Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Ausgangssituation 2
3 Die Ideen des Konzepts und didaktische Vorüberlegungen 4
3.1 Grundlegende Aspekte und Begründungen des Konzepts 4
3.1.1 Orpheus als Archetypus der Oper 4
3.1.2 Der Projektgedanke 5
3.1.3 Das Programmheft als Produkt 6
3.1.4 Interdisziplinarität 7
3.1.5 Wissenschaftspropädeutik 8
3.2 Unterrichtsorganisation und Handlungsformen 9
3.3 Zielvorstellungen 12
4 Das Konzept und seine Umsetzung 14
4.1 Überblick 14
4.1.1 Planung zur Durchführung des Konzepts 14
4.1.2 Planung zur begleitenden Unterrichtsreihe 16
4.2 Durchführung des Konzepts 17
4.2.1 Erster Schritt: Planung und Aufgabenverteilung 17
4.2.2 Zweiter Schritt: Selbstständige Bearbeitung der Aufgaben 18
4.2.3 Dritter Schritt: Informationsaustausch Präsentation und
Veröffentlichung 19
4.3 Durchführung der begleitenden Reihe 20
4.3.1 Monteverdi Die Geburt der Oper 19
4.3.2 Gluck Die Macht des Gesangs als „Waffe“ des Orpheus 21
4.3.3 Gefühlsausdruck und Wirkung von Gesang 23
4.3.4 Gesang als menschliches Urbedürfnis 25
4.3.5 Offenbach Parodie und Tanz 26
4.3.6 Orpheus in der Kunst 26
II
5 Evaluation ………………………………………………………….….………. 27
5.1 Beobachtung und Evaluation von Schülerreaktionen ….……..………..….… 30
5.2 Evaluation des Produkts und der Ziele des Konzepts ………….…..…………. 30
5.3 Abschließende Reflexion …………………………..…….…….………..…….. 31
5.4 Ausblick: Übertragbarkeit des Konzepts ……………………………………… 32
6 Bibliographie ……………………………………………….………………….. 34
7 Anhang
III
1 Einleitung Warum wird in der Oper alles gesungen? Was will Musik auf der Bühne? Ist Äußerung durch Gesang nicht unrealistisch? Warum singt ein Mensch? Und wann? Was vermag Gesang, was Sprache nicht vermag? Verstehen wir Gesang? Und wie? Viele Fragen drängen sich im Zusammenhang mit dem Phänomen Oper auf, und viele dieser Fragen sind der Grund, warum Schülerinnen und Schüler 1 dem Phänomen Oper mit Vorurteilen und Abneigung begegnen (vgl. Kapitel 2). Daher sah ich Handlungsbedarf das Verständnis für diese Gattung mit einem auf die S II abgestimmten Konzept zu fördern. Der Mythos von Orpheus, dem Urbild des Sängers, der durch seinen Gesang quasi magische Kräfte entfaltet, kann mögliche Antworten aufzeigen (vgl. Kapitel 3.1.1) und rückt daher ins Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Oper innerhalb dieses Konzepts.
Den methodischen Kern des Konzepts bildet die Idee der Programmheftgestaltung als Möglichkeit, über die Oper zu reflektieren und sich ihren grundlegenden Ideen zu nähern. Die theoretischen Grundlagen, die didaktische Herangehensweise sowie die Unterrichtsorganisation (und damit verbunden die Lehrerfunktion Unterrichten) werden in Kapitel 3 erläutert.
Es geht selbstverständlich nicht darum, alle Schüler zu Opernliebhabern zu machen, sondern vielmehr darum, eine Einstellungsänderung in Bezug auf das Phänomen Oper an sich zu erreichen und die Schüler zu mehr Verständnis gegenüber dieser Gattung zu erziehen, die nach wie vor einen wichtigen Teil des öffentlichen kulturellen Lebens darstellt (Kapitel 3.3 geht unter anderem genauer auf die Lehrerfunktion Erziehen ein). Die Oper wird dabei in den größeren Kontext des Musiktheaters 2 gestellt, das die verschiedenen Gattungen (Oper, Operette, Musical) sowie die Belange hinter den Kulissen (wie Inszenierungsfragen, Berufsfelder) mit einbezieht. Kapitel 4 dokumentiert die konkrete Durchführung des Konzepts im Rahmen meines selbstständigen Unterrichts in einem Musikkurs der Jahrgangsstufe 11. Das Konzept wird abschließend evaluiert (Kapitel 5) und auf Möglichkeiten der Übertragbarkeit hin bewertet (Kapitel 6).
1 Falls im Folgenden häufig nur von „Schülern“ bzw. vom „Lehrer“ die Rede ist, richtet sich dies nicht gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern ist lediglich eine Konzession an den Lesefluss. Lehrerinnen und Schülerinnen seien hiermit stets ausdrücklich mit einbezogen.
2 Der Begriff Musiktheater wird wie bei Ulrich Schreiber, Arnold Werner Jensen, Alexia Benthaus und in unterschiedlichen Schulbüchern als Oberbegriff für alle Formen des musikalischen Theaters verwendet. Da sich das zugrunde liegende Problem jedoch in erster Linie auf das Phänomen Oper bezieht, wird im Zusammenhang mit dem Konzept vor allem von Oper die Rede sein, auch wenn die anderen Gattungen des Musiktheaters ebenfalls Thema des Unterrichts sind. Vgl. Benthaus, Alexia: Oper im Unterricht – zwischen Anspruch und Realität: Möglichkeiten und Grenzen eines multidimensionalen Phänomens, Dortmund 2001, S. 1 und Werner-Jensen: Didaktik der Oper, Wiesbaden 1981, S. 11.
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2 Ausgangssituation Der Musikkurs der Jahrgangsstufe 11, den ich im Rahmen meines selbstständigen Ausbildungsunterrichts leite, besteht aus dreizehn Schülern und sechs Schülerinnen, von denen neun ein Instrument spielen.
Zu Beginn des 2. Halbjahres führte ich in diesem Kurs eine Reihe über die Oper „La Bohème“ durch, die mit dem Besuch einer Vorstellung im Theater Aachen abschloss. Anfänglich hatten sich viele Schüler eher ablehnend gegenüber der Beschäftigung mit dem Thema Oper und einem Opernbesuch geäußert. Sie empfinden Oper als unmodern, die Musik ist weit entfernt von der Musik, mit der sie sich üblicherweise beschäftigen, und die meisten vertreten die Ansicht, dass Oper „doch nur was für alte Leute“ (Schülerzitat) sei.
Die Reaktionen meiner Schüler auf das Thema Oper scheinen die allgemeine Einstellung bei Schülern und sogar bei Musiklehrern widerzuspiegeln 3 . Die Abneigungen und Vorurteile auf Lehrerseite beruhen einerseits auf dem Umfang vieler Werke, dem man mit wenigen Wochenstunden Musikunterricht nicht ausreichend gerecht werden kann, andererseits geben viele Lehrer an, „den tradierten szenisch-dramaturgischen Konventionen des Musiktheaters nur bedingt Sympathie und Verständnis entgegen[zu]bringen“ 4 .
Neuere musikdidaktische Konzepte wie die szenische Interpretation und auch die Bemühungen seitens vieler Theater, durch pädagogische Programme, Opernaufführungen für Kinder und Angebote zur Zusammenarbeit mit Schulen das Interesse neu zu wecken, haben schon viel zur Verbesserung des Stellenwerts von Oper im Musikunterricht beigetragen 5 . Die beschriebenen Abneigungen zeigen jedoch, dass das Problem der Behandlung von Oper im Unterricht (auf beiden Seiten) nicht an Schwierigkeiten mit bestimmten Werken, sondern an dem Unverständnis oder der Ablehnung des Phänomens Oper an sich liegt. Einerseits sind diese Schwierigkeiten durch die Art des Gesangs begründet – gerade der Belcanto wird als unnatürlich empfunden und von vielen Schülern vehement abgelehnt – andererseits wird auch die Art der Darstellung als übertrieben und gekünstelt angesehen. Das trifft besonders auf Schüler zu, die mit Oper noch wenig bis gar keinen Kontakt hatten. Sie
3 Vgl. Krettenauer, T.; Hampf, K.: Musiktheater-Didaktik konkret, in: Musik und Unterricht Heft 83, April 2006, S. 26 (sowie Benthaus, Alexia: Oper im Unterricht, S. 3).
4 Ebd., S. 26.
5 Vgl. hierzu auch Kruse, Matthias: Zur Popularität des Musiktheaters in der Musikpädagogik – Versuch einer Einordnung, in: Kruse, Matthias (Hrsg.): Musikpraxis in der Schule. Musiktheater, Kassel 2001, S. 6.
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können im Allgemeinen – im Vergleich zu Musiklehrern – für ihre ästhetische Beurteilung nur auf sehr begrenztes Wissen und Erfahrungen zurückgreifen.
Auch wenn meinem Kurs die Opernvorstellung im Theater Aachen überraschend gut gefallen hat, ergaben sich in der anschließenden Diskussion Fragen über den Sinn von Oper im Allgemeinen. Die meisten Schüler bezeichneten es als befremdend, dass „die da auf der Bühne eine halbe Stunde brauchen, um etwas zu sagen, was man auch in fünf Minuten sagen könnte“ (Schülerzitat) und waren außerdem der Meinung, dass die Darstellungen und die Art des Gesangs sehr gekünstelt und übertrieben seien. Da wir im Vorfeld vielfach mit szenischen Interpretationen gearbeitet hatten, spielte bei diesen Äußerungen auch der Vergleich zu eigenen (gesprochenen) Umsetzungen einzelner Szenen eine Rolle. Die meisten schätzten diese als realistischer, weniger artifiziell und somit als sinnvoller ein. Abgesehen davon waren sie von der Professionalität und der hohen schauspielerischen Leistung der Darsteller am Theater sehr beeindruckt. Die Äußerungen der Schüler machen allerdings deutlich, dass sie kein Verständnis für die grundlegenden Ideen der Oper aufbringen, so dass ich mit meinem Konzept an dieser Stelle ansetzen und die angestoßene Diskussion vertiefen will. Ein erster Schritt war getan, aber im Folgenden sollten sich die Schüler durch eine andere Art der Auseinandersetzung den Grundlagen der Oper annähern, um das Verständnis für diese Gattung zu fördern. Die Erstellung eines Programmhefts als anwendungs- und produktorientierte Form der Auseinandersetzung setzt sich vom bisherigen Unterricht bewusst ab und stellt einen Motivationsanreiz für die Schüler dar. Aus den in Kapitel 3.1.1 erläuterten Gründen bietet sich der Mythos von Orpheus in seinen verschiedenen Vertonungen hierfür besonders an.
Zudem ergab sich die Chance, diese Überlegungen an ein konkretes Projekt anzubinden, da der instrumental-vokalpraktische Kurs [im Folgenden mit IV-Kurs abgekürzt] der Jahrgangsstufe 12 unserer Schule plante, den Orpheus-Stoff in einer eigenen, modernisierten Version als Musical auf die Bühne zu bringen. Wenn sich die Fragen nach dem Wesen von Oper mit Orpheus in Verbindung bringen lassen, so lag es nahe, sich im Zusammenhang mit dieser Aufführung eben diesen Fragen zu widmen und die Ergebnisse in Form eines Programmheftes zu veröffentlichen.
Durch die Idee des Programmhefts ergibt sich wieder ein, wenn auch indirekter, Bezug zu unserem Opernbesuch. Im Anschluss daran hatten die Schüler die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem Dramaturgen und Intendanten Michael Schmitz-Aufterbeck des Theaters Aachen, den ich an unsere Schule eingeladen hatte. Die Schüler zeigten großes Interesse am Berufsfeld des Dramaturgen, in dessen
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Tätigkeitsbereich auch die Erstellung des Programmheftes fällt, und an anderen Berufen am Theater. Vielen wurde im Laufe des Gesprächs das erste Mal bewusst, dass es Berufe dieser Art gibt, und sie erfuhren von der Vielzahl der Berufe, in denen man mit Musik zu tun hat und musikalische Fachkenntnisse braucht. Da das Berufsfeld des Dramaturgen intensive Recherchen erfordert, deren sichtbares Resultat unter anderem das Programmheft ist, wurde der Blick der Schüler vor allem auf schreibende Berufe gelenkt, d.h. Berufe, in denen man über Musik schreibt und auf der Grundlage von Fachwissen ästhetisch urteilt.
3 Die Ideen des Konzepts und didaktische Vorüberlegungen 3.1 Grundlegende Aspekte und Begründungen des Konzepts
3.1.1 Orpheus als Archetypus der Oper
Mythen wie auch Märchen können als Darstellung grundsätzlicher Menschheitsvorstellungen verstanden werden. In ihnen zeigen sich menschliche Urbedürfnisse und Grundsituationen 6 . Der Orpheus-Mythos kann als Bild für die Magie bzw. ‚Macht’ des Gesangs, aber auch als Bild des Menschen, der sich in Gesang ausdrückt und der andere damit in seinen Bann zieht, verstanden werden. Der Stoff wirkt wie kaum ein anderer Mythos in Kunst, Literatur und Musik fort. So zieht er sich durch die Geschichte des Musiktheaters und prägte diese an wesentlichen Stellen. Anhand dieses Mythos eröffnet sich daher die Möglichkeit, das Problem des fehlenden Verständnisses für die grundlegenden Ideen der Oper sozusagen an der Wurzel zu packen – und das gleich auf mehreren Ebenen. Die musik- bzw. gattungsgeschichtlichen Wurzeln einerseits und die ästhetischen Grundlagen der Opernidee andererseits können mit der anthropologischen Dimension des Mythos verbunden werden. Konkret ergeben sich also folgende zentrale Aspekte:
• Orpheus als offensichtlich reizvolles Sujet an wichtigen Stationen der Geschichte des Musiktheaters (erste eigentliche Oper 7 , Opernreform und erste große Operette 8 ),
6 Vgl. Wöhrmann, Jürgen: Ein für alle Male ists Orpheus, wenn es singt. Eine mythisch-mythologische Gestalt in Text und Bild, in: Der altsprachliche Unterricht, S. 21.
7 „Erst mit Monteverdis 1607 in Mantua uraufgeführtem Orfeo kam es zum Opern-Urknall.“ In: Schreiber, Ulrich: Opernführer für Fortgeschrittene. Die Geschichte des Musiktheaters. Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, Kassel: Bärenreiter 2000 (2.Auflage), S. 64.
8 „Mit dem ‚Orpheus’ war das Genre der Offenbachiade geschaffen. Alle späteren großen Operetten Offenbachs kamen aus dieser.“ In: Kracauer, Siegfried: Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit, Frankfurt am Main: Insel Verlag 1980, S. 184.
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• der Orpheus-Mythos als Bild dafür, warum auf der Bühne gesungen wird und als Anlass zur Reflexion über die ‚Macht’ des Gesangs,
• Orpheus als Urtypus des Sängers bzw. des singenden Menschen.
Die letzten beiden Punkte sind mit Sicherheit diejenigen, die sich dem Wesen der Oper am ehesten annähern. In einem Artikel von Michael Klußmann 9 findet sich der einzig mir bekannte Ansatz, der diesen Aspekt von Oper ins Zentrum stellt, überall sonst wird der Gesang allenfalls bei der Behandlung der Stimmfächer gestreift. Klußmann stellt die entrückende Kraft des Gesangs, die die Faszination Oper ausmacht, eindrucksvoll dar. „Möglichkeiten der Vermittlung […] sehe ich darin, den Schüler z.B. mit jenen Mythen vertraut zu machen, die sich auf den Gesang oder auch auf die Musik allgemein beziehen.“ 10 Auch dieser Ansatz führt somit unweigerlich wieder zu Orpheus.
Bei sämtlichen Orpheus-Vertonungen ist Musik, genauer gesagt Gesang, nicht nur Form der Darstellung, sondern gleichzeitig Inhalt und Kernaussage des Mythos’. Aus diesem Grunde wird die Idee von der Wirkung und ‚Macht’ des Gesangs wesentliches Moment bei der Beschäftigung sein. Der Sänger Orpheus verkörpert das Wesen der Oper. Er stellt den „Archetypus der Oper […dar] und man sagt kaum zuviel mit dem Satz, alle Oper sei Orpheus.“ 11
3.1.2 Der Projektgedanke
Mit der Anbindung an ein konkretes Projekt (die Schulaufführung des Musicals) laufen die gedanklichen Fäden zusammen, und die Recherche und Reflexion münden in ein Produkt, das in seiner Funktion den dargelegten Gedanken zur Vermittlung der grundlegenden Ideen von Oper bzw. Musiktheater völlig entspricht: Ein Programmheft wird schließlich zu dem Zweck erstellt, den Zuschauern einerseits zu erklären, was auf der Bühne passiert, ihnen andererseits über das Bühnengeschehen hinaus den Sinn des Stückes näher zu bringen, über die Entstehungsgeschichte zu informieren, Anregungen zur Interpretation und Reflexion zu geben und Hintergründiges und Interessantes um das Stück herum zu bieten. Es ist somit sinnvoll, sich vor dem Hintergrund der Orpheusaufführung mit diesen Fragen zu beschäftigen, und dieser Sinn kann daher auch Schülern transparent gemacht werden.
9 Klußmann, Michael: Oper im Unterricht. Ein Versuch zum Verständnis des singenden Menschen, in: Musik und Bildung Heft 9, 1982.
10 Ebd., S. 552.
11 Adorno, Theodor W.: Bürgerliche Oper, in: Tiedemann, Rolf (Hrsg.): Gesammelte Schriften, Bd. 16. Musikalische Schriften I-III, Frankfurt a. M. 1978, S. 31.
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Die Erstellung des Programmheftes soll im Sinne des selbstständigen Arbeitens als Projekt durchgeführt werden. Da der Begriff Projekt heute recht inflationär gebraucht wird und das Verständnis für den Begriff verschwimmt 12 , soll im Laufe der folgenden Kapitel anhand der bei Gudjons 13 genannten Merkmale auch geklärt werden, was ein Projekt eigentlich ausmacht.
Ausgangspunkt des Projekts und auch Bezugspunkt während der Bearbeitungsphase bildet die Aufgabe, ein Programmheft für eine Schulaufführung zu erstellen 14 . Die Entscheidung für diese Art der Aufgabenstellung ermöglicht es, „an reale, gesellschaftlich relevante Probleme und Bedürfnisse an[zuknüpfen]“ 15 . Das Projekt bekommt so einen „Ernstcharakter“ 16 , der über die übliche Relevanz von Unterricht hinausgeht. Einerseits ist diese Bedeutung durch die reale Funktion des Programmhefts im Rahmen der Schulaufführung gegeben, denn es richtet sich an eine Öffentlichkeit, die über den üblichen Rahmen von Unterricht hinausgeht. Andererseits stellt es keine beliebige, nur für den Bereich der Schule relevante Idee dar, sondern entstammt der gesellschaftlichen Realität. Somit entsteht ein für die Schüler relevanter Bezug zur Wirklichkeit 17 . Das Erstellen von Programmheften ist eine Tätigkeit, die auch im Berufsleben bei den schon erwähnten schreibenden Berufen eine Rolle spielt. So kann der Bogen zur in Kapitel 2 beschriebenen Begegnung mit dem Dramaturgen geschlagen werden, indem die Schüler sozusagen eine der Aufgaben eines Dramaturgen in Bezug auf die Musicalaufführung an der Schule übernehmen.
3.1.3 Das Programmheft als Produkt
Vom zu erstellenden Produkt (d.h. dem Programmheft) ausgehend werden die nötigen Schritte geplant und die Aufgaben innerhalb des Kurses auf die verschiedenen Gruppen verteilt. Zu Beginn der Bearbeitungsphase wird daraufhin ein Zeit- und Arbeitsplan erstellt, innerhalb dessen sich die Gewichtung einiger vorgeschlagener Aspekte während der Bearbeitung noch verschieben kann 18 .
12 Vgl. Gudjons, Herbert: Lernen in Projekten. Schritte und Merkmale einer besonderen Unterrichtsform, in: MuU, April 2005, S. 4.
13 Ebd., S. 4ff.
14 Vgl. 1. Merkmal: Situationsbezug, in: ebd., S. 5.
15 Ebd., S. 5.
16 Ebd., S. 5.
17 Vgl. 3. Merkmal: Gesellschaftliche Praxisrelevanz, in: ebd., S. 5.
18 Vgl. 4. Merkmal: Zielgerichtete Projektplanung, in: ebd., S. 6.
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Quote paper:
Stefanie Franke, 2007, Orpheus, der singende Mensch , Munich, GRIN Publishing GmbH
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