1. Einleitung
1. Einleitung 3
2.1. Erkenntnis oder Bewährung 5
2.2. Power and effect 6
3. First Love Last Rites 7
3.1. Fantasies of the creature und die Ratte 8
3.2. Anywhere s striving couple die Beziehung in der Krise 10
3.3. Geburt und Tod 12
3.4. A tender optimism 13
4. Fazit 14
5. Summary 16
Literatur 18
1. Einleitung
Ian McEwans Short Stories, veröffentlicht in den beiden Sammlungen First Love, Last Rites (1975) und In Between the Sheets (1978) ganz zu Beginn seiner Karriere als Au-tor, können in die Literatur der Postmoderne eingeordnet werden, wenngleich sie, nach Aussagen vieler Kritiker, „weitgehend konventionell in der Form der Präsentation“ 1 sind. Gleichwohl sind sie jedoch „wie zahlreiche modernistische Geschichten nicht mehr ‚am Rande’, sondern ‚in den Ruinen der öffentlichen Sphäre’ angesiedelt und konjugieren die Themen der ‚Desintegration zeitgenössischen Lebens und die Kolonisierung des Privatbereichs durch Konsumkapitalismus’“ 2 . Die Geschichten in First Love, Last Rites beziehen sich alle mehr oder weniger auf Themen von Adoleszenz und Initiation, ausgeschmückt mit tabubrechenden Elementen des Makabren und Grotesken. Die Sammlung First Love, Last Rites hatte McEwan ursprünglich als seine Abschlussarbeit im Fach ‘Creative Writing’ an der University of East Anglia geschrieben – in einer Zeit also in der er selbst Anfang zwanzig und auf der Suche war. Christopher Ricks fasst den Grund für die Ergiebigkeit des Themas wie folgt zusammen:
“[A]dolescents are an extraordinary, special case of people; they’re close to childhood, and yet they are constantly baffled and irritated by the initiations into what’s on the other side – the shadow line, as it were. They are perfect outsiders, in a sense, and fiction – especially short stories, and especially first-person narratives – can thrive on a point of view which is somehow dislocated, removed.” 3 In dieser Arbeit soll die Titelgeschichte aus McEwans literarischem Debüt, die im Jahre 1997 von Jesse Peretz auch verfilmt wurde, im Kontext der Initiationsthematik analysiert werden. Dabei werde ich zunächst eine Charakterisierung der Initiationsgeschichte im Allgemeinen vornehmen. Der zweite Teil der Arbeit gehört dann der Geschichte selbst. Zu Beginn werde ich die erotischen Fantasien des Ich-Erzählers im Zusammenhang mit der realen Gestalt der Ratte darstellen. Im weiteren Verlauf geht es dann konkret um die (stagnierende) Beziehung der beiden Protagonisten, gefolgt von einem besonderen Wendepunkt. Im letzten Teil werde ich dann auf die gelungene Initiation eingehen.
1
Freiburg, Rudolf; in Löffler/Späth: Geschichte der englischen Kurzgeschichte, S. 345f.
2
Freiburg, Rudolf (zitiert nach Miriam Marty Clark), S. 346.
3
Ricks, Christopher: Adolescence and After, in Listener (12 April 1979) S. 526, zitiert nach Ryan, Kiernan: Ian McEwan. Plymouth 1994, S. 6.
3
2. ‘Crossing the shadow line’ – Definition der
Initiation Story
Um eine Analyse von McEwans „First Love, Last Rites“ im Zusammenhang mit der Initiationsthematik vorzunehmen, werde ich wie schon in der Einleitung erwähnt, erst einmal die Merkmale einer solchen Geschichte erläutern. Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf den Aufsatz „What is an Initiation Story?“ von Mordecai Marcus. Einleitend möchte ich jedoch eine Definition von Peter Freese anführen, der mehrere Werke zum Genre der Initiationsgeschichte herausgebracht hat:
“The youthful protagonist of a story of initiation gains his experience during a journey whicht consits of the three phases of exit, transition, and (re)entrance and leads the traveller from innocence to experience. In the course of this real or metaphorical journey the initiate experiences manifold confrontations with a world hitherto unknown to him, and is exposed to the temptations of a tempter but can, on the other hand, find advice and help from a fatherly mentor. His experiences culminate in a recognition or an insight which changes his life and which often refers to the disillusioning discovery of the disparity between appearance and reality.”4
Zunächst einmal aber stammen die Bezeichnung und das Konzept aus der Anthropologie, wo die Initiation im Grunde genommen „the passage from childhood to maturity and full membership in adult society“ 5 umfasst. In vielen Kulturen werden dabei bestimmte Riten, sogenannte rites de passage (der Begriff wurde zu Beginn des 20. Jahr-hunderts von dem französischen Anthropologen Arnold van Gennep verbreitet) durchgeführt die den Übergang erleichtern sollen, den Neuling testen und die Macht der Gesellschaft aufrechterhalten sollen. 6 Bewegt man sich dann vom Gebiet der Anthropologie in das der Literatur findet man einige Werke, die eine Initiationsthematik beinhalten, Ernest Hemingway, J.D. Salinger, Katherine Mansfield, James Joyce und nicht zuletzt natürlich Ian McEwan sind nur einige der Autoren. In der Literatur ist das Konzept der Initiation jedoch etwas weniger leicht zu fassen, dort ist das Übergangsritual nicht immer gleich als solches erkennbar;
4
Freese, Peter, zitiert in: Bucholz, Sabine: Short Stories of Female Initiation 1910-1940, in: Görtschacher, Wolfgang; Klein, Holger (Hrsg.): Tale, Novella, Short Story. Currents in Short Fiction. Tübingen 2004, S. 91. 5
Marcus, Mordecai: What is an Initiation Story?, in: May, Charles E. (ed): “Short Story Theories”. Ohio University Press 1976, S. 189.
6
Ebd., S. 190.
4
die Protagonisten vollziehen eher unbewusst d en Übergang zur Reife. Und so werden ganz alltägliche Verhaltensmuster meist nur dann als Rituale wahrgenommen, wenn sie so sehr übertrieben werden, dass sie nicht mehr als alltägliches Verhalten erklärt werden können. 7 Zu Beginn der Begriffsklärung kann noch eine Unterscheidung zwischen der Initiation in der Kurzgeschichte und der Initiation im Roman getroffen werden. Im Roman ist die Initiation nämlich meist in Form einer Entwicklung angelegt, eine Reihe von Erfahrungen die der Protagonist im Verlauf des Romans durchlebt führen dann letztlich zu einem Übergang zum Erwachsensein, in diesem Zusammenhang entstand auch der Begriff Bildungsroman. Die Kurzgeschichte hingegen konzentriert sich meist nur auf einen einzigen Moment der Initiation, ähnlich einer Epiphany. 8
2.1. Erkenntnis oder Bewährung
Die folgende Charakterisierung bezieht sich hauptsächlich auf die Kurzgeschichte. Nach Mordecai Marcus gibt es im Großen und Ganzen zwei Fälle, in denen „normales“ Verhalten als rituell angesehen werden kann. Das geschieht zum einen dann, wenn die betreffende Person als Reaktion auf eine schwierige Situation wieder auf gesellschaftlich anerkanntes Verhalten zurückgreift und zum anderen, wenn durch starken psychologischen Zwang ein individuelles Verhalten entsteht. 9 Diese Unterteilung bezieht sich also auf die Art der gemachten Erfahrung (die Begriffe stammen von Klaus Lubbers): erstere beinhalten eine Bewährung im gesellschaftlichen Leben, die zweite Gruppe eine Erkenntnis, wobei der Bewährungstyp näher an das anthropologische Konzept anknüpft, in den Short Stories jedoch der Erkenntnistyp häufiger zu finden ist. 10 Dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass in der Literatur Rituale bestimmter Völker vorkommen, oder auch mythologische Symbole; diese klammert Marcus jedoch aus seiner Definition aus.
Im Unterschied zum anthropologischen Konzept in dem es um die Initiation einer ganzen Gruppe geht, ist die Literatur vielmehr an der Initiation des Individuums interessiert. Auch Erziehung findet nicht in den meisten Werken nicht im Sinne von „adult so-
7 Ebd.
8 vgl. Bucholz, Sabine, S. 91.
9 Vgl. Marcus, Mordecai, S. 190.
10 vgl. Lubbers, Klaus: Typologie der Short Story. Darmstadt 1989, S. 73.
5
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Henriette Maye, 2006, Ian McEwans Kurzgeschichte 'First Love, Last Rites' als Geschichte einer Initiation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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