Analyse von Kinder- und Jugendtheaterstücken der Gegenwart Sprachwissenschaften Wintersemester 2005/ 06
Analyse von Kindertheaterstücken der Gegenwart
am Beispiel eines Kasperspiels
von Verena Wilms
Inhaltsverzeichnis
1. Schreibbegründung und Hinführung zum Thema 1
2. Begriffserklärung „Theater“ 2
2.1. Das Puppentheater 2
2.2. Geschichte des Puppentheaters in Europa 2
2.3. Puppentheater in der Gegenwart 3
3. Mein Schwerpunkt: Kasperstück 4
4. Syntaktische Gestaltung der Szene 6
4.1. Kasper 6
4.2. Vogel 8
4.3. Krokodil 9
4.4. Allgemeines zur syntaktischen Gestaltung 10
5. Analyse der Sprechakte der Szene „Im Wald“ 11
5.1. Repräsentativa 11
5.2. Direktiva 12
5.3. Kommissiva 13
5.4. Expressiva 13
5.5. Deklarativa 13
6. Redewendungen 14
7. Textlinguistik 15
7.1. Kohäsion 15
7.2. Kohärenz 15
7.3. Intertextualität 15
8. Soziolinguistik 17
8.1. Jugendsprache im Kaspertextausschnitt 17
8.2. Dialekt im Kaspertextausschnitt 18
9. Frames 20
10. Zusammenfassung 21
11. Literaturverzeichnis 22
12. Anhang-Kasperspiel (Viertes Bild) 24
1. Schreibbegründung und Hinführung zum Thema
Im Wintersemester 2005/ 06 habe ich das Hauptseminar ,,Analyse von Kinder-
und Jugendtheaterstücken der Gegenwart aus sprachwissenschaftlicher und
sprachdidaktischer Sicht" besucht. Dort habe ich Aspekte kennen gelernt, die ich
zur Analyse von Theaterszenen nutzen kann. Außerdem wurden die unterschiedlichen
Wirkungsweisen von geschriebener und gesprochener Sprache anhand von einzelnen
Szenen analysiert.
Die Teilnehmer/innen sammelten Ideen, wie Theater und Schule zusammenarbeiten
könnten. Durch Gastvorträge von Theaterpädagogen wurden verschiedene Konzepte
anschaulich dargestellt. Zu guter Letzt wurden Kinder- und Jugendtheater
hinsichtlich der Lehrpläne des Faches Deutsch betrachtet.
Um einen Leistungsnachweis im Bereich Sprachwissenschaft zu erwerben, habe ich
anhand gelernter sprachwissenschaftlicher Kriterien eine Analyse am Beispiel
eines Kasperspiels durchgeführt. Ich habe mich für das Puppentheater
entschieden, da mich diese Form des Theaters seit meiner Kindheit fasziniert.
Heute noch schaue ich mir gerne Marionetten- bzw. Handpuppentheater an.
Meine Arbeit beginne ich mit der allgemeinen Begriffserklärung des Theaters.
Danach erläutere ich konkret den Begriff ,,Puppentheater", seine Geschichte und
die gegenwärtige Situation. Danach führe ich exemplarisch eine syntaktische
Analyse an dem ausgewählten Kasperstück durch. Ich untersuche Sprechakte,
Redewendungen, die Text- und Soziolinguistik nach unterschiedlichen im Seminar
thematisierten Gesichtspunkten. Zuletzt werde ich den Begriff ,,Frame" anhand
von Textbeispielen erläutern. Ich schließe meine Arbeit mit einer
Zusammenfassung ab.
Im Anhang habe ich das ,,Vierte Bild. Im Wald" aus dem Kasperspiel von Monika
Spickhoff (Der Kasperl kommt aus Butzlabee. Kasperlspiele für die Grundschule.
Donauwörth 1992. Ludwig Auer GmbH) eingefügt. So hat der Leser die Möglichkeit
meine Gedankengänge zu verfolgen, speziell das analysierte vierte Bild ,,Im
Wald".
2. Begriffserklärung ,,Theater"
Die Gesamtheit der darstellenden Künste, die auf einem szenischen Ablauf basieren, bezeichnet man als ,,Theater". Vorgetragen werden die einzelnen Szenen mit Hilfe von Puppen beim Puppentheater, Kaspertheater etc. oder mittels Schauspielern, Tänzern oder Sängern bei Opern, Operetten, beim Ballett und Musical etc. (vgl. Encarta Enzyklopädie Professional 2004, Microsoft). Zum Umfeld der konkreten Aufführung gehört ein notwendiger technischer, organisatorischer bzw. dramaturgischer Apparat, wozu auch das Theatergebäude mit dem Bühnenhaus und dem Zuschauerhaus gehören. Dieser Theaterapparat dient der künstlerischen Umsetzung von Inszenierungen (vgl. Encarta 2004).
2.1. Das Puppentheater
Beim Puppentheater handelt es sich um eine Spielhandlung mit Puppen, die häufig auf einer eigens hierfür entwickelten (Miniatur-) Bühne aufgeführt wird. Das Puppentheater ist ein Zweig der dramatischen Kunst (Purschke, Hans R.: Über das Puppenspiel und seine Geschichte. Frankfurt/ M. 1983. Puppen und Masken, S.19). Durch den Einsatz von Musik oder der Kombination mit Schauspielern konnte es immer mehr differenziert und verfeinert werden. Im asiatischen Puppentheater wird die eigentliche Handlung zusätzlich von einem Sprecher kommentiert (vgl. Encarta 2004). Neben seinem Unterhaltungswert besitzt das Puppenspiel häufig auch pädagogische Funktionen. Bei den für das Puppentheater verwendeten Puppentypen unterscheidet man bewegliche und starre Figuren. Außerdem gibt es plastische und zweidimensionale Puppen. Letztere werden z.B. beim Schattenspiel oder im Papiertheater verwendet (vgl. Encarta 2004). Die einfachsten plastischen Puppentypen sind die so genannte Handpuppen, Stab- und Stockpuppen. Die Gliedmaßen der Marionetten können über Drähte bzw. Fäden von oben gesteuert werden.
2.2. Geschichte des Puppentheaters in Europa
Erste Zeugnisse für europäisches Puppenspiel liefern Randillustrationen zum
Alexanderlied aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Für das 15.
Jahrhundert sind mittelhochdeutsche Puppenspiele nachweisbar, und im
Dreißigjährigen Krieg nutzten Wanderbühnen Puppen, da sie an Schauspielermangel
litten (vgl. Encarta 2004). Im 16. Jahrhundert begannen Künstler aus
verschiedenen Ländern, Handpuppen mit individuell-nationalem Charakter zu
entwickeln, z.B. Punch and Judy (England), Petruschka (Russland) und Hanswurst
bzw. Kasper (Deutschland). Damals entstanden auch die ersten fest installierten
Puppenbühnen. Das erste deutsche Puppentheater war das Kölner Hänneschen-Theater
von 1802, das bis heute besteht. Im 18. Jahrhundert nutzten vor allem englische
Dramatiker das Medium des Puppenspiels für satirische Zwecke.
Im 19. Jahrhundert entstanden in Deutschland romantische Kaspertheaterbühnen.
Dadurch sollten Kinder als Zuschauer angesprochen werden. Dichter und
Theatertheoretiker loben das Puppentheater als besondere Theaterform. Neben den
traditionellen Puppenspielerfamilien gibt es auch eine ,,intellektuelle" Form
des Puppentheaters (vgl. Lensch: Puppentheater. Ein kurzer historischer
Überblick. In: http://www.puppenspiel-online.de/).
Im 20. Jahrhundert schufen Künstler wie Paul Klee, Natalija Gontscharowa, Sophie
Taeuber- Arp, Alexander Calder und Mitglieder des Bauhauses bedeutende Puppen-
und Bühnenentwürfe (vgl. Encarta 2004). Sie sahen eine Verbindung zwischen
Theater und bildender Kunst im Puppenspiel (vgl. Lensch). 1921 gründete Max
Jacob die Hohnsteiner Puppenspiele, die seit 1945 in Hamburg und Essen ansässig
sind.
2.3. Puppentheater in der Gegenwart
Nach dem 2. Weltkrieg entstanden zahlreiche Puppentheater, die durch das
Fernsehen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. Darunter fällt
die von Walter Oehmichen gegründete Augsburger Puppenkiste, die
Fernsehschöpfungen des amerikanischen Puppenspielers Jim Henson (Sesamstraße und
Muppetshow) und die Rappelkiste (vgl. Encarta 2004). Außerdem erschienen
erstmalig experimentelle Figurenformen, die eine neue Bezeichnung für diese
Theaterform verlangten, um sich vom traditionellen Puppentheater abzugrenzen.
Seither wird der Begriff ,,Figurentheater" als übergreifender Begriff benutzt.
Er umfasst neben den traditionellen Theaterformen mit Puppen auch Mischformen
(Menschen- und Puppentheater) und spezielle Theaterformen wie Schwarzes Theater
oder Theater mit Schwarzlicht (vgl. Lensch).
Heute gibt es in Deutschland etwa 350 professionelle Puppenbühnen (vgl. Encarta
2004).
3. Mein Schwerpunkt: Kasperstück
Kasper ist ein Serienheld, den das Puppentheater hervorgebracht hat. Nach ihm
ist das Kaspertheater benannt worden. Dieser Name wird seit dem 19. Jahrhundert
allgemein verwendet (vgl. Till, Wolfgang: Puppentheater. München 1986.
Universitätsdruckerei und Verlag Dr. C. Wolf und Sohn KG, S.13). Kaspers
Äußeres, seine Umgangsformen und seine Sprache sind standardisiert und auf die
Erzeugung von Komik angelegt (vgl. Till 1986, 13). Er hat ein markantes Gesicht
mit einer langen Nase. Er trägt immer ein Kostüm, zu dem eine lange rote
Zipfelmütze mit einem Glöckchen gehört. Seine Kleider haben
Wiedererkennungswert, was Stabilität in heutigen unruhigen Zeiten verleihen soll
(vgl. Weissenberg-Seebohm, Taudin-Chabot, Mees-Henny: Wir spielen
Kasperle-Theater. Stuttgart 1982. Freies Geistesleben GmbH, S.8ff.). Kasper ist
eine einfältige Figur, die fortwährend Fehler macht (vgl. Spickhoff, Monika: Der
Kasperl kommt aus Butzlabee. Kasperlspiele für die Grundschule. Donauwörth 1992.
Ludwig Auer GmbH, S. 7). Sie unterscheidet sich von den anderen Figuren im
derben Tonfall. Kasper wird im möglichst authentischen bairischen 1 Dialekt
gesprochen, wogegen die anderen Figuren möglichst fein erscheinen sollen und
hochdeutsch gesprochen werden (vgl. Till 1986, 16). Kasper verliert nie die
Hoffnung. Das Publikum wird stets mit einbezogen, damit er Gefahren erkennt und
seine Abenteuer positiv ausgehen (vgl. Spickhoff 1992, 7). Kasper hat eine
Erziehungsfunktion. Das Publikum sieht ihn in vertrauten Situationen, und er
zeigt ihnen menschliche Untugenden. Auf spielerische Art wird dem Zuschauer
,,der Spiegel vorgehalten" (vgl. Weissenberg-Seebohm u.a. 1982, 21). Heute wird
Kasper auch als ,,Verkehrskasper" bei der Polizei eingesetzt, um den Kindern
richtiges Verhalten auf der Straße beizubringen (vgl. Till 1986, 18).
Ich habe die Szene ,,Viertes Bild: Im Wald" aus dem Kasperspiel ,,Das
Goldkettchen" 2 analysiert. Es geht darum, dass ein Krokodil Gretels goldene
Kette geklaut hat. Sie ist ein Erbstück ihrer Großmutter. Kasper und der
Wachtmeister suchen gleichermaßen nach dem Schmuck, um Gretel den Hof zu machen.
Im vierten Bild ist Kasper in den Wald gegangen, um die Halskette vom Krokodil
zurückzuholen. Während er auf das Tier wartet, bekommt er Hilfe von einem Vogel.
Der überreicht ihm eine Pfeife, mit der er das Krokodil anlocken kann und verrät
ihm einen
[...]
1 In der Sprachwissenschaft wird das Wort mit ′i′ statt ′ye′ geschrieben, um
es vom politischen Begriff des ,,Bayerischen" zu unterscheiden. Zu Bayern gehört
außer den bairisch sprechenden Altbayern auch Franken und Bayerisch-Schwaben,
deren Dialekte nicht bairisch sind. Der Buchstabe ,,y" im Wort ,,Bayern" wurde
im 19. Jahrhundert durch König Ludwig I. für das gewachsene Staatsgebilde
eingeführt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Bairische_Sprache#Adjektive_2).
2 Im Anhang befindet sich das vollständige Kasperspiel mit der Szene ,,Viertes
Bild: Im Wald".
Arbeit zitieren:
Verena Wilms, 2006, Analyse von Kindertheaterstücken der Gegenwart am Beispiel eines Kasperspiels, München, GRIN Verlag GmbH
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