(edle) Menschen die selbe Art Lust als abartig verurteilen. So ist es aber auch, dass nicht gerechte Menschen keine jegliche Lust an der Gerechtigkeit empfinden. Die Tatsache, dass Lust durch Beigefügtem wünschbarer wird und viele verschiedene Formen von ihr existieren, positive sowie negative, kann Lust unmöglich als höchstes Gut bezeichnet werden. Denn die Möglichkeit, dass etwas negatives ein Teil des höchsten Gutes sein kann, muss ausgeschlossen sein. Demnach ist die Lust nicht das höchste Gut. Später wird dargestellt, was nach Aristoteles das höchste Gut ist. Was ist also dann Lust?
Vollkommenheit der Lust und Betrachtung und ihre Beziehung zueinander Aristoteles stellt die Vollkommenheit der Lust dar und argumentiert somit gegen die, die die Lust als Bewegung definieren. Er ist der Ansicht, dass Bewegungen mehrere und verschiedene Prozesse beinhalten, die sich auf ein Ziel hin orientieren. Diese Bewegungen sind jedoch unvollkommen. Um es einem Beispiel festzuhalten: Wenn man ein Haus zu bauen beabsichtigt, errichtet man Wände und später dann ein Dach, usw. Jedes dieser Bewegungen (Prozesse) ist nur Mittel zum Zweck. Zwei wesentliche Argumente nennt Aristoteles, um zu belegen, dass die Lust keine Bewegung ist. Die Errichtung einer Wand wird nicht ihres selbst wegen vollzogen, sondern das Ziel ist etwas anderes, nämlich das Haus. Ferner sind die jeweiligen Prozesse unvollkommen, da ja immer etwas anderes dazu kommen muss, damit es vollendet ist. Bei der Lust ist es eben nicht so. Die Lust braucht keine Entwicklungszeit. Sie braucht nichts dazu zu bekommen, damit sie vollendet ist. Man hat abrupt Lust, wenn man sie denn hat. Das Wesen der Lust ist jederzeit vollkommen. (vgl. S.287)
So ist es auch mit dem Sehen. Das Sehen entwickelt sich nicht und es braucht nichts weiteres, um vollkommen zu sein. Ferner wird das Sehen wegen ihres selbst getan, d. h. dass das Ziel des Sehens das Sehen selbst ist. Es ist sich also selbst genug. Es ist jederzeit vollkommen.
Aristoteles erläutert die Vollkommenheit der Wahrnehmung und ihre Beziehung zu der Lust. Er sagt, dass jede Wahrnehmung sich auf ein Wahrnehmungsobjekt betätigt. Die Wahrnehmung ist dann am vollkommensten, wenn sie sich in bester Verfassung befindet und sich dabei auf das schönste Objekt hin richtet. Diese Situation wäre ebenso am angenehmsten und lustvollsten. „Die Lust macht die
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Tätigkeit vollkommen.“ (S. 288, Z. 25) Jedoch vollendet die Lust die Tätigkeit nicht. Vielmehr ist die Lust eine der Vollkommenheit hinzutretende Vollendung. Bei jeder Wahrnehmung und jedem Denken entsteht Lust und am langanhaltendsten kann der Mensch denken. Die Lust folgt einer Tätigkeit. Ihre Existenz hängt somit von der Tätig ab, d.h. ohne Tätigkeit keine Lust. Es scheint also, dass die Tätigkeit und Lust nicht trennbar sind. Eine Trennung dieser ist auch nicht erwünscht. Jedoch ist die Lust der Tätigkeit nachgeordnet.
Festzuhalten ist auch, dass jeder Mensch in der Lage sein kann über diese beiden Vollkommenheiten (Sehen, d.h. gründlich betrachten, Erkenntnisse daraus ziehen und es genießen, und Lust) zu verfügen.
Diese Phänomene scheinen nach Aristoteles die Vorrausetzung für ein glückseliges Leben zu sein.
Die Glückseligkeit
Wie kann ein glückseliges Leben erfahren werden? Wovon hängt die Existenz der Glückseligkeit ab?
Aristoteles unterscheidet zwischen zwei wesentlichen „Glückseligkeitsrängen“, das glückseligste Leben und die zweitrangige Glückseligkeit. Für ein glückseligstes Leben ist die Basis der Geist, der das Wesen des Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Die Vernunft des Geistes macht den Menschen überhaupt erst zum Menschen. Ferner ist er im Gegensatz zum Körper unsterblich, weil die Wahrheit, die durch erfahren wird, auch unsterblich ist. Er beschäftigt sich also mit Unvergänglichem. Er der menschlichen Natur am eigentümlichsten und deshalb das höchste Gut des Menschen. Der Geist ist das beste im Menschen, so der Philosoph. Denken, Erkenntnis, vernünftiges und tugendhaftes Handeln wird nur durch ihn möglich. Mit dem Handeln ist die erkenntnisbringende Betrachtung gemeint. Die Betrachtung ist, wie zuvor bereits erläutert worden ist, wird wegen ihr selbst ausgeübt und geliebt. Ferner bedarf sie nichts weiter als sich selbst, um vollkommen zu sein. Vollkommenheit ist wiederum die Vorraussetzung für die Zugehörigkeit zur Glückseligkeit. Denn alles, was zur Glückseligkeit gehört, muss vollkommen sein. (vgl. S. 297) Der Glückseligkeit muss Lust beigemischt sein. Von allen tugendhaften Tätigkeiten sind die, die auf Erkenntnis und Weisheit abzielen am lustvollsten. Das Leben
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Garbi Yildiz, 2005, Die Nikomachische Ethik-Buch 10, Munich, GRIN Publishing GmbH
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