Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
1 Matthias Corvinus: Biographischer Hintergrund 3
2 Humanismus am Hof des Königs Matthias Corvinus 4
2.1 Personen 5
2.1.1 Johannes Vitéz de Zredna (um 1400 1472 ) 5
2.1.2 Janus Pannonius (1434 1472 ) 7
2.1.3 Die Familie der Boskowicz von Černahora 8
2.1.4 Galeotto Marzio (1427 1497 ) 8
2.1.5 Antonio Bonfini (1427 1503 ?) 9
2.2 Formen 10
2.2.1 Antiquarisches Interesse 10
2.2.2 Aufbau einer Bibliothek 11
2.2.3 „Nationalchronistik“ und dichterisches Herrscherlob 12
2.2.4 „Gastmähler“ 12
2.2.5 Universitätsgründung 14
2.2.6 Bautätigkeit 15
2.2.7 Spätgotik und Repräsentation im Stil „all’antica“ 15
3 Ungarn als ein zweites Italien? 16
Quellen- und Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
„Pannonien zu einem zweiten Italien zu machen“ 1 - das kann sicher als ein wesentliches motivierendes Moment nicht nur für König Matthias Corvinus, sondern überhaupt für die Protagonisten des Humanismus am ungarischen Königshof angesehen werden. Diesen höfischen Humanismus ausschnittsweise darzustellen, ist Ziel der vorliegenden Arbeit. Zunächst wird kurz der biographische Hintergrund zur zentralen Figur des Matthias Corvinus geschildert. Danach folgt das Hauptkapitel, in dessen ersten Teil einige ausgewählte Personen vorgestellt werden, die den humanistischen Geist im Umfeld des Königs Matthias geprägt haben. Sodann werden in einem zweiten Teil überblicksartig charakteristische Formen des Humanismus am Corvinischen Hof herausgearbeitet, zum Beispiel der Aufbau einer Bibliothek, das Entstehen „nationaler“ Geschichtsschreibung oder die Veranstaltung von Symposien. Den Abschluß bildet eine knappe, auf augenfällige Punkte reflektierende Zusammenfassung.
1 Matthias Corvinus: Biographischer Hintergrund
Der spätere ungarische Regent Matthias Corvinus wurde am 23. Februar 1443 im siebenbürgischen Klausenburg, heute in Rumänien gelegen, geboren. 2 Innerhalb einer Generation hatte sich die Familie den Aufstieg in den höheren Adel erkämpft. Matthias’ Vater Johann Hunyadi (János der Ältere, 1409-1456) amtierte zwischen 1446 und 1456 bereits als Reichsverweser für den Habsburger Ladislaus V. Posthumus (1440-1457), der seit 1440 König von Ungarn war. 1458, im gleichen Jahr, in dem Georg von Podiebrad (1420-1471) böhmischer König wurde, wählten ungarische Adlige den noch nicht ganz 16-jährigen Matthias zum König. Die Regierungszeit des Corvinen war auf der einen Seite vom ständigen Konflikt mit den Habsburgern, speziell mit Kaiser Friedrich III. (1415-1493), bestimmt, den Matthias’ innenpolitische Feinde 1459 als Gegenkönig proklamiert hatten und in dessen Besitz
1 Antonius de Bonfinis, Rerum Ungaricarum decades, in IV tomis (Bibliotheca Scriptorum Medii Recentisque Aevorum, Saeculum XV: 10-13), ed. József Fógel/Béla Iványi/László Juhász, Lipsiae
1936-1941, IV, 7, 87: „Pannoniam alteram Italiam reddere […].“ (zitiert nach: Klára Pajorin, L’educazione umanistica e Mattia Corvino, in: Tibor Klaniczay/József Jankovics (Hrsg.), Matthias Corvinus and the Humanism in Central Europe (Studia Humanitatis. Publications of the Centre for Renaissance Research, Vol. 10), Budapest 1994, 185-192, hier 189, Anmerkung 17).
2 Zu Matthias’ Vita vgl. Karl Nehring, Matthias: 1. M. I. Corvinus (M. Hunyadi), in: Norbert Angermann u. a. (Hrsg.), Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München/Zürich 1993, 402f.
3
sich die Stephanskrone befand. Auf der anderen Seite hielt die Bedrohung durch die Osmanen an, wobei trotz päpstlicher Unterstützung alle Versuche, einen groß angelegten Kreuzzug zu organisieren, scheiterten. Nach der Eroberung Mährens, Schlesiens sowie der beiden Lausitzen ließ sich Matthias 1469 gegen Georg von Podiebrad auch zum König von Böhmen wählen. Ein von ungarischen Größen 1471 angezettelter Komplott scheiterte zwar, doch stützte sich Matthias Corvinus als Herrscher seitdem vorwiegend auf den katholisch gebliebenen Adel in Böhmen und Mähren. 3 1476 heiratete er in zweiter Ehe Beatrix von Aragon (1457-1508), die Tochter König Ferdinands von Neapel (1423-1494) und Nichte Alfreds von Aragon, mit der zusammen einige Humanisten aus Italien an den ungarischen Hof kamen. Im Jahr 1485 erreichte Matthias nach längerer Belagerung die Einnahme Wiens, wo er dann in der Folgezeit residierte und schließlich am 6. April 1490 starb. Das von ihm geschaffene Großreich fiel kurz nach seinem Tod wieder auseinander. 4 Seinem (unehelichen) Sohn Johann Corvinus (1473-1504) gelang es nicht einmal, Matthias’ Nachfolge als König von Ungarn anzutreten.
2 Humanismus am Hof des Königs Matthias Corvinus
Der Königshof des Matthias Corvinus gilt als „Zentrum und Kristallisationspunkt des kulturellen und künstlerischen Lebens“ 5 der ungarischen Renaissance. 6 Die Bezeichnung „Hof“ läßt sich in diesem Zusammenhang allerdings weder bloß auf einen mobilen Personenverband noch auf eine einzige konkrete Örtlichkeit anwenden. Zum einen existierte an mehreren Orten im Land eine Hofhaltung, nämlich in Buda (Ofen) und Visegrád, beides gleichberechtigte Residenzen, sowie ab 1485 teils auch in Wien. Zum anderen war der Hof vor allem als flexibles personelles und politisches Netzwerk mit Verbindungen in das ganze Land und über
3 Vgl. Ágnes Ritoók-Szalay, Der Humanismus in Ungarn zur Zeit von Matthias Corvinus, in: Winfried Eberhard/Alfred A. Strnad (Hrsg.), Humanismus und Renaissance in Ostmitteleuropa vor der Reformation (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Bd. 28), Köln/Weimar/Wien 1996, 157-171, hier 167.
4 Vgl. Rainer A. Müller, Humanismus und Universität im östlichen Mitteleuropa, in: Winfried Eberhard/Alfred A. Strnad (Hrsg.), Humanismus und Renaissance in Ostmitteleuropa vor der Reformation (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Bd. 28), Köln/Weimar/Wien 1996, 245-272, hier 270, Anmerkung 61.
5 Isabella Ackerl, König Mathias Corvinus. Ein Ungar, der in Wien regierte, Wien 1985, 91.
6 Vgl. zur Thematik insgesamt das Kapitel „Der Mäzen“, in: Jörg K. Hoensch, Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und Mäzen, Graz/Wien/Köln 1998, 237-250.
4
dessen Grenzen hinaus strukturiert. 7 Daraus ergaben sich wechselnde Zugehörigkeiten von Personen, die sich auf Phasen der Anwesenheit vor Ort beschränken oder die auch dann weiter bestehen konnten, wenn keine unmittelbare örtliche Präsenz mehr gegeben war. Dieses Gefüge spiegelt sich entsprechend in den Ausprägungen des höfischen Humanismus der Matthias-Zeit wider.
2.1 Personen
Nicht gering war die Zahl der gelehrten Humanisten und der humanistisch Gebildeten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Ungarn des Matthias Corvinus. Er selbst reihte sich in die Schar derer ein, die der humanistischen Bewegung aufgeschlossen gegenüberstanden, eine entsprechende Bildung genossen hatten und den Humanismus förderten. Auf die eine oder andere, oft ganz verschiedene Weise standen die im Folgenden angeführten Humanisten in Beziehung zu seinem Hof. 8
2.1.1 Johannes Vitéz de Zredna (um 1400-1472)
János Vitéz der Ältere gehörte zu den frühesten ungarischen Humanisten. 9 Um 1400 in Zredna im Komitat Körös geboren, befand er sich schon vor der Zeit des Matthias Corvinus im Dienst der ungarischen Herrscher und war viele Jahre unter den Königen Sigismund und Wladislaus Jagiello sowie unter dem Reichsverweser János Hunyadi tätig. 10 Nach seiner Aufnahme in den geistlichen Stand und einem zwischenzeitlichen Studium in Wien (um 1434), arbeitete er zunächst als Notar - seit
7 Hinsichtlich der Zusammensetzung und Organisation des ungarischen Hofes unter Matthias’ Regierung vgl. András Kubinyi, Matthias Corvinus. Die Regierung eines Königreichs in Ostmitteleuropa 1458-1490 (Studien zur Geschichte Ungarns, Bd. 2), Herne 1999, 12-19 sowie 30f.
8 Die hier in Auswahl präsentierten Personen, je zwei ungarischer bzw. italienischer Herkunft sowie Vertreter einer mährischen Adelsfamilie, haben alle über einen längeren Zeitraum kontinuierlich intensiveren Kontakt mit dem königlichen Hof gepflegt. Daneben könnten gewiß auch noch andere Repräsentanten des Humanismus an Matthias’ Hof genannt werden, etwa János Filipecz (um 1431-
1509), 1476-1492 Bischof von Wardein (Várad), 1484 zugleich Administrator des Bistums Olmütz, als Diplomat in des Königs Diensten tätig und ab 1486 außerdem Kanzler, oder der italienische Humanist Filippo Buonaccorsi (alias Callimachus Experiens, 1437-1496), von dem mehrere Buda-Aufenthalte, davon wenigstens einer als Gesandter des polnischen Königs Kazimierz IV. Jagiellończyk (1427-
1492), bekannt sind. Vgl. unter anderem Hoensch, Matthias Corvinus, 323, sowie Ackerl, König Mathias, 92.
9 Vgl. Ackerl, König Mathias, 93.
10 Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 159.
5
1439 als Protonotar - bei der königlichen Kanzlei in Ofen. 1445 wurde er von Papst Eugen IV. zum Bischof von Wardein (Várad) ernannt. 11
Dort sowie in Ofen und später in Gran (Esztergom) sammelte sich um Vitéz einer der ersten Humanistenkreise Ungarns. 12 Einen wichtigen Anziehungspunkt bildete dabei seine gut ausgestattete Bibliothek, die auch Handschriften aus dem ehemaligen Besitz des 1444 in Buda verstorbenen Humanisten Pier Paolo Vergerio enthielt und unter anderem Matthias als Vorbild für den Aufbau seiner Bibliothek diente. 13 Vitéz las und emendierte jedoch nicht nur die Kodizes mit den Schriften der antiken Autoren, sondern war selbst schriftstellerisch aktiv, indem er Reden und Briefe im Stil der klassischen Humanisten verfaßte. 14 Enge Freundschaften verbanden ihn mit den Humanisten seiner Zeit, nicht zuletzt mit den diversen Mitgliedern seines humanistischen „contubernium“, das sich zu gemeinsamer Lektüre und regelmäßigen Disputationen traf. 15 So besaß er beispielsweise auch gute Beziehungen zum griechischen Kardinal und großen Förderer des Humanismus Bessarion, der sich etwa 1460 als päpstlicher Legat in Wien aufhielt. 16 Seit 1453 Kanzler in der königlichen Kanzlei und langjähriger Gefährte des János Hunyadi, spielte Vitéz 1458 bei Matthias’ Wahl zum König eine einflußreiche Rolle und gehörte in der Folge zu dessen wichtigsten Beratern. Dieser bestimmte ihn 1464 zum Erbobergespan des Komitates Bihar, 1465 wurde er Erzbischof von Gran und damit Primas von Ungarn. An seinem Graner Hof veranstaltete Vitéz um 1470 ein Humanistensymposion, bei dem auch König Matthias anwesend war. Im Jahr 1471 beteiligte sich der zum Kardinal Erhobene an der Verschwörung einiger ungarischer Magnaten und Humanisten gegen den König. Er kam daraufhin in Gefangenschaft und verstarb wenig später am 2. August 1472. 17
11
Vgl. Ackerl, König Mathias, 93.
12 Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 160.
13 Vgl. ebd. Vgl. auch Ackerl, König Mathias, 94 und 104.
14 Vgl. ebd. Die Sammlung eines Großteils seiner Briefe wurde von Paul Ivanics, einem Kanoniker in Zagreb und Várad, redigiert, mit Anmerkungen versehen und 1451 abgeschlossen. Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 160. Für Vitéz’ überliefertes Werk siehe Johannes Vitéz de Zredna, Opera quae supersunt (Bibliotheca Scriptorum Medii Recentisque Aevorum, Series Nova: Tomus III), ed. Iván Boronkai, Budapest 1980.
15 Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 160.
16 Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 163.
17 Vgl. Ackerl, König Mathias, 95f.
6
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Dipl.-Theol. Christoph Körner, 2007, Höfischer Humanismus am Beispiel des ungarischen Königshofes von Matthias Corvinus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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