Inhaltsverzeichnis
I. Historische Ausgangslage: Revolution der Legalisten 3
II. Legalistisches Denken im alten China und die revolutionäre Entwicklung 5
III. Der legalistische Ansatz Shen Pu-Hais 7
III. 1. Problematik bei der Analyse der Theorie Shen Pu-Hais 7
III.2. Biographischer Hintergrund 8
III. 3. Politische Strategie der Machterhaltung 9
Shu - Herrschaftstechnik 9
Kontrolle der Minister 10
Wu -wei - Versteckte Motive des politischen Handelns 12
Fa (Gesetze)- Operative Grundlage 13
IV. Weiterführende Interpretationsansätze der Herrschaftstechnik 14
Numerische Grundlage der Herrschaftstechnik shu 14
Besonderer Mythos Xin-shu? 15
Xing-Ming: Leistungsfähigkeit und Anspruch 16
V. Schlussbemerkung 17
Literaturverzeichnis 18
2
I. Histrorische Ausgangslage: Revolution der Legalisten Mit dem Zerfall und dem Umbruch der Chou war auch die Auflösung ihrer staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung verbunden. Die Herrschaft der Chou scheiterte daran, dass sie nicht auf die Entwicklungen und Bestrebungen der umliegenden Staaten reagieren konnten. Diese konnten ihren Einflussbereich zunehmend stärken und hatten zudem expansive Bestrebungen, die die Macht der Chou gefährdeten. Die Chou konnten ihr System des „patriarchalischen Feudalismus“ nicht den gegebenen Entwicklungen anpassen. Die Erneuerung der zentralen Macht wurde so zum Thema der Politiker und Denker in den folgenden Jahrhunderten. 1
Das Versagen der alten Ordnung war nicht mehr zu übersehen. Die traditionellen Schutzfunktionen der Chou griffen bei den Angriffen von Außen nicht. Die Nachbarstaaten übernahmen zunehmend diese Funktion und nutzten die Situation um ihre eigene Stellung zu verbessern. 2
Besonders erfolgreiche Fürsten erhielten den Titel des „Hegemons“ (pa). Jedoch ist nicht geklärt durch wen dieser Titel vergeben wurde, noch ist offensichtlich welche Pflichten mit ihm verbunden waren.
„Waren die Hegemonen Usurpatoren der königlichen Macht oder hatten sie sich als Wahrer der alten Kultur sogar verdient gemacht? Doch auch wenn man die letztere Position vertrat, blieb die Frage nach dem Unterschied zwischen der Herrschaft des legitimen Himmelssohnes und einem „Hegemon“ ungeklärt. 3 “
Der legitime Himmelssohn hatte an Macht und Einfluss verloren und die eingesetzten feudalen Hegemonen führten, unter den aus dem Reich hervorgegangenen Kleinstaaten, unaufhörlich Krieg. Die anhaltenden Kriege zwischen den Staaten forderten aufgrund der Ressourcen und der territorialen Gegebenheiten einen gesellschaftlichen Strukturwandel. Da nicht mehr die adligen Einzelkämpfer alleine erfolgreich waren, sondern dieser viel mehr noch die Unterstützungen großer Heere bedurften, welche zum größten Teil aus der
1 Opitz, 2000, S. 60
2 Opitz, 2000, S. 60
3 Opitz, 2000, S. 61
3
Landbevölkerung einberufen wurden, war auch den unteren Schichten ein sozialer Aufstieg ermöglicht. 4
Hinzu kam, dass die Verbindung zwischen Staat und Familie nachließ, Ämter in folge nicht mehr nur an Verwandte des Herrschers vererbt wurden, sondern Aufgaben und Einfluss innerhalb des Staates zunehmend an Minister und Beamte übertragen wurden. Der Aufstieg der Minister, aus den mächtigen Adelsgeschlechtern, wurde vor allem während der Zeit Ch´un-ch´iu durch die Delegation militärischer und diplomatischer Aufgaben begünstigt, welches ihnen ermöglichte ihre eigene Macht auszubauen. 5
Neben dem Ziel die Macht des Herrschers zu erhalten und durch „Berichts- und Rotationsverfahren“ die Bildung neuer Machtzentren zu unterdrücken, war vor allem die effizientere Gestaltung des Regierungsprozesses wichtig. In zunehmender Zahl wurden Herrschaftsaufgaben an ausgebildete Führungskräfte, Minister und Beamte, übergeben, die in einem System von Belohnung und Bestrafung, das Handeln des Herrschers im Sinne des Staates zu unterstützen. Die neuen Funktionen wirkten sich so auch auf die traditionelle Struktur aus und verschafften den Funktionären aus unteren Schichten, vorgesetzt ihr Ehrgeiz und Begabung waren gegeben, soziale Aufstiegsmöglichkeiten, denn es waren nicht mehr nur aristokratische Ideale und Tugenden gefragt. 6
Als Theoretiker dieser Herrschaftsweise, die unter dem Begriff des Legalismus (fa chia) zusammengefasst ist, sind vor allem die folgenden drei legalistischen Denker bekannt: Shang Yang ca. von 390 - 338 v. Chr.; Minister und Kanzler (356-338 v. Chr.) des Herzogs/ Fürsten Hsiao im Staate Ch´in Shen Pu-Hai ca. von 400 - 337 v. Chr.; Kanzler (351-337 v. Chr.) im Staate Han Han Fei-Tzu ca. von 280 - 233 v. Chr.; Botschafter des Herzogs im Staate Han
Die Schriften dieser Denker gelten zu größtem Teil als verloren. Fast vollständig erhalten, sind das „Buch des Meister Shang“ des Shang Yang, sowie die vollständige Überlieferung des „Hanfeizi“.
4 Opitz, 2000, S. 65
5 Opitz, 2000, S. 63
6 Opitz, 2000, S. 66
4
II. Legalistisches Denken im alten China und die revolutionäre Entwicklung
Die Theorien der Denker des Legalismus, als politische Philosophie im alten China, beschäftigen sich nicht mit der Klärung tief greifender Naturfragen oder den Zielen und Aufgaben der individuellen Existenz. Viel mehr liegt der Schwerpunkt im Erforschen und Konstruieren der effektivsten Form des Regierens eines Staates mit dem Ziel die zentrale Macht zu erhalten. Der legalistische Ansatz hat seinen Ursprung im Prinzip, dass das menschliche Verhalten und Handeln am besten durch festgeschriebene Gesetze zu determinieren und kontrollieren ist. Rituale, Bräuche und Ethik stellen im legalistischen Ansatz keine geeignete Grundlage oder Determinante des politischen Handelns dar. Im Gegensatz zu den Konfuzianern, Mohisten und Taoisten, denen trotz aller Unterschiede das Grundprinzip „Herrschaft durch Tugend“ (tê-chih) gemein ist, setzen die Legalisten das Gegenprinzip „Herrschaft durch das Gesetz“ (fa-
chia)
zu Grunde. Die Herrschaft basiert auf genau definierten gesetzlichen Bestimmungen, deren Missachtung schwere Strafen mit sich zog. Neben den harten Strafgesetzen (fa) waren vor allem die ausgeklügelten Regierungstechniken (shu) grundlegend für die Herrschaftsgestaltung der Legalisten. Ihr primäres Ziel galt der Errichtung eines starken, zentralistisch organisierten Staates.
7
Der Legalismus unterscheidet je nach seinen Vertretern drei Schwerpunkte dieser Theorie: Shang Yang
fa
(Gesetze, Strafrecht) Shen Pu-Hai
shu
(Technik des Herrschens, Verwaltung) Han Fei-Tzu in der politischen Realität können die unterschiedlichen -
Die Ursprünge des legalistischen Denkansatzes sind unklar. Einige würden den Ausgangspunkt dieser philosophischen Lehre sogar im 7.Jahrhundert vor Chr. in der Ära Kuan Chungs (645 v. Chr.) 8 ansiedeln, der Premierminister im Staate Ch’i war. Andere Denker, welche mit den frühen Formen des Legalismus in Verbindung
7 Opitz, 2000, S.12.
8 Genannt werden hier die Jahreszahl des Todes
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Arbeit zitieren:
Maja Livic, 2006, Die Revolution der Legalisten - Der Realismus des Shen Pu-Hai, München, GRIN Verlag GmbH
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