Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Geschichtlicher Hintergrund 4
3 Ursachen der Anwerbung von Arbeitsmigranten 5
4 Die Lebenssituation der Polen in ihrer Heimat 6
4.1 Ländliche Überbevölkerung 7
4.2 Agrarische Struktur 7
4.3 Soziale und wirtschaftliche Stellung der unterbäuerlichen Schicht 8
5 Leben und Arbeiten im Ruhrgebiet 9
5.1 Das Vereinswesen 11
5.2 Die Wohnsituation 12
6 Weiterer geschichtlicher Verlauf 13
7 Fazit 14
8 Quellen 16
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1 Einleitung
Die Geschichte zwischen Polen und Deutschen zieht bis heute ihre Kreise und offenbart nicht immer ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den politischen Führern beider Länder. Kriege, die hin bis zur Auflösung Polens führten, sprechen von einer feindseligen Vergangenheit. Aber nicht alle Menschen waren der anderen Nation gegenüber feindselig eingestellt. Die polnischen Arbeitsmigranten im Ruhrgebiet bildeten trotz vieler Probleme eine soziale und kulturelle Enklave im Herzen des Deutschen Reichs.
Nach den drei polnischen Teilungen und der polnischen Frage scheint es kaum verständlich, dass sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so viele Polen auf den Weg gemacht haben, um im Deutschen Reich eine Arbeit aufzunehmen. Warum genau sind so viele Polen gerade ins Deutsche Reich ausgewandert und haben hier Anstellungen in einem so harten Berufsfeld wie den Bergbau im Ruhrgebiet angenommen? 1861 lebten in den Provinzen Rheinland und Westfalen offiziell 16 Polen, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren es fast 500.000. 1 Im Folgenden versuche ich die Frage nach den Gründen der Masseneinwanderung der Polen in das Deutsche Kaiserreich zu klären. Nach einem geschichtlichen Überblick werde ich die Gründe zur Anwerbung ausländischer Arbeiter in der damaligen Zeit erläutern. Anschließend gehe ich auf die Lebensverhältnisse der Polen in ihrer Heimat ein, um die Hintergründe der Migrationsbewegung aus polnischer Sicht zu klären. Daraufhin folgt eine tiefer gehende Betrachtung, wie sich das Leben und Arbeiten der Polen im Ruhrgebiet gestaltete. Dies soll helfen zu verstehen, warum so viele der so genannten Osteinwanderer trotz widriger Umstände ein Leben im Deutschen Reich bevorzugten und wie sie versuchten, das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Polen existierte in dem von mir untersuchten Zeitraum nicht als souveräner Staat, somit existierten auch keine „Polen“. Wenn ich diese Begriffe dennoch verwende, beziehe ich mich auf die preußischen Ostprovinzen und deren Einwohner.
1 Vgl. Krause, Andreas: „Die polnische Frage" blieb ungeklärt. 2000, S. 13.
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2 Geschichtlicher Hintergrund
Mit der Erschaffung des Deutschen Reiches 1871 waren viele Veränderungen ver-bunden. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Bewohner des deutschen Staatsgebiets vorwiegend Bauern und wohnten in ländlichen Verhältnissen. Es existierten erst acht Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Mehr als 60% der Bevölkerung lebte in ländlichen Gemeinden. Mit dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 bekam die gerade erst einsetzende Industrialisierung einen regelrechten Schub. Die hohen Reparationszahlungen, die Frankreich zu leisten hatte, kamen auch der deutschen Wirtschaft zugute. Dieser einsetzende Boom zog eine Binnenwanderung in die Industriezentren nach sich. 1871 lebten fünf Prozent der Bevöl-
kerung in Großstädten, 1910 waren es schon 21%. Während 1882 noch 19,2 Millionen Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt waren und 16 Millionen in der Industrie, zeigte sich einige Jahre später eine Umkehrung Verhältnisse. 1895 arbeiteten 18,5 Millionen in Landwirtschaft und 20,2 Millionen in der Industrie. 2 Die Gründung des Deutschen Reichs markiert somit den Übergang vom Agrar- hin zum Industriestaat.
2 Vgl. Kleßmann, Christoph: Polnische Bergarbeiter im Ruhrgebiet 1870-1945. 1978, S. 23ff.
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Die Situation der Nation Polen war eine gänzlich andere. Abgesehen von einer schlechteren sozialen Lage der Einwohner und grundlegenden Probleme wie Hunger und Platzmangel gab es einen politisch entscheidenden Unterschied: Polen existierte nicht mehr als eigenständiger Staat. Während der letzten dritten polnischen Teilung von 1795 wurde der Staat Polen aufgelöst und unter Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt. Auch an den vorherigen Teilungen des Landes gab es jedes Mal eine Deutsche Mitbeteiligung, ebenso für die vierte polnische Teilung 1939 ist Deutschen mit verantwortlich. Dies allein verrät schon einige tief verwurzelte Probleme, die bis in die heutige Zeit vorhanden sind. Die polnische Frage, die eine erneute Gründung eines souveränen, polnischen Nationalstaates vorsah, wurde schon auf dem Wiener Kongress behandelt. Dieser wurde jedoch erst 1918 wieder errichtet, nachdem das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg eine Niederlage zu verzeichnen hatte. 3 Auf russischer Seite wurde zwar durch den Wiener Kongress 1815 ein „Kongresspolen“ errichtet, dieses war jedoch nur Teil einer russischen Personalunion und somit auch kein eigenständiger und souveräner Staat. 4 Die Polen, die zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs in das Ruhrgebiet immigrierten, waren de facto also keine Nationalbürger des Staates Polen, sondern Polen mit preußischer Staatsangehörigkeit.
3 Ursachen der Anwerbung von Arbeitsmigranten
Für die Akquirierung polnischer Arbeiter sprach Einiges. Die stark wachsende Industrie benötigte eine hohe Zahl neuer Arbeitskräfte. Der Bedarf war so groß, dass „1880 politische Regelungsmechanismen zur Rekrutierung von Arbeitskräften in den Nachbarländern eingeführt“ 5 wurden. Neu geschaffene Behörden sollten diese Menschenströme überwachen und kontrollieren. In diesem Zusammenhang wurde auch der rechtliche Begriff des Ausländers eingeführt. Demnach sind Ausländer Menschen, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben und mit beschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt sowie eingeschränkten, bürgerlichen Rechten im Land leben. 6 Der Bedarf an Arbeitskräften hätte schlecht ohne Ausländer abgedeckt werden können. Die
3 Vgl. Alexander, Manfred: Kleine Geschichte Polens. 2003, S. 163ff.
4 Ebd. S. 186.
5 Fassmann, Heinz, Münz, Reiner (Hrsg.): Migration in Europa. 1996, S. 161.
6 Ebd. S. 162.
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Arbeit zitieren:
Timothy Fitschen, 2007, Die Ruhrpolen, München, GRIN Verlag GmbH
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