- Einleitung -
Seitden Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon, bei denen 3.126 Menschen ihr Leben verloren haben, einschließlich der 19 identifizierten Selbstmordattentäter, befinden sich die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) in einem »Krieg gegen den Terrorismus«. In dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, ob dieser von den USA erklärte oder erklärt bekommene »war on terrorism« überhaupt von ihr bzw. von der »westlichen Welt« gewonnen werden kann. Hierfür soll versucht werden die gewählten politischen und militärischen Instrumente vor dem Hintergrund einer bestimmten politischen Ideologisierung der amerikanischen Regierung zu analysieren. In der Gesamtheit der gewählten Mittel durch die spezifische Interpretation der Ereignisse vom 11. September 2001 und einer dazu passende »Strategie«, welche vor allem in der Bush-Doktrin (National Security Strategy 2002) ihren Ausdruck findet, soll sich für die amerikanische Regierung ein gewünscht großer Gestaltungs- und Handlungsspielraum eröffnen, um nach ihrer Meinung »angemessen« auf die durch den 11. September 2001 neu geschaffenen Verhältnisse in den internationalen Beziehungen reagieren und agieren zu können.
Bei dieser Analyse soll verdeutlicht werden, dass es sich erstens, um nur eine mögliche Interpretation des 11. Septembers 2001 handelt, welche von der Bush jr. Regierung gewählt wurde, um den »war on terrorism« eine möglichst langlebige und unangefochtene Legitimation zu verleihen. Tatsächlich hat sich durch die Anschläge aber ein ganzer Raum von möglichen Erklärungen, Deutungen und Interpretationen eröffnet, der noch heute viele Spekulationen über die Terroranschläge in der Welt kursieren lässt. Auf die besondere Bedeutung der Massenmedien und des Internets dabei, sei hier nur verwiesen. Zweitens soll in dieser Arbeit verdeutlicht werden, dass die Bush jr. Regierung sich klassischen Mitteln der Moderne bediente bzw. bedienen musste, um auf den 11. September 2001 mit »Krieg« antworten zu können. Hierfür mussten die Terroranschläge als »kriegerische Handlungen« umdefiniert werden, was wiederum den USA eine Rolle beimaß, selbst aktiv werden zu können. Dazu passend musste ein Feind und eine Bedrohung konstruiert werden, um Klarheit darüber zu schaffen gegen wen und wofür man kämpft bei
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gleichzeitiger Lokalisierung des Kampffeldes, um zu wissen, wo man kämpft. Hierbei kommt vor allem die ideologisch notwendige Komponente des Krieges zu tragen; die Bush jr. Regierung hat dafür ein klares Freund-/Feind- bzw. Gut-/Böse-Schema verwendet, welches schon vorher im theoretisch-wissenschaftlichen Diskurs zirkulierte. Zur Vereinfachung und im Hinblick auf den eng gesetzten Rahmen dieser Arbeit soll hier auf Samuel Huntingtons »Kampf der Kulturen« (1996) verwiesen werden, dessen Thesen durch die Terroranschläge eine Renaissance erfuhren. Drittens soll auf die Widersprüchlichkeit im bzw. des »war on terrorism« verwiesen werden, welche sich gewissermaßen aus der schematisierten einseitigen Interpretation der Ereignisse des 11. Septembers 2001 durch die Bush jr. Regierung zwangsläufig ergibt. Dabei soll sichtbar werden, dass der Versuch der USA den internationalen Terrorismus auf das Prinzip des nationalen Krieges zu übertragen, eine günstige Ausgangssituation geschaffen hat, in der sich die gegenseitig konstruierte Fronten zwischen der »westlichen Welt« und der »islamischen Welt« einerseits zunehmend verstetigen, andererseits aber eine eindeutige Zuordnung zu diesen Welten immer schwieriger wird. Parallel führt die permanent diskursive Auseinandersetzung mit dem Terrorismus zu einer Annäherung bei gleichzeitiger Entfremdung von diesem Phänomen. Die Gesamtheit der Widersprüchlichkeiten drückt sich vor allem in der vielseitig geführten globalen Identitäts-Diskussion aus, was den »Okzident« in Differenz zum »Orient« und umgekehrt definiert, wobei ich hier vor allem auf Edward W. Saids »Orientalism« (1979) verweisen möchte, der die grundsätzliche Dichotomisierung beider Welten in Frage stellt . Im Rahmen dieser Arbeit soll deshalb auch die konstruierte und sich konstruierende »Gegenseite« kurz beleuchtet werden, wobei vor allem auf das Phänomen des »islamistischen Terrorismus« eingegangen wird. Denn die Ambivalenz ist sie auch dort zu finden, wo der »war on terrorism« gerade realiter geführt wird: Im Irak sehen sich die amerikanischen Streitkräfte tagtäglich ihrem ständig ungleichen Spiegelbild, dem Terrorismus, gegenübergestellt, und somit auch einem Phänomen, welches scheinbar nicht ohne die Preisgabe westlicher Wertevorstellungen ausgelöscht werden kann. Aus diesem Grunde bin ich der Meinung, dass der ausgerufene »Krieg gegen den Terrorismus« nicht zu gewinnen ist, weil durch ihn eine Situation geschaffen worden ist, die sich im Moment endlos fortzuführen scheint und somit erstmal unauflösbar bleibt.
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- 1. Der 11. September 2001-
Der11. September 2001 war nicht nur ein Terroranschlag, sondern auch ein globales Medienereignis, welches grausam und faszinierend zugleich anzuschauen war. Die ganze Welt konnte »life« das »Spektakel« am Bildschirm verfolgen, wie zwei zuvor entführte Flugzeuge in die Türme des New Yorker World Trade Centers (WTC) gesteuert wurden und diese daraufhin einstürzten, als ob sie »auf die Selbstmordattacke aus der Luft mit ihrem eigenen Selbstmord antworteten« (Baudrillard 2001: 11). Doch dieser Angriff war vor allem, so real er auch war, ein symbolischer Angriff auf die »westliche Welt«. Genauer gesagt ein Angriff auf Symbole, die unverkennbar für das amerikanische Nationalverständnis im Besonderen und die Werteordnung der westlichen Welt im Allgemeinen standen/stehen. Mit der Vernichtung des WTC wurde »das Aushängeschild einer ökonomischen Globalisierung westlich-abendländlicher Prägung« vernichtet und mit dem Angriff auf das Pentagon trafen sie »die symbolische Machtzentrale der militärischen Garantie- und Durchsetzungskraft« der bestehenden Weltordnung (Reuber u.a. 2005: 195). Dabei ging es neben dem Ziel sorgsam ausgewählte, symbolische Ziele mit konventionellen Methoden 1 gezielt anzugreifen und zu zerstören, auch darum, eine möglichst große Zahl von Zivilisten des »Feindes« zu töten. Dies war vor allem möglich durch die Professionalität der Planung, Koordinierung und Synchronisierung des Attentats (Hoffman 2001: 276), welches bis zu seiner Ausführung geheim gehalten werden konnte und somit seine ganze Vernichtungskraft entfalten konnte.
Die mediale Berichterstattung über die Terroranschläge versetzte dem Zuschauer einen »Endlosschreck« (Schneider 2007: 11) durch die gräuelhaft-spektakulären, immer wieder ausgestrahlten gleichen Bilder aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Durch die sich endlos durch die Medienschleife sich wiederholende, bizarre Szenerie - die Steuerung der beiden Flugzeuge in das WTC, die Explosionen, das Zusammenstürzen der Zwillingstürme -, welche sich in die Köpfe der Menschen regelrecht einbrannte, konnte sich eine Eigendynamik entfalten, die viel Raum für mögliche Erklärungsansätze ließ, um sich das »Unerklärliche« begreiflich zu machen. Aber nicht nur die Medien haben diesem 1 Flugzeugentführungen gehören seit 1961 zu den Mitteln terroristischer Organisationen und Einzeltäter. (de
Nève u.a. 2002)
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Phänomen der multiplen Interpretation des 11. Septembers 2001 Aufschub gegeben, sondern die Attentäter und Drahtzieher des Anschlages selbst, hinterließen Ungewissheit über ihre Absichten und verfolgten Ziele durch ein fehlendes bzw. nicht klar zuordenbares Bekennerschreiben. Der Terrorakt war auch deshalb so erschreckend grausam, da die Attentäter sich »alle Waffen der dominierenden Macht aneigneten: das Geld und die Börsenspekulation, die Informationstechnologien und die Luftfahrttechnik, die Dimension des Spektakulären und die medialen Netze«, welches das Vernichtungspotential vervielfachte und ihnen eine solche Überlegenheit verlieh (Baudrillard 2001: 13). Hierin zeigt sich eine erste unmittelbare, aber ambivalente Verbindung zwischen »den Terroristen« und der »westlichen Welt«; obwohl sie die Errungenschaften des Westens verdammen und offensichtlich auch zerstören wollen, was sie ja zum Teil erreicht haben, konnten sie nur durch ihre Inbesitznahme einen solchen Terroranschlag verüben.
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Katrin Lange, 2007, Warum der "war on terrorism" nicht zu gewinnen ist, Munich, GRIN Publishing GmbH
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