Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 1
Vorbemerkungen........................................................................................................................ 2
1. Usurpation und Herrschaft Othos bis zum Feldzug gegen Vitellius 3
1.1 Zur Situation Othos Ende 68 n. Chr 3
1.2 Die Usurpation Othos 3
1.3 Probleme bei Othos Herrschaftsantritt 4
1.4 Othos Ringen um Anerkennung 5
2. Der Kampf gegen Vitellius 8
2.1 Das Scheitern der friedlichen Verständigung 8
2.2 Der Feldzug gegen Vitellius 9
2.3 Gründe für die Niederlage bei Bedriacum 14
2.3.1 Die Rahmenbedingungen des Feldzugs 14
2.3.2 Othos strategische Entscheidungen 15
2.4 Rekonstruktion einer Strategie Othos 18
2.4.1 Kritik an der Rekonstruktion einer Strategie Othos 20
Abschließende Folgerungen 21
Literaturverzeichnis 23
Primärliteratur 23
Sekundärliteratur 23
1
Vorbemerkungen
Mit dem Sturz Neros und dem Ende der julisch-claudischen Dynastie Anfang Juni 68 n. Chr. begann für das Römische Reich eine etwa eineinhalbjährige Zeit politischer Unruhe und herrschaftlicher Instabilität, die in der Forschung als das „Vierkaiserjahr“ des Jahres 68/69 n. Chr. bezeichnet wird. Vier Usurpatoren prägten diese Krisenzeit; deren erste drei bezahlten ihre Herrschaft mit dem Leben, aber ohne dass die Institution des Prinzipats zerstört wurde. 1 Der erste Usurpator, der frühere Statthalter Servius Sulpicius Galba, wurde im Januar 69 von seinem Nachfolger Marcus Salvius Otho ermordet. Ohne dessen Wissen 2 war bereits einige Tage zuvor der Legat Aulus Vitellius in Germanien zum Kaiser ausgerufen worden. Mitte April endete die kriegerische Konfrontation der Rivalen mit dem Sieg Vitellius’ und dem Selbstmord Othos. Doch erst nachdem sich Titus Flavius Vespasianus in Alexandrien 3 im Juli gegen Vitellius erhoben, ihn besiegt und beseitigt hatte, begann im Dezember 69 mit der flavischen Dynastie ein neuer großer Abschnitt der Prinzipatsgeschichte. 4 Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, welche Bedingungen und Ereignisse zur Niederlage Othos gegen Vitellius führten. Im ersten Teil werden nach einem Überblick über die Ereignisse vor und bei der Usurpation Othos seine Schwierigkeiten bei der Festigung der Herrschaft erläutert und seine Erfolge erörtert. Dies vermittelt einen ersten Eindruck von den Rahmenbedingungen seines Feldzugs. Der zweite Teil behandelt zunächst die Ursachen der scheiternden Verständigung mit Vitellius. Anschließend folgt eine Chronologie der Ereignisse des Kriegs gegen Vitellius, bevor mögliche Gründe der Niederlage Othos bei Bedriacum erörtert werden. Aus den überlieferten Ereignissen des Feldzugs lässt sich schließlich die wahrscheinliche Kriegsstrategie Othos rekonstruieren.
Die Darstellung folgt möglichst streng den maßgeblichen Quellen: den ersten beiden Büchern der Historien Tacitus’, den Viten Plutarchs und Suetons zu Galba und Otho sowie der Epitome des Buches 63 Cassius Dios. Unter der Sekundärliteratur ist Egon Flaigs 1992 veröffentlichte Habilitationsschrift hervorzuheben, deren Kernthese von der Notwendigkeit der Akzeptanz des Kaisers bei Senat, plebs urbana und Heer gefolgt wird, wenn auch nicht deren totalem Anspruch. Die abschließende Rekonstruktion einer Strategie Othos folgt einem Aufsatz Kenneth Wellesleys aus dem Jahr 1971. Der übrigen Sekundärliteratur wurden keine größeren Konzeptionen entnommen.
1 Timpe 1962, 120.
2 Siehe unten S. 3.
3 Timpe 1962, 120.
4 Sofern nicht anders belegt, folgt diese Chronologie Nicolas 1979, Bd. I, 6—10; vgl. Timpe 1962, 106—121 und Castritius 1982, 101—106.
2
1. Usurpation und Herrschaft Othos bis zum Feldzug gegen Vitellius
1.1 Zur Situation Othos Ende 68 n. Chr.
Am Ende des Jahres 68 n. Chr. wähnte sich Marcus Salvius Otho vor dem Höhepunkt einer wechselvollen politischen Karriere. Als Sohn einer vornehmen Familie aus Etrurien, die unter Claudius in den Patrizierstand erhoben worden war, war er zu einem der engsten Vertrauten Neros geworden. 5 Dieser hatte ihn aus Eifersucht auf seine bekannte Frau Poppaea Sabina als Statthalter nach Lusitanien geschickt, wo er zehn Jahre lang moderatione atque abstinentia singulari 6 regierte. 7 Aus Rachegelüsten schloss sich Otho als einer der ersten Statthalter der Erhebung Galbas gegen Nero an und versuchte sich in seiner Umgebung durch uneigennütziges Verhalten und insbesondere durch die Freundschaft mit Galbas Vertrautem Titus Vinius Einfluss zu verschaffen. 8 Otho hoffte auf seine Adoption durch Galba, in dessen Umgebung er als Nachfolger galt. 9 Als Galba aber von der Erhebung des Aulus Vitellius in Germanien erfuhr, 10 entschied er sich sehr kurzfristig für Piso Frugi Licinianus, um die Spekulationen über seine Nachfolge zu beenden und seine Herrschaft zu stabilisieren. 11 Da Galba Nachrichten über die Ereignisse in Germanien unterdrücken ließ, 12 kam die Adoption Pisos am 10. Januar 69 für Otho wahrscheinlich überraschend.
1.2 Die Usurpation Othos
Nach der Adoption Pisos ließ Otho einige Helfershelfer unter der kaiserlichen Leibwache mit Geldgeschenken für seine Erhebung zum Kaiser anwerben. 13 Am 15. Januar 69 ließ er sich von 23 Prätorianern als Kaiser begrüßen und in ihr Lager bringen, wo er nach einer Antrittsrede den Soldaten den Befehl zum Sturz der Regierung Galba gab. 14 Als Galba davon hörte, schickte er Piso, den designierten Konsul Marius Celsus sowie einige Offiziere zu den in Rom stationierten Soldaten, um sich ihre Loyalität zu sichern. 15 Der Autoritätsverlust
5 Zur Herkunft: Suet. Otho 1 und Tac. hist. II 50,1; zum Aufstieg unter Nero: Plut. Galba 19; Suet. Otho 2; Tac. hist. I 13,3.
6 Suet. Otho 3,2 („milde und uneigennützig“).
7 Suet. Otho 3; Plut. Galba 19.20; Tac. hist. XIII,46; Tac. hist. I 13,3.
8 Plut. Galba 20; Suet. Otho 4; Tac. hist. I 13,2—4. Das Motiv vermutet Suet. Otho 4,1.
9 Plut. Galba 23; Suet. Otho 4,2 und 5,1; Tac. hist. I 13,4. Aus Othos Geldgeschenken an die Prätorianer (Plut. Galba 20; Suet. Otho 4,2; Tac. hist. I 24,2) folgert Flaig 1992, 301, dass Otho von Galba als Nachfolger vorgesehen gewesen sein musste, denn nur die Kaiser hätten ihre Soldaten beschenken dürfen.
10 Wellesley 2000 3 , 15 datiert das Eintreffen der Nachricht von der Erhebung auf den 9. Januar 69.
11 Plut. Galba 23; Suet. Galba 17; Tac. hist. I 14,1.
12 Tac. hist. I 50,1.
13 Plut. Galba 24; Suet. Otho 5,2; Tac. hist. I 25.
14 Tac. hist. I 27.36—38; jeweils knapper: Cass. Dio 63,5,3; Plut. Galba 24.25; Suet. Otho 6,2. Othos Rede überliefert Tac. hist. I 37—38,2.
15 Cass. Dio 63,6,1; Plut. Galba 25; Tac. hist. I 29—31.
3
seiner Regierung war jedoch so weit fortgeschritten, dass sie kaum Erfolg hatten. 16 Das
falsche Gerücht, Othos Aufstand sei zerschlagen worden, und das Auftreten eines
vermeintlichen Mörders Othos veranlassten Galba, seinen Palast zu verlassen, um auf dem
Kapitol zu opfern. 17 Auf dem Forum wurde er von Reitern ermordet. 18 Vielleicht noch am sel-
ben Tag 19 schworen die Senatoren den Eid auf Otho; sie übertrugen ihm die tribunizische
Gewalt, den Namen „Augustus“ und alle anderen kaiserlichen Ehrenämter. 20
Die Historiographen glauben, dass sich Otho aus enttäuschter Hoffnung und Machtgier
zur Usurpation entschlossen hatte. 21 Sueton und Tacitus führen daneben finanzielle Nöte an,
Plutarch erwähnt Furcht vor Piso. 22 Auch zahlreiche moderne Autoren halten Othos
enttäuschte Hoffnung für ausschlaggebend. 23 Sie bedenken jedoch nicht, in welcher
Zwangslage sich Otho nach der Adoption Pisos befand: Spätestens bei dessen Amtsantritt
wäre Otho als zurückgestellter Thronfolger in Lebensgefahr geraten. Wollte er überleben,
musste er fliehen - eine unsichere Möglichkeit - oder eine Usurpation wagen. 24
1.3 Probleme bei Othos Herrschaftsantritt
Vier Umstände erschwerten es Otho, als neuer Kaiser rasch Anerkennung zu gewinnen. So
sprechen die harten Urteile der Historiographen über ihn dafür, dass er wohl auch aufgrund
der öffentlichen Ermordung Galbas schon bei seinen Zeitgenossen den Eindruck erweckte, als
hätte ihn vor allem unerfüllte Machtgier zur Usurpation getrieben. 25 Zudem hatte er als
Ehemann Poppaeas und als Gesellschafter und Verehrer des ausschweifenden Lebensstils
Neros einen zweifelhaften Ruf erlangt. 26 Nach seinem Herrschaftsantritt wurden verschiedene
16 So die Interpretation zu Tac. hist. I 31,2.3 von Flaig 1992, 304.
17 Cass. Dio 63,6,2.3; Plut. Galba 26; Suet. Galba 19,2; Tac. hist. I 34,2, 35 und 40. Das Motiv taucht bei Tacitus
nicht auf.
18 Cass. Dio 63,6,3; Plut. Galba 26.27; Suet. 19,2 und 20,1.2; Tac. hist. 40,2 und 41,1.2.
19 Für den 15. Januar 69 sprechen Plut. Galba 28, Suet. Otho 7,1 und Tac. hist. I 47,1. Wegen einer Lücke auf
dem Inschriftenstein ist jedoch nicht exakt zu ermitteln, wann die Arvalbrüder das ob imperium-Opfer darbrachten; möglicherweise fiel sein dies imperii auf den 16. Januar (Castritius 1982, 103, Anm. 137).
20 Tac. hist. I 47,1; vgl. Cass. Dio 63,8,1 und Plut. Galba 28. Nagl 1920, 2042 vermutet, dass Otho bereits damals
das Konsulat und das Oberpontifikat erhielt.
21 Othos enttäuschte Hoffnung auf Adoption bzw. seinen Zorn auf Galba führen Cass. Dio 63,5,2, Plut. Galba 23,
Suet. Otho 5,1 und Tac. hist. I 21,1 an. In verschiedenen Versionen berichten sie, dass Otho durch günstige Weissagungen beeinflusst wurde (Cass. Dio 63,5,3; Plut. Galba 23; Suet. Otho 4,1; Tac. hist. I 22,1). Tac. hist. I
21,1 führt weiter Othos üppigen Lebenswandel (luxuria etiam principi onerosa) an.
22 Zu den Schulden, die Plut. Otho 21 auf 50 Millionen Denar beziffert, siehe Suet. Otho 5,1 und Tac. hist. I
21,1. Plut. Galba 23 berichtet von Othos Bekenntnis der Furcht, das in Tac. hist. I 21,1 als Heuchelei gedeutet wird.
23 Beispielsweise führt Timpe 1962, 116 Othos enttäuschte Hoffnung und seine Kompromittierung gegenüber den Prätorianern, die er zuvor bestochen habe, als Beweggründe an. Wellesley 2000 3 , 20 meint, Otho sei es um die Fortsetzung seiner Karriere gegangen; dass er in Lebensgefahr schwebte, habe sein Gewissen beruhigt.
24 Flaig 1992, 302 f.; ihm zufolge komme Othos Verschuldung als Motiv nicht in Frage, weil sonst in Rom
dauernd Usurpationen stattgefunden hätten (303, Anm. 41).
25 Vgl. oben S. 3. Zur Ermordung Galbas: Cass. Dio 63,6,3; Plut. Galba 27; Suet. Otho 6,3; Tac. hist. I 41.
26 Cass. Dio 63,8,3; Plut. Galba 19; Suet. Otho 2,2; Tac. hist. I 22,1.
4
Ereignisse, beispielsweise die verheerende Tiberüberschwemmung 27 , als schlimme Vorzeichen und womöglich auch als Zeichen der Ablehnung seiner Herrschaft durch die Götter 28 gedeutet. Wohl erst zwischen dem 20. und 25. Januar erfuhr er, dass 13 Tage vor ihm ein Usurpator in den Rheinlegionen zum Kaiser erhoben worden war, 29 trotzdem war er in den Augen der Bevölkerung für den drohenden Bürgerkrieg verantwortlich. 30 Durch gewinnendes Verhalten gegenüber der plebs urbana, dem Heer, den Senatoren 31 und der Provinzialbevölkerung versuchte er, seiner Herrschaft dennoch einen Rückhalt in der Gesellschaft zu verschaffen.
1.4 Othos Ringen um Anerkennung
Das höchste Ansehen genoss Otho beim Heer. Tacitus schreibt, dass Otho und die Soldaten einander mehr vertrauten als jeweils den Feldherren. 32 Als ein Usurpator, der für einen improvisierten Putsch nur ein kleines Häuflein kaiserlicher Leibwächter angeheuert hatte, musste Otho insbesondere der selbstbewusst fordernden Haltung der Prätorianer gerecht werden. So ließ er sie ihre eigenen Präfekten und den Stadtpräfekten selbst wählen und führte die staatliche Finanzierung ihrer Urlaubstage ein. 33 Zwischen dem 5. und dem 14. März 69 34 hätten die Prätorianer in dem irrigen Verdacht, als Erfüllungsgehilfen für einen Anschlag auf Otho missbraucht zu werden, beinahe 80 Senatoren mit ihren Frauen in Othos Palast niedergemetzelt, wenn Otho nicht rechtzeitig seinen Gästen die Flucht ermöglicht und das Missverständnis aufgedeckt hätte. 35 Selbst nach diesem „Prätorianertumult“ ließ Otho lediglich zwei Aufrührer bestrafen; die übrigen Soldaten erhielten ein Donativ für ihre Treue. 36
27 Plut. Otho 4; Tac. hist. I 86.
28 Flaig 1992, 309. Jedoch wurde die Tiberüberschwemmung erst später negativ gedeutet (Tac. hist. I 86,3); dazu siehe unten S. 11.
29 Tac. hist. I 50,1 zufolge hatte Galba die Nachricht geheim gehalten. Das Datum vermutet Nicolas 1979, Bd. I,
780.
30 Nicolas 1979, Bd. I, 800; vgl. Tac. hist. I 31,1.
31 Flaig 1992, 12 betrachtet diese drei gesellschaftlichen Sektoren als die für den Kaiser maßgeblichen im politischen System Roms.
32 Tac. hist. II 33,3; vgl. Plut. Otho 5. Deutlich wird dies daran, dass Otho auf Drängen der Soldaten die Kommandeure Marius Celsus und Suetonius Paulinus, einen hervorragenden Feldherrn (Tac. hist. II 32,1), durch den unerfahrenen Licinius Proculus und seinen Bruder Lucius Salvius Titianus ersetzte, denen er mehr vertraute (Plut. Otho 3; Tac. hist. I 82,2.3 und 84).
33 Tac. hist. I 46,1—4.
34 Hohl 1939, 322 f. Nicolas 1979, Bd. I, 781 datiert das Ereignis dagegen auf die Zeit zwischen dem 1. und 8. Februar; er richtet seine Datierungen jedoch vorbehaltlos an der Chronologie bei Tacitus aus.
35 Plut. Otho 3; Suet. Otho 8,2; Tac. hist. I 80—82; knapper: Cass. Dio 63,9,2.3. Flaig 1992, 313 vermutet, dass zuvor die Nachricht vom Überlaufen einer senatorischen Gesandtschaft an Vitellius die Stimmung unter den Prätorianern aufgeheizt hatte.
36 Plut. Otho 3; Tac. hist. I 82,2.3—84.
5
Von Anfang an bemühte sich Otho, die Vorurteile der Senatoren gegen ihn abzubauen.
Bei seiner Antrittsrede im Senat versprach er, bei seiner Herrschaft auf den Konsens zu
setzen. 37 Bei der Vergabe der Konsulate berücksichtigte er im Wesentlichen die von Nero und
Galba vorgesehene Reihenfolge. Er verlieh Pontifikate und Augurate an angesehene Männer
sowie Priesterämter an zurückgekehrte Exilierte und begnadigte drei unter Nero und Claudius
verurteilte Senatoren. 38 Dass Otho in einer Rede vor den Prätorianern den Senat als Quelle
aller Legitimität pries, wird in der Forschung jedoch mehrheitlich als unhistorisch
eingeschätzt. 39 Mit der Auszahlung eines Donativs an die Soldaten nach dem
Prätorianertumult zeigte er sich sogar rücksichtslos gegenüber den Senatoren. Auch befahl er
bei seinem Aufbruch gegen Vitellius am 15. März 69 zahlreichen ranghohen Senatoren die
Mitreise, wahrscheinlich um ein Machtvakuum in Rom zu vermeiden. 40
Einerseits berichtet Plutarch, dass unter den Senatoren neuer Mut erwachte. 41 Cassius
Dios Bemerkung, Otho sei nur bei Leuten vom gleichen Schlage beliebt geworden, 42 wirkt
demgegenüber übertrieben. Andererseits lässt sich hinter der Tatsache, dass während der
Regierungszeit Othos in Rom keine Münzen mit der SC-Formel geprägt wurden, 43 ein
Zusammenhang mit der abwartenden Haltung der Senatoren angesichts der Usurpation
Vitellius’ vermuten. 44 Auch dass sie in der Kurie aus Furcht vor vitellianischen Spionen kaum
wagten, ihre Meinung über Vitellius dezidiert zu äußern, 45 spricht dafür, dass sie Otho für
einen Zwischenkaiser hielten.
37 Suet. Otho 7,1; vgl. Plut. Otho 1.
38 Plut. Otho 1; Tac. hist. I 77,2.3.
39 Castritius 1982, 104, Anm. 144. Der gängigen Meinung nach lasse sich hinter dem prosenatorischen
Redepassus (Tac. hist. I 84,3.4) der Senatsstandpunkt der taciteischen Zeit erkennen. Castritius selbst deutet die Wahl Othos zum Konsul am 26. Januar, die Ratifikation der Übertragung der tribunicia potestas am 28. Februar sowie die Wahlen Othos zum Mitglied aller Priesterschaften und zum pontifex maximus am 5. bzw. 9. März 69 als Hinweise darauf, dass Otho selbst seine Macht als von Senat und Volk übertragene einschätzte (Castritius
1982, 104). Dagegen spricht jedoch, dass die Rede nur Tacitus überliefert.
40 Flaig 1992, 314 über Tac. hist. I 88,1; ebenso Nicolas 1979, Bd. I, 685 f., der vermutet, die Prätorianer hätten
Otho zu dieser Entscheidung gedrängt. Flaig 1992, 314 versucht die Auffassung, Otho habe die Senatoren als Geiseln gebraucht (so z. B. Grenzheuser 1964, 176 und Wellesley 2000 3 , 62) mit dem Argument zu entkräften, dass er ihnen sonst nicht nach der Niederlage bei Bedriacum eine sichere Abreise ermöglicht hätte (Cass. Dio
63,15,1; Plut. Otho 16; Tac. hist. II 49,1). Jedoch hatte Otho zu diesem Zeitpunkt bereits mit seinem Leben abgeschlossen (Cass. Dio 63,13,2; Plut. Otho 15; Suet. Otho 9,3; Tac. hist. I 47,1); seine Milde musste also nichts mit seinen ursprünglichen Plänen zu tun haben.
41 Plut. Otho 1.
42 Cass. Dio 63,8,3.
43 Flaig 1992, 314, Anm. 91.
44 Garzetti 1974, 206; vgl. Tac. hist. I 85,3. Flaig 1992, 314, Anm. 91 weist dies zurück mit dem Argument, dass
in Antiochia SC-Prägungen aufgetaucht seien. Zu denken gäbe lediglich das Fehlen von Kupfermünzen. Während er sie mit der kurzen Regierungszeit Othos erklärt, vermutet Mommsen (gemäß Nagl 1920, 2042) dahinter eine Verzögerungstaktik des Senats, der zunächst die Bestätigung des Oberpontifikates Othos - welche an den 9. März gebunden war (so AFA [Henzen 1874], p. XCIII, zum 9. März) - und danach die baldige Abreise Othos abgewartet habe. Aus der Münzprägung lässt sich jedoch nicht eindeutig auf die Haltung des Senats schließen.
45 Tac. hist. I 85,3.
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Arbeit zitieren:
Oliver Haller, 2004, Othos Niederlage, München, GRIN Verlag GmbH
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