Freie Universität Berlin, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
HS „Stadtansichten – Landschaftsbilder. Berlin und Brandenburg in der Perspektive Theodor Fontanes“
Wintersemester 2004/2005, 13. Fachsemester
Einige zeitgeschichtliche Aspekte in der späten Lyrik Theodor Fontanes im Überblick
von
Jan Roloff
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
Eine kurze Einführung in Fontanes Lyrik-Werk im Hinblick auf
zeitgeschichtliche Bezüge und Fontanes Selbstverständnis... 3
2. Hauptteil... 4
2.1 Alter, Sterben und Tod als Motive in der Spätlyrik... 4
2.2 Stellung des Künstlers in der Gesellschaft. Das Dichterdasein... 5
2.3 Zeitgeschichte und Zeitkritik in der späten Lyrik: Realismus, Kolonialismus und Imperialismus... 11
3. Schluss:
Rezeption, Bedeutung und Forschung der Fontaneschen Alterslyrik... 15
Literaturverzeichnis... 16
1. Einleitung:
Eine kurze Einführung in Fontanes Lyrik-Werk im Hinblick auf zeitgeschichtliche Bezüge und Fontanes Selbstverständnis
Theodor Fontanes spätes Gedichtschaffen bewegt sich am Übergang zur literarischen Moderne und den radikalen Veränderungen der Gesellschaftsstruktur hinsichtlich technischer (industrieller) wie politischer Phänomene. Diese Brüche zeigen sich in Fontanes Lyrik besonders deutlich an den Stellen, wo er persönlich Stellung bezieht und sich selbst in Relation zu den Umbrüchen der Zeit setzt, die im weiteren Sinne verallgemeinerbar zu verorten sind. Fontane nähert sich gleichsam individuell-alltäglich aus seiner eigenen Lebenspraxis und -erfahrung heraus häufiger in einem fast beiläufigen Ton zu den immensen Wechseln in der Zeitenwende zum 20. Jahrhundert, die nunmehr allmählich hervor scheinen, sich ankündigen, durchbrechen und zu einer neuen politischen, sozialen und künstlerischen Identität werden.
Anhand zahlreicher Beispiele sollen hier diese Übergänge deutlich gemacht werden und auf ihren Sitz in der gesellschaftlichen Realität verquickt mit dem individuell-typisch Fontaneschen hin untersucht werden. Dabei sollen an einigen Stellen Rekurse auf andere Werke früherer Schaffensperioden des Autors beispielhaft herangezogen werden, um den literarischen wie politischen Gesamtzusammenhang aufzuzeigen. Schwierig scheint mir, das Ineinander auch der hier voneinander getrennt aufgeführten Kapitel ohne Berührungen voneinander abzuarbeiten. Oftmals erscheinen in den hier zu behandelnden Gedichten die Themen des Fokus dieser Arbeit vermischt und untrennbar verbunden; auch ist für Fontane natürlich die Verbindung der Bereiche, die ihn motivisch vor allem im Alter bewegen, eine bedeutende Sache, so dass hier immer wieder Themen ineinander fließen, die eng zusammengehörig sind und daher auch nicht völlig abgegrenzt voneinander bearbeitet werden können. Gerade die Zeitenwende, die im Fontaneschen Spätwerk sich niederschlägt ist immanent geprägt durch die Verschränkung von unterschiedlichen Geschehnissen, Verhältnissen und Situationen, aus denen diejenigen Impressionen in Fontanes dichterischem Nachlass erwachsen, mit denen ich mich hier auseinander setzen möchte.
Im Folgenden wird die späte Lyrik Fontanes, also die seit den 1880er Jahren behandelt werden, als man eine Abwendung von den bei Fontane zuvor so wichtig gestellten Balladen hin zu alltäglicher Spruch-Dichtung feststellen kann. Maßgebend sind drei Themenkomplexe, die in den folgenden Kapiteln jeweils kurz mithilfe veranschaulichender Beispiele dargestellt werden sollen. Dem ersten Teil (Alter, Sterben und Tod) sollen nur einige Zeilen gewidmet sein, um den darauf folgenden Abschnitten den gebührenden Umfang einräumen zu können und den Rahmen überschaubar zu halten. Bezüge der einzelnen Bereiche untereinander finden sich zahlreich im Text.
2. Hauptteil
2.1 Alter, Sterben und Tod als Motive in der Spätlyrik
In seiner späten Schaffensperiode, auch der Zeit des Bewusstseins über das eigene Lebensalter, hat Fontane in einer großen Anzahl seiner Gedichte verstärkt über Tod und Sterben nachgedacht. Das individuelle Leben steht dabei im Mittelpunkt seiner Betrachtungen und nicht selten scheint der Dichter selbst der Handelnde oder Sprechende zu sein; dennoch gibt es weitere Beispiele für Darstellungen allgemeiner Zusammenhänge, in denen Fontane bereits bekannte Kontexte etwa aus dem Stechlin wieder aufgreift oder Aussagen postulierender, appellativer Natur tätigt und damit direkt den Leser anspricht. Überhaupt wird dies Verhältnis zum Rezipienten zentraler in den Vordergrund gerückt, vor allem thematisch in seiner Lyrik.
Tod und Sterben werden zu individualisierten Topoi, allerdings gibt es eine Vielzahl von Perspektiven, an denen Fontane sich abarbeitet. Im Gedicht Drehrad zeigt er die Nichtigkeit des individuellen Lebens auf, an anderer Stelle jedoch wiederum steht er ein für einen ständigen Fortgang des Lebens und der diesem inhärenten Prozesse und Geschehnisse in Anbetracht des nahenden Todes (Es kribbelt und wibbelt weiter). Auch diesem Themenkomplex nähert sich Fontane auf die in der späten Lyrik so präsente Art und Weise, die direkt dem Alltag und der natürlichen Umgangsweise mit lebensweltlichen Phänomenen zu entspringen scheint. Dennoch bleiben der Tod und das Sterben undurchdrungen, unhintergangen rätselhaft und unerklärlich.
Im Gedicht Mein Leben reflektiert der Dichter sein eigenes Lebensende, welches er nahen spürt in Form einer schattenhaften und traumhaften Müdigkeit, die ihn überkommt. Auch andere Gedichte dieser Zeit behandeln den Tod, jedoch eher in der Verbindung mit anderen Themen, die im Folgenden genauer betrachtet werden sollen. Die Nähe der Meditationen über Sterben und Tod liegt wie bereits gesehen in Fontanes fortgeschrittenem Lebensalter und einem damit verbundenen Zurückblicken begründet. In den folgenden Kapiteln wird dies näher erläutert werden.
2.2 Stellung des Künstlers in der Gesellschaft. Das Dichterdasein
[...]
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Magister Artium Jan Roloff, 2005, Einige zeitgeschichtliche Aspekte in der späten Lyrik Theodor Fontanes im Überblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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