1 Einleitung 3
2 Das exemplarische Lernen und Lehren nach Martin Wagenschein 3
2.1 Das Exemplarische 3
2.2 Bedenken an dem exemplarischen Prinzip 5
2.3 Zwischenfazit 7
3 Exemplarisches Arbeiten im Erdkundeunterricht nach Hans Knübel 8
3.1 Das Bildungsziel des Erdkundeunterrichts 9
3.2 Die Möglichkeiten und die Funktionsziele des exemplarischen Arbeitens im
Erdkundeunterricht 10
3.3 Exemplarischen Lernen am Beispiel „Die sowjetische Landschaft“ nach Knübel 12
4. Kritik 14
Literaturverzeichnis 16
Seite 2 von 16
1 Einleitung
Das Exemplarische entstammt der bildungstheoretischen Didaktik die nach 1945 in den westlichen Bundesländern präsent war.
1951 trafen sich in Tübingen Vertreter der Hochschulen und höheren Schulen, um nach neuen Möglichkeiten der Stoffbewältigung zu suchen. 1 Die „Tübinger Beschlüsse“ weisen Ansätze und wichtige Merkmale des exemplarischen Lehrens auf. Bedingt durch die Gefahr für die Schulen und Schüler, an der Fülle des Stoffes zu ersticken, wird gefordert, dass ursprüngliche Probleme und Phänomene der geistigen Welt am Beispiel des einzelnen, für den Schülern wirklich erfassten Gegenstands sichtbar gemacht werden. 2 Das exemplarische Prinzip ist ein Konzept der Stoffauswahl. Die Funktion besteht darin, aus der Fülle von Sachverhalten jene auszusuchen, die für den Schüler relevant sind. Der Begriff des „exemplarischen Lernen und Lehren“ geht auf Martin Wagenschein zurück. Dieser hat dieses Prinzip für das Fach Physik entwickelt.
In der vorliegenden Ausarbeitung wird das Konzept von Martin Wagenschein dargestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird aufgezeigt, wie Hans Knübel 1957 dieses Konzept von Wagenschein für den Geographieunterricht umsetzte. Im Anschluss daran erfolgt eine kritische Stellungsnahme.
2 Das exemplarische Lernen und Lehren nach Martin Wagenschein
2.1 Das Exemplarische
Martin Wagenschein kritisierte die Stofffülle an den Schulen und die große Stoffmenge, die die Lehrer lehren und die Schüler lernen sollen.
Er verglich dies mit einem Koffer, den die Schüler schleppen müssen, der jedoch mit der Zeit vor Überfülle platzt und dessen Inhalt sich dann zwangsläufig entleert. 3 Dem Problem dieser Stofffülle setzte Wagenschein das exemplarische Lernen entgegen. Er entwickelte dieses Prinzip vom Physikunterricht her.
1 Schmidt, Alois: Der Erdkundeunterricht. Didaktische Grundrisse, 3. Aufl., Regensburg 1970, S. 101.
2 Jander, Lothar; Schramke, Wolfgang; Wenzel, Hans-Jochim (Hrsg.): Metzler, Handbuch für den Geographieunterricht. Ein Leitfaden für Praxis und Ausbildung, Stuttgart 1982, S. 61.
3 Wagenschein, Martin: „Vielwisserei Vernunft haben nicht lehrt“ (Heraklit), Hinweise auf das „exemplarische“ Lehren. In. Grundlegende Aufsätze aus der Zeitschrift - Die deutsche Schule, Hannover 1965, S. 7. Seite 3 von 16
Das Grundanliegen von Wagenschein ist, von der bloßen summarischen Wissensanhäufung, dem enzyklopädischen Bildungsstreben, fortzukommen und wieder zu grundlegenden, wesentlichen Einsichten zu gelangen. 4
Das eigentliche Exemplarische verdeutlicht Wagenschein folgendermaßen: „Je tiefer man sich eindringlich und inständig in die Klärung eines geeigneten Einzelproblems eines Faches versenke, desto mehr gewinnt man von selbst das Ganze des Faches.“ Weiter heißt es: „Je tiefer man sich in ein Fach versenkt, desto notwendiger lösen sich die Wände des Faches von selbst auf, und man erreicht die kommunizierende, die humanisierende Tiefe, in welcher wir als ganze Menschen wurzeln, und so berührt, erschüttert, verwandelt und so gebildet werden.“ 5
Wagenschein hält fest, dass es im Unterricht nicht darauf ankommt, breite Stoffübersichten zu geben, sondern es kommt vielmehr darauf an, bestimmte Einsichten an wenigen, ausgewählten Stoffen zu vermitteln. Er sieht deshalb nicht die Stoffpläne als Grundlage eines Unterrichts, sondern Funktionspläne mit entsprechenden Funktionszielen. 6 Diese Funktionsziele verdeutlicht Wagenschein am Beispiel der Physik:
4 Knübel, Hans: Exemplarisches Arbeiten im Erdkundeunterricht, Braunschweig 1960, S. 12.
5 Wagenschein, Martin: Zur Klärung des Unterrichtsprinzips des exemplarischen Lehrens. In: Gerner, Berthold (Hrsg.): Das exemplarische Prinzip. Beiträge zur Didaktik der Gegenwart, 4.Aufl., Darmstadt 1963, S. 5.
6 Wagenschein, Martin: Das „Exemplarische Lehren“ als ein Weg zu Erneuerung der Höheren Schule (mit besonderer Beachtung der Physik), Hamburg 1954, S. 19. Seite 4 von 16
8. „Erfahren, wie ohne verfrühte Mathematisierung und ohne die Häufung
Der Unterricht soll somit unter Verzicht auf stoffliche Vollständigkeit auf solche Kernstoffe beschränkt werden, an denen fundamentale Einsichten und Erfahrungen gewonnen werden. An diesen Funktionszielen erkennen die Schüler das Wesentliche und das Besondere an der Physik. Wagenschein betont, wenn diese Ziele erreicht sind, so ist das Stoffwissen ein selbstverständliches Nebenergebnis. 8 Nach Wagenschein hat das exemplarische drei Funktionen, es ist:
deshalb sieht er in diesem Verfahren einen neuen Bildungsweg. 9
Eine besondere Bedeutung hat nach Wagenschein der Einstieg in ein Unterrichtsthema, denn mit diesem soll eine psychologische Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit geschaffen werden. Ein guter Einstieg kann und sollte eine Problematik aufrollen, Staunen, Neugier und Interesse wecken. Durch solch einen Einstieg soll bei den Schülern ein Drang zur Weiterarbeit und zur Erkenntnis der Zusammenhänge geschürt werden. 10
2.2 Bedenken an dem exemplarischen Prinzip
Wagenschein äußert sich zu bestimmten Einwänden folgendermaßen. Zu dem Einwand der Erleichterung betont er, dass durch weniger Stoff und Unterricht die Schule nicht erleichtert wird. Das Gegenteil ist der Fall, durch das „echte“ Lernen, werden die geistigen Kräfte der Schüler aufgerufen und gefördert. 11 Auch das Ergriffenwerden der Lernenden von einem Thema oder einer Frage ist von besonderer Bedeutung. Dieses fördert den Wissensdrang und die intensive Auseinandersetzung mit einem Problem. Nach Wagenschein ist dies besonders rentabel und die Schüler oder Lernenden können immer wieder darauf zurückgreifen.
7 Wagenschein, Martin: Das „exemplarische Lehren“ als ein Weg zur Erneuerung der Höheren Schule (mit besonderer Beachtung der Physik), Hamburg 1954, S. 20-28.
8 Ebd. S. 29.
9 Wagenschein, Martin: Zum Begriff des exemplarischen Lehrens. Zeitschrift für Pädagogik II, Heft 3,
1956, S. 129 ff.
10 Knübel, Hans: Exemplarisches Arbeiten im Erdkundeunterricht, Braunschweig 1960, S. 36.
11 Wagenschein, Martin: Zur Klärung des Unterrichtsprinzips des exemplarischen Lehrens. In. Gerner, Berthold (Hrsg.): Das exemplarische Prinzip. Beiträge zur Didaktik der Gegenwart, 4.Aufl., Darmstadt 1963, S. 9f. Seite 5 von 16
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Reni Rieger, 2005, Das exemplarische Prinzip, München, GRIN Verlag GmbH
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