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Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Bildanalyse 7
13 II 3 Garry Winogrand Los Angeles California 1969 (K Mauck)
II 4 Thomas Struth 6th Avenue at 50th Street New York (Midtown)
19 1978 (M Harten)
III 1 Winogrand Wall (M Harten)
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III 2 Friedlander Struth (K Mauck) 35
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I. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bilderanalyse und dem Bildervergleich fotografischer Positionen in dem Sujet der Stadtlandschaft. Es sollen dabei die Gestaltungsmittel und ihre Wirkung untersucht werden. Dazu werden zuerst vier Fotografien von verschiedenen Fotografen aus unterschiedlichen Entstehungszeiten vorgestellt: Kansas City, Missouri von Lee Friedlander; Los Angeles, California von Garry Winogrand; 6th Avenue 50th Street New York (Midtown) von Thomas Struth und The Stumblin Block von Jeff Wall. Im Vordergrund steht dabei die Bildanalyse. Auf den daraus hervorgegangenen Erkenntnissen soll dann die Interpretation aufbauen. Die eigenen Ansätze werden mit Hilfe der Forschungsliteratur vertieft. Am Ende der Arbeit werden jeweils zwei Fotos miteinander verglichen. Dieser Vergleich soll helfen, die Bildaussage zu verdeutlichen.
I.1. Die Stadtlandschaft (M. Harten)
Das Sujet der „Stadtlandschaft“ entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Bevölkerung in den Städten wuchs, so dass das Leben in der Stadt für die Menschen eine immer größere Bedeutung bekommt. Damit entwickelten sich auch das Selbstverständnis und die Identifikation der Städter mit ihrem Lebensraum. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen finden sich auch in der Kunst dieser Zeit wieder. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die in Italien begründete Vedutenmalerei. In diesen Bildwerken spiegelt sich der Stolz der Bürger auf ihre Stadt wieder. Ein weiterer Grund für die Entwicklung dieses Sujets sind wohl auch die vielen Reisenden, die aus ganz Europa nach Italien kommen, um deren Kunstschätze zu bewundern. Bei ihren Besuchen, vor allem von Venedig, wollen sie eine Ansicht der Stadt als Erinnerung mit nach Hause nehmen 1 . Über atmosphärisch gestaltete Ansichten repräsentativer Gebäude und Plätze schaffen Künstler wie Canaletto und Guardi ein beeindruckendes Bild ihrer
1 Gombrich, E.H.: Die Geschichte der Kunst. Berlin 2004. S. 444.
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Heimatstadt. Vedute kommt aus dem Italienischen (Veduta) und bedeutet so viel wie das Geschehene, das was man sieht 2 . Sie wird vornehmlich als Gemälde, Zeichnung oder Stich angefertigt. 3
Im Unterschied zur Landschaftsmalerei ist bei einer Vedute die Widererkennbarkeit der abgebildeten Szenerie von großer Wichtigkeit. Es werden einzeln stehende Gebäude, wie Burgen oder Schlösser und Stadtansichten thematisiert. Dabei kann zum einen eine Gesamtansicht der Stadt (Panorama) oder ein Ausschnitt (charakteristische Gebäude, Plätze, Straßenzüge) als Vorlage dienen.
Die Vedutenmaler machen es sich zur Aufgabe, den Raum in seiner dimensionalen und atmosphärischen Qualität anschaulich zu machen. Die Vedute soll ein möglichst lebendiges Abbild der sichtbaren Wirklichkeit sein. Zentral ist in diesem Zusammenhang die Komposition: über die Linear- und Zentralperspektive, sowie die Raum- und Farbperspektive wird die Räumlichkeit des Bildes organisiert. Der Bildraum wird zumeist schichtweise in verschiedene Bildgründe aufgestaffelt (Entlehnung der Landschaftsmalerei). Um ein möglichst detailgenaues Abbild der Realität zu erschaffen, nutzen die Künstler häufig die Bilder einer Camera Obscura 4 als Vorlage.
Im Verlauf der Geschichte der Vedutenmalerei senkt sich der Augpunkt auf die normale Blickhöhe herab. Dadurch entsteht eine größere Unmittelbarkeit zwischen dem Betrachter und dem Bild, er fühlt sich als Passant in die Szenerie mit eingebunden 5 .
2 Lexikon der Kunst. Vedute. Stadtler, Wolf (Hrsg.). Bd. 12. Erlangen 1994. S.107-111.
3 Jahn, Johannes: Vedute. In: Wörterbuch der Kunst. Stuttgart 1966. S.717.
4 Camera Obscura, Urform des fotografischen Aufnahmegeräts. Weiteres: Lexikon der Kunst. Bd. 3. S. 77. 5 In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass es verschiedene Darstellungsformen von Veduten gibt (z.B. Veduta ideata, Veduta realistica). Zu einer näheren Begriffsbestimmung, siehe: Lexikon der Kunst. Bd. 12. S. 109.
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Viele Künstler orientierten sich bei ihren Stadtansichten an Canaletto wie zum Beispiel
auf die „Sehenswürdigkeiten“ der Stadt, sondern er untersucht vielmehr die Wirkung des Lichts und der Farbe an den topographischen Objekten. So werden die Stadtansichten zu einem Abbild einer Untersuchung von Ort und Licht.
Bei dem Gemälde Boulevard des Capucines nimmt Monet den Blick eines Fotografenfreundes ein 6 . Den Blick aus dessen Atelier auf den Boulevard des Capucines. Man sieht hier nicht mehr den klassischen Bildaufbau nach der vereinheitlichenden Zentralperspektive, sondern den Blick von einem individuellen Standpunkt aus. Es stehen nicht die Gebäude der Stadt im Vordergrund, sondern das Treiben der Menschen auf der Straße. Monet ist um keine detailgenaue Abbildung bemüht, sondern um die Abbildung einer subjektiven Erfahrung (des Lichts). Dieser kleine Einblick in die Entwicklung der Stadtlandschaft soll in das Thema der Hausarbeit einleiten und zwei malerische Positionen vorstellen, die sich mit dem Thema ‚Stadt’ beschäftigt haben. Ich halte diesen Ausflug in die Malerei für wichtig, damit deutlich wird, an was für eine Tradition Fotografen mit ihren Stadtansichten anknüpfen oder zu ihr Bezüge herstellen könnten.
6 Ob Monet auch Fotografien als Vorlage für seine Straßen-, bzw. Stadtansichten benutzte, ist nicht
erwiesen.
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II. Bildanalyse
II.1. Einleitende Bemerkungen zur Vorgehensweise
Die Autorinnen haben sich dazu entschlossen, bei der Analyse der Fotografien folgendermaßen vorzugehen: zunächst wird eine Bildbeschreibung vorgenommen, rein nachdem, was man sieht. Dies soll bezwecken, möglichst unvoreingenommen eine Art „Bestandsaufnahme“ der Eindrücke zu erstellen, um zu einer eigenständigen Auffassung der Fotografie zu kommen. Im Folgenden wird der Versuch angestellt, das Gesehene in seiner Wirkung zu beschreiben. Daraus wird eine Interpretation entwickelt, die sich auf die zuvor gewonnenen Erkenntnisse stützt. Erst im nächsten Schritt wird die Forschungsliteratur zu einer tieferen Deutung hinzugezogen. Diese Art der Gliederung zielt darauf ab, sich zunächst nur auf das konzentriere, was man sieht und um sich unbeeinflusst von Forschungsansätzen eine Meinung zu bilden. Über diese Vorgehensweise möchten die Autorinnen untersuchen, was das Bild allein dem Betrachter zu vermitteln vermag, um dies dann anschließend wissenschaftlich zu untermauern.
II.2. Lee Friedlander, Kansas City, Missouri, 1965 (K. Mauck)
Die Schwarz-Weiß-Fotografie von Lee Friedlander stammt aus dem Jahre 1965 und zeigt eine Straßenansicht der Stadt Kansas City, die im US-Bundesstaat Missouri gelegen ist. Dem Betrachter eröffnet sich der Blick auf eine menschenleere Straßenansicht. Sowohl die linke als auch die rechte Bildseite wird von Häuserfronten eingerahmt. Es handelt sich um 2-3 geschossige Bauten, die wohl teils als Wohn-, teils als Gewerbehäuser genutzt werden.
Abb.3: Lee Friedlander, Kansas City, Missouri, 1965
Das Bild wird durch einen Strommasten, der vertikal aus einem kleinen Rasenstück hervorragt, fast mittig halbiert. Vom Betrachter aus gesehen steht zur Linken des Masten ein Straßenschild, auf dem „NO PARKING DAY OR NIGHT – TOW IN ZONE“ zu lesen ist. Dieses Schild ist einige Meter weiter ein zweites Mal zu erkennen. Weitere Vertikalen dominieren den Bildraum: die linke Straßenseite wird ebenfalls von Strommasten gesäumt, die Häuserwände auf beiden Straßenseiten rahmen die Szenerie, und der Blick des Betrachters wird von einer Art Turm, auf dem ein überlebensgroßes Schaf montiert ist, am Ende der Straße begrenzt. Nur wenige Horizontalen wie die Geschäftsschilder, die Stromleitungen, die über die Straße führen oder die Kanten der Steine, mit denen der Fußweg ausgelegt ist, sind zu erkennen.
Der Bildraum, der sich grob in Vorder-, Mittel- und Hintergrund einteilen lässt, öffnet sich perspektivisch.
Der Blick des Betrachters wird durch das Straßenschild und den Strommasten, die aus dem Rasenstück hervorragen, im Bildvordergrund gestoppt. Dadurch wirkt das Bild einerseits flächig, da der Blick des Betrachters nicht „ungebremst“ in die Tiefe schweifen kann, andererseits lädt die Sicht auf das Himmelstück dazu ein. Diese Tatsache wird durch die Tiefenschärfe verstärkt; es entsteht keine Hierarchisierung der Bildebenen. Das hell gestrichene Haus auf der rechten Bildseite lässt sich ebenfalls dem Vordergrund zuordnen.
Abb.1. Canaletto, Markusplatz mit Markuskirche o.J.
Einer der wichtigsten Maler, der die Entwicklung der Vedutenmalerei in Europanachhaltig beeinflusst hat, ist Antonio Canale, genannt Canaletto (1697-1768). Er verbindet die topographische Treue mit der Wiedergabe des Lichts und der Atmosphäre. Er bildet vor allem das Unveränderliche Venedigs ab. Im Vordergrund stehen in seinem Werk repräsentative Gebäude oder Plätze, so thematisiert er vor allem den Markusplatz in unterschiedlichen Ansichten.
In dem hier gezeigten Gemälde ist der klassische Bildaufbau der Vedute gut zu erkennen. Es ist in der Zentralperspektive angelegt, die Fluchten treffen sich genau in dem mittleren Bogen des Palastes an der Stirnseite des Platzes genau auf der Bildmitte auf der Höhe 1/3 des Bildes. Hier liegt der Augpunkt noch höher als der eines Passanten. Canaletto installiert Staffagefiguren in Grüppchen auf dem Platz. Gleichmäßig verteilt zeigt er dem Betrachter eine idealisierte Belebung des Platzes. Wie Schauspieler scheinen die Figuren über eine Bühne zu wandeln. Um diese Ansichten so originalgetreu wiedergeben zu können, bediente sich auch Canaletto den Vorzügen der Camera Obscura.
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Katharina Mauck, 2007, Stadtlandschaften – Bildanalyse und Vergleich ausgewählter Fotografien von Lee Friedlander, Garry Winogrand, Thomas Struth und Jeff Wall, Munich, GRIN Publishing GmbH
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