Inhalt
1. Einführung 3
2. Die Märtyrerbewegung und ihre Hintergründe 4
2.1 Das Al-Andalus von Abd ar- Rahman II 4
2.2 Christentum und Islam in Al-Andalus 6
2.3 Die Märtyrer von Córdoba 9
2.4 Einige Hintergründe zum Leben von Paulus Albarus 10
2.5 Die Entstehung des Indiculus Luminosus 12
3. Analyse der Quelle Indiculus Luminosus 13
3.1 Mohammed als Antichrist 13
3.2 Byzanz und Córdoba 16
3.3 Die Sinnlichkeit Mohammeds 17
3.4 Paulus Albarus der Missionar 19
4. Schluss 20
Literaturliste 22
2 NA
1. Einführung
Der Titel vom Kampf des Paulus Albarus gegen den Islam mag etwas überzogen klingen, zumal dieser nur mit Worten gegen die antichristliche Politik der islamischen Herrscher in Al- Andalus vorging. Die Quellen spiegeln jedoch eine heftige verbale Kritik wider, mit der Paulus Albarus seine ganze Abneigung gegen jene Religion darlegte, die während der Zeit der arabischen Herrscher im Süden Spaniens die größte Konkurrenz gegenüber dem Christentum darstellte. In Córdoba kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen, die mit der Märtyrerbewegung in der Mitte des neunten Jahrhunderts ihren Höhepunkt fanden. Obwohl diese Bewegung sehr stark von der christlichen Kirche vorangetrieben wurde, die ihre Wurzeln zu wahren versuchte und sich gegen die Islamisierung der Region sträubte, zählt Paulus Albarus als nicht klerikale Persönlichkeit zu den Wortführern dieser Bewegung. Mit seiner Streitschrift, dem Indiculus Luminosus, prägte er um 854 die Polemik gegen den Islam in bedeutender Weise und versuchte den Nachweis zu erbringen, Mohammed als Antichrist zu entlarven. Es ist jedoch wichtig das Umfeld von Albarus zu berücksichtigen, das bedeutende Kleriker von Córdoba umfasste, wie z.B. seinen Freund Eulogius, der auch zu den Wortführern der Märtyrerbewegung zählte, später Bischoff von Toledo wurde und wie Albarus durch grundlegende Schriften die Christen in Al- Andalus zum Widerstand gegen den Islam aufrief.
In Bezug auf weitere wichtige Quellen neben dem Indiculus Luminosus muss die Sammlung von Briefen erwähnt werden, die die Korrespondenz von Paulus mit Freunden und Vertretern der Kirche festhalten und so Aufschluss über die Gründe für seine Abneigung gegenüber dem Islam geben. Außerdem verfasste er eine Biographie über das Leben seines Freundes Eulogius, in der er auch den Märtyrertod desselben schildert.
Grundlegende Forschungsbeiträge zu Paulus Albarus und der Märtyrerbewegung stammen von Carleton Sage und Edward Colbert, die in Washington Studien zu diesen Themen veröffentlichten. Den einzigen grundlegenden Beitrag zur deutschen Forschungsliteratur schrieb Franz Richard Franke, der das Verhältnis der Mozaraber zum Islam untersuchte und dabei ausführlich auf die Märtyrer von Córdoba eingeht. 1
In dieser Arbeit steht die Schrift Indiculus Luminosus im Fordergrund. Im folgenden Kapitel soll erst auf einige Hintergründe eingegangen werden, die vor allem aufgrund der zeitlichen Nähe des Autors zum Geschehen, das er kritisiert, beleuchtet werden müssen. Also soll
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SAGE, Carleton M.: Paul Albar of Cordoba. Studies on his life and writings. Washington 1943; COLBERT, Edward P.: The Martyrs of Córdoba (850-859). A study of the sources. Washington D. C. 1962; Franke, Franz Richard: Die freiwilligen Märtyrer von Cordova und das Verhältnis der Mozaraber zum Islam : nach den Schriften des Speraindeo, Eulogius und Alvar. Münster i. W 1958.
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erläutert werden, wie die Motivation entstand, die Albarus dazu veranlasste, seine Schrift zu verfassen. Im anschließenden dritten Kapitel sollen dann die wichtigsten Argumente herausgearbeitet werden, die Paulus gegen den Islam und im Besonderen gegen den Propheten Mohammed anführt. Hier liegt das Augenmerk auf der Art und Weise wie Albarus argumentiert. Abschließend werden im Schlussteil die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.
2. Die Märtyrerbewegung und ihre Hintergründe
2.1 Das Al-Andalus von Abd ar- Rahman II.
Es ist unmöglich die apokalyptischen Vorstellungen, die Albarus mit dem Heraufbeschwören des Antichrist hervorrief, zu verstehen, ohne einen Blick auf die soziale und religiöse Situation in der Mitte des neunten Jahrhunderts zu werfen.
Ziemlich genau 140 Jahre nach dem Eintreffen der arabischen Bewohner Spaniens kam es unter Abd ar- Rahman II, der von 822 bis 852 als Emir von Al- Andalus herrschte, immer noch zu großen Spannungen innerhalb der arabischen Bevölkerung, die sich aus unterschiedlichen Ethnien zusammensetzte und die auch unterschiedliche
Glaubensvorstellungen innerhalb der islamischen Lehre pflegten. Im Hinblick auf die gesamte Bevölkerung von Al- Andalus sind noch diejenigen Christen zu beachten, die zum Islam konvertierten und diejenigen, die ihrem Glauben treu geblieben waren, sich aber bis in das neunte Jahrhundert kulturell weitestgehend an die arabische Kultur angepasst hatten. In diesem Spannungsfeld zwischen den Problemen der arabischen Bevölkerung auf der einen Seite und der christlichen Akkulturation in die muslimische Kultur auf der andern Seite, bewegte sich die Bevölkerung von Al-Andalus. Nicht zuletzt gilt es noch den jüdischen Bevölkerungsanteil zu erwähnen, der jedoch in Bezug auf die Spannungen innerhalb der südspanischen Bevölkerung eine untergeordnete Rolle spielte, da das Judentum eine geringere Konkurrenz gegenüber dem Islam darstellte als das Christentum. Unter den christlichen Bewohnern gab es einige, die sich gegen die islamische Herrschaft auflehnten, wodurch sich die Märtyrerbewegung auf einen Höhepunkt hinbewegte.
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In Bezug auf den Alltag der christlichen Gemeinden in Al-Andalus sollte man vor allem die religiöse Dominanz über das zivile Leben erwähnen. Es hatte sich eine klerikale Klasse der Gesellschaft konstituiert, die gerade in Córdoba heftig gegen den Vormarsch des Islam polemisierte. Diese enge Verbindung zwischen dem alltäglichen Leben und der Kirche gilt es
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Clot, André: Das maurische Spanien. 800 Jahre islamische Hochkultur in Al-Andalus. Düsseldorf 2004, S. 64- 66.
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im Hinblick auf die Position der christlichen Kirche in den arabisch eroberten Gebieten zu berücksichtigen. Der Diakon Eulogius und spätere Bischoff von Toledo berichtete über diese Zeit, dass die Emire im neunten Jahrhundert keine Christen zur Konversion zwangen. Man ließ sie frei ihre Religion ausüben. Allerdings beklagte sich Eulogius über die Steuern, die an die arabischen Herrscher entrichtet werden mussten. Er beschrieb sie als zu hoch und empfand es als ungerecht, nur aufgrund des Glaubens eine Steuer entrichten zu müssen. 3 Vor diesem Hintergrund lässt sich das Handeln von Paulus Albarus und dessen Freund Eulogius besser nachvollziehen. Hierauf soll im folgenden Kapitel genauer eingegangen werden. Zunächst aber soll das Augenmerk auf die politischen Umstände des neunten Jahrhunderts gelegt werden, die auch prägend für das Lebensumfeld von Paulus Albarus waren. Unter Abd ar- Rahman II. wurde die Steuer, die die Christen entrichten mussten, angehoben. Dies geschah als Reaktion auf die zahlreichen Märtyrer, die öffentlich Gotteslästerung gegen den Islam begingen. Paulus Albarus und Eulogius werteten dieses Vorgehen als Zeichen öffentlicher Christenverfolgung. Auf der einen Seite war den Christen die freie Religionsausübung gestattet. Wenn man jedoch den Blick auf Córdoba richtet, so berichten einige Quellen auch von der Verbannung von Christen in eigene Stadtviertel, die außerhalb der Stadtmauern lagen. 4 Des Weiteren kann man aus den Schriften von Eulogius entnehmen, dass Basiliken und Klöster wegen der antichristlichen Politik nicht mehr gebaut werden durften. Während der Regierungszeit von Ab dar- Rahman II. spricht Eulogius von diruptiones basilicarum, jedoch ist nicht geklärt, ob diese Aussage im metaphorischen Sinne zu verstehen ist oder ob wirklich Basiliken zerstört wurden. Vielleicht lag Eulogius auch nur daran auf Schwierigkeiten hinzuweisen, die im Zusammenhang mit der Konfrontation des Islams auftraten. Rechtlich gesehen gab es vonseiten der Muslime keinen Anlass die Christen verfolgen zu lassen. Auch im Koran wurde dazu nicht aufgefordert. Aus diesem Grund sind die Schriften von Eulogius wohl eher als eine Konstruktion von Argumenten zu werten, die darauf abzielten, zum Kampf gegen die Vormachtstellung des Islam in Al- Andalus aufzurufen. Es ist interessant, dass Paulus Albarus, stark von seinem Freund Eulogius beeinflusst, in seiner Schrift Indiculus Luminosus genau diese Argumentationsweise verwendet. Es ist jedoch anzumerken, dass während der Herrschaft von Abd ar- Rahman II. eine Rückbesinnung auf den Malikismus stattfand, was eine stärkere Bindung an die Gesetze bedeutete, deren Grundlage der Koran bildete. Dies wirkte sich negativ auf das Leben der Christen aus und wurde von Eulogius und Albarus bedauert.
4 Ebd., S. 51.
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Eulogius wie auch Albarus konnten nicht begreifen, dass die islamische Kultur so großen Zuspruch in der ursprünglich christlichen Bevölkerung fand und suchten eine Lösung für das Problem der Attraktivität des Islam. So entwickelte sich eine verbal heftige Polemik, die beruhend auf den Quellen eine nicht immer stimmige Wiedergabe der tatsächlichen Lebensumstände der Christen in Al- Andalus darstellt. Beide neigten zu Übertreibungen in ihren polemischen Schriften gegen den Islam. Córdoba ist jedoch ein Zentrum der lateinischen Kultur gewesen und Albarus und Eulogius ging es im Sinne der Reconquista darum, die cordobesische Bevölkerung an ihre lateinischen Wurzeln zu erinnern und somit ein Gefühl der Einigkeit und Zusammengehörigkeit zu erzeugen, das die Stärkung des Christentums in Al- Andalus bewirken sollte. Die Märtyrer zwischen 850-60 sind Ausdruck des auflodernden Konflikts, dessen theoretischer Hintergrund aus christlicher Sicht die Schriften von Eulogius und Albarus bilden. Gerade im Jahr 854, als Albarus die Schrift Indiculus Luminosus veröffentlichte, kam es zu dreizehn Toten durch das Martyrium. In diesem Zusammenhang kann Albarus auch als Vertreter der Märtyrer betrachtet werden, der ihr Handeln rechtfertigte und sie verteidigte gegen die sich zuspitzende Polemik der islamischen Seite.
2.2 Christentum und Islam in Al-Andalus
Heute spricht man von Mozarabern, wenn man die Christen des arabisch beherrschten Teils von Spanien meint, die dem Christentum treu geblieben waren oder aber auch konvertiert sind. Der Begriff „Mozaraber“ ist jedoch eine Bezeichnung, die etwas später aufkam, denn jene Christen sahen sich als reine Christen, bzw. Westgoten. Die konvertierten Christen waren Muslime. Der Begriff stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von dem arabischen Begriff musta’rab, der eine arabisierte Person fremder Herkunft bezeichnet. 5 Das Selbstverständnis als Gote zu leben ist daher wichtig um zu begreifen, warum es in Córdoba zu den heftigen Auseinandersetzungen zwischen Muslime und Christen kam. Selbst Paulus Albarus betonte sein gotisches Blut, das in seinen Adern fließe. 6
Einige muslimische Theologen waren zur Zeit des omayyadischen Emirs Abd ar- Rahman II. unzufrieden mit der Strenge, die das religiöse Leben beherrschte. Die Geistlichen forderten
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Was in der Literatur mit dem Begriff Mozaraber genau gemeint ist, wird oft nicht erklärt. In dieser Arbeit bezeichnet er den Christen, der nicht zum Islam konvertierte und in muslimischem Territorium lebte. In der Literatur bleibt oft undeutlich, ob Christen gemeint sind, die konvertiert sind und somit den Status eines Muslimen besaßen, oder Christen, die nicht konvertierten und unter arabischer Herrschaft lebten, denn es besteht eine Neigung dazu, auch die Christen als Mozaraber zu bezeichnen, die konvertiert sind, da ihr Ursprung christlich ist.
6 Delgado León 1996: 17.
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Quote paper:
Kyrill Scheel, 2007, Die Märtyrer von Córdoba, Munich, GRIN Publishing GmbH
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