Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bedeutung der drei Instrumente Habitus Feld und Kapital 4
3. Freies Handeln 6
3.1. Habitus und Feld als Grenzen der Handlung 6
3.2. (symbolisches) Kapital als Indikator für zielgerichtetes Handeln 7
4. Schlussbemerkungen 9
Literaturverzeichnis 10
1. Einleitung
Das Gleichnis des barmherzigen Samariters in der Bibel zeigt, wie verschiedene Personen in derselben Situation unterschiedlich handeln. Dies ist ein Phänomen, das uns im Alltag immer wieder begegnet und bei dem man sich fragt, wie es dazu kommt. Wir neigen dazu, die verschiedenen Verhaltensweisen zu beurteilen und sehen die Ursachen der Akteure auf diese Weise und nicht anders zu handeln in ihnen, also z.B. ihren Charaktereigenschaften begründet.
Sind wir aber selbst betroffen und müssen erklären, warum wir uns wie verhalten haben, nennen wir oft die äußeren Einflüsse als Auslöser.
Welche Faktoren sind für die Entstehung von Handlungen also wirklich von Bedeutung? Sind es eher innere oder äußere Faktoren, die uns zu Entscheidungen für eine bestimmte Handlungsweise drängen?
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat die Existenz von Handlungsfreiheit untersucht und festgestellt, dass wir uns im Laufe unserer Sozialisation unbewusst Strategien aneignen, die unser Handeln in bestimmte Bahnen lenken. Diese Strategien werden seiner Meinung nach sowohl von internen, personenbezogenen, als aber auch von externen gesellschaftsstrukturellen Faktoren bestimmt. Es lassen sich wiederholt auftretende Muster in der Bewältigung erkennen, die zeigen, dass unsere Entscheidungen weniger situationsabhängig sind, als wir oft denken. Aus der Perspektive des Soziologen sollten wir also eher danach fragen inwieweit unsere Handlungen durch Umstände erzeugt werden, die wir nicht beeinflussen können und wie viel Entscheidungsgewalt uns wirklich bleibt.
In dieser Arbeit werde ich darauf eingehen was genau Bourdieu unter diesen inneren und äußeren Faktoren der Beeinflussung versteht und in welcher Weise sie sich auf unser alltägliches Handeln auswirken.
Zunächst werde ich die Begriffe Habitus, soziales Feld und Kapital erklären, die für das Verständnis von Bourdieus Theorie der sozialen Praxis von besonderer Bedeutung sind. Danach gehe ich näher auf ihre Funktion in Handlungsprozessen ein. Hierbei wird zu untersuchen sein, innerhalb welcher Grenzen Entscheidungen für uns überhaupt frei wählbar sind und anhand von welchen Motivationsaspekten wir Handlungen ausüben.
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2. Bedeutung der drei Instrumente „Habitus“, „Feld“ und „Kapital“
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu geht in seiner Theorie der sozialen Praxis davon aus, dass Handlungen sowohl durch interne als auch durch externe Bedingungen beeinflusst werden. Um zu verstehen, wie die einzelnen Faktoren auf unsere Entscheidungen einwirken, müssen zunächst einige zentrale Begriffe des Soziologen geklärt werden.
Im Habitus sieht Bourdieu ein System von Dispositionen, das unbewusst alle sozialen Praktiken erzeugt und ordnet. 1 Zu diesen Dispositionen gehören Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsstrategien, die dem Akteur helfen, die soziale Welt aufzunehmen, anhand von Alltagstheorien, ethischen Normen und ästhetischen Maßstäben zu interpretieren und adäquate Praktiken zu erzeugen. 2 Unter ihm sind also zum Beispiel Charaktereigenschaften, Neigungen, Gewohnheiten oder der individuelle Geschmack einer Person zu verstehen. Der Habitus funktioniert wie ein Instinkt und ist im Körper der Akteure verankert, was bedeutet, dass auch Körpereigenschaften wie Bewegung oder Sprache durch ihn bedingt werden. 3 Der Habitus ist nicht angeboren, sondern wird durch die Einverleibung von Strukturen „erlernt“. 4 Da er sich ständig weiterentwickelt und den gesellschaftlichen Bedingungen anpasst, wird jede Handlung durch vorherige Erfahrungen beeinflusst. Durch die aktive Teilnahme an einer Praxis werden im Verlauf der Sozialisation bestimmte Schemata zur Erzeugung von sozialen Praktiken und der Bewältigung des Alltags entwickelt und eingeübt. Diese sind so konzipiert, dass sie auf möglichst viele Situationen anwendbar sind. Sie selektieren zum Einen was überhaupt wahrgenommen oder gedacht wird, zum Anderen erweitern sie bereits bestehende Praktiken oder entwickeln neue. 5 Erzeugungsschemata behalten so lange ihre Gültigkeit, wie die Bedingungen unter denen sie eingesetzt werden, den Bedingungen ähneln, unter denen sie entstanden sind. Funktionieren diese Strategien nicht, weil sie auf ein Milieu treffen, in dem sie nicht wirken oder weil sich die Dispositionen den variierenden Bedingungen nicht angepasst haben, müssen sie durch bewusst verfolgte Schemata ersetzt werden. 6 In Situationen, in denen die
1 Vgl. Krais, Beate: Habitus und soziale Praxis, in: Steinrücke, Margareta (Hrsg.): Pierre Bourdieu. Politisches Forschen, Denken und Eingreifen, Hamburg 2004, S. 91.
2 Vgl. Schwingel, Markus: Pierre Bourdieu zur Einführung, 5. Auflage, Dresden 2005, S. 61.
3 Vgl. Krais, Beate: Habitus und soziale Praxis, S. 95.
4 Vgl. Wittpoth, Jürgen: Rahmungen und Spielräume des Selbst, Frankfurt am Main 1994, S. 98 f.. 5 Vgl. Ebd, S. 93 f..
6 Vgl. Ebd, S. 95 f..
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Arbeit zitieren:
Hanna Kuroczik, 2006, Wie frei ist unser Handeln?, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Theorien sozialen Handelns - Zur "Ökonomie der Praktiken"...
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