Inhalt
1. Einleitung - Welchen Maßstab muss staatliche Förderung
finden um Netzwerke zu fördern ohne selbst steuernder
Akteur zu sein 1
2. Was sind Cluster und Netzwerke 1
3. Vorteile von Clustern 5
3.1 Kommunikation Innovationsfähigkeit und Kostenvorteile 5
3.2 Bedeutung von F E und die Unterschiede universitärer
und unternehmensinterner Forschung 7
4. Arten von Förderung 9
5. Fazit Empfehlungen Defizite 16
Abkürzungen 17
Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung - Welchen Maßstab muss staatliche Förderung fin- den, um Netzwerke zu fördern, ohne selbst steuernder Akteur zu sein?
Die Globalisierung forciert den Wettbewerb der Regionen. Beson- ders erfolgreich sind weltweit die Regionen, in denen Cluster zu fin- den sind: geographisch oder wirtschaftlich abgegrenzte Gebilde ver- bundener Unternehmen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Eigendy- namik aus. Ihr Erfolg ruht in lokalen Gremien, oftmals nur informellen Charakters.
Staatliche Förderung muss auf jede direkte Einmischung in diesen Gremien verzichten und darf keine direkten Unterstützungsförderun- gen leisten! Tut sie dies nämlich doch, greift sie steuernd ein und der Staat ist plötzlich selbst Akteur. Die Institutionen des Clusters laufen Gefahr, nicht die wirtschaftlichen Interessen der verbundenen Unter- nehmen vertreten zu können.
Adam Smith, Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre, argu- mentierte für völlig freie Märkte und sprach von der “unsichtbaren Hand”: das Streben, den eigenen Gewinn zu maximieren, führe bei- läufig auch zu einer Wohlstandsoptimierung der Gesellschaft. 1 Im Umkehrschluss muss die Politik den Kopf nicht in den Sand ste- cken. Denn nach der Abhandlung der nötigen Theorie zeigt sich in der Empirie, dass Cluster i.d.R. keinesfalls völlig zufällig entstehen. So kann es zwar den politischen Akteuren nicht alleine gelingen, Cluster anzusiedeln. Doch entstehen eben diese in gut entwickelten Agglomerationsräumen. Entwickelte Strukturen und Institutionen können der Nährboden für prosperierende Unternehmensverbünde sein. Kann Wirtschaftsförderung Cluster initiieren? Wäre es nicht besser, die Bildung von Clustern dem Markt zu überlassen?
Nach einer Abhandlung der theoretischen Grundlagen und einer Auswertung von Feldstudien wird die Frage beantwortet, dass Clus- ter dann besonders erfolgreich sind, wenn Regionale Wirtschaftsför- derung einen Maßstab findet, der ein Fundament für Wachstum schafft, aber nicht steuernd für wirtschaftliche Akteure wirkt.
2. Was sind Cluster und Netzwerke?
"Districts are geographically defined productive systems, characteri- sed by a large number of firms that are involved at various stages and in various ways, in the production of a homogeneous product." 2
2 Becattini, 1990, 2
Diese ursprüngliche Bezeichnung lokaler Produktionssystem geht auf Alfred Marshall zurück, der erstmals industrielle Verdichtungs- räume Groß Britanniens beschrieb. Industriebetriebe in einem geo- graphisch begrenzten Gebiet, spezialisiert auf ein Produkt, dessen Produktionsschritte wiederum spezialisierte, meist kleinere und mitt- lere Unternehmen in Arbeitsteilung übernehmen. Der Distrikt zeich- net sich durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit 3 aus, die be- sonders von den kleinen Unternehmen getragen wird.
Kleine Unternehmen sind es auch, die sich am stärksten an der zu- nehmenden Bildung von Clustern beteiligen. Der weltweite Wettbe- werb, der von Global Playern auch den kleinsten Zulieferern aufge- zwungen wird, sucht die Lösung zum Ausgleich eigener Schwächen durch den Zusammenschluss in Kooperationen mit Gleichgesinn- ten. 4 Wahrscheinlich ist die sich verstärkende Globalisierung maßgeblich dafür verantwortlich, dass heutzutage nicht mehr nur industrielle Ag- glomerationsräume betrachtet werden, wenn von Netzwerken und Clustern die Rede ist. Längst schon ist sich die Wissenschaft einig, dass neben Unternehmen auch Forschungseinrichtungen und ande- re Akteure in Clustern eine wichtige Rolle spielen. Wirtschaftliche Agglomerationen umfassen all diese Akteure eines gemeinsamen Sektors, ihre Aktivitäten in einem bestimmten Feld sind "verwandt oder einander ergänzend". 5 Es wird jedoch unterschieden. Die einfachste Einheit sind Kooperati- onen verschiedener Akteure, die sich meist nur für die Dauer eines bestimmten Projekts lose verbinden. Weitaus enger sind Netzwerke, die dauerhaft existieren, meist aber auf eine oder wenige Stufen von Wertschöpfungsketten beschränkt bleiben. Cluster sind schließlich Einheiten, deren Akteure in unterschiedlichen Konstellationen unter- einander sowohl verschiedenste Netzwerk- wie auch Kooperations- bindungen eingehen können. 6 Im Folgenden wird von Clustern als Untersuchungsgegenstand die Rede sein.
Cluster sind nicht die Zusammenballung von Industrieakteuren. Ein 3 Für die aktuelle Clusterdiskussion wird die Innovationskraft einer Region an der Anzahl
der Patente gemessen und ist ein Identifikationskriterium für Cluster; Vgl: Cichorowski, 2005, Anhang von Langhagen-Rohrbach, 5f.
4 Vgl. Hirsch-Kreinsen, 2003, 2ff. Globale Präsenspflicht zwingt zum Aufbau von Netz-
werken. Die KMU bringen spezifische Stärken ein, die für alle nutzbar sind. Eigene Mehrleistungen werden eingebracht mit der Erwartung, dass auch andere zum gegebe- nen Zeitpunkt einen Mehrwert einbringen.
5 van der Linde, 2005, 20
6 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 2005,
2
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gewisses institutionelles Umfeld ist erforderlich zum Initiieren und zum Bestehen von Clustern 7 ; die Dynamik in Clustern kann sich erst voll entfalten, wenn sie sich als soziales und ökonomisches Ganzes begreifen, in dem Politik, Gesellschaft und Wirtschaft enge Bindun- gen und auch Abhängigkeiten zueinander haben. 8 Im wesentlichen können drei Arten von Clustern ausgemacht wer- den. 9 Die Unterscheidung ist wichtig, da ihre Entstehung und die da- rauf folgenden Implikationen für Regionalpolitik verschiedene Ansät- ze verfolgen müssen.
Als erstes sind überregionale Cluster von Produktionsstandorten ei- nes Sektors zu nennen. Diese sind im Weiteren nicht für die Unter- suchung interessant.
Zweite Gruppe sind Industrien und Dienstleistungen eines regionalen Sektors, dritte schließlich Wertschöpfungsketten eines Sektors, die in einer Region konzentriert sind.
Wie kommt es zu einer Häufung an einem bestimmten Ort?
Eine Erklärung gibt das Diamanten-Modell nach Porter. 10 Das Modell ist in Abbildung 1 abgebildet.
Es wird sichtbar, dass alle Faktoren im Diamanten in Verbindung zu-
7 Steiner, 2002, 220
8 Becattini, 1990, 2. Der Autor unterstreicht die Wichtigkeit: "Broader social and instituti- onal aspects are just as important".
9 Pilipenko, 2005, 4 10 Porter, 1990, 69 ff. Das Diamantenmodell wird von Porter zunächst für Länder entwi- ckelt, dann aber herangezogen, um den Erfolg einzelner Regionen gegenüber anderen
3
zu begründen.
einander stehen. Erfolgreiche Regionen sind zumeist auf allen vier Ebenen besser aufgestellt als Konkurrenten. Die Dynamik beschleu- nigt sich durch die unmittelbare Nähe aller Wettbewerber zusätzlich, besonders Innovationskraft und Produktverbesserungen profitieren davon. Darüber hinaus wirkt eine derart dynamische Region anzie- hen auf Talente, die wiederum die lokale Nachfrage stimulieren und selbst Spin Offs gründen, die weiter die Nähe zum Mutterunterneh- men suchen. 11 Es entfaltet sich ein selbstverstärkender Prozess. Das Diamantenmodell mag im Zeitalter der Globalisierung un- verständlich klingen, wo doch jedes Produkt jederzeit an jedem Ort verfügbar sein kann. Kommunikation, Wissen und know how sind es dagegen nicht. Wissen wird auf "informellem Weg weitergetragen" 12 und regionale Kooperationen sind mit besonders geringen Kosten verbunden, kömmem schnell und einfach Austausch bieten. 13 Es geht bei der räumlichen Nähe keinesfalls nur um die genannten Kostenvorteile: "Fühlungsvorteile sind eher als qualitative Standort- vorteile zu sehen, die sich kaum mehr in Kostenvorteile auflösen las- sen." 14 Auf das Phänomen von Wissenstransfer und Kommunikation ist in Kapitel 3 noch einzugehen.
Es reicht nun nicht, nur die Qualität der Cluster zu analysieren, auch die Quantität der verbundenen Unternehmen muss beachtet wer- den.
Brenner und Fornahl sprechen von einer "kritischen Masse" 15 . Ein Cluster bildet sich nur dann heraus und zieht weitere Firmen und In- stitutionen an, wenn sich sein Zustand oberhalb einer Konvergenzli- nie befindet. Ihre Lageberechnung im zweidimensionalen Raum schließt Aspekte wie die Anzahl der Firmen, Mitarbeiter, Patentan- meldungen und Ausgründungen ein, darüber hinaus aber auch Fak- toren, die nicht oder nicht unmittelbar von den Firmen im Cluster ab- hängig sind: Infrastruktur, bereitgestelltes Risikokapital und Hu- mankapital. Zusätzlich wird der Vergleich zu anderen Regionen ge- zogen.
Die Autoren schlussfolgern, dass die Bestimmung der Konvergenzli- nie schwer ist. Sie sehen in ihr aber die Grundlage zu Bestimmung zukunftsfähiger Cluster. Der Gedanke ist interessant, da eine dauer-
11 Porter 1990, 157
12 Van der Linde, 2005, 23
13 OECD, 2000, 3
14 Krätke, 1995, 30
4
15 Brenner, Fornahl, 2002, 5 ff.
Quote paper:
Jan Christian Schinke, 2006, Wirtschaftsförderung für Cluster und Netzwerke: ökonomisch sinnvoll oder überschätzter Modebegriff?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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