Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 2
2. Historischer Hintergrund der beiden Werke 4
3. Der zyklische Verfassungswandel im Vergleich. 5
3.1 Der Kreislauf der Verfassungen bei Machiavelli 5
3.1.1 Verlauf des zyklischen Verfassungswandels in Vergleich mit Polybios. 5
3.1.2 Ursache des Zykluses in den Discorsi 8
3.2 Politeíon anakýklosis in den polybios’schen „Historien“ 8
3.2.1 Logisierung des geschichtlichen Ablaufes. 8
3.2.2 Ursache der anakýklosis 9
3.2.3 Ablauf der anakýklosis 10
4. Bezug der Theorien auf die praktische Politik. 11
5. Verfassungswandels und Mischverfassung 12
5.1 Ideale Verfassung bei Polybios: Gemischte Verfassung 12
5.1.1 Zusammensetzung der idealen Verfassung 12
5.1.2 Notwendige Trennung von Politik und Ethik. 13
5.2 Machiavellis Idee der Mischverfassung 14
5.2.1 Aufgaben der Mischverfassung. 14
5.2.2 Idee des politischen Gleichgewichts 15
5.2.3 Beste Staatsform: Die Republik 16
6. Zusammenfassung. 18
Literaturverzeichnis 19
1
1. Einleitung
Niccolò Machiavelli wird am 03.Mai 1469 in Florenz geboren. Seine Familie, die schon seit Generationen in Florenz lebte, gehörte den republikanisch gesinnten Bürgern des Stadtstaates Florenz an. Entsprechend den Vorstellungen seines Vaters erfuhr Machiavelli eine humanistische Ausbildung, um später eine berufliche Laufbahn im Staatsdienst einzuschlagen. Zusätzlich zu der in seiner Zeit üblichen Schulausbildung, wurde er in Latein gelehrt. Wodurch auch sein Interesse für die Literatur der Antike geweckt wurde. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel wurde ihm der Zugang zur Universität verwehrt. Machiavellis politischer Aufstieg beginnt mit dem Niedergang der Herrschaft der Medici in Florenz, welche zuvor alle wichtigen politischen Ämter besetzt hatten. Durch ihren Einfluss in alle Bereiche des öffentlichen Lebens der Stadt Florenz, schufen sie de facto eine Monarchie. Die Republik Florenz bestand nur noch formell 1 . 1494 wurde die Familie der Medici gestürzt und vertrieben, zeitgleich wurde in Florenz eine neue Republik errichtet 2 .
1498 wurde Machiavelli, aufgrund seiner außerordentlichen Bildung in Italienisch und Latein und seinen stilistischen Fähigkeiten, mit Aufgaben der Inneren Verwaltung, der Außenpolitik und der Verteidigungspolitik betraut. Er war für Verwaltungs- und Schreibaufgaben zuständig, die formell nicht besonders wichtig erschienen. Jedoch hatte er genug Einblick in die innen- und außenpolitischen Angelegenheiten, da er ein enger Berater von Pietro Soderini, dem neuen starken Mann der Republik war. Machiavelli hatte zwei zentrale Herausforderungen zu bewältigen: Im Vordergrund stand die Sicherung des außenpolitischen Handlungsspielraums der Republik Florenz. Die zweite Aufgabe bestand in der Rückeroberung Pisas 3 . Machiavelli schaffte es mit der Gründung einer florentinischen Miliz seine Ziele zu erreichen. 1512 stürzen die Medici die Republik Florenz und übernehmen erneut die Herrschaft 4 . Im folgenden Jahr wurden Machiavelli alle politischen Ämter entzogen, da man eine Verschwörung seinerseits gegen die Medici vermutete. Er wurde umgehend verhaftet und gefoltert. Später kam Machiavelli frei, musste Florenz allerdings verlassen. Während seiner Verbannung beschäftigte sich Machiavelli auch weiterhin mit der
1 Münkler, Herfried: „ Niccolò Machiavelli (1469-1527)“. In: Hans Maier und Horst Denzer (Hrsg.): Klassiker des politischen
Denkens. Band 1: Von Plato bis Hobbes. 6.Aufl. München: C.H. Beck. 2001, S.125.
2 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.125.
3 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.127.
4 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.130.
2
Politik und verarbeitet seine politischen Erfahrungen. In dieser Zeit beginnt er seine beiden Hauptwerke, die „Discorsi“ und „Il Principe“ 5 . Machiavellis Werke entstanden aus den Überlegungen, durch die er versuchte die historischen und politischen Entwicklungen Florenz´ während seiner beruflichen Karriere zu verarbeiten 6 . Als Basis für seine Schriften dienen Machiavelli Briefe und Berichte, welche er auf den Gesandtschaften im Auftrag der Republik Florenz verfasste. Die Briefe und Berichte beschreiben die jeweilige Interessenslage der großen Mächte, die Charaktere der politischen Akteure und informieren über die militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen der Verbündeten und Gegner. Aus den gesammelten Informationen und mit Hilfe seiner politischen Erfahrung folgert Machiavelli dann geschickt die zur Verfügung stehenden Handlungsalternativen der Republik Florenz 7 . Er stellt Florenz kritisch in Frage und vergleicht es mit dem gängigen Vorbild seiner Zeit, der römischen Republik. So entstehen schließlich Vorschläge und Richtlinien für die ideale institutionelle Ordnung und Politik 8 seines Heimatstaates. In der „Discorsi“ beschäftigt sich Machiavelli mit der Frage wie der Verfall der Macht und der politische Niedergang einer Herrschaft verhindert werden kann bzw. die politische Gemeinschaft auf dem obersten Punkt der zyklischen Kurve stabilisiert werden kann 9 . Typisch für die Renaissance, ist auch Machiavelli an die zyklische Geschichtsvorstellung der Antike gebunden 10 . Bei seiner Orientierung an der Antike sind die Theorien des Polybios für Machiavelli eine unabdingbare Grundlage. Im Folgenden soll der historische Kreislauf nach Machiavellis Theorie, mit einem besonderen Augenmerk auf die Parallelen zu Polybios’ Zykluses der Verfassungen, dargelegt werden.
5 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.131.
6 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.120.
7 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.127.
8 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.131.
9 Münkler, Herfried: Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz.
Frankfurt am Main: Fischer Wissenschaft. 1995, S.371.
10 Münkler 1995, S.373.
3
2. Historischer Hintergrund der beiden Werke
Bereits die Lebensläufe der beiden Philosophen zeigen Parallelen: Polybios, ein griechischer Aristokrat, wurde 168 n. Chr. nach Rom verschickt und erlebte den Aufstieg Roms zum Weltreich 11 . Seine Heimat Griechenland wird unter der römischen Herrschaft eine Provinz des römischen Reiches. In seinem Werk „Historien“, welches ursprünglich 40 Bücher umfasste 12 , wird beschrieben wie die damals bekannte Welt innerhalb eines halben Jahrhunderts in die Herrschaft der Römer gerät, bis hin zum Fall Karthagos. Er erzählt somit eine universelle Geschichte, die sich stets wiederholen kann: Länder, die nicht miteinander verbunden sind, werden von einem Land, welches überlegen ist, eingenommen und zu einem Reich zusammengeschlossen 13 . Polybios’ pragmatische Erzählung basiert auf tatsächlichen Ereignissen. Die Faktengeschichte sucht politisch unparteiisch die Ursachen und Tatsachen des schnellen römischen Aufstiegs. Polybios liefert im VI. Buch die Theorie, wie Rom zur Weltmacht aufstieg 14 . Er kommt zu dem Schluss, dass die republikanische Verfassungsform Roms 15 ausschlaggebend war für den weltpolitischen Erfolg.
Auch Machiavelli lebte in einer Zeit der politischen Umbrüche. Institutionell verfasste Flächenstaaten wurden gegründet, wodurch die Zeit der Städterepubliken zuende ging. Auch in Italien wurde der Konflikt um die europäische Hegemonie der Häuser Valois und Habsburg ausgetragen 16 . Im 15. Jahrhundert war Italien kein Nationalstaat, vielmehr konnte es als labiles Staatensystem bezeichnet werden. In diesem Staatensystem bildeten Mailand, Neapel, Venedig, der Kirchenstaat und schließlich Florenz die Hauptzentren.
11 Polybios: Historien. Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Ditzingen: Reclam. 1983, S.120.
12 Polybios 1983, S.124.
13 Polybios 1983, S.124
14 Polybios 1983, S.125.
15 Die Republik vereint jeweils Elemente der drei guten Verfassungsformen, Monarchie, Aristokratie und Demokratie. In
Rom stellten der Konsul bzw. der König das monarchische Element der Verfassung dar. Der Senat das Aristokratische und
die Volkstribunen das Demokratische. Diese drei Elemente kontrollieren sich gegenseitig, um den Verfall in die jeweils
parekbatische Form zu verhindern. Es entsteht ein Gleichgewicht im Staat. Dennoch benötigt man zur Kontrolle des
Herrschers auch noch Gesetze.
16 Münkler, Herfried. In: Denzer/Maier. Klassiker des politischen Denkens. 2001, S.120.
4
3. Der zyklische Verfassungswandel im Vergleich
3.1 Der Kreislauf der Verfassungen bei Machiavelli
Basierend auf dem VI. Buch der polybios’schen Historien entwickelt Machiavelli schließlich einen Kreislauf der Verfassungsformen. Diesem Zyklus kann sich kein Staat entziehen. Das natürliche Gesetz fordert, dass jeder Staat diesem historischen Zyklus folgen muss. Die immer fortlaufende Änderung der Verfassungen, entspricht dem Verfall und dem Aufstieg der Staaten. Machiavelli betrachtet den Verfassungskreislauf, um daraus politische Handlungsweisen abzuleiten und somit konkrete Lösungsansätze für die instabile politische Lage seiner Zeit zu finden 17 .
3.1.1 Verlauf des zyklischen Verfassungswandels in Vergleich mit
Polybios
Anlehnend an Polybios nimmt Machiavelli an, dass die Menschen, um ihre Verteidigung optimieren zu können, auf einem bestimmten Stand der Entwicklung, den stärksten und beherztesten unter ihnen herausstellen, ihn zu ihrem Führer machten und ihm gehorchten 18 . Den Anführer bezeichnet Machiavelli als Monarchen, die Ordnung nennt er Urmonarchie. In diesem ersten Schritt entsteht eine staatliche Ordnung, aus der sich die Werte der Ehre und des Guten herausentwickeln. Jedoch gibt es in jeder neugewonnen Ordnung auch immer Provokateure, die den Staat gefährden. Um diese präventiv abzuschrecken, ist es nötig Gesetze und Strafmaßnahmen zu schaffen. Aus dieser Unterscheidung von Gut und Böse folgert sich die Definition des Begriffes Gerechtigkeit 19 . Die Gerechtigkeit geht dem Staat nicht voran, sondern sie resultiert aus ihm. Sie ist notwendig zur Erhaltung der politischen Ordnung, sowie für die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Verfassungsform. Wie entsteht nun der fortwährende Kreislauf der Verfassungsformen? Unter dem Druck der Zeit entartet die monarchische Urordnung, in die ihr entsprechende parekbatische Verfassungsform, die Tyrannis. Die Tyrannis entsteht nicht, wie vielleicht vermutet, aus der falschen Auswahl des Monarchen, sondern durch das Vererben des königlichen Amtes innerhalb einer Familie. Der
17 Münkler 1995, S.374.
18 Machiavelli, Niccoló: Discorsi. Gedanken über Politik und Staatsführung. 2.Aufl. Stuttgart: Kröner 1977, S.13.
19 Münkler 1995, S.374.
5
Arbeit zitieren:
Maja Livic, 2002, Machiavellis Kreislauf der Verfassungen und die Parallelen zu Polybios, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wechselwirkungen - Die Berichterstattung ausgewählter Zeitungen des Ax...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Masterarbeit, 103 Seiten
Niccolo Machiavellis Begriff der Republik
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Emanzipation des Tyrannen - Machiavelli's einzig historische L...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Der Wandel der Verfassungen in Platons "Politeia" und Aristo...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Wie "machiavellistisch" ist Machiavelli?
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Auswirkungen der res publica Romana für die heutigen Strukturprinz...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 22 Seiten
Machiavellis Principe im Kontext zeitgenössischer Fürstenspiegel
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Regelungen von Verhaltens und Leistungskontrolle durch den Betriebsrat
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 13 Seiten
Das Attentat auf Rudi Dutschke...
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Seminararbeit, 22 Seiten
Subventionen zur Förderung der sektoralen Strukturpolitik - Pro und co...
Hausarbeit, 15 Seiten
Maja Livic hat den Text Machiavellis Kreislauf der Verfassungen und die Parallelen zu Polybios veröffentlicht
Maja Livic hat einen neuen Text hochgeladen
Zur Dis-/Kontinuität mittelalterlichen politischen Denkens in der neuz...
Marsilius von Padua, Johannes ...
Bettina Koch
0 Kommentare