Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Körper und Krankheit in der „westlichen“ Kultur 4
3. Thanatologische Fragestellungen 5
3.1 Die fünf Phasen des Sterbens nach Elisabeth Kübler-Ross 6
3.2 Tod und Sterben in „modernen“ Gesellschaften 6
3.3 Verdrängung des Todes 7
4. Sterben und Tod im Kontext von AIDS 10
5. Neue Formen von Sterbebegleitung und Trauer 12
5.1 Die Klinische Thanatologie am Beispiel von AIDS 13
5.2 Die Hospizidee 13
5.3 Entstehung einer alternativen Trauerkultur 15
6. Schlussbemerkung 16
7. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
In dieser Arbeit befasse ich mich mit dem Thema „Tod und Sterben im Kontext von AIDS in industriellen Gesellschaften“. Zunächst werde ich auf Vorstellungen von Körper und Krankheit in der sogenannten „westlichen“ Kultur eingehen. Dann beschäftige ich mich mit thanatologischen Fragestellungen, wobei ich die fünf Phasen des Sterbens nach Elisabeth Kübler-Ross, Tod und Sterben in „modernen“ Gesellschaften und die Verdrängung des Todes ins Auge fasse. Im vierten Kapitel betrachte ich Sterben und Tod im Kontext von AIDS, bevor ich schließlich auf neue Formen von Sterbebegleitung und Trauer zu sprechen komme. Im Seminar „Krankheit und Gesellschaft“ ging es um diverse Aspekte von Krankheit und Gesundheit unter verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Umständen. Einer dieser Aspekte ist das Thema „Lebenserwartung und Tod“, zu dem auch die Krankheit AIDS gehört. Der Umgang mit AIDS, oder auch allgemein mit Sterben und Tod unterscheidet sich, sicherlich auch innerhalb, aber vor allem zwischen verschiedenen Gesellschaften. In dieser Arbeit beschränke ich mich auf die als „industriell“, „modern“ oder „westlich“ bezeichneten Gesellschaften.
In den Augen vieler Menschen sind Sterben und Tod in sogenannten „modernen“ Gesellschaften aus dem alltäglichen Leben weitgehend verschwunden. Mit dem Auftreten von AIDS fanden diese, oft als „verdrängt“ bezeichnete Themen, seit den 80er Jahren wieder mehr Eingang in öffentliche Diskurse. Der Schock einer unheilbaren „Seuche“ in einer Zeit, in der die moderne Medizin doch in der Lage gewesen war, einige schlimme Krankheiten auszulöschen, traf die Menschen, ließ Ängste entstehen und begünstigte ein Klima der Stigmatisierung und Ausgrenzung der mit dem HI-Virus Infizierten. Heute rücken Tod und Sterben im Kontext von AIDS jedoch wieder mehr in den Hintergrund. Während der letzten Jahre seit der Entdeckung des Virus wurden in rasender Geschwindigkeit Medikamente und Therapiemöglichkeiten entwickelt, die den Tod über Jahre hinweg hinauszögern und die Hoffnung nähren, den Tod zu überwinden. Gleichzeitig hatte die Krankheit und ihre Verbreitung, sowie der lange Zeit frühe, schnelle und oft als „grausam“ bezeichnete Tod der Erkrankten zur Folge, dass andererseits Tod und Sterben neu in den Blickpunkt der Gesellschaft rückten und neue Wege, damit umzugehen gesucht und gefunden wurden, wie z.B. neue Formen der Sterbebegleitung oder der Trauer. Das Syndrom der erworbenen Immunschwäche (Acquired Immune Deficiency Syndrome -AIDS) wurde in Deutschland zum ersten Mal 1982 beschrieben (Knupp, Stille 1998: 43). 2006 waren weltweit ca. 39,5 Millionen Menschen HIV-positiv, es gab ca. 4,3 Millionen
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Neuinfektionen und 2,9 Millionen AIDS-Tote, davon 18 000 in Nordamerika und 12 000 in West- und Zentraleuropa (http://data.unaids.org).
Im Umgang mit der Krankheit ist zu beobachten, dass der Hauptfokus auf der Prävention, also dem Verhindern von Neuerkrankungen, liegt, aber es gibt durchaus auch viele Hilfsangebote für Infizierte (Holzinger 2004: 187), von Unterstützung im täglichen Leben mit dem Virus bis zur Begleitung im Sterbeprozess.
Zwar hat die intensive jahrelange Forschung zum Ergebnis, dass sich die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen stetig erhöht, dennoch ist die Krankheit immer noch mit Stigmatisierung und Ausgrenzung verbunden. So schreibt beispielsweise Sahlinger: „Die Urangst vor Krankheit und Tod wird mittels Schuldzuweisung und Ausgrenzung Betroffener verdrängt, was auf diese Weise eine scheinbare Sicherheit vor dem Unberechenbaren suggeriert“ (Sahliger 2000: 12). Die Ausgrenzung HIV-Positiver beruht also unter anderem auf der Angst vor dem Tod, der mit der Krankheit AIDS verbunden wird. Außerdem war „die buchstäbliche Todesdrohung und Todesangst (…) ein wichtiger Antrieb, (…) AIDS zum Thema aktueller Politik zu machen und konkret zu reagieren“ (Holzinger 2004:196). Man sieht, die Konfrontation mit Sterben und Tod sind treibende Kräfte für menschliches Handeln. Doch was gilt im Kontext von AIDS für den Umgang mit Sterben und Tod: Werden diese Themen, ebenso wie die Kranken, weil sie damit verbunden werden, aus der Gesellschaft, dem täglichen Leben der Mehrheit regelrecht verdrängt? Oder lernen wir gerade durch diese tödliche Krankheit einen neuen Umgang mit dem Ende des Lebens? Bevor ich konkret auf das Thema Tod zu sprechen komme, möchte ich kurz auf Vorstellungen von Körper und Krankheit in der sogenannten westlichen Welt eingehen.
2. Körper und Krankheit in der „westlichen“ Kultur
Um den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Tod besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, sich zunächst mit den Vorstellungen von Körper und Krankheit zu befassen, die in der jeweiligen Gesellschaft vorherrschen. In der sogenannten „westlichen“ Kultur ist die Kontrolle des Körpers ein zentrales Element. Der Mensch wird für die Erhaltung seiner Gesundheit und für die Entstehung von Krankheiten zu einem großen Teil selbst verantwortlich gemacht. Es dominiert die medizinisch-naturwissenschaftlichen Sichtweise, und die „abendländisch-christliche Sorge um die Seele wurde durch die Sorge um den Körper ersetzt, bzw. bereichert.“ Ziele hierbei sind
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• „Sich bis zum Tod möglichst gesund erhalten.
• Durch gesundheitsbetontes Verhalten das Leben verlängern.
• Gegen den Tod mit allen medizinischen Mitteln anzukämpfen, der Erhaltung des Körpers oberste Priorität im Vergleich zum Sozialteil und zur Psyche einzuräumen“ (Feldmann 2004: 28f.).
Medizin funktioniert im Prinzip wie eine Reparaturindustrie (Feldmann 2004:29). Wenn ein Teil des Körpers ausfällt oder beschädigt ist, wird er, häufig mit technischen Mitteln, repariert oder ausgewechselt. Im Blick steht weniger der gesamte Mensch als der akute „Defekt“. „Der Tod wird damit zu einem nicht mehr reparaturfähigen Maschinenschaden“ (Feldmann 2004: 30). Auch Freeman et al bezeichnen „death as a technical error” (Freeman et al in Ariss 1997: 117).
Hinzu zur technischen Herausforderung kommt die Vorstellung von Krankheit als Eindringling, als Feind von außen. Der Begriff des Heilens wich in der „modernen“ Medizin neben dem des Reparierens auch der Metapher des Bekämpfens (Pfleiderer 2003: 170). Es ist zu beobachten, dass im Kontext von Krankheit eine Militärsprache vorherrscht. Der Körper wird zum „Schlachtfeld“, er ist Infektionen „ausgeliefert“ (Medizin 2007: 6), er entwickelt „Abwehrkräfte“, zeigt „Resistenzverhalten“, man benutzt therapeutische „Strategien“, um ihm zu helfen, und er unterliegt gar „übermächtigen Feinden“ (Ruf 1988: 10). Diese militärische Sprache zeugt von einer Abwehrhaltung, die gegenüber Krankheit und letztlich auch Tod herrscht, gegen die mit allen Mitteln angekämpft wird. Doch ist der Umgang mit Tod nur von einer solchen Abwehrhaltung geprägt? Mit dieser Frage beschäftige ich mich im Folgenden.
3. Thanatologische Fragestellungen
In diesem Kapitel befasse ich mich allgemein mit dem Umgang mit Tod und Sterben in „modernen“ Gesellschaften. Hierbei ist zu erwähnen, dass es zwar eine interdisziplinäre Wissenschaft von Sterben und Tod gibt, die sogenannte Thanatologie, im deutschen Sprachraum jedoch dafür keine eigenständige Lehr- und Forschungsstelle existiert. Hier beschäftigen sich die verschiedenen Disziplinen mit Tod und Sterben innerhalb ihres Bezugsrahmens und Arbeitsgruppen ermöglichen den Austausch zwischen den Fachbereichen.
So hat sich zum Beispiel Elisabeth Kübler-Ross mit Sterbenden beschäftigt und daraufhin den Sterbeprozess in fünf Phasen beschrieben, die Sterbende ihrer Ansicht nach durchlaufen.
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Arbeit zitieren:
Myriam Kiefer, 2007, Verdrängung oder Akzeptanz?, München, GRIN Verlag GmbH
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