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Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Kontrollapparate und mechanismen in der DDR Seite 4
2.1 Selbstzensur Seite 4
2.2 Zensur durch die Verlage Seite 5
2.3 Staatliche Zensur Seite 6
3. Drei Kampagnen gegen die ästhetische Moderne Seite 8
3.1 Die Formalismus-Kampagne 1951 Seite 8
3.2 Sinn und Form : Das geheime Journal der Nation Seite 10
3.3 Das 11 Plenum des Zentralkomitees der SED Seite 12
4. Ein Opfer der Zensur: Christa Wolf Nachdenken über Christa T Seite 13
5. Schluss Seite 15
6. Literaturangaben Seite 18
1. Einleitung
„Wir hatten ja keine Zensur… Wir waren das einzige sozialistische
Land, das die Dinge laufen ließ.“ 1
Dieses Zitat stammt von Erich Honecker, als er 1990 nach dem Mauerfall befragt wurde. Auch in der Verfassung der DDR wird man das Wort Zensur nie finden, ganz im Gegenteil, der Artikel 27, Absatz 1 garantiert sogar das Recht auf freie Meinungsäußerung. 2
Doch ich möchte mit meiner Arbeit genau das Gegenteil aufzeigen. Ich möchte aufzeigen, wie konkret die Zensur war und wie viele Mechanismen ineinander griffen, um moderne Literatur herauszufiltern.
Die Literatur sollte sich nach dem Programm des „sozialistischen Realismus“ richten, dessen Doktrin 1932 von Stalin selbst formuliert wurde. Danach sollte der Künstler „das Leben kennen, […es] nicht scholastisch, nicht tot, nicht einfach als >objektive Wirklichkeit<, sondern als die objektive Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung [darstellen]. Dabei muss die wahrheitsgetreue und historisch konkrete künstlerische Darstellung mit der Aufgabe ver-bunden werden, die werktätigen Menschen im Geiste des Sozialismus ideologisch umzuformen und zu erziehen.“ 3
Entzog sich der Literat diesem Programm, so hatte er mit einem umfangreichen Kontrollapparat zu kämpfen, der auch meist zu verhindern wusste, dass sich moderne Literatur verbreitete. Dieser Kontrollapparat reichte von Selbstzensur, welcher sich der Künstler teilweise selber unterzog, da er sich beim Schreiben genau darüber bewusst war, was man in der DDR publizieren konnte und was nicht, über die Zensur durch die Verlage, bis zu staatlich gelenkter Zensur. Ganze Ministerien waren für die Zensur zuständig, wie z.B. das Kulturministerium, natürlich nicht offiziell. Nein, offiziell hat Zensur nie existiert.
Gerade deshalb kann man die in der DDR vonstatten gegangene Zensur nicht mit der Zensur eines totalitären Staates vergleichen. Die Zensur in der DDR hatte als Ziel prinzipiell nicht das Verbot von Literatur. Schon dem Programm des „sozialistischen Realismus“ ist zu entnehmen, dass sie viel mehr erziehen sollte.
Trotzdem wäre es Augenwischerei zu behaupten, dass das Ganze ja dann nur „halb so schlimm gewesen ist“. Autoren, die sich weigerten ihr Werk zu ändern, mussten sich auf einen langwierigen Kampf einstellen. Die, die gar im Ausland publizieren wollten, hatten mit harten Sanktionen zu rechnen.
2. Kontrollapparate und –mechanismen in der DDR „ Es hat bei uns schon immer eine tief, nämlich dreifach gestaffelte Kontrolle literarischer Äußerungen gegeben: die Selbstzensur der Au-toren, von vielen verinnerlicht, verdrängt; die Vorprüfung der Verlags-lektorate; und schließlich - dies beides ständig aktivierend - die Kompetenz der Hauptverwaltung, Druckgenehmigungen zu erteilen oder nicht. Das ist zusammengenommen ein recht massiver Apparat, geeignet neue Gedanken so lange zu filtern, bis sie so neu nicht mehr sind. Das Ganze funktioniert von Fall zu Fall nur durch (manchmal zweifelhafte) Kompromisse, durch eine gewisse Nachgiebigkeit der Beteiligten.“ 4
Mit dieser Aussage hat der Autor Wolfgang Schreyer die Mechanismen der Literaturzensur in der DDR anschaulich zusammengefasst:
1. die Selbstzensur,
2. die Zensur durch die Verlage,
3. die staatliche Zensur.
Auf diese drei Zensurapparate möchte ich im folgenden ersten Abschnitt meiner Arbeit näher eingehen.
2.1 Die Selbstzensur
Was eigentlich ist Selbstzensur? Selbstzensur oder die „Schere im eigenen Kopf“ 5 resultiert aus formellem oder auch informellem Druck vorgesetzter Stellen, die auf die Angst des Au-tors zählen. Das heißt, Zensur im Sinne von Druckausübung wird zur Selbstzensur. Diese Art von Zensur ist nun in großem Maße der öffentlichen Kritik entzogen, da sie nur im Kopf des Autors entsteht und meist nicht von der Öffentlichkeit nachvollzogen, bzw. überhaupt wahrgenommen werden kann.
Christa Wolf gibt 1974 in einem Interview eine gute „Definition“ von Selbstzensur:
„Der Mechanismus der Selbstzensur, der dem der Zensor folgt, ist ge-
fährlicher als dieser. Er verinnerlicht Forderungen, die das Entstehen von Literatur verhindern können, und verwickelt manchen Autor in ein unfruchtbares und aussichtsloses Gerangel mit einander ausschließenden Geboten: daß er realistisch schreiben soll zum Beispiel und zugleich auf Konflikte verzichten, daß er wahrheitsgetreu schreiben soll, aber sich selbst nicht glauben, was er sieht, weil es nicht typisch sei. Ein Autor, der sich dieses Vorgangs nicht schärfstens bewußt bleibt und sein eigener unerbittlichster Kontrolleur ist, wird nachgeben, ausweichen, anfangen zu wischen.“ 6
Wie schon gesagt sollte Literatur in der DDR instrumentalisiert bzw. in das Programm der Volksaufklärung und –erziehung einbezogen werden. Darin ist auch enthalten, dass der Autor „freiwillig“ in die autoritäre Vorstellung von Volkserziehung eingebunden wurde und den Eingriffen, also den geforderten Auslassungen, Streichungen und Umformulierungen zustimmen musste. Der DDR Verleger erwartete, dass der Schriftsteller für sich selbst entschied, was druckbar war und was nicht. Die meisten Autoren lehnten dies nicht von vornherein ab. Auf dem VI. Deutschen Schriftstellerkongress (28.-30. Mai 1969) nannte der erste Sekretär des Verbandes sogar als Ziel der sozialistischen Literatur die Stärkung der DDR. Ziel der Literatur sollte es außerdem sein, einen Beitrag zur Ausprägung des Menschenbildes der sozialistischen Gesellschaft zu vermitteln und die geistigen und sittlichen Werte der sozialistischen Gesellschaft weiterzuentwickeln. Doch auch die, die sich weigerten, mussten sich früher oder später dem Druck beugen oder aber mit teilweise weitgreifenden Konsequenzen rechnen, was letzten Endes oft dann doch wieder zur Selbstzensur führte.
Die Praxis der Selbstzensur war wohl die gängigste und heimtückischste Form von Zensur, die praktisch jede künstlerische Produktivität beeinflusste. Sie war Ergebnis der offiziellen Zensur und machte sie sogar zum Teil überflüssig.
2.2 Die Zensur durch die Verlage
Die Knappheit an allerlei Notwendigkeiten, z.B. an Papier oder brauchbaren Manuskripten, löste unter den Verlagen in der DDR Verteilungskämpfe aus, die zwar im Stillem aber dennoch unerbittlich geführt wurden. Dieser Konkurrenzkampf führte dazu, dass die Literaturbehörde immer wieder als Schiedsstelle auftreten konnte, um Anerkennung zu gewinnen.
Arbeit zitieren:
Julia Flüs, 2005, Literaturzensur in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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