Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Außenhandelstheorien vor Ricardo 2
2.1 Protektionismus in der Zeit des Merkantilismus 2
2.2 Adam Smith Der absolute Kostenvorteil 2
3 Ricardos Außenhandelstheorie 5
3.1 Annahmen in Ricardos Modell 5
3.2 Produktionsmöglichkeiten ohne Außenhandel 7
3.3 Relative Preise und Angebot 8
3.4 Modell des Außenhandels 9
3.5 Ein Zahlenbeispiel 12
3.6 Empirische Belege 13
4 Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
I
1 Einleitung
Ab den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts, haben die weltwirtschaftlichen Güter- und Kapitalströme eine Dynamik entwickelt, welche eindrucksvoll die Globalisierung der Wirtschaftsaktivitäten aufzeigt. Dieser Globalisierungsprozess ist insbesondere auf die fortschreitende Liberalisierung des internationalen Handels und Kapitalverkehrs zurückzuführen (Dieckheuer, 2001, S42). Da das int. Marktvolumen steigt und neue Märkt mit neuen Produkten entstehen, bieten sich für Volkswirtschaften, welche am int. Handel teilhaben, Chancen auf mehr Beschäftigung und niedrigere Güterpreise. Die Globalisierung bzw. Liberalisierung kann allerdings auch zum Risiko werden. Dies ist vor allem der Fall, wenn die nationalen Produktionsstrukturen, Gütermärkte, Arbeitsmärkte sowie Wirtschafts- und Sozialpolitiken, sich den neuen Gegebenheiten nicht anpassen können. Viele Staaten, sowohl Entwicklungs-, als auch Industrieländer, versuchen daher, ihre Volkswirtschaften durch protektionistische Maßnahmen vor den Risiken des Globalisierungsprozesses zu schützen. Ob dies der richtige Weg ist, wird von Ökonomen bezweifelt. Makroökonomische Theorien zeigen auf, dass Staaten durch Protektionismus einen hohen Preis in Form niedrigerer Lebensstandards und suboptimalen Wirtschaftswachstums zahlen (Samuelson/Nordhaus, 2000, S.787).
David Ricardo behauptete schon 1817, dass alle Staaten vom internationalen Freihandel profitieren können. „Under a system of perfectly free commerce, each country naturally devotes its capital and labour to such employments as are most beneficial to each. This pursuit of individual advantage is admirably connected with the universal good of the whole“ (Ricardo, 1994, S.114).
Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit Ricardos Außenhandelstheorie und stellt dar, wie im Modell des komparativen Kostenvorteils, alle Staaten vom Freihandel profitieren.
Zu Beginn werden einige ökonomische Denkweisen in der Zeit vor Ricardo erläutert. Daran schließt sich die Außenhandelstheorie von Ricardo an, welche in einem Zahlenbeispiel nochmals verdeutlicht wird. Da der Rahmen der Arbeit begrenzt ist, kann abschließend nur kurz auf die Kritik am ricardianischen Modell eingegangen werden.
1
2 Außenhandelstheorien vor Ricardo
2.1 Protektionismus in der Zeit des Merkantilismus
Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entwickelten sich die ältesten Positionen zur Abwägungen von Freihandel und Protektionismus. Vor allem in England und Frankreich betrieben die Merkantilisten 1 eine protektionistische Wirtschaftspolitik nach dem Theorem der aktiven Handelsbilanz. Sie maßen den Reichtum eines Staates an der Edelmetallmenge in seinen Grenzen und propagierten einen Handelsbilanzüberschuss, welcher den Wohlstand des Landes steigern solle. James Steuart 2 verteidigte das Theorem der aktiven Handelsbilanz mit der These, dass die Vermehrung des nationalen Reichtums nur möglich ist, wenn ein Land konsumierbare Waren ausführt und dafür nichtkonsumierbare Ware, das Geld, einführt. Sobald Edelmetalle als Tausch- und Zahlungsmittel gelten, steigert der Erwerb solcher Edelmetalle den nationalen Reichtum (Issing, 1994, S. 43). Aus der Theorie der Merkantilisten leiteten die Staatsoberhäupter handelspolitische Maßnahmen ab, welche die außenwirtschaftlichen Beziehungen der Staaten einseitig einschränkten. Das wirtschaftspolitische Ziel, den Nettoedelmetallzufluss in das Land zu erhöhen, wurde versucht mit Importbeschränkungen bei gleichzeitiger Förderung der Exporte umzusetzen. Das Konzept des Merkantilismus ist von verschiedenen Ökonomen kritisiert worden. David Hume (1711-1776) stellte z.B. argumentativ fest, dass eine positive Handelsbilanz wegen inflatorischen Wirkungen auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann. (Issing, 1994, S.41).
2.2 Adam Smith - Der absolute Kostenvorteil
Mit seinem Postulat, dass privater Eigennutz gesamtwirtschaftlich zu maximaler Wohlfahrt führe, formulierte Adam Smith in seinem Werk „Wealth of Nations“ eine der bekanntesten Ideen der Nationalökonomie (Brodbeck, 1998, S.41). Darüber hinaus kritisierte er die merkantilistischen Vorstellungen eines unvermehrbaren Edelmetallschatzes, um den die einzelnen Staaten konkurrieren. Nach Meinung Smith bestimmt allein die Erhöhung der Arbeitsproduktivität über die Mehrung von Wohlstand (Issing, 1994, S. 65).
1 Von Merkantilismus, in seiner deutschen Form Kameralismus genannt.
2 Welcher nach Schefold (1994) zu den theoretischen und historischen Vorläufern der Klassik
gezählt wird.
2
mith beschreibt die Vorteile der Arbeitsteilung 3 und die daraus resultierende Produktivitätssteigerung. Arbeitsteilung ist für Smith die technische Zerlegung eines Herstellungsganges innerhalb eines Betriebes, die Teilung von Arbeitsaufgaben zwischen Berufen und damit auch zwischen Betrieben und letztlich die allgemeine Arbeitsteilung zwischen Volkswirtschaften. Sie steht im Mittelpunkt aller wirtschaftswissenschaftlichen Überlegungen und ist das allgemeine Prinzip der Leistungssteigerung. Adam Smith (1988, S.12) formulierte dies wie folgt: „Die enorme Steigerung der Arbeit, die die gleiche Anzahl Menschen infolge der Arbeitsteilung zu leisten vermag, hängt von drei verschiedenen Faktoren ab: der größeren Geschicklichkeit jedes einzelnen Arbeiters, der Ersparnis der Zeit, die gewöhnlich beim Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen verloren geht und der Erfindung einer Reihe von Maschinen, welche die Arbeit erleichtern, die Arbeitszeit verkürzen und den einzelnen in den Stand versetzen, die Arbeit vieler zu leisten.“ In heutiger Terminologie würde man von steigenden „Skalenerträgen“ („economies of scale“) sprechen, die durch die Arbeitsteilung ermöglicht werden. Steigende Skalenerträge liegen immer dann vor, wenn eine Verdopplung aller Inputs zu einer Erhöhung des Output um mehr als 100 % führt (Bofinger, 2004, S. 49).
Den internationalen Handel erklärt Adam Smith nun mit dem absoluten Kostenvorteil von Volkswirtschaften. Nach dem Prinzip der absoluten Kostenvorteile sind die Produktionskosten für ein Gut in einem Land geringer, als in einem anderen Land. Dies ist zum Beispiel der Fall wenn aus klimatischen, technischen oder organisatorischen Gründen ein Gut in einem Land A günstiger produziert werden kann, als in einem anderen Land B. Es lohnt sich in diesem Fall für beide Länder, sich auf die Produktion des jeweils kostengünstigeren Gutes zu spezialisieren. Ist dieser Kostenunterschied größer als die Transportkosten, kommt es zu internationalen Handel. Durch die internationale Arbeitsteilung und den Außenhandel werden beide Handelspartner besser gestellt und können ihr Wohlstandsniveau steigern. Es kommt zu einem effizienteren Einsatz von Produktionsfaktoren und einem Anstieg der Gesamtproduktion. Ein Beispiel von Salvatore (2004, S. 34f) verdeutlicht Smiths Aussagen. Er stützt seine Überlegungen auf ein einfaches Modell, welches den absoluten Kostenvorteil von Ländern und den daraus resultierenden Handel erklärt.
3 Adam Smith machte dies am Beispiel der Stecknadelproduktion fest (Smith, 1988, S. 9).
3
Arbeit zitieren:
Manuel Hertel, 2005, Freihandel nach Ricardo, München, GRIN Verlag GmbH
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