Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis VI
Danksagung VIII
1 Einleitung. 1-1
1.1 Entwicklung der Fragestellung 1-1
1.2 Stand der Literatur 1-2
1.3 Aufbau der Arbeit 1-3
2 Theoretische Grundlagen. 2-4
2.1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen. 2-4
2.2 Abfallwirtschaftliche Grundlagen. 2-19
2.3 Raumplanung in Sachsen 2-24
3 Raumkategorien in Sachsen 3-28
3.1 Raumkategorien gemäß Landesentwicklungsplan 3-28
3.2 Erstellte Klassifikation der Landkreise und Abfallverbände 3-30
3.3 Raumkategorien in Sachsen im Jahr 2020 3-35
4 Aufbereitung des Kartenwerkes 4-39
4.1 Analyse des bestehenden Kartenwerkes. 4-39
4.2 Methodische Erstellung von Kartenvorlagen. 4-42
4.3 Generierung einer abfallwirtschaftlichen Zusatzkarte 4-44
5 Analyse abfallwirtschaftlicher Bilanzen. 5-46
5.1 Siedlungsabfallbilanz des Freistaates Sachsen. 5-46
5.2 Abfallgebührenstudie des Freistaates Sachsen. 5-51
5.3 Klärschlammbilanz 5-53
5.4 Abfallwirtschaftsplan Sachsen 5-56
- I -
6 Wirkung der Bevölkerungsentwicklung und der Raumkategorie auf die
Siedlungsabf älle 6-58
6.1 Entwicklungszusammenhänge in Sachsen. 6-58
6.2 Entwicklungszusammenhänge in den Landkreisen Sachsens 6-60
6.3 Unterschiede der Siedlungsabfallmengen in den Raumkategorien 6-64
6.4 Wirkung der Elemente der Bevölkerungsentwicklung auf die
Abfallwirtschaft 6-65
6.5 Fazit 6-67
7 Abfallzusammensetzung in den Raumkategorien 7-68
7.1 Sortieranalysen zur Bestimmung der Abfallzusammensetzung 7-69
7.2 Restabfallzusammensetzung in den sächsischen Raumkategorien 7-70
7.3 Fazit 7-72
8 Abfallkosten in Sachsen. 8-74
8.1 Zusammenhänge zwischen den Abfallgebühren und der
Raumkategorie in Sachsen 8-74
8.2 Zusammenhänge zwischen den Abfallgebühren und der
Naturraumstruktur in Sachsen 8-77
8.3 Analytische Betrachtung der Kostenkalkulationen 8-79
8.4 Fazit 8-82
9 Prognose der Restabfallmenge 9-84
9.1 Restabfallprognose in Sachsen 9-87
9.2 Restabfallprognose für die sächsischen Landkreise. 9-89
9.3 Ergebnisanalyse. 9-90
10 Nutzbarkeitsvergleich von geographischen Informationssystemen
f ür die Abfallwirtschaft im LfUG 10-92
11 Handlungsempfehlungen und Fazit 11-97
12 Quellenverzeichnis 12-104
13 Erklärung 12-108
14 Anhang. 13-109
- II -
Abbildungsverzeichnis
ABB. 2-1: ENTWICKLUNG DER EINWOHNERZAHL IN SACHSEN
ABB. 2-2: ENTWICKLUNG DER NATÜRLICHEN BEVÖLKERUNGSBEWEGUNG IN SACHSEN.
ABB. 2-3: ENTWICKLUNG DER RÄUMLICHEN BEVÖLKERUNGSBEWEGUNG IN SACHSEN
ABB. 2-4: BEVÖLKERUNGSBILANZ IN SACHSEN
ABB. 2-5: BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN VON 1990 BIS 2005
ABB. 2-6: VERÄNDERUNG DER ALTERSSTRUKTUR DER BEVÖLKERUNG
ABB. 2-7: DURCHSCHNITTSALTER IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN IM JAHR 2005
ABB. 2-8: ENTWICKLUNG VON BRUTTOINLANDSPRODUKT UND ABFALLMENGE IN SACHSEN
ABB. 2-9: NATÜRLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN BIS 2020
ABB. 2-10: RÄUMLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN BIS 2020
ABB. 2-11: STAND UND ENTWICKLUNG DES DURCHSCHNITTSALTERS BIS ZUM JAHR 2020
ABB. 2-12: BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN SACHSEN ZWISCHEN 2001 UND 2020.
ABB. 2-13: ZIELHIERARCHIE DER ABFALLWIRTSCHAFT
ABB. 2-14: ABFALLVERBANDSSTRUKTUR IM FREISTAAT SACHSEN
ABB. 2-15: ZIELHIERARCHIE DER ABFALLWIRTSCHAFT IM JAHR 2020.
ABB. 2-16: PLANUNGSREGIONEN DER SÄCHSISCHEN RAUMPLANUNG
ABB. 3-1: RAUMKATEGORIEN DER SÄCHSISCHEN GEMEINDEN
ABB. 3-2: RAUMKATEGORIE NACH LANDKREISEN
ABB. 3-3: RAUMKATEGORIE AUF EBENE DER ABFALLVERBÄNDE
ABB. 3-4: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE IN DEN SÄCHSISCHEN GEMEINDEN
IM JAHR 2020.
ABB. 3-5: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN
IM JAHR 2020.
ABB. 3-6: PROGNOSTIZIERTE RAUMKATEGORIE AUF EBENE DER ABFALLVERBÄNDE
IM JAHR 2020.
ABB. 4-1: GRUNDKARTE DES LFUG
ABB. 4-2: ENTWURF EINER NEUEN GRUNDKARTE FÜR DAS REFERAT ABFALLWIRTSCHAFT
ABB. 5-1: VERTEILUNG DER BILANZIERTEN ABFÄLLE IM JAHR 2005
ABB. 5-2: PRO-KOPF-AUFKOMMEN AN RESTABFÄLLEN 2005
ABB. 5-3: PRO-KOPF-AUFKOMMEN AN ERFASSTEN ALTSTOFFEN IM JAHR 2005
ABB. 5-4: ABFALLGEBÜHREN IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN IM JAHR 2005
ABB. 5-5: ENTWICKLUNG DES KLÄRSCHLAMMAUFKOMMENS.
ABB. 5-6: ENTWICKLUNG DES KLÄRSCHLAMMAUFKOMMENS UND DER AN KLÄRANLAGEN
ANGESCHLOSSENEN EINWOHNER
ABB. 6-1: ENTWICKLUNG DES RESTABFALLAUFKOMMENS UND DER BEVÖLKERUNG
ABB. 6-2: EINWOHNERZAHL UND RESTABFALLMENGE IN SACHSEN
ABB. 6-3: PEARSON-PRODUKT-MOMENT-KORRELATION
ABB. 6-4: ENTWICKLUNG DES PRO-KOPF-AUFKOMMENS AN RESTABFÄLLEN IN SACHSEN.
- III -
ABB. 6-5: ENTWICKLUNG DES PRO-KOPF-AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IN
VERDICHTUNGSRÄUMEN IN SACHSEN
ABB. 6-6: ENTWICKLUNG DES PRO-KOPF-AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IN
VERDICHTETEN BEREICHEN IM LÄNDLICHEN RAUM IN SACHSEN.
ABB. 6-7: ENTWICKLUNG DES PRO-KOPF-AUFKOMMENS VON RESTABFÄLLEN IM
L ÄNDLICHEN RAUM IN SACHSEN
ABB. 6-8: RESTABFÄLLE JE EINWOHNER IN VERDICHTUNGSRÄUMEN, VERDICHTETEN
BEREICHEN IM LÄNDLICHEN RAUM UND LÄNDLICHEN RÄUMEN
ABB. 7-1: ANTEILE DER FRAKTIONEN AM RESTABFALL IN DEN RAUMKATEGORIEN.
ABB. 8-1: ABFALLGEBÜHREN IN DEN SÄCHSISCHEN LANDKREISEN
ABB. 8-2: KLASSIFIZIERUNG DER SÄCHSISCHEN LANDKREISE NACH RAUMKATEGORIE UND
ABFALLGEB ÜHRENHÖHE.
ABB. 8-3: KLASSIFIKATION DER LANDKREISE NACH DER NATURRAUMSTRUKTUR.
ABB. 8-4: KLASSIFIZIERUNG NACH NATURRAUMSTRUKTUR UND ABFALLGEBÜHRENHÖHE.
ABB. 8-5: MITTLERE KOSTENVERTEILUNG MIT PROZENTUALEN ANTEILEN
ABB. 8-6: ABFALLGEBÜHREN UND GEBÜHRENRELEVANTE MENGEN
ABB. 9-1: KURVENVERLAUF, GLEICHUNG UND BESTIMMTHEITSMAß DER POTENZ- UND DER
LOGARITHMUSFUNKTION DER RESTABFALLMENGE BIS 2015
ABB. 9-2: ERWARTETE RESTABFALLMENGENENTWICKLUNG IN DEN LANDKREISEN
UND KREISFREIEN STÄDTEN AUF DER BASIS DER ERZEUGTEN PROGNOSE
ABB. 9-3: PRO-KOPF-AUFKOMMEN AN RESTABFÄLLEN IM JAHR 2015
ABB. 10-1: KARTE ERSTELLT MIT ARCMAP 8.3
ABB. 10-2: KARTE ERSTELLT MIT GISTERM
ABB. 11-1: NEUGLIEDERUNG DER SÄCHSISCHEN LANDKREISE.
ABB. 11-2: VORSCHLAG ZUR NEUGLIEDERUNG DER ABFALLVERBANDSSTRUKTUR.
- IV -
Tabellenverzeichnis
TABELLE 3-1: KRITERIEN ZUR EINTEILUNG DER LANDKREISE IN RAUMKATEGORIEN 3-31
TABELLE 3-2: GLIEDERUNG DER LANDKREISE NACH RAUMKATEGORIE. 3-32
TABELLE 5-1: ENTWICKLUNG DER RESTABFALLMENGEN BIS 2015 IM FREISTAAT SACHSEN 5-57
TABELLE 6-1: EINTEILUNG VON LANDKREISEN GEMÄß DER ENTWICKLUNG DER EINWOHNERZAHL. 6-62
TABELLE 8-1: VERTEILUNG DER ABFALLGEBÜHREN IN DEN RAUMKATEGORIEN. 8-75
TABELLE 8-2: VERTEILUNG VON ABFALLGEBÜHREN UND NATURRAUMSTRUKTUR 8-78
TABELLE 8-3: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE EINWOHNER
IN DEN RAUMKATEGORIEN 8-81
TABELLE 8-4: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE TONNE
RESTABFALL IN DEN RAUMKATEGORIEN 8-81
TABELLE 8-5: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE EINWOHNER
IN DEN NATURRAUMKATEGORIEN 8-82
TABELLE 8-6: VERGLEICH DER KOSTEN FÜR SAMMLUNG UND TRANSPORT JE TONNE
RESTABFALL IN DEN NATURRAUMKATEGORIEN 8-82
TABELLE 9-1: TATSÄCHLICHE UND MODELLHAFT BERECHNETE RESTABFALLMENGE. 9-87
TABELLE 9-2: PROGNOSEWERTE DER RESTABFALLAUFKOMMEN IN SACHSEN 9-88
- V -
Abk ürzungsverzeichnis
AbfAblV. Abfallablagerungsverordnung (Verordnung über die umwelt-
verträgliche Ablagerung von Siedlungsabfällen)
ARL. Akademie für Raumforschung und Landesplanung
ATKIS Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssys-
tem
AVN Abfallverband Nordsachsen
AVV. Abfallverzeichnis-Verordnung (Verordnung über das Europä-
ische Abfallverzeichnis)
AWVC Abfallwirtschaftsverband Chemnitz
BiB Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
BIP Bruttoinlandsprodukt
BM.U Bundesumweltministerium
DIN. Deutsches Institut für Normung
EVV. Entsorgungsverband Vogtland
EW Einwohner
E.U Europäische Union
GIS. geographisches Informationssystem
IWH.......................................Institut für Wirtschaftsforschung Halle
KrW -/AbfG Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
LEP Landesentwicklungsplan
LfUG Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
LVP Leichtverpackungen
MBA mechanisch-biologische Anlage
ÖRE öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger
PPK. Papier, Pappe, Karton
RAVON Regionaler Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien
ROG. Raumordnungsgesetz
RWI. Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
S ächsABG Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz
- VI -
S ächsLPlG. Sächsisches Landesplanungsgesetz
SMI Sächsisches Staatsministerium des Innern
TA thermische Anlage
TLUG Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie
UIG Umweltinformationsgesetz
ZAOE Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal
ZAS. Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen
ZAW. Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen
ZAZ Zweckverband Abfallwirtschaft Zwickau
- VII -
Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken, ohne deren Unterstützung die Entstehung dieser Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Bei Herrn Prof. Dr. H. Kowalke möchte ich mich für die Betreuung und die Begutachtung dieser Arbeit und die damit verbundenen konstruktiven Hinweise bedanken.
Recht herzlich möchte ich mich bei meinem Betreuer Dr. Peter Vollbrecht bedanken, für die Idee zu dieser Diplomarbeit und die vielfältigen Hilfestellungen. Mein Dank gilt auch den weiteren Mitarbeitern des Referates Abfallwirtschaft des Landesamtes für Umwelt und Geologie für die stets freundliche und kompetente Hilfe bei meinen Fragen.
Meinen Eltern danke ich für die jahrelange, vor allem auch finanzielle, Unterstützung während meines Studiums. Herrn Marko Jacob danke ich für die sprachliche Begutachtung dieser Arbeit. Großer Dank gebührt auch Stefanie Gabler, die mir in allen Situationen geduldig mit Rat und Tat zur Seite stand.
Einleitung Diplomarbeit Michael Rehbein
1 Einleitung
Der demographische Wandel als Ausdruck der aktuellen Bevölkerungsentwicklung in Sachsen dringt mehr und mehr in das Bewusstsein jedes Einzelnen vor. Die Politik und die Öffentlichkeit nehmen stärker als je zuvor die Konsequenzen dieser Entwicklung zur Kenntnis und sind bestrebt gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln. Sachsen steht vor der Herausforderung sich mit dem Bevölkerungsrückgang und der damit verbundenen Alterung auseinanderzusetzen. „Der demographische Wandel ist die größte Herausforderung für Sachsen am Beginn des 21. Jahrhunderts.“ Dieses Zitat stammt vom sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt und zeigt, welch hoher Stellenwert der gesamten Entwicklung beigemessen wird (MILBRADT 2006). Räumliche Disparitäten existieren bereits heute und werden sich in Zukunft durch Entwicklungsunterschiede weiter verschärfen.
Zukünftige Prozesse und Handlungen werden sich auch deshalb stärker an ihrer nachhaltigen Entwicklungen messen lassen müssen. Der Umweltschutz bekommt in der Gesellschaft eine bedeutendere Rolle. In diesem Bereich sieht die Mehrzahl der Deutschen den sorgsamen Umgang mit Abfällen als bedeutendsten persönlichen Beitrag (BMU 2006a, S. 64). Aus diesem Grund muss der gesellschaftliche Stellenwert der Abfallwirtschaft berücksichtigt werden. Bislang werden abfallwirtschaftliche Fragestellungen in der Demo-graphieforschung kaum thematisiert, ersichtlich beispielsweise im aktuellen Expertenbericht mit Empfehlungen zur Bewältigung des demographischen Wandels in Sachsen (Sächsische Staatskanzlei 2006).
Das Referat Abfallwirtschaft im Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) beschäftigt sich mit Prognosen, Strategien und Konzepten für allgemeine und konkrete Fragestellungen der Abfallwirtschaft in Sachsen. In diesem Zusammenhang ist ein großes Interesse an der zukünftigen Entwicklung der Bevölkerung und deren Wirkung auf die Abfallwirtschaft in Sachsen in der räumlichen Differenzierung vorhanden.
1.1 Entwicklung der Fragestellung
Im methodischen Vorgehen gibt es Parallelen zwischen Geographie und Abfallwirtschaft. Die Geographie erfasst und erklärt die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen der räumlichen Struktur und dem Menschen. Die Abfallwirtschaft ist eingebettet in das Spannungsfeld der ökologischen Kriterien gegenüber den ökonomischen Bedürfnissen. Dies hebt die Abfallwirtschaft aus anderen Umweltschutzthematiken hervor. Beide Fachrich-
Einleitung Diplomarbeit Michael Rehbein
tungen müssen übergreifende Zusammenhänge stets aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Die einzelnen Elemente der Fragestellung der Diplomarbeit besitzen eine große Bedeutung für die Gesellschaft. In der Diskussion zur Erfassung von Problemfeldern des demographischen Wandels wird die Abfallwirtschaft allerdings zumeist als nachrangiges Problem aufgeführt. Andere Umweltbereiche werden umfassender betrachtet. Aufgrund der absehbaren Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen ist das LfUG an einer Aufstellung von Zusammenhängen zur Abfallwirtschaft interessiert. So gewinnen auch Aspekte der Raumordnung bei der Analyse der abfallwirtschaftlichen Entwicklung an Bedeutung.
1.2 Stand der Literatur
Der Mangel in der thematischen Behandlung der Kombination der Problemfelder Abfallwirtschaft und Bevölkerungsentwicklung zeigt sich auch in der verfügbaren Literatur. Publikationen zum Thema Bevölkerungsentwicklung schneiden bei der Behandlung der Umweltauswirkungen durch demographische Veränderungen das Gebiet der Abfallwirtschaft kaum an. In der Literatur zur Abfallwirtschaft finden sich keinerlei Verknüpfungen zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung. So werden auch geographische Denkweisen und Methoden nur ansatzweise genutzt, obwohl durch geographische Informationssysteme eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Abfallwirtschaft zur Verfügung stehen. Stärkere Berücksichtigung in der Abfallwirtschaft findet die Raumordnung, vor allem im Hinblick auf die Beurteilung von Standorten von abfallwirtschaftlichen Anlagen. In Untersuchungen und Studien wird immer wieder die räumliche Differenzierung von Abfallaufkommen und -zusammensetzung überprüft. Die Literatursituation kann in diesem Bereich als gut bezeichnet werden, auch wenn viele Untersuchungen sehr kleinräumig angelegt sind. Zukünftig wird die Bevölkerungsentwicklung eine stärkere Rolle spielen, vor allem vor dem Hintergrund, dass zu erwartende Kosten von einer geringeren Anzahl von Einwohnern zu tragen sind.
Im Bereich der physischen Geographie spielen abfallwirtschaftliche Fragestellungen, abgesehen von stofflichen Prozessen (z.B. Emissionsverhalten von Anlagen), keine Rolle. In der Wirtschaftsgeographie wird sich ebenso selten mit der Abfallwirtschaft auseinander gesetzt. Als Ausnahme muss Hans-Dieter Haas genannt werden, der sich als Ordinarius für Wirtschaftsgeographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München durch eine Vielzahl abfallwirtschaftlicher Publikationen verdient gemacht hat (HAAS 2006). Doch auch aus diesem Kreis sind bisher keine Veröffentlichungen hervorgegangen, die sich
Einleitung Diplomarbeit Michael Rehbein
explizit mit der Bevölkerungsentwicklung und deren Wirkungen auf die Abfallwirtschaft auseinandergesetzt haben. Die wirtschaftlichen Verflechtungen der Abfallwirtschaft werden hier, wie auch in anderen Institutionen, stärker berücksichtigt.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Diplomarbeit soll bei der mangelnden Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung in der Abfallwirtschaft ansetzen und in einem ersten Schritt theoretische Grundlagen der Bevölkerungsentwicklung in Sachsen liefern. Darüber hinaus sollen grundlegende Elemente der Abfallwirtschaft dargestellt werden. Die dritte Säule der theoretischen Basis stellen raumordnerische Elemente dar.
Anschließend soll das abfallwirtschaftliche Kartenwerk um Kategorien der Raumordnung und der Bevölkerungsentwicklung ergänzt werden. Insbesondere wird die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2020 auf Basis der Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes berücksichtigt. Mittels geographischer Informationssysteme kann somit eine systematische, raumbezogene Datengrundlage mit Beschreibung der Datenobjekte und Signaturgrundlagen geschaffen werden.
Anhand der Datengrundlagen und ausgewählter abfallwirtschaftlicher Bilanzen sollen weitergehende Analysen vorgenommen werden. Im Vordergrund steht dabei das Erkennen von raum- und entwicklungsbezogenen Abhängigkeiten. Erkannte Hypothesen werden im weiteren Verlauf konkret untersucht. Anhand der durchgeführten Analysen und Hypothesenüberprüfung soll eine prognostische Entwicklung des Aufkommens an Restabfällen in Abhängigkeit der Bevölkerungsentwicklung entwickelt werden.
Bei der Erarbeitung und Darstellung der Ergebnisse soll untersucht werden, welche geographischen Informationssysteme des LfUG in Abhängigkeit zur jeweiligen Fragestellung optimal zum Einsatz gebracht werden können.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
Die aktuelle Bevölkerungsentwicklung in Sachsen wird vor allem durch den demographischen Wandel bestimmt. Dieser kann durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet werden (KILLISCH/SIEDHOFF 2006, S. 19ff). Der erste Aspekt ist die Abnahme der Bevölkerung. Die Gründe dafür liegen in einer niedrigen Geburtenrate und einer Sterberate, die größer ist als die Geburtenrate. Das zweite Element des demographischen Wandels ist die Alterung der Gesellschaft. Diese ist zum einen ebenfalls durch eine sehr niedrige Geburtenrate bedingt, zum anderen steigt die Lebenserwartung stetig an, so dass die älteren Jahrgänge zunehmend stärker besetzt sind. Das dritte Merkmal ist die Veränderung der Zusammensetzung der Gesellschaft. Hier kann durch eine entsprechende Einwanderungspolitik versucht werden, die natürliche Schrumpfung der Bevölkerung durch Zuwanderungen auszugleichen (BiB 2004, S. 56). Das sorgt dafür, dass sich die Gesellschaft heterogener aufbaut. Auf der anderen Seite sind Geburten-, Sterbe- und Wanderungsbewegungen in Deutschland räumlich nicht gleichverteilt, sondern regional stark differenziert. Im Folgenden werden nun die einzelnen Komponenten näher betrachtet und ihre Entwicklung in Sachsen dargestellt. Sofern nicht anders erwähnt wurden die Bevölkerungsdaten in Sachsen durch Datenbankabfragen beim Statistischen Landesamt Sachsen gewonnen.
Bisherige Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
In der Bevölkerungsentwicklung existieren einige Trends, die sich auf alle Teile Deutsch-lands ausgewirkt haben. So wird seit vielen Jahren das jeweilig nötige Bestanderhaltungsniveau nicht mehr erreicht (BiB 2004, S. 21). Die Anzahl der Kinder pro Frau nahm allerdings nicht kontinuierlich ab, sondern war immer wieder Schwankungen unterworfen. In den letzten Jahren hat sich diese Fertilitätsrate bei einem Niveau von rund 1,3 Kindern je Frau eingependelt. In Sachsen können einige Entwicklungen aufgezeigt werden, die sich vom gesamtdeutschen Trend abheben. Sachsen war in der Zeit von 1955 bis zum Mauerbau 1961 ein Gebiet, welches mit einem Bevölkerungsrückgang durch hohe Wanderungsverluste zu kämpfen hatte. Erst durch die veränderten Wanderungsbestimmungen im Zuge des Mauerbaus kam es zu einer Minderung des Bevölkerungsrückgangs. Zudem gab es eine leicht positive Geburtenbilanz, die für ein Wachstum der Bevölkerung bis zum Jahr 1966 sorgte. Bis heute ist 1966 das letzte Jahr mit einer positiven Geburtenbilanz in Sachsen. Ab 1967 bis zur Wende 1989 führten eine negative Geburtenbilanz und eine
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
negative Wanderungsbilanz zu einer Abnahme der Bevölkerung Sachsens. Zu allen Zeiten gab es regional durchaus Unterschiede (KOWALKE 2000, S. 91f). Nach der Wiedervereinigung kam es zu einem deutlichen Bruch in der Entwicklung. Das Geburten- und Wanderungsdefizit erhöhte sich schlagartig. Dadurch sank die Einwohnerzahl Sachsen rapide ab (vgl. Abb. 2-1).
Abb. 2-1: Entwicklung der Einwohnerzahl in Sachsen (abweichende Achseneinteilung) (eigene
Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Am Stichtag 31.12.2005 lebten in Sachsen rund 4,27 Mio. Menschen, davon waren etwa 2,1 Mio. Männer und 2,2 Mio. Frauen. Am 31. Dezember 1989 lebten noch rund 4,91 Mio. Menschen im Freistaat, dass bedeutet einen Einwohnerverlust von 640.000 Menschen im Zeitraum von 1990 bis 2005. Der Rückgang in diesen 16 Jahren beträgt 12,5 % und resultiert zu 60 % aus der natürlichen und zu etwa 40 % aus der räumlichen Bevölkerungsveränderung. Von 1990 bis 2005 wurden fast 489.000 Kinder geboren, während im gleichen Zeitraum rund 880.000 Menschen starben (Statistisches Landesamt Sachsen 2006).
Eine Entwicklung der Geburten- und Sterbezahl der letzten 20 Jahre ist in Abbildung 2-2 dargestellt.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Abb. 2-2: Entwicklung der natürlichen Bevölkerungsbewegung in Sachsen (eigene Darstellung nach
Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Räumliche Bevölkerungsbewegung
Die Wanderungsbewegungen in Sachsen lassen sich in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase schließt unmittelbar an die Wiedervereinigung an und dauerte bis 1992, sie ist gekennzeichnet durch hohe Wanderungsverluste. In diesem Zeitraum wanderten mehr als doppelt so viele Menschen aus Sachsen aus, wie zuwanderten. In der zweiten Phase (1993-1997) stabilisierten sich die Fortzüge auf einem Niveau von 70.000 Personen pro Jahr. Gleichzeitig stiegen die Zuwanderungen auf knapp 78.000 Menschen pro Jahr. Diese Jahre waren gekennzeichnet von einer positiven Wanderungsbilanz. Das Maximum der Zuwanderung wurde im Jahr 1994 verzeichnet. Die letzte Phase begann 1998 und erstreckt sich bis heute. Das jährliche Zuwanderungsvolumen betrug von 1998 bis 2005 durchschnittlich rund 65.000 Menschen, während im gleichen Zeitraum pro Jahr knapp 78.000 Einwohner Sachsen verließen (nach KOWALKE 2000, S. 93ff und Statistisches Landesamt Sachsen 2006). In Abbildung 2-3 ist die Entwicklung der Wanderungsbewegungen dargestellt und in Anhang 1 findet sich die Datentabelle der absoluten Entwicklung.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Abb. 2-3: Entwicklung der räumlichen Bevölkerungsbewegung in Sachsen (eigene Darstellung
nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006)
Die natürliche und räumliche Entwicklung der Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren ist in Abbildung 2-4 dargestellt. Aus dieser Grafik wird ersichtlich, dass Sachsen durchweg eine negative Bevölkerungsbilanz aufweist.
Abb. 2-4: Bevölkerungsbilanz in Sachsen (eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt
Sachsen 2006)
Heute ist Sachsen eines der Bundesländer mit der niedrigsten Fertilitätsrate. Der einfache Ersatz der Elterngeneration ist seit langer Zeit nicht mehr gewährleistet. Aktuell herrscht ein stabiles Geburtenniveau von rund 1,35 Kindern je Frau. In naher Zukunft wird nicht
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
erwartet, dass es eine starke Erhöhung dieses Niveaus geben wird, da neben den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen auch immer das Verhalten auf der individuellen Ebene betrachtet werden muss (KILLISCH/SIEDHOFF 2006, S. 24).
Es bleibt festzuhalten, dass der starke Rückgang der Geburtenzahlen nach 1990 in Verbindung mit dem negativen Wanderungssaldo zu einem tief greifenden Bevölkerungsrückgang geführt hat. Dieser Rückgang wird sich in naher Zukunft weiter fortsetzen.
Aus der Abbildung 2-5 wird deutlich, dass die sächsischen Landkreise und Kreisfreien Städte eine sehr differenzierte Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren genommen haben. Die Landkreise im Umland der sächsischen Metropolen konnten die Bevölkerungsrückgänge gering halten. Der Weißeritzkreis und der Muldentalkreis konnten, als einzige Landkreise in Sachsen, in diesem Zeitraum einen Bevölkerungsgewinn erzielen. Die höchsten Rückgänge sind vor allem in den Oberzentren mittlerer Größe (Zwickau, Görlitz, Hoyerswerda) zu verzeichnen. Die Kreisfreie Stadt Hoyerswerda hat bis zum Jahr 2005 über 60 % der Bevölkerung im Vergleich zum Jahr 1990 verloren.
In der räumlichen Verteilung der Bevölkerungsentwicklung wird deutlich, dass die treibende Kraft der Bevölkerungsentwicklung in Sachsen nach 1990 die Suburbanisierung war. Die Umlandkreise der Kreisfreien Städte konnten eine positivere Entwicklung als die Kreisfreien Städte verzeichnen. Die Unterschiede der Geburtenraten zwischen Landkreisen waren dagegen gering.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Abb. 2-5: Bevölkerungsentwicklung in Sachsen von 1990 bis 2005
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Alterung der Bevölkerung
Kennzeichen für eine demographische Alterung sind die Abnahme der Anteile jüngerer Menschen und/oder die Zunahme der Anteile älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung (BÄHR et. al. 1992, S. 168). Um diese Entwicklung zu kennzeichnen wird die Gesamtbevölkerung in verschiedene Altersklassen eingeteilt, Oftmals wird bei der Einteilung in diese Klassen ein Bezug zum erwerbstätigen Alter hergestellt. Daher wird bei der Bemessung der Anteile älterer Personen die Grenze bei 60 Jahren beziehungsweise 65 Jahren gezogen. Gleichzeitig wird die Veränderung der Anteile der Jugendlichen an der Bevölkerung betrachtet. Im Vordergrund des Interesses steht dabei das ökonomische Potenzial, welches durch die nachkommende Generation besteht. Abnehmende Anteile der noch nicht ökonomisch aktiven Bevölkerung können unter Umständen auf eine zukünftige problematische Entwicklung hindeuten. Betrachtet werden dabei die unter 15-Jährigen oder die unter 20-Jährigen. Die Entwicklung der Altersgruppen in Sachsen ist in Abbildung 2-6 dargestellt. Die Abgrenzung der Gruppe der Jugendlichen wurde auf die unter 20-Jährigen festgelegt, die obere Altersgrenze wurde bei 60 Jahren gezogen. Der Grund hierfür liegt im übereinstimmenden Vorgehen mit dem Statistischen Landesamt Sachsen in der Bevölkerungsprognose (Statistisches Landesamt Sachsen 2003).
Abb. 2-6: Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung (eigene Darstellung nach Statistisches
Landesamt Sachsen 2006)
Die Grafik zeigt, dass in Sachsen der Anteil der Personen über 60 Jahren seit 1990 kontinuierlich zugenommen hat. War es 1990 noch mit 21,4 % die am schwächsten besetzte Altersgruppe, so konnte diese Gruppe im Jahr 2005 einen Anteil von 29,0 % aufweisen.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Im gleichen Zeitraum nahm der Anteil der ökonomisch noch nicht aktiven Bevölkerung um 7,6 % von 24,0 % auf 16,4 % ab. Der Anteil der ökonomisch aktiven Bevölkerung zwischen 20 und 60 Jahren besaß durchgehend ein konstantes Niveau. Von 1990 bis 2005 gab es lediglich einen Rückgang um 0,02 %.
Eine weitere Methode, um die Alterung der Bevölkerung aufzuzeigen, ist die Darstellung von Verteilungsparametern. Gebräuchlich ist dabei das Durchschnittsalter, welches das arithmetische Mittel des Alters der Gesamtbevölkerung darstellt. In Abbildung 2-7 ist die Verteilung des Durchschnittsalters in den sächsischen Landkreisen visualisiert. Die Darstellung zeigt, dass die Städte Chemnitz, Hoyerswerda und Görlitz, sowie der Vogtlandkreis heute am stärksten von der Überalterung betroffen sind. Der Landkreis mit dem geringsten Durchschnittsalter ist Dresden. Es bleibt festzustellen, dass selbst Dresden mit einem Durchschnittsalter von 43,1 Jahren über dem bundesdeutschen Schnitt von 42,1 Jahren bleibt (Statistisches Bundesamt Deutschland 2006).
Abb. 2-7: Durchschnittsalter in den sächsischen Landkreisen im Jahr 2005
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Ausgewählte Aspekte der Auswirkungen der sächsischen Bevölkerungsentwicklung auf die Abfallwirtschaft
Durch die unterschiedliche Wirkung der Elemente des demographischen Wandels wird es in vielen Bereichen zu Veränderungen kommen. An dieser Stelle soll ausschließlich der Blick auf die Auswirkungen im Bereich der Abfallwirtschaft gerichtet sein. In den vergangenen Jahren ist das Aufkommen an Siedlungsabfällen in Sachsen stark zurückgegangen. Im Jahr 1999 betrug es 893 kg/EW und es sank zum Jahr 2004 auf 623 kg/EW (LfUG 2000; LfUG 2005). In diesem Zeitraum nahm die Bevölkerung ab, allerdings nicht in ähnlichem Umfang. Daher kann für Sachsen keine einfache Korrelation zwischen der Entwicklung des Siedlungsabfallaufkommens und der Einwohnerzahl hergestellt werden. Bei der Betrachtung der Abfallintensität gibt es klarere Zusammenhänge. So kann zwischen der Wirtschaftsentwicklung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), und der Entwicklung der Abfallaufkommen ein negativer Zusammenhang festgestellt werden. Im betrachteten Zeitraum wuchs das BIP stetig an, während das Abfallaufkommen insgesamt sank. Die Abbildung 2-15 verdeutlicht diese Entwicklung anhand einer indexierten Darstellung.
Entwicklung des Abfallaufkommens und des BIP in Sachsen
100
%
Abb. 2-8: Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Abfallmenge in Sachsen (1999=100) (eigene Dar-
stellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2006 und Abfallbilanzen LfUG) Ein Aspekt ist, dass das heutige Wirtschaftswachstum einerseits von Branchen getragen wird, die weniger Abfall produzieren (z.B. Mikroelektronik, Biotechnologie). Andererseits lösen Wachstumsprozesse nicht zwangsläufig Investitionen in Bautätigkeiten aus. Die Baubranche, die ein hohes Abfallaufkommen erzeugt, wird dadurch primär beeinflusst.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Demographische Prozesse können direkt auf die Abfallwirtschaft wirken oder auf andere Bereiche, die ihrerseits auf die Abfallwirtschaft Einfluss nehmen. Die Abnahme der Bevölkerung wird dazu führen, dass die Abfallmengen auch geringer werden (bei sonst gleichen Rahmenbedingungen). Der Rückgang der Bevölkerungszahlen wird aber auch Veränderungen in der Wirtschaft verursachen. Die einzelnen Wirtschaftsbereiche werden unterschiedlich stark von der Gesamtentwicklung des demographischen Wandels betroffen sein. Daher wird es in der Wirtschaft zu einer Reihe von Anpassungsprozessen kommen (müssen). Je nach spezifischer Abfallmenge der einzelnen Wirtschaftsbereiche wird es in der Summe zu Reduktionen und zu Steigerungen kommen. Der Zusammenhang zwischen dem demographischen Wandel und der wirtschaftlichen Entwicklung wird unter anderem von BRUNOW und HIRTE aufgezeigt (BRUNOW/HIRTE 2005, S. 65ff).
Die Abnahme der Bevölkerung sowie die Überalterung haben Auswirkungen auf die Nachfragestruktur. Hierbei ist nicht zu vergessen, dass die Entwicklung der Nachfrage essenzielle Bedeutung hat für die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung. Für die Prognose der Abfallaufkommen wiederum ist eine Abschätzung der Entwicklung der Wirtschaft unerlässlich (in Anlehnung an Sächsische Staatskanzlei 2006, S. 21).
Durch die Alterung der Gesellschaft werden die Hersteller altenspezifischer Produkte in Sachsen absolute Umsatzgewinne erzielen, weil die Bevölkerung der Altersgruppe über 80 Jahre im Vergleich zu heute um mehr als 90 % wächst. Auch Gesundheits- und Pflegedienste werden von dieser Entwicklung profitieren. Das Gastgewerbe und haushaltsbezogene Dienste könnten durch die Erhöhung der Anteile der „rüstigen“ Rentner ebenfalls profitieren (IWH 2004, S. 14f.). Dadurch werden in diesen Wirtschaftszweigen auch die Abfallmengen steigen.
Rückläufig wird die Entwicklung der staatlichen Nachfrage sein, aufgrund der Rückgänge der Steuereinnahmen. Gerade im Bereich der Baubranche haben das Land Sachsen, wie auch die einzelnen Landkreise und Gemeinden, einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtnachfrage. Die Baubranche ihrerseits hat eine enorme Bedeutung für die Abfallmengen. Private Bauinvestitionen werden rückläufig sein, weil der private Wohnungsbau zumeist von jungen Haushalten getragen wird. Diese werden aber in ihrer absoluten Zahl abnehmen (KÖPPEN 2003, S. 5f). Auch werden Suburbanisierungstendenzen durch den Wegfall der Eigenheimzulage, die Reduzierung der Pendlerpauschale und die Steigerung der Fahrtkosten durch gestiegene Energiepreise verringert (KÖPPEN 2003, S. 2ff). Für die nach der Wende in Sachsen errichteten Wohnbauten werden in Zukunft verstärkt Reparaturleistungen fällig. Rückbaumaßnahmen können die Abfälle aus dem Bausektor er-
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
höhen. Die Notwendigkeit von Rückbaumaßnahmen ist aufgrund der veränderten Nutzungsansprüche gegeben. Dabei bleibt die Finanzierung dieser Rückbaumaßnahmen unklar, da Kommunen bei rückläufiger Einwohnerzahl ebenfalls rückläufige Steuereinnahmen haben (Sächsische Staatskanzlei 2006, S. 14f.). Rückgänge im Wohnungsbau und steigende Rückbautätigkeiten werden zukünftig für eine Stabilisierung im Baugewerbe sorgen (SLOSAREK 2006, S. 98). Trotz dieser direkten Verbindung zwischen Abfallwirtschaft und Bevölkerungsentwicklung ist es schwierig zu sagen, wie sich die Bevölkerungsentwicklung auf die Bauabfälle auswirkt. Der Rückbau wird beispielsweise durch Fördermaßnahmen angetrieben, aber es wird nur auf die Bevölkerungsentwicklung reagiert, die Anpassung erfolgt nicht kontinuierlich. Aufgrund der Vielzahl von Einflüssen auf die Baubranche und die unvollständige Mengenerfassung der Bauabfälle der ÖRE soll auf eine vergleichende Analyse zwischen Bauabfällen und Bevölkerungsentwicklung im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden. Des Weiteren sollen sich die Betrachtungen ausschließlich auf die Siedlungsabfallwirtschaft richten.
In wieweit die dargestellten Auswirkungen tatsächlich anhand von Zahlenmaterial nachweisbar sind, soll in späteren Hypothesen untersucht werden. Sollten sich die Effekte bestätigen, so müsste es in Gebieten mit besonders hohen Bevölkerungsrückgängen auch deutliche Effekte in der Abfallwirtschaft geben. Auch die Auswirkungen der Alterung sollte dabei untersucht werden.
Zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
Sachsen wird durch den demographischen Wandel flächendeckend zeitiger betroffen sein als die westlichen Bundesländer. In dieser negativen Entwicklung liegt aber auch eine Chance. So können die östlichen Bundesländer eine Art Vorreiterrolle einnehmen, Projekte und deren Wirkung lokal auf ihre bundesweite Eignung getestet werden. Als Beispiele seien hier der Stadtumbau Ost und der experimentelle Wohnungs- und Städtebau genannt. Zudem können momentan bei Projekten in Ostdeutschland noch die Ressourcen der westdeutschen Bundesländer genutzt werden, z.B. im Form von Fördermitteln (MÜL-LER 2005, S. 123).
Das Statistische Landesamt des Freistaats Sachsen hat im Jahr 2003 die 3. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für die sächsischen Landkreise, Kreisfreien Städte und das Land Sachsen insgesamt veröffentlicht. Auf Grundlage der ersten beiden Prognosen konnten die Annahmen weiter präzisiert werden. Diese Annahmen zielen auf das Geburtenverhalten, die Lebenserwartung und die Wanderungsbilanz. Zum einen wurde die
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Wanderungsbilanz über die Landesgrenze hinaus betrachtet, zum anderen wurden innersächsische Wanderungen berücksichtigt, um eine Prognose der Entwicklung der Landkreise liefern zu können. In diesem Kapitel sollen nun die Grundlagen der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2020 erarbeitet werden. Alle verwendeten Daten entstammen der 3. Regionalisierten Bevölkerungsprognose (Statistisches Landesamt Sachsen 2003).
Die Bevölkerungsprognose weist zwei Entwicklungsvarianten aus. Die Unterschiede zwischen diesen Prognosen sind relativ gering, erhöhen sich aber zum Jahr 2020 hin. Bei einem Vergleich der beiden Varianten mit der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung zeigt sich, dass die Abweichungen der Variante 1 zur tatsächlichen Entwicklung am geringsten sind. Daher soll in folgenden Betrachtungen ausschließlich diese Variante berücksichtigt werden.
Annahmen der Bevölkerungsprognose bis 2020
Das Geburtenverhalten in Sachsen soll bis zum Jahr 2020 eine leichte Steigerung erfahren. So soll die Anzahl der Kinder je Frau im gebärfähigen Alter im Jahr 2005 bei 1,35 und ab dem Jahr 2015 bei 1,40 liegen, dieser Wert entspricht dem heutigen Bundesdurchschnitt. Aufgrund des vorhandenen Datenmaterials ist es noch nicht möglich zu überprüfen, ob diese Annahme im Jahr 2005 erfüllt wurde.
Ausgehend von der Sterbetafel der Jahre 1999/2001 wird ein weiterer Anstieg der Lebenserwartung prognostiziert. Als Ausgangslebenserwartung wird bei Männern ein Wert von 74,47 Jahren und bei Frauen ein Wert von 80,97 Jahren zugrunde gelegt. Zum Jahr 2020 wird eine Steigerung bei Männern um 4,0 Jahre und bei Frauen um 3,7 Jahre angegeben.
Unter der prognostizierten Entwicklung der gesetzten Rahmenbedingungen wird sich der Bevölkerungsrückgang in Sachsen weiter fortsetzen. Für das Jahr 2020 wird eine Einwohnerzahl von 3,79 Millionen erwartet. Gegenüber 2001 bedeutet das einen Rückgang um 13,7 Prozent.
Abbildung 2-8 zeigt, dass sich die Differenz in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung weiter vergrößern wird. Bis zum Jahr 2020 wird in der Summe ein Geburtendefizit von rund 344.300 angenommen.
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
80.000 70.000 60.000 Anzahl Personen
50.000 40.000 30.000 20.000 10.000
1 9 8 0
Abb. 2-9: Tatsächliche und prognostizierte natürliche Bevölkerungsentwicklung in Sachsen bis 2020
(eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2003 und Statistisches Landes-
amt Sachsen 2006)
Der Wanderungsverlust in Sachsen wird sich kontinuierlich verringern. Ab 2018 wird sogar ein leichter Wanderungsgewinn prognostiziert. Insgesamt werden in Sachsen bis 2020 187.800 Personen mehr abwandern als zuwandern. In Abbildung 2-9 sind die Zu-und Wegzüge über die Landesgrenze hinaus von 1986 bis 2020 dargestellt, es ist dabei zu berücksichtigen, dass die Daten ab 2006 auf Prognosen beruhen wurden.
räumliche Bevölkerungsbewegung in Sachsen
160.000 140.000 120.000 Anzahl Personen
100.000 80.000 60.000 40.000 20.000
1 9 8 6
Abb. 2-10: Tatsächliche und prognostizierte räumliche Bevölkerungsentwicklung in Sachsen bis 2020
(eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Sachsen 2003 und Statistisches Landes-
amt Sachsen 2006)
Theoretische Grundlagen Diplomarbeit Michael Rehbein
Durch das weiter anhaltende Geburtendefizit und die negative Wanderungsbilanz wird sich die Alterung der Gesellschaft fortsetzen. Dabei wird sich das Durchschnittsalter von 43,3 Jahren (2002) auf knapp 49 Jahre (2020) erhöhen. In Abbildung 2-10 ist das erwartete Durchschnittsalter in den Landkreisen im Jahr 2020 dargestellt. Deutlich erkennbar dabei ist, dass die Kreisfreien Städte Leipzig und Dresden die geringste Alterung erfahren und im Jahr 2020 das geringste Durchschnittsalter haben werden. Vor allem die ländlich geprägten Landkreise, wie z.B. Torgau-Oschatz oder der Niederschlesische Oberlausitzkreis werden stark altern. Die höchsten Durchschnittsalter werden in Südost- und Südwestsachsen erwartet. Die Kreisfreie Stadt Hoyerswerda wird die größte absolute Zunahme zu erwarten haben und hat sowohl im Jahr 2005 als auch im Jahr 2020 das absolut höchste Durchschnittsalter.
Abb. 2-11: Stand und Entwicklung des Durchschnittsalters bis zum Jahr 2020 (eigene Darstellung nach
Statistisches Landesamt Sachsen 2003)
Räumlich wird der Bevölkerungsrückgang stark differenziert ablaufen. Lediglich die Städte Leipzig und Dresden können einen leichten Bevölkerungsgewinn verzeichnen. Die meisten Landkreise werden einen durchschnittlichen Verlust von 15 bis 19 % aufweisen. Den stärksten Bevölkerungsrückgang aller sächsischen Landkreise hat Hoyerswerda zu erwarten haben. Eine Darstellung der Rückgänge findet sich in Abbildung 2-11.
Arbeit zitieren:
Dipl. Geograph Michael Rehbein, 2007, Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung und raumplanerischer Aspekte auf die Abfallwirtschaft in Sachsen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Eine Projektentwicklung zur Betreuung Unbegleiteter minderjähriger Flü...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 114 Seiten
Selbstlernen im Fernstudium - Möglichkeiten und Grenzen
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit, 18 Seiten
Aufgaben der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Sachsen
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 76 Seiten
Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsisch...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 72 Seiten
Die Rolle der Oppositionsfraktionen im Sächsischen Landtag
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Examensarbeit, 89 Seiten
Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Einnahmen und Aus...
Eine Prognose bis zum Jahr 202...
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Diplomarbeit, 97 Seiten
Projektstudie zur inhaltlichen Begleitung des BLK-Modellversuchs '...
Diplomarbeit, 65 Seiten
Implementierung der Wissensbilanz in Organisationen. Potenzielle Erfol...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 159 Seiten
Entwicklung von Beton und Eisen zur Brücke aus Spannbeton
Eine chronologische Betrachtun...
Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen
Wissenschaftliche Studie, 388 Seiten
Jugend und Freizeit in der DDR - Unter besonderer Berücksichtigung des...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Examensarbeit, 67 Seiten
Erarbeitung einer Marketingkonzeption zur nationalen und international...
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Bachelorarbeit, 108 Seiten
Studieren in Dresden - die Zufriedenheit und ihr Einfluss auf die Abbr...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Forschungsarbeit, 38 Seiten
Die SPD-Opposition im Sächsischen Landtag - Eine Untersuchung am Beisp...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Magisterarbeit, 121 Seiten
UWB (Ultra Breitband) Kommunikationssysteme mit Mehrfachantennen
Bachelorarbeit, 36 Seiten
Determinanten der Arbeitslosigkeit: Eine empirische Analyse der Lohn- ...
Diplomarbeit, 157 Seiten
Die Elbstromregulierung und die Anfänge der sächsischen Natur- und Hei...
Magisterarbeit, 181 Seiten
Michael Rehbein hat den Text Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung und raumplanerischer Aspekte auf die Abfallwirtschaft in Sachsen veröffentlicht
Michael Rehbein hat einen neuen Text hochgeladen
Die Auswirkungen der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auf ...
Olaf Scholz, Ulrich Becker
Auswirkungen verschiedener Arbeitszeitmodelle im ärztlichen Dienst auf...
Kirstin von Trotha
Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen der Europäischen Zentralbank au...
Eine empirische Untersuchung a...
Dominik Faber
Die Auswirkungen von Outsourcing im IT-Bereich auf unternehmerische un...
Eine empirische Analyse mittel...
Daniela Eschlbeck
0 Kommentare