Gliederung
1. Einleitung 2
2. Das indigene Leben in Mexiko und Paraguay 3
2.1 Moctezuma und Cortés in Mexiko 3
2.2 Die Guaraní 5
3. Die koloniale Sprachpolitik des Königreich Spanien 7
3.1 Diskurs Hispanisierung 7
3.2 Drei Interessengruppen: Staat Kirche und jesuitische Mission 9
4. Die Jesuiten 13
4.1 Der Jesuitenorden 13
4.2 Die Missionsanfänge 14
4.3 Die Aufhebung des Ordens 16
5. Die Mission der Jesuiten in Mexiko 19
5.1 Geschichtlicher Überblick der Jesuiten in Mexiko 19
5.2 Die koloniale Sprachpolitik der Jesuiten in Mexiko 19
6. Die Mission der Jesuiten in Paraguay 24
6.1 Sprachgeschichte Paraguays 24
6.2 Die Jesuiten und das Guaraní 25
6.3 Der Jesuitenstaat in Paraguay 26
7. Schluss 30
8. Bibliographie 32
1
1. Einleitung
Der “lange“ Titel unserer Hausarbeit stellt den Anspruch ein komplexes Thema unter dem Gesichtspunkt der Sprache zu betrachten. Die Komplexität umfasst den geschichtlichen Zeitrahmen der Kolonialzeit und die damit verbundenen Interessen des Königreich Spaniens, der Missionare und Siedler.
Die Hispanisierungsdebatte, deren wichtiger Bestandteil die Sprache ist, weist ein regelrechtes “Durcheinander“ an Interessen auf. Im Zuge jener Debatte kommt hinzu, dass sich diese Interessen auch noch ändern, wovon auch die Sprachpolitik betroffen ist. Unser Betrachtungsbeispiel fokusiert Mexiko und Paraguay, wobei auch die Hintergründe der Jesuiten und der Hispanisierungsdebatte untersucht werden sollen.
Ein zentraler Aspekt ist die Sprache, welcher immer Bestandteil der gesamten Diskussion über Hispanisierung, Missionierung oder Evangelisierung bleibt.
Im Folgenden soll herausgearbeitet werden, wie sich die Sprache bzw. Sprachpolitik als roter Faden durch diese Entwicklung zieht und in wieweit durch Sprachpolitik die Entwicklung zur Zeit der Kolonisation beeinflusst werden konnte.
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2. Das indigene Leben in Mexiko und Paraguay
2.1 Moctezuma und Cortés in Mexiko
Am 19. Februar 1519 brach Cortés mit einer Truppe von etwa 600 Mann, nicht einmal 20 Pferden und zehn Geschützen von Kuba nach Mexiko auf. Er segelte entlang der Küste von Yucatán und kam im März 1519 in Mexiko an, wo er die Stadt Tabasco eroberte. Die Artillerie der Spanier, die Schiffe und vor allem die Pferde flößten den Einwohnern Furcht ein. Die Einwohner von Tabasco berichteten Cortés über das Aztekenreich und dessen Herrscher Moctezuma II.
Cortés nahm zahlreiche Gefangene. Nachdem die Spanier einen besseren Hafen etwas nördlich von San Juan gefunden hatten, beschlossen sie, sich dort niederzulassen. Sie gründeten die Stadt La Villa Rica de la Vera Cruz (heute Veracruz). Cortés bildete eine unabhängige Regierung, missachtete die Amtsgewalt von Velázquez und erkannte als höchste Staatsgewalt nur die spanische Krone an.
Nach Verhandlungen mit Moctezuma, der bemüht war, Cortés davon abzuhalten, in die Hauptstadt Tenochtitlán einzufallen, brach Cortés zu seinem Marsch ins Landesinnere auf. Er bezwang die Tlaxcalteken, welche sich dann mit ihm gegen ihre Feinde, die Azteken, verbündeten. Von diesem Zeitpunkt an bis zur vollständigen Eroberung waren die Tlaxcalteken von allen dortigen Stämmen die wichtigsten Verbündeten der Spanier, was darauf zurückzuführen ist, dass Cortés es sehr gut verstand die indigenen Stämme gegeneinander auszuspielen, um das Aztekenreich einzunehmen.
Während des Eroberungszuges von Cortés verfolgte Moctezuma eine unentschlossene Politik. Schließlich entschied er, sich den spanischen Eindringlingen nicht entgegenzustellen und ihre Ankunft in der Hauptstadt der Azteken abzuwarten, um mehr über ihre Absichten zu erfahren. Die Unentschlossenheit Moctezumas ist durch kulturelle Hintergründe erklärbar, die ihn dazu veranlassten über zyklische Weissagung einen Rat zu erhoffen, der ihm weiterhelfen sollte einen Weg zu finden, um den spanischen Eroberern entgegenzutreten. 1 Die Azteken lebten in einem religiösen Kalender der sich in bestimmten Zyklen immer wiederholte und aus dem Botschaften interpretiert wurden, die die Politik Moctezumas bestimmten. Diese aztekische Lebensordnung führte nun zu einer Handlungsohnmacht des Herrschers Moctezuma, dessen Späher natürlich alle Information über die Eroberer ihrem König berichteten, jedoch nicht in der Lage waren sie zu interpretieren, da es sich um erstmalig aufgetretene Ereignisse handelte, die nicht als Bestandteil eines vorangegangenen Zeitzyklus zu interpretieren waren. Diese
1 Todorov, Tzvetan: Die Eroberung Amerikas; S. 80
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Unterwerfung der Gegenwart unter die Geschehnisse der Vergangenheit spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Es ist eine rituelle Sprache, deren Formen und Funktion schon vorgeschrieben ist. 2 Ganze Sätze oder Texte wurden memoriert und zu einem passenden Zeitpunkt zitiert. Gut Sprechen lernen war ein wichtiger Tel der Erziehung der Kinder. Man sollte sich angemessen ausdrücken können, da diese Fähigkeit schon damals ein gesellschaftlich abgrenzendes Kriterium war. Des weiteren wurde den Kindern beigebracht ruhig und bedächtig zu sprechen, da hastiges und ruheloses Verhalten als schlechte Angewohnheiten galten.
Aufgrund des eben erläuterten passiven Verhaltens der Azteken gegenüber den Eroberern, konnte Cortés mit seiner kleinen Truppe und etwa 600 verbündeten Einheimischen am 8. November 1519 in die Hauptstadt einrücken.
Trotz des freundlichen Empfangs, der den Spaniern zuteil wurde, da Cortés einer Prophezeiung nach für einen Gott gehalten wurde, hatte Cortés Angst, dass man versuchen würde, ihn aus der Stadt zu treiben. Zu seinem Schutz ließ er Moctezuma als Geisel nehmen und zwang ihn, Karl I., dem König von Spanien, Treue zu schwören und eine riesige Menge an Gold und Edelsteinen als Lösegeld zu zahlen. 3 Velázquez entsandte in der Zwischenzeit eine Expedition nach Mexiko, die von dem spanischen Söldner Pánfilo de Narváez angeführt wurde. Im April 1520 erreichte Cortés die Nachricht, dass Narváez an der Küste angekommen war. Er ließ 200 Mann unter dem Kommando von Pedro de Alvarado in Tenochtitlán zurück und machte sich mit einer kleinen Truppe auf den Weg zur Küste. Er drang bei Nacht in das spanische Lager ein, nahm Narváez gefangen und brachte die Mehrzahl der Spanier dazu, sich seinen Gefolgsleuten anzuschließen.
Inzwischen hatte die rücksichtslose Herrschaft von Alvarado die Azteken in der Hauptstadt Tenochtitlán aufgebracht. Als Cortés in die Stadt zurückkehrte, war ein Aufstand der Azteken gegen die Spanier und ihren eigenen Herrscher Moctezuma im Gange. Bei diesem Aufstand wurde Moctezuma durch Steinwürfe getötet. Am 30. Juni 1520 in einer dunklen, regnerischen Nacht, der berühmten Noche Triste, wurden die Spanier und ihre Verbündeten von den Azteken aus der Stadt vertrieben. Die Azteken verfolgten die sich zurückziehenden spanischen Truppen. Nachdem Cortés starke Verbände der Azteken besiegt hatte, erreichte er am 7. Juli 1520 schließlich Tlaxcala. Dort konnte er während des Sommers seine Armee neu formieren. Cortés begann seine Rückkehr nach Tenochtitlán, wobei er auf seinem Weg
2 Todorov, Tzvetan: Die Eroberung Amerikas; S. 98
3 Der Brockhaus Geschichte; Seite 410
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befindliche Vorposten der Azteken einnahm. Am 13. August 1521 fiel die Hauptstadt nach dreimonatiger Belagerung.
Cortés ließ die Stadt Tenochtitlán dem Erdboden gleichmachen, auf ihren Ruinen baute er Mexiko-Stadt auf. Es kamen Siedler aus Spanien, und die Stadt wurde zur wichtigsten europäischen Stadt in Amerika. Die weitere Entwicklung Mexikos durch Cortés war von entsetzlichen Grausamkeiten an der einheimischen Bevölkerung begleitet. Sein Vorteil war es, dass er das Leben der indigenen Bevölkerung zu verstehen versuchte und aus diesem Wissen heraus agieren konnte. In bezug auf die Sprache herrschte eine Situation der Vielsprachigkeit vor, da von Stamm zu Stamm unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden. Cortés versuchte mit Hilfe von Dolmetschern dieses Kommunikationsproblem zu verbessern, was ihm auch gelang. Eine bekannte Dolmetscherin, die durch Cortés ausgebildet wurde, ist Malinche, die zwischen Eroberern und Indianern vermitteln konnte.
2.2 Die Guaraní
Die Guaraní wurden zwar oft als ein Volk angesehen und so auch beschrieben, jedoch bestanden sie aus mehreren Stämmen. Einigendes Moment zwischen ihnen war ihre Sprache, das Guaraní, welche allerdings in vielen Varietäten gesprochen wurde.
Sie betrieben Ackerbau ( Kürbisse, Mandioka und Süßkartoffeln) und Wanderwirtschaft, die Hauptnahrungsquellen stellten jedoch die Jagd und der Fischfang dar. In der Regel waren sie Halbnomaden. 4 Die Guaraní lebten in Familiengruppen zusammen. Als Autorität wurde der Kazike angesehen, jedoch hatte nur der Schamane wirklichen Einfluss.
Die Wohnungen wurden aus Zweigen im Wald auf dem Boden errichtet. Ihr Habe beschränkte sich meist auf Tongeschirr und Waffen.
In ihrer Kultur war ein monotheistischer Glaube sowie die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod schon vor der Ankunft der Missionare vorhanden.
Da die Jesuiten bald zu der Überzeugung gelangten, dass Nomaden oder, wie im Falle der Guaraní, auch Halbnomaden viel schwerer mit der Heilsbotschaft zu erreichen seien als Sesshafte, führten sie die Guaraní in Reduktionen zusammen.
Auch der Tagesablauf in diesen war geprägt von christlichen Einflüssen, so markierte z.B. die Glocke zur Morgenandacht das Aufstehen. Ein Jahr wurde im Sinne eines Kirchenjahres eingeteilt.
Einheimische Traditionen und Werte wurden von christlichen in den verschiedenen
4 Encarta Enzyclopädie Professional 2004
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Lebensbereichen verdrängt. Wie später noch zu sehen ist, wirkte sich der europäische Einfluss auch auf ihre Sprache aus. Es ging den Jesuiten in erster Linie um die Evangelisierung und Zivilisierung, und nicht um den Erhalt einer Kultur, auch wenn dies in eingeschränkter Weise, zumindest in Bezug auf die Sprache, der Nebeneffekt war.
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3. Die koloniale Sprachpolitik des Königreich Spanien
3.1 Diskurs Hispanisierung
Seit 1515 versuchte das spanische Königreich im Zuge der Hispanisierung die spanische Sprache in den Gebieten Neuspaniens einzuführen. 5 1550 wurden auf Erlass der Krone vermehrt Schulen eingerichtet, damit die Indianer Spanisch lernen konnten.
Der Indienrat bekräftigt diese Entscheidung mit der Begründung, dass die Indios in jedem der Missionarsgebiete Spanisch lernen sollten, da sie sonst gar nicht die christliche Religion verstehen würden.
Eine andere Möglichkeit der Hispanisierung, die zu jener Zeit diskutiert wurde, war die Idee nur den Kaziken die spanische Sprache beizubringen, da sie die Oberhäupter eines indianischen Gemeinwesens waren und man davon ausging, dass die hierarchisch unter ihnen stehenden Mitglieder eines Stammes dann von den Kaziken die Sprache lernen würden. 6 Diese Variante würde den Missionaren viel Arbeit ersparen und man erhoffte sich auch, dass die Indianer von den eigenen Stammesgenossen besser lernen würden.
Über die Folgen einer Hispanisierung war man sich auch nicht einig. Es gab Meinungsvertreter, die sich von der Hispanisierung auf sprachlicher Ebene erhofften, dass durch eine einheitliche Sprache ein Gemeinwesen wachsen könnte, dass die indigene Bevölkerung dem Königreich Spanien näher bringen könnte. Auf der anderen Seite wurde genau dieser vereinigende Aspekt als Gefahr angesehen, die der indigenen Bevölkerung ermöglichte, sich untereinander besser zu verständigen und als geschlossene Gruppe gegen die Eroberer vorzugehen. 7 Philipp II. hatte zu Beginn Bedenken eine deutliche Hispanisierungspolitik zu fahren, trotzdem setzte er sich für die Errichtung von Sprachschulen ein. Des weiteren sollte jedoch jeder Geistliche, der als Missionar in Neuspanien tätig war, die Sprache seines Einsatzgebietes erlernen, was auch der Methode der Vier, mit der Hispanisierung beauftragten Orden, entsprach. Diese gingen davon aus, dass es nötig war den Indianern die spanische Sprache zu vermitteln, da erst über diese, nach ihrer Ansicht, ein Verständnis der christlichen Religion möglich war. Diese Methode entsprach auch der Vorstellung des eben angesprochenen Indienrats. Doch auch innerhalb der Kirche gab es Unstimmigkeiten über die Vorgehensweise. So gab es auch Vertreter der Meinung der Krone innerhalb der Kirche, die
5 Indianerpolitik. Online Dokument: www.rwl.info/ [Zugriff am 27.07.04]
6 Hausberger, Bernd (2000): Für Gott und König; Seiten 230- 248
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davon überzeugt waren, dass eine erfolgreiche Hispanisierung nur über eine homogene spanische Sprachsituation erfolgen könne und es leichter sei den Indianern Spanisch beizubringen als für jedes Gebiet Sprachexperten auszubilden. 8 Ein weiteres Argument für die Hispanisierung auf sprachlicher Ebene war, dass man nicht mehr auf Dolmetscher angewiesen sein würde, bei denen man nie sicher sein konnte für welche Seite sie sympathisierten.
1691 kam es zu zwei Erlassen der spanischen Krone. Der erste Erlass besagte, dass nur spanisch sprechenden Indios Posten in Gemeindeämtern zukommen sollten. 9 Der zweite Erlass besagte, dass es in jeder Siedlung eine Sprachschule geben sollte. Die Realität damals sah jedoch so aus, dass es zu wenig Lehrer für diese Unternehmung gab und somit diesem Erlass nicht vollständig Genüge getan werden konnte. Dies führte auch dazu bei, dass es der spanischen Krone über drei Jahrhunderte so schwer viel die indigenen Sprachen zu verdrängen.
Im 18. Jahrhundert wurde jedoch keine Rücksicht mehr auf sprachliche Schwierigkeiten genommen und eine radikale Hispanisierungspolitik verfolgt.
Der Gedanke von einem einheitlichen Reich mit gleichen Sitten, Gebräuchen und eben einer einheitlichen Sprache stand im Vordergrund. Zu Beginn der Missionsarbeit hatte die sprachliche Fähigkeit, sich in einer indigenen Sprache auszudrücken, als ausschlaggebend erachtet, um gute Missionsarbeit zu leisten. Im 18. Jahrhundert stand eher die geistige Fähigkeit eines Priesters im Vordergrund.
Das Spanisch sollte die uneingeschränkte Kirchensprache werden und nicht mehr auf Übersetzungen von theologischen Schriften in indigenen Sprachen angewiesen sein. 1770 kam es zu dem Erlass die indigenen Sprachen auszulöschen. Mit diesem Erlass viel auch die zu Beginn eines Missionsantritts bestehende Ausbildung der Missionare in einer indigenen Sprache weg. Auch die Lehrstühle an Universitäten für indigene Sprachen wurden gestrichen. Die Kirche wies ihre Pfarrer an die Indios nur noch auf Spanisch zu unterrichten. In Paraguay mussten die Kinder sogar unter Zwang die spanische Sprache erlernen. Mann wollte der indigenen Bevölkerung eine zivilisierte Lebensweise über die spanische Sprache beibringen und die Sprache wurde als Basis einer “ Umkulturation“ gesehen. Das Spanisch wurde so stark wie nie zuvor als Herrschersprache propagiert und die indigenen Sprachen als barbarisch eingestuft.
7 vgl. Kapitel 4.2: Die koloniale Sprachpolitik der Jesuiten in Mexiko
8 vgl. Kapitel 4.2: Die koloniale Sprachpolitik der Jesuiten in Mexiko
9 Hausberger, Bernd; Seiten 230- 248
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Kyrill Scheel, 2006, Die koloniale Sprachpolitik der Jesuiten in Mexiko und Paraguay, Munich, GRIN Publishing GmbH
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