ABSTRACT
„Immer war und ist ein erheblicher Teil der Menschheit in Bewegung, auf der Wanderung oder auf der Flucht. Aus den verschiedensten Gründen mussten und müssen Menschen ihre Heimat verlassen … 1 “ So auch die Hutterer, die wir in der Vorlesung von Herrn Ao. Univ.-Prof. Dr. Peter XX kurz besprochen und dokumentarisch bearbeitet haben. Dieses Schicksal der Tiroler, die nach Amerika flüchten mussten, hat mich tief beeindruckt und auch noch Tage danach gedanklich intensiv beschäftigt. Deshalb habe ich mich entschlossen, mich genauer mit den „Hutterern“ auseinanderzusetzen. Warum mussten sie flüchten? Wo und wie leben sie heute? Was bedeutet für sie Fremde, was Heimat? Haben sie noch einen Beziehung zu ihrem Ursprungsland?
Ich bin sehr heimatbezogen, fühle mich in Tirol zu Hause, bin stolz auf mein Tiroler Land. Für mich ist es wichtig, mich nicht nur mit positiven Ereignissen meiner Heimat auseinanderzusetzen, sondern auch die dunkle und schicksalhafte Geschichte des Landes kennen und respektieren zu lernen.
Neugierig machte mich natürlich auch der Name des Anführers der Wiedertäufer Jakob Huter. Da auch mein Nachnahme Huter ist, hat es mich besonders interessiert, ob ich mit seinen Nachfahren verwandt sein könnte. Trotz Nachforschungen konnte ich jedoch bisher zwischen unseren Familien keine Zusammenhänge herstellen.
1 Düvell 2006, S. 1
2
INHALTSVERZEICHNIS
1. DIE GESCHICHTE DER HUTTERER 4
2. UNTERTEILUNG DER HUTTERISCHEN GEMEINSCHAFTEN 8
3. DER BRUDERHOF 8
3.1. Ein Bruderhof wird gegründet 9
3.2. Das Leben auf dem Bruderhof 10
3.3. Die Sprache auf dem Bruderhof 12
4. DIE HUTTERER IM 21 JAHRHUNDERT 14
5. HEIMAT UND FREMDE 16
6. LITERATURVERZEICHNIS 17
3
1. Die Geschichte der Hutterer
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Luther und Zwingli mit der katholischen Kirche brachen, forderten einige ihrer Anhänger bereits weitere Änderungen und Neuerungen. Für sie war die Reformation unvollständig, solange das Urchristentum der apostolischen Zeitepoche nicht wiederhergestellt wurde. Das Ideal sahen sie in einer Kirche der Gläubigen. Dazu lehnten einige dieser Erneuerer unter Berufung auf das Evangelium die Taufe der Kinder als Bedingung für die Aufnahme in die Gemeinde ab, denn ihrer Überzeugung nach war ein Kind nicht fähig, sich aus freiem Willen für eine Nachfolge Christi zu entschließen. Eine derart wichtige Entscheidung konnte nur von Erwachsenen erwartet und auch getroffen werden. So entstand die Bewegung der Widertäufer 2 .
In kurzer Zeit nahm die Zahl der Anhänger der Wiedertäufer stetig zu. Sie kamen aus Süddeutschland, der Schweiz und dem heutigen Österreich 3 . Ein Grund für den schnellen Aufstieg und die Verbreitung des Wiedertäufertums war auch der Bauernkrieg 4 . In der Kirche gab es große Missstände und Schlampereien 5 , und die im Überfluss lebende hohe Geistlichkeit stand der bitteren Armut des niederen Klerus gleichgültig gegenüber. Die grundbesitzrechtliche Lage der Bauern sowie die Einschränkung von Freiheiten hatte das soziale Klima zusätzlich verschärft. Durch die ungestillten religiösen Bedürfnisse bot sich den einfachen Leuten das Wiedertäufertum an, das mit der Einfachheit seiner Lehre, mit der radikalen Erneuerung des religiösen Lebens und dem Mut der zahlreichen Bekenner diesem Bedürfnis entsprach 6 .
„Die Lehre der Wiedertäufer beruht auf vier Grundsätzen: die buchstabengetreue Befolgung der Bibel, die Erwachsenentaufe im Gegensatz zur Kindertaufe, die Weigerung zu kämpfen und zu töten, und die Gütergemeinschaft 7 .“
Da die Wiedertäufer auch die Hierarchie und Rangordnung der Kirche ablehnten, wurden sie als gefährliche Feinde vom Klerus und dem Adel verfolgt 8 . Ab 1529 verbündeten sich die
2 vgl. Peters 1992, S. 9
3 vgl. Rainer 1991, S. 335 4 vgl. Peters 1992, S. 11 5 vgl. Rainer 1991, S. 335 6 vgl. Demattia 1986, S. 53f 7 Sammartini 1996, S. 5 8 vgl. Rainer 1991, S. 335
4
Katholiken und Lutheraner und warfen den Wiedertäufern vor, dass sie Gotteslästerer seien 9 . Die Glaubensbrüder wurden aufgefordert, die Namen ihrer Führer, ihrer Mitglieder und die Häuser, die für ihre Versammlungen dienten, zu nennen und auch die Absichten dieser Bewegung bekannt zu geben. In den Habsburger Ländern wurden die Wiedertäufer von Beginn an als Ketzer angesehen und als Staatsfeinde betrachtet 10 .
Auch in Tirol gab es unzählige Anhänger der Wiedertäufer. Besonders große Gemeinschaften entstanden im Pustertal, rund um Sterzing und in Rattenberg 11 .
Ein besonders wichtiger Glaubensbruder und Organisator der Wiedertäufer war der Hutmacher Jakob Huter, ein um 1500 im Pustertal geborener Tiroler, der die Glaubenslehre der Wiedertäufer verkündete. Er selbst ließ sich taufen und wurde zum Prediger einer Tiroler Gemeinde gewählt 12 .
In Tirol wurden die Wiedertäufer schlecht behandelt und verfolgt. Der Landesherr, Ferdinand I., ließ hunderte Männer, Frauen und unschuldigen Kinder foltern, verbrennen und ertränken 13 .
Aufgrund dieses Hasses gegenüber den Wiedertäufern bereitete Jakob Huter als starke Persönlichkeit und charismatische Führungskraft für zahlreiche Glaubensbrüder die Flucht vor und zog mit ihnen nach Südmähren 14 . Der Adel in Mähren war gewillt, die Wiedertäufer in ihrem Land aufzunehmen, denn die Glaubensbrüder waren geschickte Handwerker. So flüchteten tausende Anhänger nach Mähren, um Glauben und Leben zu retten. Huter schweißte dort die einzelnen Gruppen zu engen Gemeinschaften zusammen 15 .
1535 wurde die Lage aber auch in Mähren immer schwieriger und gefährlicher. Es begannen Verfolgungen, und viele der Wiedertäufer sahen sich veranlasst, von dort zu fliehen, um das eigene Leben zu retten 16 . Sie flohen in die Berge, Wälder und versteckte Höhlen. Dennoch wurden hunderte von Anhängern, nachdem sie gequält und gefoltert wurden, hingerichtet. Unter ihnen war auch Jakob Huter, der auf dem Weg nach Tirol gefangen genommen wurde.
9 vgl. Sammartini 1996, S. 5
10 vgl. Peters 1992, S. 19 11 vgl. Stöger 1998, S. 137 12 vgl. Peters 1992, S. 9 13 vgl. Stöger 1998, S. 137 14 vgl. Schlachta 2006, S. 1 15 vgl. Peters 1992, S. 23 und 27 16 vgl. Stöger 1998, S. 138f
5
Arbeit zitieren:
Verena Huter, 2007, Die Hutterer, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Romananalyse von Terézia Moras "Alle Tage"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hauptseminararbeit, 23 Seiten
Soziobiologie - Das egoistische Gen
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Die deutsche Frauenbewegung und die Stimmrechtsfrage
Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte
Hausarbeit, 32 Seiten
Vater-Sohn und Vater-Tochter B...
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Verena Huter hat den Text Die Hutterer veröffentlicht
Verena Huter hat einen neuen Text hochgeladen
Illegale Einwanderung, Flüchtlingsmigration und das Ende des Nord-Süd-...
Zur funktionalen Äquivalenz de...
Claudia Finotelli
Sprachfreunde 2. Schuljahr. Arbeitsheft. Ausgabe Nord/Süd
5-Minuten-Training Richtig sch...
Barbara Schumann, Uta Bettzieche
Sprachfreunde 3. Schuljahr. Ausgabe Nord/Süd. 5-Minuten-Training "Rich...
Arbeitsheft
Katrin Junghänel
Rechenwege Nord/Süd 1. Schuljahr. Übungsheft
Mandy Fuchs, Wolfgang Grohmann, Friedhelm Käpnick, Elke Mirwald
Rechenwege Nord/Süd 2. Schuljahr. Übungsheft
Mandy Fuchs, Wolfgang Grohmann, Friedhelm Käpnick, Elke Mirwald
Mathefreunde 3. Schuljahr. Arbeitsheft. Tägliche Übungen. Nord/Süd
Edmund Wallis, Karin Fischer
Mathefreunde 4. Schuljahr. Arbeitsheft. Tägliche Übungen. Nord/Süd
Edmund Wallis, Karin Fischer
0 Kommentare