Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1. Hintergrund der Arbeit 4
1.2. Vorgehensweise 5
2. Überblick über die Quellenlage 6
2.1. Überblick über die Literaturlage 6
2.2. Sonstige Quellen und Überprüfung ihrer Brauchbarkeit 8
2.2.1. Internet 8
2.2.2. Fachzeitschriften 9
2.2.3. Empirische Studien 10
2.2.4. Statistiken 14
2.3. Zusammenfassung und Einschätzung der Quellenlage 15
3. Rahmenbedingungen 17
3.1. Historischer Abriss von Fachzeitschriften 17
3.2. Geschichte der Zeitschriftenforschung 19
3.3. Definitionsgeschichte im Spiegel gesellschaftlicher Ereignisse 21
3.4. Mögliche Gründe für die Unterschätzung der Fachzeitschrift 24
3.5. Die Fachzeitschrift Mehr als die Summe ihrer Teile 26
3.5.1. Fach 26
3.5.2. Zeitschrift 28
3.5.3. Zusammenführung und Ergebnis 30
3.6. Rückblick und Anmerkungen zu Kapitel 3 30
4. Prüfung vorhandener Definitionsansätze 32
4.1. Über den Rezipienten zur Definition 32
4.2. Über die Macher zur Definition 35
4.2.1. Der Fachzeitschriftenverlag 36
4.2.2. Der Fachjournalist 37
4.3. Über die Erfüllung der journalistischen Funktionen zur Definition 40
4.3.1. Information 40
4.3.2. Kritik Kontrolle 42
4.3.3. Bildung 43
4.3.4. Öffentlichkeit 44
4.3.5. Unterhaltung 46
4.3.6. Integration 46
4.3.7. Zusammenfassung 47
4.4. Über die Typologisierung zur Definition 48
4.4.1. Typologisierung von Zeitschriften 48
4.4.2. Typologisierung von Fachzeitschriften 49
4.4.3. Zusammenfassung 51
4.5. Über den Inhalt zur Definition 52
4.6. Über die Struktur des Fachzeitschriftenmarktes zur Definition 54
4.7. Über die Erstellung eines Kriterienkataloges zur Definition 57
4.7.1. Aktualität 57
4.7.2. Periodizität 59
4.7.3. Kontinuität 60
4.7.4. Popularität 61
4.7.5. Universilität 62
4.7.6. Sprache 63
4.7.7. Gestaltungskriterien 64
4.7.8. Publizität 66
4.7.9. Auflage 67
4.7.10. Zusammenfassung 68
4.8. Rückblick und Anmerkungen zu Kapitel 4 69
5. Prüfung alternativer Definitionsansätze 70
5.1. Erläuterung des Vorhabens 70
5.2. Erläuterung des Werkzeugs Systemtheorie 70
5.3. Die Fachzeitschrift als System 73
5.3.1. System-immanente Leistungen 73
5.3.2. System-Leistungen im Zusammenhang mit anderen
Mediensystemen 76
5.3.3. System-Leistungen im Zusammenhang mit
Nutzer-Systemen 78
5.3.4. System-Leistungen im Zusammenhang mit Nicht-Nutzer-
Systemen 82
5.3.5. System-Leistungen im Zusammenhang mit Systemen
ohne Zuordnung 85
5.4. Zusammenfassung und Erstellung eines Funktionsprofils 88
5.5. Rückblick und Anmerkungen zu Kapitel 5 88
6. Ergebnisse 91
6.1. Zusammenfassung aller Ergebnisse 91
6.2. Die fertige Definition 92
6.3. Die Zukunft der Fachzeitschrift 93
7. Fazit 94
Quellenverzeichnis 96
Anhang A.............................................................................................................. 103 103
Anhang B.............................................................................................................. 126 126
Die Fachzeitschrift
Kapitel 1
Kapitel 1 – Einleitung
Zu Beginn ist es notwendig das Untersuchungsthema ‚Fachzeitschrift’ und das geplante Erkenntnisziel zu erläutern. Dafür wird zunächst kurz ausgeführt, welche Motivation der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt. Außerdem wird der Ablauf der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Fachzeitschrift skizziert und damit ein erster Überblick über den Inhalt der Arbeit geliefert. Anmerkung zur Zitation: Alle Hervorhebungen von Wörtern innerhalb von Zitaten stammen ausschließlich von den jeweiligen Verfassern. Direkte Zitate wurden mit dem Namen des Autors, dem Erscheinungsjahr des genutzten Buches und der Seitenzahl versehen. Ein „siehe“ vor diesen Angaben weist auf ein indirektes Zitat bzw. die sinngemäße Übernahme von Gedanken hin. Mit „vgl.“ gekennzeichnete Daten sind in ähnlicher Form oder anderem Kontext auch in dem jeweiligen Werk zu finden, jedoch erfolgt hier keine gesonderte Nennung der Seitenzahl.
1.1. Erläuterung des Themas
Fachzeitschriften sind ein wichtiger Bestandteil des Mediensystems. So umfangreich der Fachzeitschriftenmarkt in Deutschland ist, so komplex und dynamisch stellt er sich auch dar, obwohl sich diese Vielfältigkeit keineswegs in den vorhandenen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft widerspiegelt. Zwar ist die Fachzeitschrift ein vergleichsweise altes Medium, doch taten sich Zeitschriftenforscher und andere Wissenschaftler bereits von Anfang an schwer in der Ausformulierung einer belegbaren Definition.
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, eine eingehende Charakterstudie des Mediums Fachzeitschrift zu erstellen, ausgehend von dem bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Forschungsmaterial. Dafür werden vorhandene Definitionsansätze aufgegriffen, diese kritisch hinterfragt und Lücken aufgezeigt. Am Ende der Ausführungen soll die Fachzeitschrift stark an Transparenz gewonnen haben, unter anderem was Leserschaft, Positionierung im Markt und Funktionen angeht. Eine auf Grundlage der erworbenen Kenntnisse erstellte Definition wird schlussendlich Zeitschriften dem Subsystem Fachzeitschrift möglichst eindeutig zuordnen bzw. sie aus diesem ausschließen können. Darüber hinaus soll jedoch, neben der wissenschaftlichen Erfassung von
4
Die Fachzeitschrift
Kapitel 1 Charaktereigenschaften, auch das Wesen der Fachzeitschrift in Deutschland eingefangen werden, um dem Medium ein einprägsames Gesicht zu geben, welches bisher nicht existent ist.
1.2. Vorgehensweise
Zunächst ist es notwendig die Quellenlage zu sondieren, zum einen um zu zeigen, wo die Lücken im vorhandenen wissenschaftlichen Material zum Thema Fachzeitschrift sind, zum anderen um die Relevanz der jeweils benutzten Quellen bereits im Vorfeld diskutieren und anschließend einschätzen zu können. Kapitel 3 liefert das nötige Wissen, um eine feste Ausgangsgrundlage zu schaffen, von der aus die verschiedenen Seiten der Fachzeitschrift näher beleuchtet werden. Hierzu werden sowohl die Geschichte der Fachzeitschriften, als auch die Geschichte der Fachzeitschriftenforschung kurz angerissen. In diesem Zusammenhang gilt es zudem die Frage zu klären, inwieweit gesellschaftliche Bedingungen und Ereignisse Auswirkungen auf die vorangegangenen Bereiche haben können.
Mit Hilfe verschiedener Blickwinkel soll in Kapitel 4 ein detailiertes Charakterbild der Fachzeitschrift entstehen. Unterschiedliche Definitionsansätze werden aufgegriffen und das dafür jeweils vorhandene Datenmaterial gesichtet, geprüft und diskutiert. Zudem soll aufgezeigt werden, wo es Potenzial für weitere Ausführungen gibt, die bisher nicht oder nicht ausreichend genutzt wurden. Kapitel 5 geht dann auf konkret daran, die im vorangehenden Kapitel aufgezeigten Definitionsansätze aus- bzw. weiterzuführen. Dabei sollen herausgearbeitete Aspekte mit Hilfe einer wissenschaftlichen Hilfstheorie betrachtet und untersucht werden.
Zum Schluss werden alle gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt und ein Ausblick auf die Zukunft erstellt.
5
Die Fachzeitschrift Kapitel 2
Kapitel 2 – Überblick über die Quellenlage
Bevor der Einstieg in das Arbeitsthema erfolgen kann, gilt es zunächst die Quellenlage zu sondieren. Zwar mag dies keine gängige wissenschaftliche Notwendigkeit sein, jedoch erfordert das Thema eine gesonderte Betrachtung der benutzten Materialien. Deshalb wird im Folgenden die vorhandene wissenschaftliche Literatur geprüft. Anschließend sollen weitere Quellen verschiedenster Art überprüft und beurteilt werden. Zum Schluss erfolgt eine Einschätzung der gesamten Quellenlage und die Ausführung damit einhergehender möglicher Auswirkungen auf die Arbeitsergebnisse.
2.1. Überblick über die Literaturlage
Die Literaturauswahl für das Themengebiet Fachzeitschrift ist alles andere als sättigend. Dies zeigt sich vor allem beim Vergleich mit anderen Sachgebieten der Medien- und Kommunikationsforschung. Wohlwollend ausgedrückt kann das Angebot an relevanter Literatur als ‚überschaubar’ bezeichnet werden. Dabei wurde bereits berücksichtigt, dass die meisten Publikationen sich vornehmlich dem Thema Zeitschrift im Allgemeinen widmen und es scheint oft so, als sei die Fachzeitschrift ein eher unbedeutendes Anhängsel. Trotzdem werden in dieser Arbeit Erkenntnisse die Zeitschrift betreffend zur Geltung kommen, weisen doch die Zeitschrift und die Fachzeitschrift als Subsystem selbiger eine charakteristische Schnittmenge auf.
Besonders auffällig ist, dass gerade bei aktuelleren Publikationen kaum neue Erkenntnisse erarbeitet werden. Statt dessen wird oft die zuweilen sehr gute Literatur älteren Entstehungsdatums bemüht. So kann etwa Ernst H. Lehmann 1 als Pionier auf dem Gebiet der Zeitschriftenforschung gelten, dessen Erkenntnisse, ebenso wie die von Wilmont Haacke 2 , von sehr vielen der neueren Zeitschriftenforscher als Grundlage genutzt werden.
Wer sich jedoch nicht in ein gemachtes Nest setzen will, muss neben der Zeitschriften-Untersuchungen 3 Lektüre klassischer auch in andere Forschungsbereiche schauen. Fündig kann man vor allem im allgemeinen
1 Lehmann [1936]
2 Haacke [1961 und 1968] 3 etwa von Ubbens [1969] oder Straßner [1997]
6
Die Fachzeitschrift Kapitel 2 kommunikationswissenschaftlichen Bereich werden, wo mit Standardwerken von Weischenberg 4 , Mast 5 , Noelle-Neumann 6 oder Burkhart 7 weitreichende Überblicke über verschiedene journalistische Bereiche erstellt werden, die zwar oft das gewünschte Thema nur am Rande streifen, jedoch für das Gesamtbild benötigt werden.
Überraschend vielseitig zeigten sich neben Arbeiten, die sich mit Marketingstrategien für Fachzeitschriften oder Medien-Evaluation im Allgemeinen beschäftigten 8 , auch Publikationen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften 9 . Überraschenderweise fanden sich hier oft neue Ansatzpunkte bzw. Definitionsvorschläge, ohne das starre Festkleben an fachjournalistischen Grundprinzipien. Natürlich muss hierbei ständig im Blick behalten werden, dass die Intention hinter diesen Arbeiten oft eine andere ist, als bei denen, die kommunikationstheoretisch orientiert sind. So betrachtet der Wirtschaft- und Sozialwissenschaftler Albrecht Meidenbauer in seiner Dissertation 10 das Thema Fachzeitschrift mit Konzentration auf deren Auswirkung marktspezifischer Wirtschaftsleistungen auf die öffentliche Kommunikation. Trotz allem oder gerade deshalb vermögen die Ansätze aus diesem Fachgebiet frischen Wind in die Definitionsdiskussion zu bringen. Einen großen Beitrag zu dieser Diskussion, vor allem bei der Erarbeitung eines von eben jenen angesprochenen festen Definitionsansatzes, können außerdem Systemtheoretiker wie Helmut Wilke 11 , Niklas Luhmann 12 oder Bernd Blöbaum 13 leisten. Die von ihnen vertretenen systemtheoretischen Denkmodelle lassen sich an vielen Stellen sinnvoll nutzen, wenn Betrachtungen auf andere Ebenen übertragen oder Zusammenhänge zur Verdeutlichung aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden sollen.
Es hat sich gezeigt, dass die Beschränkung auf die in direktem Zusammenhang mit der Fachzeitschrift stehenden Wissenschaftsbereiche nicht ausreichen, um ein
4 Weischenberg [1995 und 1998]
5 Mast [1998] 6 Noelle-Neumann [1999] 7 Burkhart [2002] 8 etwa AFM [1985 und 1994] 9 etwa Schuback [1968] und Böhme [1995] 10 Meidenbauer [1990] 11 Wilke [2000a und 2000b] 12 Luhmann [1981 und 1991] 13 Blöbaum [1994]
7
Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 umfassendes Bild des Untersuchungsgegenstandes zu erstellen. Der Ausflug in scheinbar weniger relevante Bereiche kann hier Abhilfe schaffen und unter Umständen wichtige neue Denkanstöße bringen.
2.2. Sonstige Quellen und Überprüfung ihrer Brauchbarkeit
Neben gedruckten wissenschaftlichen Büchern gibt es noch eine Vielzahl anderer Quellen, die im Rahmen einer solchen Arbeit betrachtet werden müssen. Im folgenden liegt das Augenmerk auf dem Internet, Fachzeitschriften, Empirischen Studien und Statistiken, deren Verwendbarkeit und Nutzen nach eingehender Betrachtung beurteilt werden soll. Natürlich gibt es, außer den genannten, noch weitere Quellen, die bei der wissenschaftlichen Arbeit eine Rolle spielen können. Als Beispiel seien hier etwa Zeitungen oder diverse Offline-Medien genannt. Diese wurden zwar ebenfalls betrachtet, spielen jedoch als Informationsmaterial für die Zielsetzung dieser Arbeit nur eine geringe bzw. gar keine Rolle und können deshalb vernachlässigt werden.
2.2.1. Internet
Die Rolle, die das Internet für die Charakterisierung des Mediums Fachzeitschrift spielen kann, lässt sich sehr klar umreißen. Das weltweite Netz ist voll von Daten zu Fachzeitschriften und Suchmaschinen spucken bei einfachen Anfragen zehntausende Ergebnislinks aus. Der Schein, dass hier unzählige Informationen auf den Suchenden warten, trügt jedoch, denn bei genauer Betrachtung sind im Internet aufgeführte Definitionsangaben für Fachzeitschriften meist äußerst oberflächlich oder werden nicht durch zugrunde liegende Daten gestützt. Anbieter wie etwa das Fachzeitschriften-Portal 14 implizieren mit ihrem Namen, dass hier komplette und logisch typologisierte Auflistungen aller Fachzeitschriften zu finden sind. Woher genau diese Daten jedoch stammen, lässt sich selten zurückverfolgen. So ist die Auflistung des Fachzeitschriften-Portals etwa vom Media-Daten Verlag 15 übernommen, was der Nutzer des Portals nur erfährt, wenn er direkt nachfragt. Dieses Beispiel soll nur verdeutlichen, wie schwierig es ist, die vorhandenen Internet-Quellen in ihrer Glaubwürdigkeit und Relevanz einzustufen. Autoren lassen sich in der Regel nicht ausmachen; zudem bleiben viele Aussagen unbegründet und ohne die Möglichkeit zur Nachfrage. 14 www.fachzeitschriften-portal.de
15 www.media-daten.com
8
Die Fachzeitschrift Kapitel 2 Auf der Homepage des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung 16 wird lediglich auf ‚fremde’ Ergebnisse und ausgewählte Daten aus der Fachpressestatistik zurückgegriffen. 17 Diese wiederum wird von der Interessenvertretung der deutschen Fachverlage erstellt 18 und erscheint regelmäßig etwa im August für das vorangegangene Jahr.
Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger e.V. 19 hält für den Begriff Fachzeitschrift online eine Definition bereit 20 , jedoch findet keine wissenschaftliche Herleitung statt. Ebensowenig unterscheidet sich diese in irgendeinem Punkt von bereits in gängiger Literatur aufgegriffenen Definitionen.
Die exemplarische Liste könnte noch weitergeführt werden, doch reichen die genannten Beispiele aus, um die Meinung zu rechtfertigen, dass das Internet als Informationsquelle für diese Arbeit kaum eine Hilfe anzubieten hat und sich die Online-Angebote von Verbänden auf der Definitionsebene inhaltlich mit dem decken, was auch die wissenschaftliche Literatur zu bieten hat, dort jedoch mit höherer Transparenz und damit Glaubwürdigkeit.
2.2.2. Fachzeitschriften
Es gibt einige Fachzeitschriften, die direkt im Bereich Medien, Kommunikation oder Journalismus/Journalistik angesiedelt sind. Bekanntestes Beispiel dürfte der „Journalist“ sein, der sich mit der Medienwelt, den dortigen Arbeitsbedingungen, Ausbildungsmöglichkeiten und sonstigen zugehörigen Themen befasst. Das Mediensystem Fachzeitschrift oder auch die allgemeine Beschäftigung mit der Zeitschrift findet sich in den Themenspiegeln jedoch höchst selten wieder und falls doch, dann lässt die Art und Weise der Aufbereitung keine Schlüsse zu, die für diese Arbeit relevant wären. Eines der wenigen Beispiele etwa ist der Artikel „Tops und Flops“ 21 , der sich jedoch nur damit auseinandersetzt, welche Zeitschriften zu den Gewinnern oder Verlierern der letzten Saison gezählt werden können. Dabei spielen Fachzeitschriften keine Rolle und der Erfolgsstatus wird nicht etwa an Rezipienten-bezogenen Daten festgemacht, sondern an Anzeigeneinnahmen.
16 www.presseforschung.de
17 siehe www.presseforschung.de/struktur/fachpresse.htm 18 www.fachpresse.de 19 www.vdz.de 20 siehe www.vdz.de/pages/custom/default.htm 21 Journalist [1/1995]; S. 34-36
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 Beiträge, die sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsthema widmen konnte, der „Journalist“ überhaupt nicht liefern. In der „Publizistik“ spielt die Fachzeitschrift eine ebenso geringe Rolle, auch wenn hin und wieder doch der eine oder andere Aspekt eines Beitrags für die Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes aufgegriffen werden kann. Einen ausführlichen Überblick liefert diese Zeitschrift in Heft 1/1994 über ihre eigene qualitative und quantitative Arbeit, jedoch lassen sich nach genauer Prüfung daraus keine relevanten Daten für die Gesamtheit der Fachzeitschriften ableiten, sondern eher ein Profil speziell dieser Publikation erstellen. Über das Stadium der gedanklichen Anregungen geht auch die Zeitschrift „sage & schreibe“ nicht hinaus. Ausgabe 3/98 liefert Informationen zu Publikumszeitschriften, Ausgabe 4/98 widmet sich in Kürze den Kundenzeitschriften. Die Fachzeitschrift wird jedoch nicht thematisiert, so dass auch an dieser Stelle wieder die Inhalte, wenn sie denn genutzt werden, mit gewisser Vorsicht zu behandeln sind.
Zu nennen wären noch die relativ weit verbreitete „Message“ und die „Media Perspektiven“, wobei erstere überhaupt keine Hilfe zu geben in der Lage ist, letztere jedoch immerhin sehr viele statistische Daten liefern kann, wenn auch nur zum Zeitschriftenmarkt allgemein. Inwieweit diese jedoch überhaupt notwendig sind und deshalb Verwendung finden, wird sich im Laufe der Arbeit zeigen. Es existieren noch eine Vielzahl weiterer Fachzeitschriften auf dem Markt, die sich inhaltlich mit dem Thema Journalistik und verwandten Gebieten befassen. Insgesamt gesehen gibt es jedoch keine einzige Zeitschrift, die das Thema ‚Fachzeitschrift’ in wissenschaftlicher oder sonstiger Form überzeugend aufgreift, so dass von dieser Seite keine Hilfe bei der Erstellung einer Definition zu erwarten ist.
2.2.3. Empirische Studien
Empirische Erhebungen im Medienbereich weisen stets die gleichen Probleme auf. Zunächst einmal geben diese meist an, dass sie objektiv und neutral Daten sammeln. Jedoch geschieht normalerweise genau das Gegenteil, weil Frageraster, Interviewsituationen und andere Umstände unweigerlich subjektiv beeinflusste Antworten hervorrufen. Diese Medienwissenschaftlern geteilt, ebenso wie die Erkenntnis, dass empirisch
10
Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 gewonnene Ergebnisse von diversen Gesichtspunkten her interpretierbar und verifizierbar sind.
„Die Intention solcher Analysen liegt wohl hauptsächlich im Werbeeffekt für eventuelle Anzeigenkunden“ 22 , bringt es Böhme auf den Punkt. Auch wenn er sich in seinen Ausführungen hauptsächlich den wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten widmet, findet sich diese Ansicht auch in vielen anderen Untersuchungen wieder, wenn auch zuweilen nur andeutungsweise. Die bisher durchgeführten Nutzeranalysen bieten sich für das Angehen einer Definition von der Rezipientenseite nicht an, da sie sich selten mit der Leserschaft an sich, sondern mit dem Kontakt der Leser zur in der jeweiligen Fachzeitschrift enthaltenen Werbung befassen. Eine wirklich relevante Nutzerstudie, die darauf abzielt, sich mit der gesamten Leserschaft und deren Resonanz und Interesse an fachlichen Inhalten zu beschäftigen, konnte auch nach ausführlicher Sichtung der vorhandenen Literatur und sonstigen Quellen nicht gefunden werden, fehlt also bisher auf dem Gebiet der Fachzeitschriften-Forschung völlig. Auffällig ist, dass die angesprochenen Analysen jedoch leider oft als Grundlage für Erkenntnisse über die Rezipienten genutzt werden, obwohl Rückschlüsse auf Parameter wie etwa Perzeption 23 der Inhalte oder Leser-Resonanz eigentlich unzulässig sind. Als gutes Beispiel für das eben beschriebene kann die Veröffentlichung des Arbeitskreises Mediainformationen Fachzeitschriften (AFM) von 1985 gewertet werden. Hierbei handelt es sich um einen regelrechten Fahrplan für die Analyse von Fachzeitschriften mit Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen Aspekt Werbung. „Für die Fachpresse ist im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte eine ihrer Eigenprägung adäquate Mediaforschung entwickelt worden“ 24 , meinen die Verfasser. Und diese liefert nach Ansicht des AMF realistische Vergleichsmöglichkeiten. 85 Prozent der rund 1000 anzeigenorientierten Fachzeitschriften (Werte von vor 1985) erstellen demnach ihre Media- Informationen nach dem hier erarbeiteten Prinzip, welches von der werbungstreibenden Wirtschaft laut AMF allgemein anerkannt ist. Derartige Aussagen sind mit großer Vorsicht zu genießen. Schließlich muss nach eingehender Prüfung der in dieser Publikation beschriebenen Vorgehensweise
22 Böhme [1995]; S. 67
23 Perzeption meint hier die Wahrnehmung eines Gegenstandes ohne bewusstes Erfassen des
Wahrgenommenen; vgl. Becker/Mettler-Meibom [1978]
24 AMF [1985]; S. 15
11
Die Fachzeitschrift Kapitel 2 festgestellt werden, dass der erstellte Fahrplan zur Untersuchung von Fachzeitschriften seinen Schwerpunkt ebenfalls wieder auf das Medium als Werbeträger legt und der Kontakt des Lesers zur Werbung und nicht inhaltliche Aspekte im Vordergrund stehen.
Ein weiteres Beispiel für den Einfluss der Werbung in den Versuchen einer IVW. 25 Charakterisierung von Fachzeitschriften Definitionsschwierigkeiten bei dem Begriff ‚Fachzeitschrift’ zeigt nicht zuletzt die sehr widersprüchliche Praxis der IVW-Auflagenlisten. [...] Zahlreiche Auto- und Motorradblätter wechseln in den IVW-Auflagenlisten von der Fach- zur Publikumszeitschrift.“ 26 Die Konzentration liegt oft auf dem Anzeigengeschäft, was sich inhaltlich auch in der Medienforschung widerspiegelt. 27 Diese Forschung als Bestandteil des Anzeigen-Marketings ergibt sich aus den Zwängen des intra- und intermediären Wettbewerbs. „Werbung in der Fachpresse ist für die Wirtschaft ebenso unentbehrlich wie die Nutzung von Fachzeitschriften für die Leser.“ 28 Dass dafür Transparenz notwendig ist, die einige Verleger in diesem Umfang nicht wollen, liegt auf der Hand und erklärt auch, warum sich Zeitschriften lieber als Publikumszeitschriften registrieren lassen, obwohl sie dem inhaltlichen Schwerpunkt entsprechend eher den Fachzeitschriften zuzuordnen sind. Hier könnte man die Frage stellen, inwieweit die Verleger selbst verantwortlich dafür zu machen sind, dass Daten aus empirischen Studien kein korrektes Bild über den Fachzeitschriftenmarkt liefern und somit eine Definition erschweren. Jedoch ließe sich hier nur eine größtenteils auf Vermutungen basierende und somit unbefriedigende Antwort finden.
Es herrschen unter den Wissenschaftlern gemeinhin recht gegensätzliche Ansichten über die Qualität und Brauchbarkeit der IVW-Daten. Zum Beispiel hält Broichhausen die Katalogisierung der Fachzeitschriften durch die IVW für besonders übersichtlich gestaltet, um die Vielfalt der Fachpresse adäquat darzustellen. 29 Die von Stützle geäußerte Kritik, die IVW-Zahlen zielten in erster Linie auf Informationen über die Werbewirkung und seien ansonsten eher willkürlich sortiert 30 , wird bei Broichhausen nicht aufgegriffen. Fest steht nach
25 Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. 26 Becker/Mettler-Meibom [1978]; S. 15 27 siehe Föckler/Speetzen [1977]; S. 47 28 AMF [1985]; S. 15 29 vgl. Broichhausen [1977] 30 vgl. Stützle [1983]
12
Die Fachzeitschrift Kapitel 2 eigener Ansicht, dass die Klassifizierung der Fachzeitschriften durch die IVW in erster Linie den Zweck erfüllt, alle werbetragenden Fachzeitschriften zu erfassen und zu katalogisieren. Warum Werbung überhaupt eine so dominante Rolle für das Medium Fachzeitschrift spielt, ist eine Frage, die dringend beantwortet werden muss, will man verstehen, warum sich ein so riesiger Teil der Medienforschung darauf konzentriert. Hier soll wegen der knappen und einleuchtenden Erklärung der „Autorenreport“ von Fohrbeck und Wiesand (1972) zu Rate gezogen werden: Demnach erfüllt Werbung ihre Wichtigkeit durch 1. eine hohe Leser-Blatt-Bindung. „Die Blattinhalte treffen gezielter die emotionalen, beruflichen oder Freizeit- Erwartungen der Leser.“ 2. Der berufliche, finanzielle und interessensmäßige Hintergrund des Lesers lässt sich für Werbezwecke präziser einschätzen. 3. „Der produktgerechte redaktionelle Blattinhalt als funktionales Bindeglied zwischen Werbung und Leser ist bereits vorhanden.“ 31 Das heißt, dass Werbende das entsprechende Umfeld kennen, wenn auch Autoren von Fachzeitschriften zugeben, dass kritische Berichterstattung mit Rücksicht auf die Werbeetats zur Seltenheit werde. 32 Bei all den Überlegungen darf der Aspekt der Werbung nicht nur negativ beleuchtet werden. „Sie [die Fachzeitschriften] bilden aufgrund der eng umrissenen Zielgruppen einen idealen Werbeträger, um gezielt besonders interessante Käuferkreise anzusprechen.“ 33 Letztendlich ist es dieser Tatsache zu verdanken, dass viele Fachzeitschriften überhaupt existieren. Der reine Verkaufserlös reicht nicht aus, um die Kosten der Produktion und des Vertriebes zu decken.
So lässt sich abschließend feststellen: „Mit jeder richtig gemachten Analyse verbessert die Fachpresse ihre Chancen, beim harten Kampf um die Werbeetats auch weiterhin berücksichtigt zu werden.“ 34 Das mag zutreffen, weil sich, wie festgestellt, die meisten Fachzeitschriften über ihre Werbeeinnahmen finanzieren. Jedoch eignen sich diese Analysen nicht für die Beantwortung der Fragestellung dieser Arbeit, weil Marketing-Aspekte stets den höheren Stellenwert zugewiesen bekommen. Natürlich lässt sich nicht abstreiten, dass auch die aus empirischen Analysen gezogenen Erkenntnisse interessant und relevant sein können, jedoch
31 Fohrbeck/Wiesand [1972]; S. 122
32 vgl. ebd 33 Mast [1998]; S. 22 34 AMF [1994]; S. 5
13
Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 sind die gewonnenen Daten immer mit der entsprechenden Vorsicht bzw. einem Hinweis zu versehen, der die Zielsetzung der jeweiligen Analyse kennzeichnet. Große Vorsicht ist auch bei Reichweitenanalysen geboten, da hier die wirkliche Perzeptionsforschung in der Regel viel zu dürftig ausfällt oder gar völlig vernachlässigt wird. Im Folgenden sollen die aufgrund empirischer und sonstiger Untersuchungen erstellten Statistiken einer gesonderten Betrachtung unterzogen werden.
2.2.4. Statistiken
„Neben der nicht geklärten Definition von Zeitschrift ist das Ungenügen des Ausgangsmaterials Grund für den mangelnden Aussagewert des Vergleichs von Pressestatistiken“ 35 , schätzt Ubbens das Thema kurz und bündig ein. Tatsächlich ist die Einordnung von statistischen Werten äußerst schwierig, da es keine amtliche Definition für den Begriff Fachzeitschrift gibt. Selten finden sich in solchen Statistiken Erklärungen darüber, welche Definition als Grundlage für die vorliegenden Werte genommen wurde. Liegt eine solche vor, ist in der Regel nicht erkennbar, wie diese zustande gekommen ist. Das macht die Einordnung der Daten sehr unsicher und die Vergleichbarkeit von Statistiken, die von verschiedenen Quellen erstellt wurden, so gut wie unmöglich.
Ältere Pressestatistiken zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie aufgrund der Unübersichtlichkeit dieses Bereiches auf bereits vorhandene Daten zurückgreifen, deren Erstellung meist völlig andere Ziele verfolgte. Als Beispiel kann hier die seit 1822 erscheinende jährliche Zeitungspreisliste genannt werden, die Daten über Abo-Preise, Periodizität und Transportzahlen von Zeitungen und Zeitschriften liefert. 36 Diese Daten sind wenig aussagekräftig, weil hier keine festen Parameter für deren Einordnung erkennbar sind. Zudem erheben viele Kataloge dieser Zeit den Anspruch auf Vollständigkeit und werden deshalb gern als Grundlage für heutige Nachforschungen genutzt. Inwieweit diese tatsächlich vollständig sind, ist jedoch nicht mehr überprüfbar. Alte Statistiken für diese Untersuchung zu Rate zu ziehen und entsprechend auszuwerten, würde den Arbeitsrahmen der Fragestellung sprengen, da für repräsentative Daten auch eine genaue, bei sehr alten Statistiken kaum nachvollziehbare, Analyse der Entstehungsumstände erfolgen müsste.
35 Ubbens [1969]; S. 14
36 vgl. ebd
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 Am sinnvollsten erscheint die Benutzung der Fachpressestatistik 2001, weil hier zumindest ansatzweise dem Untersuchungsgegenstand eine Definition zugrunde liegt, wenn auch ohne weitere Erläuterungen, wie diese zustande kam. Zudem legt auch die dahinter stehende Organisation, der Verband Deutsche Fachpresse, nahe, dass sich diese Statistik im Vergleich zu vielen anderen sehr intensiv und in der entsprechend notwendigen wissenschaftlichen Form auf die Erforschung des Fachpressemarktes konzentriert. Trotz allem sollen aufgrund der bereits angesprochenen Defizite, die Statistiken über Fachzeitschriften allgemein aufweisen, die vorliegenden Ergebnisse der Fachpressestatistik im Laufe der Arbeit mit Vorsicht genossen und, wenn für Betrachtungen herangezogen, entsprechend gekennzeichnet werden.
Als Fazit lässt sich an dieser Stelle sagen: Die fehlende Einheitlichkeit in den Statistiken zum Thema Fachzeitschrift oder Zeitschrift führt dazu, dass sich auch deren Ergebnisse kaum miteinander vergleichen bzw. separat betrachtet nur schwer einordnen lassen. Deshalb können Daten aus vorliegenden Statistiken lediglich zur Untermauerung von entwickelten Thesen dienen, jedoch nicht als einzige Grundlage.
Anmerkung: Die Fachpresse-Statistiken für die Jahre 2001 und 2002 sind im Anhang dieser Arbeit enthalten. Leider sind die beiden nicht miteinander vergleichbar, da sie in ihrer Aufmachung und im Umfang völlig unterschiedlich gestaltet wurden. Dabei enthält die Fachpresse-Statistik des Jahres 2001 mehr relevante Daten und ist detailierter, so dass diese als Grundlage für statistische Bewertungen und Verwendung von Zahlen dient. Die Statistik für das vergangene Jahr wurde nur der Vollständigkeit halber angefügt. Wird im Laufe der Arbeit Bezug zu Daten aus diesen Statistiken genommen, erfolgt kein wiederholter Hinweis auf den Anhang.
2.3. Zusammenfassung und Einschätzung der Gesamt-Quellenlage
Die Quellenlage zum Thema Fachzeitschriftenlage lässt sich abschließend als sehr schlecht einstufen. Im Vergleich zu vielen anderen Bereichen der Medien- und Kommunikationswissenschaft sind die Publikationen zum Thema Fachzeitschriften eindeutig in der Minderheit, eine Tatsache, deren Ursache noch
15
Die Fachzeitschrift
Kapitel 2 thematisiert werden muss, will man das Medium in all seinen Facetten charakterisieren.
Es hat sich gezeigt, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen in gedruckter Form gegenüber den Digitalen Medien ein größeres Erkenntnispotenzial für diese Arbeit vorzuweisen haben, selbst wenn davon auszugehen ist, dass Ergebnisse sich in mehreren Publikationen wiederholen bzw. oftmals kommentarlos aus früheren Werken übernommen wurden.
Empirische Studien und Statistiken können zur Untermauerung von Argumenten herangezogen werden, jedoch sind immer Hintergrund und Erkenntnisziel des jeweiligen Materials im Auge zu behalten. Internet-Quellen und thematisch relevante Fachzeitschriften besitzen zwar das Potenzial als Impulsgeber für Diskussionen zu dienen, doch auch hier gilt es die Transparenz und Glaubwürdigkeit und damit auch die Nutzbarkeit für das eigene Erkenntnisziel zu überprüfen.
16
Die Fachzeitschrift
Kapitel 3
Kapitel 3 – Rahmenbedingungen
Dieses Kapitel legt den Grundstein für die späteren analytischen Ausführungen. Ein Blick auf die Geschichte der Fachzeitschrift soll zunächst ein erstes Bild von dem Medium entwerfen, um einen Ausgangspunkt zu schaffen. Die Problematik der Fachzeitschriftenforschung und die Einbettung historisch-gesellschaftlicher Umstände in vorhandene Profile des Untersuchungsgegenstandes lassen anschließend deutlich werden, welche Schwierigkeiten die Thematik vorzuweisen hat. Es soll zudem nachgewiesen werden, dass es mit Blick auf die in diesem Kapitel erarbeiteten Existenzbedingungen der Fachzeitschrift und die Forschungsbedingungen der Medienwissenschaftler nicht ausreicht, den vermeintlich einfachsten Weg zur Definition der Fachzeitschrift (die Erklärung der Begriffe ‚Fach’ und ‚Zeitschrift’) zu bestreiten.
3.1. Historischer Abriss von Fachzeitschriften
Fachzeitschriften blicken auf eine lange Geschichte zurück, auch wenn der Umfang und die Qualität themenspezifischer Forschungsmaterialien vielleicht einen anderen Eindruck hinterlassen mag. Ihren Ursprung hat die Fachzeitschrift in den so genannten Gelehrtenblättern, auch Intelligenzblätter genannt, bei denen bereits zum Ende des 17. Jahrhunderts hin eine stetig fortschreitende Spezialisierung auf bestimmte Fächer einsetzte. 37 Dabei waren die Fachgebiete keineswegs identisch mit denen, die wir heute auf dem Fachzeitschriftenmarkt vorfinden.
„Die ersten nachweisbaren Fachblätter dienten der medizinischen Wissenschaft.“ 38 Ein prominenter Vertreter war das medizinische Fachblatt „Miscellanea Curiosa“, welches erstmals 1670 in Leipzig erschien und von dem frühen Zeitschriftenforscher Lehmann als wohl erste Fachzeitschrift der Welt betitelt wurde. 39 Lehmann führt weiter aus, dass Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert auf dem Gebiet der Zeitschriften sogar eine führende Rolle innehatte und im Vergleich zu allen anderen Ländern die höchste Anzahl an fachlichen
37 siehe Wilke/Noelle-Neumann [1999]; S. 428
38 Lehmann [1936]; S. 28
39 siehe ebd; S. 30
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Die Fachzeitschrift Kapitel 3 Veröffentlichungen für sich verbuchen konnte. Der Begriff ‚Zeitschrift’ selbst tauchte 1751 das erste Mal als Gattungsname auf. 40 Die Entstehung vieler Fachzeitschriften ging einher mit der Entstehung neuer Berufsrollen durch ökonomische, technische Entwicklungsprozesse. Hier ist vor allem das 19. Jahrhundert zu nennen, in dem aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen der Bedarf an speziellen Informationen immens anstieg. „Wenn ein Fachgebiet eine gewisse Höhe erreicht hatte, schuf es sich sehr bald auch eine eigene Publizistik, die sich – dem Aufbau des betreffenden Wissenszweiges entsprechend – eigengesetzlich entwickelte.“ 41 Die angesprochenen Informationen waren dabei so angelegt, „dass sie Bedürfnisse nach gruppenspezifischer Information und Kommunikation erfüllen konnten, die durch die bestehenden Kommunikationsmedien und –kanäle wie Tageszeitungen, allgemeine Lehrbücher, face-to-face-Kommunikation nicht mehr ausreichend abgedeckt wurden.“ 42 Diese Aufgabe, die im Prinzip auch heute noch ihre Gültigkeit hat, wird später noch Bestandteil der Diskussion der von Fachzeitschriften zu erfüllenden Aufgaben sein. Festzuhalten bleibt, dass das Zeitschriftenwesen selbst seit seiner Entstehung einen stetigen Aufschwung erlebte, der nur vom ersten Weltkrieg und der nachfolgenden Inflation unterbrochen wurde. 43
Obwohl die Zeitschrift und auch die Fachzeitschrift auf eine lange Geschichte zurückblicken, wirkt der Begriff ‚altes Medium’ fehl am Platz. Die Fachgruppe Fachzeitschriften umgeht dies, indem sie Fachzeitschriften als „altes und junges Medium zugleich“ 44 bezeichnet und die hohe Dynamik dieses Marktes, der seit seiner Entstehung ständigen Änderungen unterworfen war und ist, macht es tatsächlich schwer, den heutigen Fachzeitschriftenmarkt mit dem vergangener Jahrhunderte zu vergleichen bzw. sich auf eindeutige Trends festzulegen.
40 vgl. Gerlach [1988]; vgl. Straßner [1997]
41 Lehmann [1936]; S. 30 42 Schäuble [1977]; S. 81 43 siehe Wilke [1999]; S. 402 44 Fachpresse ´84 [1984]; S. 5
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Die Fachzeitschrift Kapitel 3
3.2. Geschichte der Zeitschriftenforschung
Versuche der so genannten älteren Zeitschriftenforschung eine Definition für den Begriff Zeitschrift zu finden, haben im Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit kaum Spuren hinterlassen. Obwohl das Zeitschriftenwesen schon sehr früh reich entwickelt war, ist dieses spezielle Medium in der Forschungsliteratur lediglich sporadisch als Seitenthema wahrzunehmen. 45 Wissenschaftliche Kreise begannen sich bereits Ende des 17. Jahrhunderts mit Fragen der Publizistik zu befassen. „Die ältesten, selbständig erschienen Arbeiten über Journale waren im allgemeinen bibliographische Übersichten, in denen sich auch gelegentlich Wertungen einzelner Periodika befanden.“ 46 Eines der Hauptprobleme dürfte aber trotzdem gewesen sein, dass der Begriff Zeitschrift erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts im heutigen Sinne in Gebrauch genommen wurde. Zudem gibt und gab es eine Reihe weiterer Bezeichnungen, die im Prinzip auf die gleiche Publikation angewendet wurden, wie etwa Journal oder Magazin. 47 Erste Werke, die den Untersuchungsgegenstand Zeitschrift in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellte, erschienen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Darin wurde jedoch kein sonderlich großer Wert auf die Unterscheidung zwischen Zeitschrift und Fachzeitschrift gelegt. 48 Beide Begriffe wurden auch von anderen Wissenschaftlern und im gängigen Sprachgebrauch zumeist recht wahl- und begründungslos angewendet. Noch auffälliger dürfte aus heutiger Sicht der Umgang mit den Begriffen Zeitung und Zeitschrift gewesen sein. „Weder in den zeitungskundlichen Kollektionen des 18., noch in den zeitungswissenschaftlichen Kompilationen des 19. Jahrhunderts waren die Gelehrten um begriffliches Abgrenzen zwischen Zeitung und Zeitschrift bemüht.“ 49 Dies ist ein Problem, welches sich teilweise bis in die heutige Zeit niederschlägt, weil dadurch wissenschaftliche Grundlagen zur Erforschung und Charakterisierung fehlen. Erst in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man überhaupt mit der Differenzierung zwischen Zeitung und Zeitschrift. „Der Wunsch nach solcher Differenzierung ist allzu spät entstanden“ 50 , meint Haacke. Blickt man auf die lange
45 vgl. Bohrmann/Schneider [1975]
46 Lehmann [1936]; S. 4 47 vgl. Haacke [1961] 48 vgl. Ubbens [1969] 49 Haacke [1968]; S. 6 50 ebd; S. 19
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Die Fachzeitschrift Kapitel 3 Geschichte, die die Zeitschrift bis dahin schon zurückgelegt hatte, kann dem vorbehaltlos zugestimmt werden.
Zunächst wurde Zeitschriftenkunde trotz allem weiterhin im Rahmen von Zeitungskunde betrieben, wobei die publizistische Zielsetzung der Zeitschriften bestimmend für die Art und Weise der Untersuchung war. 1917 wurde „Die Fachpresse“ gegründet, eine Zeitschrift, die sich mit den berufsständischen Problemen der Zeitschriftenmacher beschäftigte 51 , jedoch kann man noch nicht von Forschungsarbeit im eigentlichen Sinne sprechen.
Eine Initiative von 1932 sollte der Zeitschrift eine eigene Forschungsstätte im Zweig der Publizistik verschaffen, etwas, das von den Zeitungswissenschaftlern wenig Sinnhaftigkeit zugesprochen bekam. 52 Diese hielten die Trennung der beiden Begriffe zunächst nicht für sinnvoll. Die systematische Beschäftigung mit der Zeitschrift begann 1928 mit Veröffentlichungen, in denen die Zeitungswissenschaft darauf hingewiesen wurde, dass Zeitschrift nicht einfach nur mit ‚Nicht-Zeitung’ definiert werden könne. 53 Dies kann gleichwohl als eine Art Startschuss angesehen werden, denn in den folgenden Jahren hat sich die Zeitschriftenforschung als Teilgebiet der Zeitungswissenschaft verselbständigt, auch wenn die Analyse der zu jener Zeit erstellten Definitionen durch die beiden Autoren ergibt, dass hier lediglich eine Art von „kondensierter Deskription“ 54 statt einer analysierenden Definition stattfand.
Haacke geht hier einen Schritt weiter und sagt ganz strikt: „Insgesamt aber darf man schließen, daß sowohl von seiten der deutschen Literaturwissenschaft wie durch die Autoren der Geschichtswissenschaft zwischen 1800 und 1960 nur wenig zur Aufhellung der Genesis der Zeitung und der Zeitschrift geleistet worden ist.“ 55 Dem muss hier klar und deutlich widersprochen werden, denn es genügt bereits Ernst Lehmann herauszustellen, um zu erkennen, dass bereits früher als 1960 Grundsteine in der Zeitschriftenforschung gelegt worden, die für die Nachfolger äußerst nützliche Erkenntnisse brachten.
Natürlich gab es auch Schwachstellen, was jedoch bei einer wissenschaftlichen Forschungsdisziplin, die gerade erst im Entstehen war, nicht verwunderlich ist. „Der entscheidende Mangel der Zeitschriftenforschung ist denn auch nicht in 51 vgl. Lehmann [1936]
52 vgl. ebd 53 vgl. Bohrmann/Schneider [1975] 54 ebd; S. 60 55 Haacke [1961]; S. 22
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 3
mangelnder Präzision oder methodisch nicht einwandfreien Forschungsinstrumenten zu suchen, sondern in der Priorität, die die historisch ausgerichtete Arbeitsweise über die soziologischen Problemstellungen bislang behielt.“
56
Die Autoren weisen hier darauf hin, dass die Funktion, die der Untersuchungsgegenstand für die Gesellschaft einnimmt, ebenfalls betrachtet werden muss. Dies soll im Rahmen dieser Arbeit in Abschnitt 4.3. geschehen. Ebenso gilt:
„Weil die Zeitschriften immer Träger eines speziellen Inhalts sind, heißt Darstellung ihrer Geschichte und Herausarbeitung ihrer Funktionen zugleich auch, diese Inhalte in die Untersuchung mit einzubeziehen.“
57
Abschließend lässt sich sagen: Die Zeitschriftenforschung ist ein Fachgebiet der Publizistik und es herrscht heute kein Zweifel mehr darüber, „daß die Zeitschrift eine eigengesetzliche Erscheinung innerhalb der Publizistik darstellt, die nur mit Hilfe zeitungswissenschaftlicher Methoden zu erforschen ist.“ 58 Fest steht auch, dass die Stellung, die das Medium Zeitschrift respektive Fachzeitschrift einnahm, schon viel früher dazu hätte führen müssen, dass hier ein eigenständiger Forschungsbereich entsteht. „Im Verlauf dreier Jahrhunderte ist die Zeitschrift nur dann und wann von der Forschung berücksichtigt worden.“ 59 Manche meinen, das liege an dem begrenzten Interessenkreis; andere sagen, dass Zeitschriften in ihrer Gesamtheit in hohem Maß Konsumartikel für Millionen Leser sind, so dass sie eigentlich keinem Spezialfach der Publizistik zuzuordnen sind. Eine genaue Ursachenforschung soll an dieser Stelle jedoch nicht betrieben werden. Die Zeitschrift ist definitiv ein Medium, das erst sehr spät einen Namen zugeordnet bekam und bis es mit diesem Namen auch eins wurde, dauerte es noch einmal eine ganze Weile. Man kann sogar soweit gehen zu sagen, dass dieser Prozess bis heute nicht abgeschlossen ist.
3.3. Definitionsgeschichte im gesellschaftlichen Spiegel
Beachtet man die historische Perspektive, stellt sich die Frage nach dem Nutzen einer Definition, da viele Definitionen die historische Entwicklung des Forschungswesens auf diesem Gebiet bzw. überhaupt gesellschaftlich
56 Bohrmann/Schneider [1975]; S. 32
57 ebd; S. 33
58 Lehmann [1936]; S. 11
59 Haacke [1961]; S. 17
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Die Fachzeitschrift Kapitel 3 bestimmende Faktoren außen vor lassen. „Was aber Zeitschrift ist, kann nur bestimmt werden, wenn sie als Mittel der sozialen Kommunikation aufgefaßt wird, dessen Bedeutung jeweils von der Summe publizistischer Möglichkeiten innerhalb einer Epoche abzuleiten ist“ 60 , haben Bohrmann und Schneider bereits 1975 erkannt. Gleiches lässt sich natürlich auch für Fachzeitschriften sagen, die als Subsystem der Zeitschrift ebenfalls mittels Publikationen mit ihren Rezipienten kommuniziert. Sie gehen sogar noch weiter und stellen fest: „Was Zeitung und Zeitschrift jeweils bedeuten, läßt sich daher nicht durch eine ahistorische Definition fassen, weil der einheitliche Gegenstand nicht existiert, den sie voraussetzen muß.“ 61 Zu Beginn war die Entwicklung des Zeitschriftenwesens in erster Linie eine wissenschaftliche Notwendigkeit. Die politischen Zeitschriften leisteten in ihren Anfängen das, was heute Nachrichtenmagazine im Fernsehen parallel zu Nachrichtensendungen leisteten. 62 „Die ersten Zeitschriften hatten als Rezensionsorgane die Aufgabe, den bisher in der gelehrten Welt üblichen privaten Austausch von neuem Wissen zu rationalisieren.“ 63 Dies führte dazu, dass Gelehrte nicht mehr nur privat miteinander kommunizierten, sondern in breiterem Maße und öffentlich fachliches Wissen austauschten. Diese Aufgabe ist zwar bis heute geblieben, jedoch sind jener ursprünglichen Bedeutung noch weitere hinzugekommen, die im Laufe dieser Arbeit noch herausgestellt werden sollen. Doch nun soll das Augenmerk wieder auf die geschichtlichen Faktoren gelegt werden, die sich nach eigener Ansicht maßgeblich auf die Definition des Untersuchungsgegenstandes auswirken. Einige wenige Beispiele reichen hier aus, um den Aspekt überzeugend darzulegen. So lässt sich feststellen, dass der Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich von den politisch-sozialen Verhältnissen bestimmt wurde, in der Zeitungen zensiert, Zeitschriften im Gegensatz dazu eher frei von Zensur waren. 64 Der Grund dafür lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen, jedoch kann man vielleicht die Vermutung anstellen, dass die zwar periodische, aber niedrig frequentierte Erscheinungsweise (im Vergleich zu Tagesblättern) als Ursache für die geringe Beachtung durch Meinungskontrolleure gewesen sein könnte. Diese 60 Bohrmann/Schneider [1975]; S. 19
61 ebd; S. 20 62 vgl. Straßner [1997] 63 ebd; S. 26 64 vgl. Bohrmann/Schneider [1975]
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 3 führte auch dazu, dass die Zeitschrift ein Medium wurde, welches auf der Operationsebene eine andere Form der Kommunikation hervorrief als bisher gekannt.
Während der Zeit des Dritten Reiches musste die Zeitschrift als Propaganda- Mittel seinen Zweck erfüllen, wie die anderen Medien auch. Verleger waren gezwungen ihre Inhalte vorgegebenen ideologischen Zielsetzungen anzupassen. 65 Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass bei der Untersuchung des Gegenstandes Fachzeitschrift stets Vorsicht geboten sein sollte. Schließlich lässt sich zum Beispiel von einer Inhaltsanalyse von Zeitschriften während des Dritten Reiches nicht automatisch auf inhaltliche Charakteristika der Zeitschrift allgemein schlussfolgern.
Auch was Gestaltungskriterien angeht, hat sich im Laufe der langen Geschichte der Zeitschrift viel geändert. „Dabei wird deutlich, daß sich in den Zeitschriften seit dem Beginn der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die Text-Bild-Relation zugunsten des Bildes verschiebt.“ 66 Es gibt heute großformatigere Bilder, mehr Farben und Kontraste, als beispielsweise noch vor 30 Jahren. Dies hat verschiedene Gründe. Nach eigener Ansicht haben vor allem die technischen Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten einen Wandel vollzogen, der dazu führte, dass sich nach und nach mit einer immer bunter werdenden und sich immer weiter in ihrer Auffälligkeit steigernden Darstellungsweise in den Medien auch die Bedürfnisse der Rezipienten änderten. Die Reizvorgaben, was Farbe und Geschwindigkeit angeht, sind definitiv nicht mehr die gleichen wie vor 30 oder gar 100 Jahren, was einen tiefgreifenden Wandel in nahezu allen Mediensystemen nach sich zog und noch zieht. Information, so scheint es, hat mit der Unterhaltung einen harten Gegner um die Hauptaufgabe der Medien bekommen und das einst von Neil Postman beschriebene Szenario um den geistigen Verfall in einer von Unterhaltung bestimmten Medienwelt 67 ist heute oft in ähnlicher Form in Zukunftsprognosen wiederzufinden.
Beispiele für geschichtliche Einflüsse auf Inhalte, Form oder Funktion von Medien gibt es zahlreiche, jedoch sollen die genannten hier genügen. Fest steht, dass Journalismus immer von spezifischen Bedingungen der jeweiligen Gesellschaft beeinflusst wird. „Mit dem Wandel eines Gesellschaftssystems 65 vgl. Straßner [1997]
66 ebd; S. 33
67 vgl. Postman [1988]
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 3 wandeln sich die Medien, und damit wandelt sich auch der Journalismus in der Gesellschaft.“ 68 .
Für diese Arbeit bedeutet dies, dass die Ergebnisse der Diskussion um die geschichtlichen Einflussfaktoren dazu führen werden, dass am Ende eine Definition für den Begriff Fachzeitschrift steht, die für das Hier und Jetzt ihre Gültigkeit hat, nicht aber für vergangene Epochen. Jedoch steht damit auch fest, dass alte Definitionen nicht unweigerlich als falsch abgetan werden können, ohne die äußeren Umstände ihrer Entstehung zu betrachten. Vielmehr soll vorhandenes Material daraufhin überprüft werden, ob es heute noch Gültigkeit besitzt oder aufgrund geänderter Bedingungen vernachlässigt werden kann.
3.4. Mögliche Gründe für die Unterschätzung der Fachzeitschrift
Die Redewendung, die Fachpresse werde größtenteils stiefmütterlich behandelt, taucht so oder so ähnlich recht oft in wissenschaftlichen Arbeiten zu dem Thema auf. Stützle zum Beispiel ist der Ansicht, die Rolle der Fachpresse in der Kommunikationswissenschaft sei merkwürdig, weil sie doch Würdigung erhalte, aber trotz allem nur selten zum Objekt von konkreten Forschungsarbeiten gemacht werde. 69 Hofsähs geht hier von der anderen Seite heran und vertritt die Meinung, dass die Fachpresse zum Beispiel ihre politische Bedeutung lange Zeit selbst nicht erkannt hat, was unter anderem ein organisatorisches Defizit in der eigenen Kommunikationsforschung zur Folge hatte. Sogar der Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) habe sich sehr lange in Zurückhaltung geübt, was das Thema Fachzeitschriften angehe, und sprach man in der wissenschaftlichen Welt von Presse, waren damit in erster Linie Zeitungen damit gemeint. 70 Zwar gab es konkrete Bestrebungen, diesen Zustand zu ändern, jedoch wurden erst 1971 Initiativen der Fachgruppe Fachzeitschriften im VDZ angeschoben, etwa zur Verbesserung der internen Verbandsarbeit, zur Verbesserung des Standes innerhalb des VDZ, bessere Kontaktaufnahme mit der Öffentlichkeit, kurzum alles, was das Ansehen und die Bekanntheit von Fachzeitschriften nach außen hin steigern könnte.
68 Weischenberg [1998]; S. 77
69 siehe Stützle [1983]; S. 3
70 siehe Hofsähs [1977]; S. 132
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 3 Das Ergebnis ist nach Ansicht von Hofsähs, dass Fachzeitschriften nun auch inzwischen in den Medienberichten berücksichtigt werden und auch ansonsten mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. 71 Dieser Aussage kann zwar nicht direkt widersprochen werden, schließlich ist das vorhandene Untersuchungsmaterial quantitativ größer als in den ersten beiden Jahrhunderten der Geschichte der Fachpresse, jedoch wird auch noch heute das Thema vernachlässigt. Einen möglichen Grund dafür liefert Glotz, der, ebenso wie Hofsähs, die politische Bedeutung von Fachzeitschriften untersucht hat. 72 Weil eben diese gemeinhin als relativ gering eingeschätzt wird, sei auch das wissenschaftliche Interesse dementsprechend gering. Die Förderung wissenschaftlicher Projekte, die sich mit dem Thema Fachzeitschrift befassen, müsste demnach auch kaum Interesse seitens der Politik und damit auch der Medienpolitik finden. „Der eine Fehler wurde immer von den Politikern gemacht, die ausschließlich auf die aktuelle und universelle Zeitung starrten und die gewaltige kommunikative Bedeutung der Fachzeitschrift übersahen.“ 73 Auf den Aspekt der gesellschaftspolitischen Bedeutung von Fachpresseorganen wird bei der späteren Funktionsbestimmung eingegangen.
Jedoch ist die Vernachlässigung seitens der Politik und auch seitens der Fachpresseforschung nicht der einzige Grund für das Dasein der Fachzeitschrift im Schatten der anderen Medien. Die relative Ähnlichkeit mit der Zeitung, zumindest in den Anfangsstadien der Geschichte, hat sicher ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, dass die Notwendigkeit, beide immer gesondert zu betrachten, nicht sofort erkannt wurde. Zudem präsentiert sich die Fachzeitschrift zwar in ihrer Gesamtheit sehr vielfältig, jedoch sind die einzelnen Vertreter so stark auf bestimmte Themen fokussiert und eingegrenzt, dass wissenschaftliche Untersuchungen von speziellen Fachzeitschriften kaum Erkenntnisse für den gesamten Untersuchungsgegenstand liefern können.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es nicht einen einzelnen herausstellbaren Grund gibt, der die Vernachlässigung der Fachzeitschrift durch die Wissenschaftl erklären könnte. Vielmehr treffen hier mehrere Faktoren zusammen, die das Interesse bisher relativ gering gehalten haben. Deshalb gibt es 71 siehe ebd; S. 132
72 vgl. Glotz [1977]
73 ebd; S. 139
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Die Fachzeitschrift
Kapitel 3 zwar heute durchaus wissenschaftliche Arbeiten, die sich dem Thema ganz oder am Rande widmen, jedoch ist die Menge an Material im Vergleich zu anderen Gebieten der Medienforschung sehr gering. Zudem gibt es keine einheitliche Herangehensweise an eine Definition, auch wenn sich viele Medienwissenschaftler Inspiration bei den vorhandenen Daten über die Zeitschrift holen, um deren Subsystem zu beleuchten. Welches Erkenntnispotenzial dieser Weg hat, soll im Folgenden erkundet werden.
3.5. Die Fachzeitschrift – Mehr als die Summe ihrer Teile?
Der erste Schritt, will man einen Gegenstand untersuchen, ist in der Geisteswissenschaft meist der Blick auf die Geschichte, um bestehende Ansätze später auch dementsprechend aufgreifen und beurteilen zu können. Eine etwas andere Arbeitsmethode wird oft in der Naturwissenschaft angewendet. Chemiker etwa zerlegen ihren zu untersuchenden Gegenstand zunächst in seine Bestandteile, Biologen nehmen eine Artbestimmung anhand einzelner Merkmale vor, Mathematiker trennen die (unbekannten) Variablen voneinander. Auch die Fachzeitschrift bietet sich dafür an, zunächst die einzelnen Bestandteile, aus denen sich der Untersuchungsgegenstand zusammensetzt, näher zu betrachten. Es gilt festzustellen, ob oder inwieweit die einzelnen Begriffe bereits Erklärungen liefern können, die bei der Erstellung einer Definition hilfreich sein können. Dazu werden im folgenden Abschnitt das ‚Fach’ und die ‚Zeitschrift’ betrachtet und die Erkenntnisse anschließend zueinander geführt.
3.5.1. Das Fach
Bei einer Definition für den Begriff Fachzeitschriften sollte sich die Frage stellen, welches spezielle Fach denn eigentlich gemeint sei. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Frage in der Forschungsliteratur so gut wie keine Beachtung geschenkt wird. Statt dessen wird oft eine Definition des Überbegriffes Zeitschrift als einzige Grundlage genutzt. „Fehlt eine solche [Definition] für Zeitschriften, so muß sie erst recht für Fachzeitschriften vermißt werden.“ 74 Mitte des 17. Jahrhunderts kamen die Zeitschriften auf die Welt und sie haben damals wie heute das gleiche Anliegen: „Aufklärung verbreitend, traten sie auf als
74 Meidenbauer [1990]; S. 81
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Diplom-Journalistin (FH) Jana Hoffhenke, 2003, Die Fachzeitschrift – Charakterstudie eines wissenschaftlich vernachlässigten Mediums, Munich, GRIN Publishing GmbH
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