger oder zweifelhafter Entschlüsse gebraucht. Fragwürdige Interpretationen und ihre einseitige Wiedergabe machen oft „Geschichte zur Waffe“. Ganz unbewusst reagiert die Gesellschaft auf unbewiesene Behauptungen oder fadenscheinige Überlieferungen, die rein aus Tradition in die politischen Argumente einfließen. Oft helfen gezielte Hinweise auf historische Vorkommnisse bei der Suche nach einem Sündenbock. Ein österreichisches Beispiel sind die nicht immer ganz ernst gemeinten Schimpftiraden aus fast allen Bundesländern auf die Bundeshauptstadt, deren Ursprung wohl in die Zeiten einer unnachgiebigen Zentralgewalt zu datieren ist. Um Gegenwartspolitikern nun nicht direkt in die Hände zu spielen, seien vier Beispiele aus dem Altertum und dem Hoch- und Spätmittelalter gewählt, die aber unser heutiges Geschichtsbild maßgeblich mitgeprägt haben und in verschiedenen Epochen als ausschlaggebende Argumente in themenverwandten Diskussionen ins Treffen geführt wurden.
Gewählte Gebiete:
SAMUEL
THUKIDIDES
INVESTITURSTREIT
DIE ALTE SCHWEIZ
Samuel
Vergangenheit als Argument zur Legitimation und Kritik monarchisch-dynastischer Herrschaft im Kontext des Alten Israel
Situation:
Die Richterzeit im Alten Israel fällt nach moderner abendländischer Zeitrechnung in das 12. und 11. Jahrhundert vor Christus. In der Entwicklung des späteren Staatsgebildes ist sie durch die eigentliche Sesshaftwerdung des Nomadenvolkes der zwölf Stämme Israels gekennzeichnet. Kaum ein nomadisierendes Volk hat eine geschriebene Geschichte ähnlich der, der Israeliten. Dabei gibt es im Glauben an ihren „Einen“ Gott keine Veranlassung, die Geschichte über die Gegenwart hinaus auszudehnen. Es müssen keine Dynastien und ihre Herrschaftsansprüche legitimiert werden, wie etwa in Ägypten. Nur haben, wie es scheint, ihre Führer den Vorteil einer schriftlichen Überlieferung erkannt und Lehr- und Lernmittel, sowie ein Tagebuch daraus gemacht, auf das man bis zum heutigen Tag gerne zurückgreift. Für das Judentum ist die Thora ohnehin das zentrale, sichtbare Element des Glaubens.
Der junge Moses war ja, seiner Geschichte nach, als Mitglied der königlichen Familie im Palast aufgewachsen und hatte sicherlich auch Schulen genossen. So kommen die „5 Bücher Moses“ nicht von ungefähr. Manche seiner Nachfolger taten es ihm nach. Die Theokratie als Herrschaftsform der Israeliten nach der Landnahme zeigt gerade in den zweihundert Jahren der Richterzeit (ca. 1250 bis 1050 v. Chr.) einen „schlanken“ Staatsapparat, in dem Verwaltungsorgane völlig fehlen. Über ihren Glauben an Gott und seine Gebote wird die Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Bürger abgeleitet. Die Richter werden als gottgewollte Regulierende eingesetzt und können den häufigen Angriffen der Nachbarvölker umso erfolgreicher widerstehen, je mehr das Volk seine Verbundenheit mit Gott zeigt.
Über die häufigen Abfälle der Israeliten lässt sich leicht mutmaßen: Ein zahlenmäßig kleines Hirtenvolk ist in den Völker-Schmelz-Tiegel „Israel“ eingedrungen und beansprucht Land für seine Herden. Als einzige Legitimation hat es das Versprechen seines „einzigen“ Gottes im Gepäck, dass dies das Land wäre, das ihm schon zu Zeiten Abrahams auf Dauer zugewiesen worden sei. In den Augen der großteils schon sesshaften Nachbarn mit ihren Vielgötterhimmeln ein geradezu lächerliches Argument, das in der Folge nur mit militärischer Stärke durchgesetzt werden kann. Weitere Attribute für den Bestand der „Auserwählten“ sind wohl der in der Sklaverei Ägyptens gewonnene Zusammenhalt, die Abhärtung in den vierzig Wanderjahren auf der Sinai und der Euphorismus der Erfolge unter Josua. Die beginnende Sesshaftwerdung fordert nun ihren Tribut. Das geringe Maß an Organisation, das vielleicht dem gläubigen Hirtenvolk genügte, aber auch dort schon zu häufigen Missverständnissen und militärischen Rückschlägen führte, reicht jetzt nicht mehr. Und die Nachbarn, mit denen gerade in der späteren Richterzeit schon vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, machten es ja vor: Ein König sollte fortan die Geschicke der Israeliten leiten.1
Argumentation:
Das „Für“, aber hauptsächlich das „Wider“ zeigt nun Samuel als letzter der Richter in seiner Rede an das Volk auf. Deutlich ist seine erzkonservative Haltung in Sachen staatspolitischer Veränderungen zu spüren. Er selber hat auch keinen leichten Stand. Auf der einen Seite muss er mit ansehen, wie gerade seine Söhne das Richteramt in den Schmutz ziehen, sich bestechen lassen und eigene Vorteile daraus gewinnen. Er selber hatte vor Jahren die Söhne seines Lehrers Eli wegen derselben Vorhaltungen gerichtet. Auf der anderen Seite soll er laut göttlicher Anweisung auf die Stimme des Volkes hören, „in allem, was sie dir sagen“.2
Auch Gott selber ist bitter enttäuscht über den neuerlichen Abfall seines Volkes und trägt Samuel eindringlich auf, dem Volk klarzumachen, was die Rechte eines Königs sind und wie sich seine Herrschaft auf ihr Leben auswirken wird. Wie dieser König ihre Söhne und Töchter holen wird, dass sie für ihn arbeiten, wie er Gesinde, Tiere und ihr bestes Land nehmen und vom Übriggebliebenen noch den zehnten Teil fordern wird, solange, bis sie nicht mehr bezahlen könnten und seine Sklaven sein müssten. Er prophezeite ihnen, dass sie dann in ihrer Not zum Herrn um Hilfe schreien würden, dieser aber würde ihnen nicht antworten. Aber das Volk wollte nicht auf ihn hören. Da gab Samuel nach und in einer eindrucksvollen Ansprache3 stellte er den neuen „Gesalbten“ vor, nicht ohne sie aber daran zu erinnern, dass eigentlich Gott ihr König sei. Auch wenn sie nun einen irdischen König hätten, sollten sie ja nicht vom Dienst an ihrem einzigen und wahren Gott abweichen.
Wirkung:
[...]
1 Vgl. Bibel: Altes Testament, 1. Buch Samuel, 8 ; siehe dazu auch: Samuel (Prophet) Wikipedia
2 Vgl. 5. Buch Moses (Deuteronomium) 17, 14
3 Vgl. Bibel: Altes Testament, 1. Buch Samuel, 12
Arbeit zitieren:
Mag.phil., Dr. phil. Johann Santer, 2007, Vergangenheit als Argument, München, GRIN Verlag GmbH
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