Inhalt
1. Einleitung 2
2. Grundlegendes zu den Autoren 3
2.1 Plotin 3
2.2 Nozick 5
3. Plotins Prinzip des Einen in IV 9 9 Über das Gute oder das Eine 5
3.1 Der Stellenwert des Einen 5
3.2 Möglichkeiten der Aussage über das Eine 7
3.3 Verhältnis Geist Seele Sein und Materie zum Einen 8
4. Wert und Sinn nach Nozick 10
4.1 Wert 10
4.2 Intrinsisches Sinnvollsein 12
4.3 Objektives Sinnvollsein 14
5. Ähnlichkeiten zwischen Plotin und Nozick 16
5.1 Einheit als Wert 16
5.2 Das Unbegrenzte und das Eine 17
6. Fazit 19
7. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
In dieser Arbeit werden zwei Philosophen behandelt, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: Robert Nozick (1938-2002) und Plotin (um 205-270 n.Chr.). Sie trennt nicht nur die große zeitliche Spanne zwischen Spätantike und Spätmoderne, vielmehr unterscheiden sie sich auch ganz grundsätzlich in ihrem Weltbild und ihrer philosophischen Herangehensweise. Plotin betreibt eine in sich geschlossene Metaphysik in deren Zentrum, unter Berufung auf Platon, die geistige Welt steht und die sinnlich wahrnehmbare Welt eine untergeordnete Rolle spielt. Nozick hingegen ist der empirischen Tradition verhaftet, argumentiert gegen den Skeptizismus, trifft metaphysische Aussagen unter strenger Berücksichtigung der sinnlich wahrnehmbaren Welt, was ihn zu einem philosophischen Pluralismus führt und ist in erster Linie für seine Politische Philosophie bekannt.
Trotz und gerade wegen dieser Unterschiedlichkeit, beschäftigt sich diese Arbeit mit Ähnlichkeiten zwischen den beiden Autoren. Dabei soll und kann allerdings nicht ihre gesamte Philosophie miteinander in Beziehung gesetzt werden. Vielmehr geht es um die Frage, ob und inwiefern Nozicks Wert- und Sinnbegriff Affinitäten zum plotinischen Einen aufweist. Als Textgrundlage fungieren Plotins Programmschrift VI 9 [9] „Über das Gute oder das Eine“ sowie Auszüge aus Nozicks „The examined Life“ 1 und „Philosophical Explanations“ 2 .
Zur Orientierung und für die Einordnung der gewählten Textauszüge in das Gesamtwerk der behandelten Philosophen dient das zweite Kapitel dieser Arbeit. Hier werden beide bezüglich ihres Ansatzes und ihrer Werke kurz (!) vorgestellt. Danach erfolgt eine ausführlichere Behandlung der erwähnten plotinischen Schrift hinsichtlich der Aussagen zum Einen (Kapitel
3) und eine Darstellung von Nozick’s Wert- und Sinnbegriff anhand thematisch relevanter Textstellen aus den genannten beiden Werken (Kapitel 4). Diese beiden Kapitel bilden die Grundlage für das fünfte Kapitel, in welchem Ähnlichkeiten und Unterschiede der behandelten Textstellen herausgestellt werden. Abschließend (Kapitel 6) werden die Ergebnisse zusammengefasst, Probleme benannt und offen gebliebene Fragen vorgestellt. 1 ROBERT NOZICK: The examined Life. Philosophical meditations, New York: Simon and Schuster 1989. In dieser Arbeit wird allerdings die deutsche Übersetzung verwendet: ROBERT NOZICK: Vom richtigen, guten und glücklichen Leben. Aus dem Amerikanischen von Martin Pfeiffer, München: Hanser 1991.
2 ROBERT NOZICK: Philosophical explanations, Oxford: Clarendon Press 1981. Zwar liegt das Gesamtwerk nicht in deutscher Übersetzung vor, aber die relevanten Auszüge sind übersetzt in: ROBERT NOZICK: Philosophie und der Sinn des Lebens, in: CHRISTOPH FEHIGE/GEORG MEGGLE/ ULLA WESSELS (HRSG.): Der Sinn des Lebens, München: Dtv 2004, 5 Aufl., S. 377-409.
2
Bezüglich der vorhandenen Forschungsliteratur herrscht zwischen beiden Autoren ein erhebliches Ungleichgewicht. Während sich mit Plotin eine Vielzahl an Einführungen 3 , Kommentaren 4 und Monographien 5 beschäftigt, beschränken sich die Kommentare zu Nozick auf sein Werk zur Politischen Philosophie. 6 Plotin wird zitiert aus der Übersetzung von Christian Tornau 7 und folgt der
Enneadenordnung, die Porphyrios eingeführt hat, sowie den in seiner lateinischen Plotinübersetzung eingeführten Kapiteln und den Zeilen der historisch-kritischen Ausgabe von Henry-Schwyzer. Dabei wird die Neunergruppe mit römischen, Schrift, Kapitel und Zeile mit arabischen Ziffern angegeben. 8
2. Grundlegendes zu den Autoren
2.1 Plotin
Plotin gehört zu den bedeutensten Denkern der Antike. Seine Philosophie des Neuplatonismus prägte nicht nur die Spätantike bis zur Schließung der Akademie in Alexandria in erheblichem Maße, sondern auch innerhalb der metaphysischen Traditionen von Mittelalter, Renaissance und Neuzeit sind Einflüsse des Begründers des Neuplatonismus erkennbar. 9
Als hervorstechendstes Spezifikum der plotinischen Philosophie gilt die Ausrichtung an Platon. Plotin sah sich selbst als Bewahrer und Interpret der Philosophie Platons und bezeichnete sich nicht als Neu- sondern einfach Platoniker. 10 Trotzdem basiert seine
3 Für einen ersten Überblick: KARIN ALT: Plotin, Bamberg: C.C. Buchner 2005; SUSANNE MÖBUß: Plotin. Zur
Einführung, Hamburg: Junius 2000; JENS HALFWASSEN: Plotin und der Neuplatonismus, München: Beck 2004. Hier finden sich auch ausführliche Hinweise zur Literatur über Plotin.
4 Kommentierte Übersetzungen speziell zu VI 9: PIETER A. MEIJER: Plotinus on the good or the one (Enneads
VI, 9), Amsterdam: Gieben 1992, PIERRE HADOT (HRSG.): Traitè 9. VI, 9 introd., trad., commentaire et notes par Pierre Hadot, Paris : Editions du Cerf 1994.
5 Aufgrund der Vielzahl seien hier exemplarisch genannt: LLOYD P. GERSON U.A. (HRSG.): The Cambridge
companion to Plotinus, Cambride u.a.: Cambridge Univ. Press 1996.; DOMINIC J. O’MEARA: Plotinus. An Introduction to the “Enneads”, Oxford: Clarendon Press 1993.
6 Exemplarisch: JEFFREY PAUL: Reading Nozick. Essays on anarchy, state and utopia, Oxford: Blackwell 1982.;
SIMON A. HAILWOOD: Exploring Nozick. Beyond anarchy, state and utopia, Aldershot: Avebury 1996. (Das beyond bezieht sich auf Nozicks libertäre Schriften, die neben anarchy, state and utopia erschienen sind.)
7 Plotin. Ausgewählte Schriften. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von CHRISTIAN TORNAU, Stuttgart:
Reclam 2001.
8 Informationen zur Zitierweise entnommen aus: HALFWASSEN (wie Anm. 3), S. 8.
9 Vgl. ebd., S. 11.
10 Vgl. ALT (wie Anm. 3), S. 8.
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Metaphysik nicht nur auf platonischem Gedankengut, sondern lässt ebenso aristotelische und stoische Einflüsse erkennen. Dementsprechend folgert Jens Halfwassen „Der Neuplatonismus will die abschließende Synthese der gesamten antiken Philosophie sein. Diese Synthese erfolgt jedoch erklärtermaßen unter dem Vorzeichen Platons: alle anderen Lehren werden in den Theorierahmen des Platonismus eingeordnet und von ihm aus
11 interpretiert.“ Plotins Philsophie stellt eine in sich geschlossene Metaphysik dar, deren Ziel es ist, die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit zu beschreiben und zu erklären. Dieses Ziel kann für Plotin nur durch eine Beschäftigung mit der geistigen Welt erreicht werden, da für ihn die sinnlich erfahrbare Welt eine untergeordnete Rolle spielt. Im Zentrum seiner Philsophie steht also die geistige Welt, welch sich auf das „Eine“ als dem obersten Prinzip gründet. 12
Das Gesamtwerk Plotins ist bis heute so, vollständig erhalten, ohne Veränderungen oder Einschübe, wie es von seinem Schüler Porphyrios 301 n. Chr. herausgegeben wurde. Einzig die Anordnung in sechs Gruppen mit je neun Schriften (Enneaden= Neunergruppen), die Aufteilung ursprünglich längerer Texte in kürzere Abschnitte (zu insgesamt 54 Schriften) und die Wahl der Überschriften geht auf Porphyrios zurück. Durch Porphyrios Plotin-Biographie, die dem Gesamtwerk vorangestellt war, lässt sich außerdem die chronologische Abfolge der Schriften nachverfolgen. Sämtliche Schriften entstanden in den 16 Jahren zwischen 253/54 und 269/70, wobei die hier behandelte Schrift VI 9 „Über das Gute oder das Eine“ an neunter Stelle innerhalb der chronologischen Reihenfolge steht und damit zu seinen Frühwerken gehört. 13
Insgesamt bilden die Schriften kein zusammenhängendes und systematisches Einheitswerk, sondern befassen sich ganz unsystematisch mit spezifischen Problemen. Dies erklärt sich dadurch, dass sie im Rahmen von Plotins mündlichem Unterricht entstanden sind und deshalb diejenigen Probleme behandeln, die gerade Thema des Unterrichts waren. 14 Trotzdem
verweisen alle Schriften auf ein zusammenhängendes geschlossenes Gedankensystem, welches durch das Studium seiner Schriften rekonstruiert werden kann. 15 11 HALFWASSEN (wie Anm. 3), S. 13.
12 Vgl. ebd., S. 11f.
13 Vgl. ALT (wie Anm. 3), S. 12f.
14 Vgl. TORNAU (wie Anm. 7), S. 10-12.
15 Vgl. HALFWASSEN (wie Anm. 3), S. 29.
4
2.2 Nozick
Der Harvard Professor Robert Nozick ist vor allem als Vertreter der Politischen Philosophie bekannt. Mit seinem Werk „Anarchy, state and utopia“ 16 erlangte er weltweite Berühmtheit.
Beeinflusst von Milton Friedmann und Friedrich Hayek vertritt er in diesem Werk eine libertäre Position, in welcher er einen Minimalstaat fordert, dessen Hauptaufgabe der Schutz der Freiheit und des Eigentums des Individuums sein soll.
Im Widerspruch zu seiner Bekanntheit als staatstheoretischer Philosoph steht der Umstand, dass Anarchy, state and utopia seine erste und einzige Monographie zum Themenbereich der Politischen Philosophie war. In seinen darauffolgenden Werken widmete er sich den mannigfaltigen Fragen von Epistemik, Metaphysik und Ethik. Die hier behandelten Textauszüge stammen aus „Philosophical Explanations“ von 1981 und „The examined Life“ von 1984. In ersterem beschreibt und entwickelt er grundsätzliche Positionen zu personaler Identität, Wissen, freier Wille, Wert und Sinn, während sich das zweite mit seinen Einstellungen zu existenziellen Lebensbereichen wie Liebe, Tod und Glaube beschäftigt und eher an ein interessiertes Laienpublikum gerichtet ist. Beide Werke zeichnen sich insgesamt durch einen philosophischen Pluralismus aus, weil er nicht eine spezielle philosophische Denkrichtung durchgängig vertritt, sondern je nach Gegenstandsbereich unterschiedliche Auffassungen beschreibt und weiterentwickelt. 17
3. Plotins Prinzip des Einen in IV 9 [9] „Über das Gute oder das Eine“
Die neunte Schrift der sechsten Enneade (IV 9 [9]) „Über das Gute oder das Eine“ umfasst elf Kapitel. In den ersten sieben Kapiteln befasst sich Plotin mit der Beschaffenheit und den Aussagemöglichkeiten des höchsten Prinzips, welches er „das Eine“ nennt. Die letzten vier Kapitel sind dem Weg zur „Schau des Einen“ gewidmet.
3.1 Der Stellenwert des Einen
Gleich zu Beginn der neunten Schrift trifft Plotin die grundsätzliche und fundamentale Aussage „Alles, was ist, ist durch das Eine.“ 18 In diesem ersten Abschnitt begründet er die getroffene Aussage damit, dass alles nur durch die Anwesenheit des Einen sein kann, was es ist. Dies bezieht er auf Materielles, Tiere, 16 ROBERT NOZICK: Anarchy, state and utopia, Oxford: Blackwell 1974.
17 KEN GEWERTZ: Philosopher Nozick dies at 63. University professor was major intellectual figure of 20th century, in: Harvard University Gazette, Ausgabe vom 17. Januar 2002, online verfügbar unter: http://www.hno.harvard.edu/gazette/2002/01.17/99-nozick.html [20.09.2007].
18 VI 9, 1,1-3.
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Constanze Sieger, 2006, Berührungspunkte zwischen Robert Nozicks Wert- und Sinnbegriff und Plotins Prinzip des Einen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Par Dr. Mubabinge Bilolo
Mubabinge Bilolo, -ACADEMY OF AFRICAN THOUGHT ACADÉMIE DE LA PENSÉE AFRICAINE
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