Gliederung
Gliederung.................................................................................................................................. 2
1. Einleitung 3
2. Malinche 3
2. 1 Zur historischen Person 3
2.2 Mythos Verräterin 4
2.3 Mythos - Begründerin der Mestizaje 5
2.4 Mythos La Buena (Die Gute) 6
2.5 Malinche heute 7
3. Interkulturalität und Malinche 8
3.1 Die Vermittlerin 8
3.2 Malinche als kultureller Kreuzungspunkt 8
3.3 Interkulturalität als Theorie im Zusammenhang mit der Eroberung Mexikos 10
4. Schluss 13
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Malinche, Malinalli, Malintzin oder Doña Marina, sind Bezeichnungen für ein und dieselbe Person, die bei der Eroberung Mexikos die wichtige Rolle der Vermittlerin zwischen Indianern und Eroberern spielte.
Genauso zahlreich wie ihre Namen sind auch die verschiedenen mythologischen Deutungen, welche die historische Gestalt Malinche umgeben. Jene Deutungen spiegeln meist nicht die Gegebenheiten zu der Zeit der Eroberung wieder, sondern stehen im Kontext der jeweiligen zeitgenössischen Diskurse.
In der folgenden Arbeit werden die verschiedenen Deutungen Malinches untersucht. Es soll gezeigt werden, wie und vor welchen gesellschaftlichen Hintergründen sich das Bild der Übersetzerin Cortés’ entwickelt und verändert hat.
2. Malinche
2. 1 Zur historischen Person
Es ist nicht viel über die historische Figur Malinche bekannt. Die wenigen gesicherten Daten und Fakten beruhen hauptsächlich auf dem Bericht des Zeitzeugen und Mitstreiters von Cortés, Bernal Díaz, der die “ Verdadera historia de la conquista de la Nueva España“ schrieb und den Kodizes, die Malinche in ihrer Tätigkeit als Übersetzerin abbilden. Es gilt als sicher, dass Malinche im Jahre 1519 in einer Gruppe von anderen weiblichen Personen dem Eroberer Cortés übergeben wurde, als dieser in der Stadt Tabasco eintraf. Die Historiker sind sich jedoch nicht einig darüber, ob diese Übergabe eine freundschaftliche Geste von Seiten der Indianer war, oder ob sie vielleicht auch als Sklaven übergeben wurden. Auf den Darstellungen der Kodizes wird Malinche immer in der traditionellen Kleidung gezeigt. Außerdem ist bekannt, dass sie von einem spanischen Priester auf den Namen Marina getauft wurde und von diesem Zeitpunkt an dem spanischen Rechtssystem untergeordnet war und mit Doña Marina angesprochen wurde. Sie war somit eine der ersten indigenen Frauen, die auch einen Anspruch auf gewisse Rechte, wie z. B. das Eherecht, innerhalb des Kreises der Eroberer besaß.
In den Kodizes wird Malinche als eine Person dargestellt, die auf einer höheren sozialen Stufe stand, wovon auch Bernal Díaz berichtet. 1 1 Dröscher, Barbara: La Malinche – Zur Aktualität der historischen Gestalt für die Lateinamerikaforschung, in: Dröscher, Barbara; Rincón, Carlos (Hg.): La Malinche. Übersetzung, Interkulturalität und Geschlecht. Berlin 2001 (Tranvía Sur, Bd. 8), S. 20.
3
Von ihrem Eherecht machte sie bald Gebrauch und heiratete den Spanier Juan Xaramillo, dem sie eine Tochter gebar.
Zu dem Eroberer Cortés hatte Malinche auch ein Verhältnis. Es gilt als sicher, dass sie ihm einen Sohn geboren hat. Über die emotionale Beziehung zu Cortés und dessen Einstellung zu Malinche kann jedoch nur spekuliert werden.
Eine Legende, von der auch Bernal Díaz berichtet, besagt, dass Malinche als Tochter einer Adelsfamilie in der Gegend des mexikanischen Veracruz geboren ist. Von ihrer Mutter wurde sie nach dem Tod des Vaters für tot erklärt und heimlich an Händler verkauft. Sie lebte dann als Sklavin in den Diensten eines Maya-Herrschers und wurde von diesem an Cortés verschenkt, der sie dann zu seiner Dolmetscherin machte.
Genauso unsicher, wie man sich über die Herkunft von Malinche ist, verhält es sich mit den Informationen zu ihrer Person nach 1526. Ihre Spur verliert sich in Erbstreitigkeiten und es ist auch kein Grabstein von ihr zu finden gewesen.
Dieser eher magere Umfang an gesichertem Wissen trug wahrscheinlich auch dazu bei, dass Malinche von der einst so wichtigen Gestalt als Übersetzerin zu einer mythischen Figur wurde, die in der Geschichtsschreibung und Literatur Mexikos eine so vielgedeutete Person darstellt.
2.2 Mythos – Verräterin
Zwischen dem Tod von Malinche und den ersten Äußerungen, die Malinche als Verräterin ihres Landes und Volkes darstellen, vergehen 300 Jahre. Bis dahin war sie in der indigenen Geschichtsschreibung eher als Feindin aufgetreten, die mit den Spaniern zwar gemeinsame Sache machte, die jedoch nicht als Verräterin in den eigenen Reihen galt.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts kamen durch mexikanische Nationalisten die ersten Andeutungen zur Person Malinche als Verräterin auf. So berichtete 1821 der Spanier Ignacio Ramirez von einem Geheimnis des Schicksals, „dass alle Nationen ihren Untergang und ihre Schande einer Frau zu verdanken haben.“ 2 Diese Anschuldigungen wurden von der sogenannten Minderheit der criollos geäußert, der Ramirez auch angehörte. Die criollos waren Mexikaner, die ausschließlich von weißen Vorfahren abstammten und versuchten, die spanische Herrschaft abzuschütteln. Da passte Malinche, die mit den Spaniern gemeinsame Sache gemacht hatte, nicht ins Bild. In der mexikanischen Literatur wurde Malinche im Zusammenhang mit der nationalistischen Bewegung in ihrer Weiblichkeit angegriffen. Sie wurde als die Verführerin dargestellt, die 2 Lanyon, Anna: Malinche. Die andere Geschichte der Eroberung Mexikos. Zürich 2001, S. 197.
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sich auf die Seite der Spanier stellt, was jedoch durch den Bericht von Bernal Díaz del Castillo nicht bestätigt werden kann. 3 Diese Meinung vom Verhältnis Malinches zu Cortés vertritt auch der bekannte mexikanische Schriftsteller Octavio Paz, der 1950 ein Essay mit dem Titel “El laberinto de la soledad“ verfasste und darin äußerte: „Es stimmt, dass sie sich freiwillig dem Conquistadoren hingab“. 4 Wenn man sich in die emotionale Welt von Malinche hineinversetzt und von ihrer Hingabe zu Cortés ausgeht, dann scheint sie im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verräterin in einem Gefühlskonflikt gewesen zu sein, der durch Elena Garro mit der Erzählung “La culpa de los tlaxcaltecos“ verdeutlicht wird. In jener Erzählung verliebt sich die Protagonistin Laura in einen Prinzen, für den sie schließlich ihren Ehemann verlässt. Im übertragenen Sinne verarbeitet Elena Garro die Geschichte von Malinche, die für Cortés ihr Volk verlässt und das jedoch aus einem Gefühl der Liebe getan haben soll. 5 Vor dem Hintergrund dieser Anschuldigungen stellt sich jedoch die Frage, wen sie verraten haben soll. Im nationalistischen Diskurs wird sie von Personen beschuldigt, in deren Adern kein indigenes Blut fließt, die sich folglich auch nicht verraten fühlen können, da sie nicht der indigenen Kultur angehörten. Wenn man davon ausgeht, dass jene nationalistisch gesinnten Menschen sich zu einem mexikanischen Volk zählen, das aus Europäern und Indianern entstanden ist, dann zählen sie sich zu einem Volk, das es zum Zeitpunkt von Malinche noch gar nicht gegeben hat und somit auch nicht verraten werden konnte.
Wenn man die Problematik des Verrats noch etwas differenzierter betrachtet und die indigenen Stämme nicht als eine große kulturelle Vorgeschichte Mexikos betrachtet, sondern die indigenen Stämme unterscheidet, dann fällt auf, dass Malinche ihrem Geburtsvolk den Azteken zu keinerlei Treue verpflichtet war, denn sie war ja an die Mayas fortgegeben worden, und diese hat sie bei ihrer Tätigkeit für Cortés nicht verraten. Dies gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man dem Mythos ihrer Herkunft Glauben schenkt. Im folgenden Abschnitt soll eine weitere Deutungsweise ihrer Figur behandelt werden, die auch auf ihrer Beziehung zu dem spanischen Eroberer Cortés beruht.
2.3 Mythos - Begründerin der Mestizaje
Das spanische Wort mestizaje bedeutet Vermischung und Malinche wird als Ursprung, als Begründerin dieser Vermischung angesehen. Ihr gemeinsamer Sohn mit Cortés war wahrscheinlich der erste mestizo, dessen Geburt in einer Chronik belegt wurde und auf die das 3 Lanyon 2001, S. 199f.
4 Paz, Octavio: Das Labyrinth der Einsamkeit. Frankfurt/M. 1970, S. 89.
5 Dröscher, Barbara: La Malinche – Zur Aktualität der historischen Gestalt für die Lateinamerikaforschung, in: Dröscher 2001, S. 28.
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Kyrill Scheel, 2006, Malinche - Deutung und Interkulturalität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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