Inhaltsverzeichnis
1. Der Themenbegriff 3
2. Die Themeninitiierung 5
3. Verfahren der Themenänderung 6
4. Die unterschiedlichen Themenverknüpfungsverfahren 10
5. Die Themenprogression 12
6. Die Themenbeendigung 13
7. Schlussbetrachtung 15
8. Verwendete Literatur 16
Anhang: Transkript I
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1. Der Themenbegriff
Stellt man sich die Frage, was überhaupt ein Thema ist, so finden sich vor allem in text-
linguistischen Abhandlungen viele Themenkonzepte wieder, die oftmals nur für einen
ganz bestimmten Texttyp formuliert worden sind. 1 Trotz der Bedeutung, die das Thema
in der Gesprächslinguistik hat, existiert bis heute jedoch keine einheitliche oder allge-
mein akzeptierte Definition. So ist es nicht verwunderlich, wenn viele Wissenschaftler
ganz auf die Auslegung des Begriffes verzichten und mit einem eher intuitiv vorhande-
nen Themenverständnis arbeiten. Um diesem Mangel zu begegnen, seien nachfolgend
die vier wichtigsten Themenkonzepte vorgestellt und mit dem Hinweis versehen, in-
wieweit sie sich für eine konversationsanalytische Forschungsarbeit anbieten. Ferner
soll dem Leser damit ein Themenbegriff an die Hand gegeben werden, der die Lektüre
der nachfolgenden Kapitel erleichtert und auf eine solide Grundlage stellt.
In einem ersten Definitionsmodell wird das Thema als Extrakt bzw. Kondensat des Ge-
sprächsinhalts verstanden und folglich mit dem Informationskern des Gespräches
gleichgesetzt. 2 In grammatischen Kategorien ausgedrückt entspricht dieser Basisaussage
eine Proposition oder Makroproposition, die wiederum die „globale Bedeutung“ 3 der
Gesprächseinheit repräsentiert. Dementsprechend könnte man das Thema entweder in
einem vollständigen Satz oder lediglich in einem referierenden Ausdruck zusammenfas-
sen, wie dies bei schriftlichen Abhandlungen etwa durch Titel oder Überschriften ge-
schieht. Problematisch dabei ist, dass jedes Thema nur aufgrund interpretativer Verfah-
ren bestimmt werden kann, da das Generalisieren insbesondere bei komplizierteren Er-
eignisfolgen immer schwieriger wird. Dennoch stellt dieser inhaltsorientierte Ansatz
eine wichtige Möglichkeit dar, den Grund- oder Leitgedanken einer Gesprächseinheit
auszumachen.
Ein anderes Themenkonzept findet sich im Rahmen des Frage- oder Problemstellungs-
ansatzes: Hier fasst man das Thema als Ausdruck eines Mangels, eines Problems oder
einer Frage auf, dessen Lösung der jeweilige Text oder Diskurs bereitstellt. 4 Damit wird
vorausgesetzt, dass jedes sprachliche Handeln in erster Linie „zur Beseitigung eines
1 Eine gute Zusammenfassung bietet Lötscher.
2 Vgl. Bublitz 1989, S. 176 sowie Lötscher 1987, S. 141f.
3 Brinker / Antos / Heinemann / Sager 2001, S. 1253.
4 Vgl. Brinker / Antos / Heinemann / Sager 2001, S. 1253 sowie Bublitz 1989, S. 176.
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Defizits generiert wird.“ 5 Vergegenwärtigt man sich jedoch Smalltalks oder Alltagsge-
spräche, so fällt auf, dass diese nicht automatisch mit einer bestimmten Frage- oder
Problemstellung verknüpft sind. Folglich besitzt dieses Definitionsmodell eine weitaus
eingeschränktere Geltung als das vorhergehende, da es ausschließlich auf argumentative
Gesprächstypen angewendet werden kann.
Auch die in der funktionalen Satzperspektive entwickelte Thema-Rhema-Theorie ist für
die Untersuchung dialogischen sprachlichen Handelns nur bedingt geeignet: Sie besagt,
dass jeder Satz generell in zwei Teile aufgeteilt werden kann, wobei das Rhema etwas
verhältnismäßig Neues darstellt und das Thema die Basis der Aussage enthält. 6 Letzte-
res erscheint demnach als „Mitteilungsgegenstand eines Satzes“ 7 , der zum Ausgangs-
punkt für eine lokale Äußerung wird. Hauptkritikpunkt an dieser Herangehensweise ist
jedoch, dass eine strikt einzelsatzbezogene Themenanalyse nicht ohne weiteres zu einer
thematischen Beschreibung größerer Gesprächseinheiten führt. Gerade dies ist unter
konversationsanalytischen Gesichtspunkten aber unerlässlich, da Themen oftmals über
einen längeren Zeitraum behandelt werden.
Den mit Sicherheit nutzbringendsten Ansatz für die vorliegende Arbeit findet man der-
zeit in der Fokustheorie: Themen werden hier als Objekte verstanden, die „im Zentrum
der Aufmerksamkeit stehen“ 8 und das Interesse der Gesprächsteilnehmer hervorrufen. 9
Ein Thema wird so lange beibehalten, wie es sich im Fokus des laufenden Gespräches
befindet bzw. von Sprechern und Hörern in diesem gehalten wird. 10 Damit betrachtet
man erstmals einen pragmatischen Aspekt der Interaktion und konstatiert, dass es im-
mer die an einem Gespräch beteiligten Personen sind, die bestimmte Themen einbrin-
gen, entwickeln oder beenden. Im Gegensatz zu den anderen Definitionsmodellen stellt
dieser Forschungsansatz damit einen weitaus stärkeren Bezug zu den Gesprächsteil-
nehmern her und macht deutlich, dass diese selbst eine Segmentierung in thematische
Abschnitte vornehmen.
5 Bublitz 1989, S. 176.
6 Vgl. Brinker / Antos / Heinemann / Sager 2001, S. 346 sowie Lötscher 1987, S. 236.
7 Brinker / Antos / Heinemann / Sager 2001, S. 346.
8 Lötscher 1987, S. 18.
9 Vgl. Lötscher 1987, S. 18 sowie Schank 1981, S. 23.
10 Fokus meint in diesem Zusammenhang eine Auswahlprozedur des Bewusstseins, das bestimmte wahr-
genommene Objekte kognitiv privilegiert verarbeitet, so dass nichtfokussierte Objekte in den Hintergrund
treten. Vgl. Lötscher 1987, S. 18.
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2. Die Themeninitiierung
Bevor Gesprächsteilnehmer ein Thema überhaupt behandeln können, muss es zunächst
initiiert werden. Dies geschieht in erster Linie durch themeneinleitende Signale, wie
„übrigens“, „hör mal“, „aber“, „außerdem“, „und“, „zum Beispiel“, „ich meine“, „ich
glaube“ oder „ich finde“. 11 Dabei ist ein Thema erst dann eingeführt, sobald die übrigen
Gesprächsteilnehmer die vorgenommene Initiierung ratifiziert haben. Bis zu diesem
Zeitpunkt kann man lediglich von einem Versuch der Themeneinführung reden. Den-
noch zeigt jede - wenn auch gescheiterte - Etablierung einer thematischen Einheit, wie
wichtig dem jeweiligen Initianten dieses Thema ist. Beispiele einer erfolgreichen The-
meneinführung wären etwa:
017 A: also (--) ich mein ich fands zwar TOLL,
018 dass sie=s geMACHT hat,
019 weil irgendwie is es ja schon .hh beWUNdernswert,
020 wenn=se halt in so=ne Stadt geht und (.) auf teufel
021 komm raus IRgendwie leute versucht kennenzulernen;
125 A: aber IRgendwie hat=se halt auch immer nur arschlöcher
126 als freunde;=
188 A: und denn musste dir mal überlegen hat die BLÖde kuh (-)
189 ihre (-) out of office mail (--)
190 B: hm=hm;
191 A: an ihren freund weitergeleitet;
192 also an den freund von der jasMIN, .hh
Wie die vorliegenden Ausschnitte belegen, berufen sich einander bekannte Ge-
sprächsteilnehmer dabei nicht selten auf einen gemeinsamen biographischen Hinter-
grund. 12 Nähe und Vertrautheit zwischen ihnen wird in erster Linie über den Bezug auf
gemeinsames Wissen und gemeinsame Erfahrungen hergestellt. So geht das Gesprächs-
thema auch im folgenden Fall auf Personen zurück, die der Sprecher zumindest als na-
mentlich bekannt voraussetzt:
11 Vgl. Schank 1981, S. 62ff.
12 Vgl. Hoffmann 1996, S. 45ff.
- 6 -
002 A: also ich hab das jetzt auch bei der jasMIN son
003 bisschen mitbekommen, (-)
004 weil also DAdurch, .h
005 dass ich ja mit dem norbert (--) im prinzip nicht drauf
006 angewiesen WAR am [anfang gleich neue leute
007 B: [ja,
008 A: kennenzu[lernen weil wir uns gegenseitig hatten; .hh
009 B: [ja,
010 A: ähm hat SIE halt schon von anfang an gemerkt;
011 dass sie halt sich irgendWIE ihren eigenen anschluss
012 suche[n muss; (---)
Insgesamt betrachtet verlangt die Initiierung eines neuen Themas demnach von allen
Beteiligten gewisse Orientierungsleistungen. Unterbricht ein Gesprächsteilnehmer bei-
spielsweise den derzeitigen Sprecher, so ist dieser mehr oder weniger dazu gezwungen,
sich auf das neue Thema einzustellen. Dies gilt natürlich nur, sofern das Rederecht nicht
wieder auf ihn zurückfällt.
316 A: und die brauch halt echt einfach auch mal n FREUND,
317 der ihr wirklich ma .h (---) zur SEIte steht und;
318 [( )
319 B:
320 mh ich mein bei der UNI is s halt immer viel leichter
321 als wenn de in so=nem unternehmen arbeitest,
3. Verfahren der Themenänderung
Ändert sich ein Thema innerhalb eines Gespräches, so kann es sich entweder um einen
Themenwechsel oder um eine Themenverschiebung handeln. Der Unterschied zwischen
beiden ist vor allen Dingen in der Art der Themenänderung begründet: Während beim
Themenwechsel ein völlig neues Gesprächsthema etabliert wird, kommt bei der The-
menverschiebung lediglich ein neuer Aspekt des bereits behandelten Themas zur Spra-
che. Die Themenänderung erfolgt damit oftmals nahezu unmerklich, auch wenn sie
durch themeneinleitende Signale zumindest formal markiert wird. In jedem Fall setzt
eine erfolgreiche Themenänderung jedoch das gemeinsame Einverständnis der Ge-
sprächsteilnehmer voraus.
Quote paper:
Marius Lange, 2003, Thematische Organisation in Alltagsgesprächen - Die Themenorganisation in der Konversationsanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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