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Inhalt
Einleitung Seite 2
1.Begriffsbestimmung Seite 3
1.2 Zwischen Wissenschaft und Prophetie Seite 4
2. Nouăsprezece Trandafiri als labyrinthische Komposition Seite 6
3. Der initiierte Schriftsteller Seite 9
4. Das Initiations-Theater Seite 11
Schlussbemerkung Seite 14
Literatur Seite 15
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Einleitung
Mircea Eliade (1907-1986), hatte schon in der Zwischenkriegszeit als Schriftsteller und Religionswissenschaftler auf sich aufmerksam gemacht. Im Rumänien der 30er Jahre gehörte er zu den führenden Intellektuellen der Criterion-Gruppe 1 , die eine Erneuerung des philosophischen Denkens anstrebten. Nach einem vierjährigen Studienaufenthalt in Kalkutta, gelang ihm der literarische Durchbruch mit dem 1933 erschienenen Roman „Maitreyi“, mit dem er als Autor des exotischen Sujets auf sich aufmerksam machte. Sein Promotionsthema „Yoga: Essai sur les origines de la mystique Indienne“, und seine für die rumänische Wissenschaftstradition ungewohnten und originellen Fragestellungen, eröffneten ihm zusätzlich eine - allerdings nur kurze - Laufbahn an der Bukarester Universität. Das Jahr 1945, welches die wohl tiefste Zäsur seiner Biographie darstellt, markiert den Beginn seines Exildaseins und setzt gleichzeitig den Grundstein seiner internationalen Reputation als Religions- und Mythenforscher. Aufgrund seiner diplomatischen Tätigkeit in London und Lissabon unter dem Antonescu-Regime, war es ihm nach 1945 unmöglich nach Rumänien zurückzukehren. Er ließ sich zunächst in Paris nieder, wo er an der École des Hautes Études und an der Sorbonne einige Lehraufträge erhielt. Nach zahlreichen Gastvorträgen in Rom, München, Freiburg, Schweden und in der Schweiz, übernahm er 1958 den Lehrstuhl für Religionsgeschichte an der University of Chicago, den er bis zu seinem Tod im Jahre 1986 inne hatte. Als Herausgeber der Macmillan's Encyclopedia of Religion, gehört Eliade zu den herausragenden Religionswissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Dessen ungeachtet war Eliade Zeit seines Lebens eine umstrittene Persönlichkeit. Für die einen war er ein „obscur exilat român” (Dubuisson), oder „enciclopedistul rătăcit în epoca modernă“ (Ionesco) und geriet wegen seiner Verstrickungen mit der Eisernen Garde ständig in Verruf. Für die anderen war er wegen seines „prophetischen“ Potentials ein „Parsifal care ajunge, în finem la curtea regelui bolnav al Occidentului“ (Noica). Die vorliegende Arbeit soll den „weltanschaulichen Gesamtentwurf“ Eliades anhand des Romans „Nouăsprezece Trandafiri“ thematisieren. Dabei steht vor allem der Begriff des „Sakralen“ im Vordergrund, der in seinen zahlreichen wissenschaftlichen Werken behandelt wurde und den literarischen Gesichtspunkt ergänzen soll. Einige, sicherlich sehr zentrale Aspekte wie etwa sein Exil, können daher nur am Rande behandelt werden.
1 Philosophische und künstlerische Gruppierung in den 30er Jahren. E. Cioran und C. Noica zählten dazu.
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1. Begriffsbestimmung
Bevor das literarische Schaffen Eliades thematisiert wird, ist es unerlässlich sein religionsphilosophisches Konzept vom „Sakralen“ zu skizzieren, welches gleichsam den Schlüssel zu seiner Prosa liefert. Die Begründer der modernen Religionswissenschaft stießen bei ihren Versuchen das Wesen von Religion zu definieren, immer auf das gleiche Problem: Wenn Religion durch den Glauben an eine „Göttlichkeit“ oder an „geistige Wesen“ bestimmt wird, dann wäre dies ein äußerst hinkender Definitionsversuch, da große Religionen wie etwa der Buddhismus, wo der Gedanke an Götter und Geister höchstens eine zweitrangige Rolle spielt, nicht berücksichtigt wären. Dass eine umfassende Bestimmung des Wesens von Religion erforderlich ist, erkannte auch Emile Durkheim der aufzeigte, dass allen bekannten religiösen Überzeugungen das Prinzip des „Profanen“ und „Heiligen“ zu Grunde liegt: „Die Aufteilung der Welt in zwei Bereiche, von denen der eine alles umfasst, was heilig ist, und der andere alles was profan ist; das ist das Unterscheidungsmerkmal religiösen Denkens.“ 2 Diese und weitere Werke, wie etwa „Das Heilige“ (1917) von Rudolf Otto, prägten Eliades Denken sicherlich genauso, wie die des französischen Mythenforschers Georges Dumézil, den er während seiner Lehrtätigkeit an der Sorbonne kennen lernte. Wodurch zeichnet sich nun Eliades eigener Ansatz aus?
Der moderne Mensch, und bei Eliade ist damit der abendländische Mensch gemeint, hat seit der Renaissance die Welt „entzaubert“ und somit schrittweise den Bezug zum Heiligen verloren. Für den „primitiven“ Menschen 3 hingegen, war die Existenz des „Sakralen“ real. Alles was zur Schöpfung beiträgt, kann seiner Natur nach nicht profan sein, denn das Profane wird im ontologischen Sinne nicht durch den Mythos begründet:
„Nici un Zeu, nici un Erou civilizator n-a revelat niciodată un act profan. Tot ceea ce Zeii şi Strămoşii au făcut, tot ceea ce miturile povestesc despre activitatea lor creatoare, aparţine sferei sacrului şi, în consecinţă, participă la existenţa Fiinţei. Dimpotrivă, ceea ce oamenii fac după capul lor, fără să aibă un model mitic, aparţine sferei profanului: este, în consecinţă, o activitate zadarnică şi, până la urmă, iluzorie.“ 4
2 Durkheim, Emile; Die elementaren Formen des religiösen Lebens, Frankfurt am Main 1981, S.45-75. Siehe auch Nathan Söderblom: „Heiligkeit ist das bestimmende Wort in der Religion […] Die wahre Religion kann ohne bestimmte Auffassung von der Gottheit bestehen, aber es gibt keine echte Religion ohne Unterscheidung zwischen heilig und profan.“ Aus: Stolz, Fritz; Grundzüge der Religionswissenschaft, Göttingen 1988, S. 20.
3 Eliade bevorzugt den Begriff des „primordialen Menschen“ (omul primordial).
4 Simion, Eugen; Mircea Eliade, spirit al amplitudinii, Bukarest 1988, S. 150.
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Darüberhinaus kommt hier ein zweiter Kerngedanke zum Ausdruck. Das „Sakrale“ wird in Form eines Mythos „erzählt“ und besitzt gleichzeitig Modellcharakter für jegliches menschliches Handeln. In diesem Zusammenhang versteht Eliade die Literatur deshalb auch als „Tochter der Mythologie“ (fiica mitologiei) die dazu bestimmt ist, eine zentrale Funktion erfüllen: das „Sakrale“ zu offenbaren. Ständig auf der Suche nach Symbolen und dem archetypischen Sinngehalt der Erscheinungsformen, ging Eliade jedoch weit über die Literatur hinaus. Auch das wohl bekannteste Werk des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuşi (1876-1957), „Coloana infinită“ (Die Unendliche Säule) war für ihn eine Manifestation des „Sakralen“, wie aus seinem Tagebucheintrag vom 10.07.1962 hervorgeht:
„…ce mă interesează în primul rând e semnificaţia pe care o dădea Brâncuşi Coloanei: el o compara Coloanei cerului, stâlpului cosmic care susţine Cerul şi totodată face posibilă comunicarea între Cer şi Pamânt: într-un cuvânt, o consideră o axis mundi. […] Dar ceea ce a încercat să creeze după ce izbutise, printr-o extraordinară anamnesis, să readucă la viaţă forme, simboluri şi semnificaţii arhaice, uitate în Europa de multe mii de ani?“ 5
1.2 Zwischen Wissenschaft und Prophetie
Eliades Überlegungen sind nicht bloß als Feststellungen zu verstehen. Vielmehr verbindet er damit ein Appell an den modernen Menschen, zu seinen Ursprüngen (zum „Zentrum“ wie er es selbst formuliert) zurückzukehren. Die geistige Krise in der sich der moderne Mensch befände, kann nur durch eine „Re-Sakralisierung“ überwunden werden, die letztendlich auch zur seiner Erlösung führt. Eliade als Verkünder einer modernen, überkonfessionellen Heilslehre, als verkappter Prophet? Vieles spricht dafür, obwohl sich Eliade selbst nicht als „religiös“ verstand sondern lediglich als passionierter Religionswissenschaftler:
„…recunoaşterea sacrului nu implică credinţa în Dumnezeu, în zei sau alte spirite: [sacrul] este, repet, experienţa unei realităţi şi izvorul conştiinţei de a exista în lume.“ 6
5 Glodeanu, Gheorghe; Incursiuni în literatura diasporei şi disidenţei, Bukarest 1999. S. 36. 6 Simion, S. 259.
Quote paper:
Radu H. Dinu, 2004, Das Sakrale in der Prosa Mircea Eliades am Beispiel des Romans "Nouăsprezece Trandafiri", Munich, GRIN Publishing GmbH
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