Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutsches Seminar I Proseminar „Sprachliche Interaktion“ Sommersemester 2002
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Holger Hoppe
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Kapitel Seite
Einleitung 3
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1. Sprecher Hörer Interaktion mit Rezeptionssignalen 3
2. hm als sprachliche Habitualisierung 4
3. hm als Responsiv 5
4. Die phonologischen Merkmale von hm 6
5. Vier Grundformen von hm 7
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1. Vorbemerkung 8
2. Bestätigung der fremden Sprecherrolle 8
3. Anmeldung des eigenen Anspruchs der Sprecherrolle 10
4. Klärungsbedarf 11
5. Zweifel 12
6. Quantitative Analyse 13
Schlussbemerkung 15
Quellenverzeichnis 17
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Eine häufig benutzte, jedoch kaum wahrgenommene Eigenheit der deutschen Sprache ist der Einsatz von „ hm“ als Rezeptionssignal in Gesprächen. Da „ hm“ meist nur im mündlichen Sprachgebrauch verwendet wird, findet man es in fast keinem Wörterbuch, in der Linguistik ist es lange nahezu unbeachtet geblieben, wurde kaum als Interjektion anerkannt. In dieser Hausarbeit möchte ich mich daher speziell diesem Rezeptionssignal widmen und zunächst unter der Fragestellung „ wozu dient ‚hm’?“ erklären, welche Rolle es in der mündlichen Umgangssprache des Deutschen spielt. Nachdem ich die Theorie zum Thema dargelegt habe, werde ich mich dann einigen funktionalen Unterschieden zuwenden und diese an Hand von Beispielen verdeutlichen.
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Um ein ganz normales Alltagsgespräch zu gliedern und zu gestalten, benutzt man Partikel wie z.B. „ hm“ . Besonders wichtig sind dabei die sogenannten Rezeptionssignale. Dies können beispielsweise kurze Rückfragen zur eben gemachten Aussage des Sprechers sein, ein Kopfschütteln oder ein Nicken oder Kurzäußerungen wie „ hm“ oder „ stimmt“ . Rezeptionssignale, im folgenden RS genannt, zeigen nach der Ansicht von Johannes Schwitalla (2002:271) dem Sprechenden, ob der Zuhörer ihn noch als Sprechenden akzeptiert, bewerten das Gesagte und können dem Gesprächsverlauf eine andere Richtung geben, falls das RS nicht gemäß den Erwartungen des Sprechers ausfiel und er deshalb mündlich noch mehr Einfluss auf den Hörer ausüben will. Die Forschung zeigt, dass RS in gesprochener Sprache sehr häufig vorkommen, obwohl sie in einer normalen Alltagsunterhaltung überhaupt nicht auffallen. Laut Schwitalla (2002:271) leisten Sprecher und Hörer damit fast schon unbewusst ein hohes Maß an Zusammenarbeit, damit die Unterhaltung am Laufen gehalten wird und harmonisch bleibt: Der Sprecher ist sich der Aufmerksamkeit des Hörers bewusst, indem dieser sein Interesse an dem Gesprächsstoff zeigt.
Schwitalla (2002:271-272) stellt noch folgende Merkmale von RS fest: Sollte ein RS wider Erwarten nicht artikuliert werden, kann der Sprecher es mit Hilfe eines sogenannten
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Rückversicherungssignals sogar einfordern. Dies geschieht im Deutschen z.B. durch das Anhängen von „ oder?“ an einen Aussagesatz. Wohlbekannt ist dieses Phänomen auch aus dem Englischen, wo jeweils die Negation eines Verbs ans Satzende gestellt wird. Die Art des RS, welches einem Sprechakt folgt oder mit ihm überlappen kann, hängt jedoch immer von der Illokution, d.h. der Handlung, die praktisch durch den Sprechakt vollzogen wird, ab. So kommt einem RS z.B. nach Behauptungen, Wertungen, Vermutungen oder Vorschlägen erheblich mehr Bedeutung zu, als bei z.B. dem Bericht über die Ferienerlebnisse, weil es direkt die Meinung des Hörers zur eben gemachten Aussage ausdrückt, während es im zweiten Fall nur zum Weitersprechen ermutigt (vgl. Schwitalla, 2002:271).
RS können zudem verschoben werden, wenn ein weiterer Sprechakt zwischen Rückversicherungssignal und RS erfolgt, sie können expandiert werden, wenn es den Anschein hat, dass der Konsens zwischen Sprecher und Hörer noch nicht hergestellt ist oder sie können einfach so bei einer Störung des Gesprächs, wenn z.B. gerade ein Thema erschöpft ist, zur Überbrückung dienen (vgl. Schwitalla, 2002:272).
Im folgenden möchte ich mich ausschließlich mit zwei Untergruppen des RS beschäftigen: Hauptsächlich dem „ hm“ in seiner Verwendung als Minimalfeedback, während Kapitel Drei jedoch seine Sonderstellung als Responsiv beleuchten soll.
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Komplex wird es, wenn ein Gespräch, in dem „ hm“ vorkommt, transkribiert werden soll. Ehlich (1986:32) stellt diesbezüglich die wesentliche Frage: „ Wie kann man die verschiedenen ‚Varianten’, deren kommunikationspraktische Differenz für den Transkribenten als Sprecher des Deutschen unmittelbar einsichtig ist, sinnvoll wiedergeben?“ Dieses Problem ist jedenfalls der Grund, warum man aus Transkripten nie so richtig herauslesen kann, welche Version von „ hm“ nun eigentlich ausgesprochen wurde, sondern ihre Bedeutung höchstens an Hand des Kontext und der möglicherweise verschrifteten Intonation erahnen kann.
Deutlich wird daran allerdings vor allem, dass bei Menschen, die Deutsch als Muttersprache beherrschen, eine Art Rezeptwissen über dessen Verwendung zu bestehen scheint. Jeder weiß über die Bedeutung der vielfältigsten Arten von „ hm“ Bescheid und kann sie auch so einsetzten, dass der kommunikative Vorgang innerhalb des Gesprächs gewährleistet wird. Man könnte dieses Phänomen mit einer Theorie von Berger/Luckmann (1993:56-72) erklären, die sich mit Habitualisierungen befasst: Sobald eine Verhaltensform ihren Ursprung
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M.A. Holger Hoppe, 2002, Das Rezeptionssignal "hm", Munich, GRIN Publishing GmbH
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