Inhalt
1. Einleitung 3
2. Der russisch-finnische Krieg 5
2.1. Die Vorbedingungen 5
2.2. Der Winterkrieg 7
2.3. Deutschlands Position - Der deutsch-sowjetische Vertrag 8
3. Der Fortsetzungskrieg 10
3.1. Der Zwischenfrieden und die finnisch-deutsche Annäherung 10
3.2. Finnisch-deutsche Waffenbrüderschaft im Fortsetzungskrieg 13
3.3. Finnlands Weg aus dem Krieg 18
4. Fazit 20
5. Literatur 23
1. Einleitung
Die finnisch-deutsche Waffenbrüderschaft entstand nicht von heute auf morgen während des Fortsetzungskrieges, sondern hat ihre Wurzeln schon früher. Es „bestand schon seit Jahrhunderten ein enger kultureller und handelspolitischer Austausch“ 1 zu Deutsch-land. Während der finnischen Selbständigkeitsbewegung kam es zu einer Anlehnung an Deutschland und Finnland „bot sich [...] der Reichsregierung in Berlin als ein Bundesgenosse im Kampf gegen das Zarenreich an.“ 2 , die sich in der Gründung eines finnischen Freiwilligenverbandes (das 27. Königlich-Preußische Jägerbataillon) niederschlug. Der deutsche Zusammenbruch 1918 verhinderte dann jedoch weitere militärische und politische Zusammenarbeit und nach dem Rücktritt Svinhufvuds wandte sich die finnische Außenpolitik mehr Richtung Frankreich und Großbritannien. 3
Finnland war anti-demokratischen Bewegungen eher abgeneigt und pflegte eine „offenkundigen Antipathie“ gegen die nationalsozialistische Machtergreifung und Etablierung des totalitären Systems in Deutschland ab 1933. „Die Sympathie der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung für Deutschland, die schon in den zwanziger Jahren durch den Rapallo- und den Berlin-Vertrag eine Enttäuschung erlitten hatte, da man ein Zusammengehen Deutschlands mit der Sowjetunion darin zu erkennen glaubte, schwand [...] nach und nach immer mehr und
1 Ueberschär, Gerd R.: Hitler und Finnland. Die Deutsch-Finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes. Wiesbaden 1978, S. 10.
2 Ibid., S. 10.
3 Vgl. ibid., S. 14.
führte zu einer Abkühlung der deutsch-finnischen Beziehungen. Wenn noch an der alten Freundschaft festgehalten wurde, so galt dies vor allem der Erinnerung an die deutsche Militärmacht des Ersten Weltkrieges, aber nicht dem Nationalsozialismus.“ 4
Von 1918 bis 1922 betrieb Finnlands eine so genannte Randstaatenpolitik („cordon sanitaire“) mit den baltischen Kleinstaaten und mit Polen, die alle mit ihren Beziehungen zur neu gebildeten UdSSR zu kämpfen hatten. Danach, bis 1935 orientierte sich Finn-land stärker am Völkerbund, bis der Abessinienkrieg dessen Schwäche zutage brachte. Bis zum Winterkrieg versuchte Finnland dann den Weg der „nordischen Neutralität“ zu gehen. 5 In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden wie die zeitweise sehr unterkühlten Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland wieder aufgenommen wurden und inwiefern sie im so genannten Fortsetzungskrieg reine Zweckbeziehungen oder doch mehr waren. Dabei werde ich zunächst kurz die Beziehung Finn-lands zu Deutschland während des Winterkriegs (mit Grundlage im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt) erörtern, dann auf den Wandel dieser im kurzen und unsicheren Zwischenfrieden und schließlich im Fortsetzungskrieg eingehen. Insgesamt kann man sagen, dass die deutsch-finnischen Beziehungen im Zweiten Weltkrieg immer abhängig von den Veränderungen in den deutschsowjetischen Beziehungen waren. Ich möchte versuchen darzustellen, welche Rolle Finnland eigentlich zugeteilt werden kann, das heißt wie aktiv es überhaupt wirken konnte. Zudem möchte ich
4 Ibid., S. 18f.
5 Vgl. Jokipii, Mauno: Finnland und der Zweite Weltkrieg - eine historische Ortsbestimmung, in: Jäntti, Ahti / Holtkamp, Marion (Hrsg.): Schicksalsschwere Zeiten. Marschall Mannerheim und die deutsch-finnischen Beziehungen 1939-1945. Berlin 1997 (Schriftenreihe des Finnland-Institutes in Deutschland, Bd.1), S. 15.
auch in einem kurzen Abriss näher auf das Verhältnis der deutschen Soldaten zur finnischen Zivilbevölkerung und auf das positive Deutschland-Bild das dort vorherrschend war, eingehen.
2. Der russisch-finnische Krieg
2.1. Die Vorbedingungen
Einleitend mochte ich an dieser Stelle mit dem russisch-finnischen Winterkrieg beginnen, bei welchem Finnland noch nicht mit einer Unterstützung durch Deutschland rechnen konnte. Da ich mich aber in dieser Arbeit mehr auf das deutsch-finnischen Beziehungen währen des Fortsetzungskrieges beziehen werde, soll dieses Kapitel nur einen kurzen Abriss über den Winterkrieg beinhalten. Diesem Krieg gingen zunächst viele Monate der Verhandlungen voraus. Sie begannen im Grunde genommen damit, dass am 14. April 1938 der sowjetische Gesandte Boris Jartsew in Helsinki eintraf, um von Finnland ein militärisches Abkommen einzuholen. Im Falle eines Angriffs von Seiten Deutschlands auf die Sowjetunion sollte Finnland dieser zusichern, Deutschland keine Hilfe zu leisten. Finnland war jedoch nicht bereit, sich auf ein derartiges Abkommen einzulassen, da es an seiner Neutralitätspolitik festhalten wollte. Weitere Versuche die auch Verhandlungen über Gebiete (wie beispielsweise die Verpachtung einiger Inseln im Finnischen Meerbusen für die Verteidigung der Sowjetunion) beinhalteten, wurden ebenfalls abgeblockt. 6
Was dann geschah kam überraschend für das restliche Europa und bedeutete eine sensationelle Wende: Statt einer Zusammenarbeit gegen Hitler wurde am 24. August 1939 der Nichtangriffsvertrag
6 Jussila, O., Hentila, S., Nevakivi, J.: Politische Geschichte Finnlands seit 1809. Vom Großfürs- tentum zur Europäischen Union. Berlin 1999, S. 199.
zwischen der Sowjetunion und Deutschland abgeschlossen, auf den ich im folgenden Kapitel darauf noch näher eingehen werde. In Verbindung mit dem Vertrag mit Deutschland welcher der Sowjetunion gegenüber Finnland freie Hand ließ, lud der sowjetische Außenminister Molotow im Oktober 1939 eine finnische Delegation „zur Beratung konkreter politischer Fragen“ 7 nach Moskau ein, doch auch diesmal war die finnische Regierung (in Moskau vertreten durch den erfahrenen Russlandkenner Paasikivi) nicht bereit auf die nun noch verschärfteren Angebote und Forderungen der Sowjetunion einzugehen (die Sowjetunion forderte neben dem Abschluss eines Beistandsvertrages zusätzlich einen Stützpunkt an der Südküste Finnlands und die Verlegung der Grenze auf der Karelischen Landenge bis zu 70km nach Westen - weit weg von Leningrad, um die Sicherheit der Stadt zu verbessern), so dass die Verhandlungen schließlich am 13. November ohne Ergebnis abgebrochen wurden. 8
Trotzdem war die finnische Regierung noch immer optimistisch und zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand wirklich mit einem Angriff der Sowjetunion; unter anderem waren da auch einige vermutlich eher lapidar klingende Gründe: „Sie würden bei uns nicht im Winter einfallen.“ 9 Doch mit hatte letztendlich einfach nicht mit einigen groben Fehlern der Sowjetunion gerechnet. 10 Damit lässt sich wohl erklären, dass die finnische Regierung trotz fehlender Unterstützung (von Schweden, Großbritannien und den USA) nicht nachgab.
7 Zetterberg, Seppo: Finnland ab 1917.Keuruu 1991, S. 77.
8 Ibid., S. 77ff.
9 Jakobson, Max: Diplomatie im finnischen Winterkrieg 1939/40. Wien 1970, S. 174.
10 Vgl. ibid., S. 174.
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Henriette Maye, 2007, Finnland und der Zweite Weltkrieg: Finnisch-deutsche Waffenbrüderschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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