1.VORWORT 3
2. DAS NIBELUNGENLIED 3
3. DIE ENTDECKUNG DES NIBELUNGENLIEDES 4
4. EIN NATIONALEPOS BAHNT SICH SEINEN WEG (1810-1871) 7
5. RICHARD WAGNER UND DER RING DES NIBELUNGEN 10
6. DAS NIBELUNGENLIED WÄHREND DER REICHSGRÜNDUNG 1871 11
7. DAS NIBELUNGENLIED VOM ERSTEN WELTKRIEG BIS ZUR WEIMARER
REPUBLIK 12
8. DIE VERFILMUNG DES STOFFES DURCH FRITZ LANG 14
9. DAS NIBELUNGENLIED IM DRITTEN REICH – GÖRINGS STALINGRADREDE
15
10. DAS NIBELUNGENLIED IN DER HEUTIGEN ZEIT 16
11. SCHLUSSWORT 18
12. LITERATURVERZEICHNIS 20
2
1.Vorwort
Diese Arbeit setzt sich mit der Rezeptionsgeschichte des Nibelungenliedes auseinander. Die Darstellung folgt dabei chronologisch dem Geschichtsverlauf: Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart. Zunächst werden die Entstehungsgeschichte sowie der Inhalt des mittelalterlichen Nibelungenstoffes wiedergegeben. Anschließend wird seine Wiederentdeckung im Jahre 1755 erläutert. Der dritte Gliederungspunkt umfasst den Verlauf des Nibelungenliedes bis hin zum Nationalepos der Deutschen. Richard Wagners Operntetralogie Der Ring des Nibelungen ist ein weiterer wichtiger Punkt in der Rezeptionsgeschichte, ebenso Fritz Langs Film über die Nibelungen während der Weimarer Republik, weshalb sie hier erwähnt sind.
Das Nibelungenlied und seine Rezeptionsgeschichte werden unter dem Einfluss geschichtlicher Ereignisse betrachtet. Angefangen von den Kriegen gegen Frankreich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wird dargelegt, wie es für politische Zwecke mit dem Ziel der Manipulation instrumentalisiert wurde.
Der letzte Punkt soll einen Eindruck vom Umgang des Nibelungenstoffes in unserer Zeit geben.
2. Das Nibelungenlied
Das mittelhochdeutsche Heldenepos entstand um 1200 im Donauraum zwischen Passau und Wien. Der Autor blieb bis heute unbekannt. Das Nibelungenlied umfasst mehr als 2000 Strophen, die wiederum in 39 Aventiuren gegliedert sind. Das Epos ergibt zwei aufeinander aufbauende Teile.
Der erste Teil des Nibelungenliedes erzählt die Geschichte von dem Drachentöter Siegfried, der an den burgundischen Hof kommt, um dort die Königstochter Kriemhild zu ehelichen. Währenddessen heiratet König Gunther die schöne und starke Brünhild, nachdem er sie in einem Wettkampf besiegt hat. Anschließend wird von dem heimtückischen Mord an Siegfried durch Hagen berichtet.
Der zweite Teil erzählt von Kriemhilds Rachplänen: Mit Hilfe des Hunnenkönigs Etzel (Attila) beabsichtigt sie, den Tod ihres Mannes Siegfrieds zu rächen. Dies alles führt schließlich zum Untergang des Burgundenreiches.
3
Im Mittelalter, so sind sich Forscher einig, erlangte das Nibelungenlied einen hohen Stellenwert und war gern gelesen. Dies lässt sich heute anhand der Handschriftenanzahl dokumentieren: Je beliebter ein Werk war, umso mehr Handschriften sind davon heute noch erhalten. 35 Handschriften sind vom Nibelungenlied überliefert, wobei die Anzahl der Schriften von Jahrhundert zu Jahrhundert stieg. Die drei ältesten Handschriften, die Hohenems-Münchener, die Sankt Gallener und die Donaueschinger, sind bis ins 13. Jahrhundert zurück datiert.
In der Neuzeit hingegen ließ die Popularität nach und der Nibelungenstoff ist aus dem kulturellen Leben fast verschwunden.
Einige Stationen, die dem Nibelungenlied zu Popularität verhalfen, bis es letztlich völlig in Vergessenheit geriet, sind den Historikern bekannt. Im 16. Jahrhundert beispielsweise bediente sich der Schweizer Kartograph und Geschichtsschreiber Wolfgang Lazius einer Nibelungenahndschrift, die verloren gegangen ist. In zwei seiner Werke Kommentar zur römischen Republik und einem Werk über die Völkerwanderung (1557) zitiert er einige Strophen aus dem Gedicht. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das letzte Mal das Nibelungenlied von Hand abgeschrieben und ab hier weicht der Inhalt vom eigentlichen Nibelungenstoff ab. Dies machte sich bemerkbar in dem Aufkommen des volkstümlichen Liedes vom Hürnen Seyfried. Wie der Titel impliziert, geht es um den Kampf Siegfrieds mit dem Drachen, wobei sich das Lied nur noch auf einige Elemente des Nibelungenliedes bezieht. Die Handlung beruhte vielmehr auf der Edda, einer altisländischen Literatur, als auf dem Nibelungenstoff. Nachfolgende Publikationen konzentrierten sich auf die Erzählung des Drachentöters Siegfried, was dazu führte, dass bis zum 18. Jahrhundert das eigentliche Nibelungenlied in Vergessenheit geriet.
3. Die Entdeckung des Nibelungenliedes
Erst im Jahre 1755 macht der Arzt Jakob Hermann Obereit auf das Nibelungenlied erneut aufmerksam. In der Bibliothek von Hohenems entdeckt er die Schriften und teilt diesen Fund sogleich dem Züricher Gelehrten Johann Jakob Bodmer mit, der in diesem Werk den „deutschen Ilias“ zu erkennen glaubt. Das von dem griechischen Dichter Homer verfasste Werk zeigte seiner Meinung nach Parallelen, da beide Werke
4
kriegerische Elemente – Bodmer verweist hier auf den Siebenjährigen Krieg (17561763) – und somit Identifikation mit ihrem Volke aufwiesen. Susanne Frembs äußert hierzu: „Somit legt er (Bodmer) den Grundstein für die Verwertung des Nibelungenliedes als politisches Identifikationsmuster, indem er jenes Epos, in welchem die Griechen ihre historische Legitimation und Identifikation als Volk fanden und finden, als Vergleichsmaßstab heranzieht.“ 1 Bald steht fest: „Der Gedanke, das ‚Nibelungenlied’ sei die deutsche ‚Ilias’, sein Dichter der deutsche Homer, wurde bald zum Topos.“ 2 Da Bodmer der Meinung ist, der zweite Teil des Nibelungenliedes sei der glaubwürdigere, wobei der erste unglaubwürdige Abenteuer widerspiegle, veröffentlicht er ausschließlich den zweiten Teil unter dem Titel Chrimhildens Rache. Eine Ausgabe des gesamten Textes erscheint erst durch einen Freund Bodmers, C. H. Myller, 1782. Jedoch findet das Nibelungenlied keinen rechten Anklang. Friedrich der Große schreibt an Myller:
„Hochgelahrter, lieber Getreuer!
Ihr urtheilt viel zu vorteilhafft von denen Gedichten aus dem 12., 13. und 14. Seculo, deren Druck Ihr befördert habet, und zur Bereicherung der Teutschen Sprache so brauchbar haltet. Meiner Einsicht nach sind solche nicht einen Schuss Pulver werth; und verdienten nicht aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden. In meiner Bücher-Sammlung wenigstens würde Ich dergleichen elendes Zeug nicht dulten; sondern herausschmeißen. Das Mir davon eingesandte Exemplar mag dahero sein Schicksal in der dortigen großen Bibliothek abwarten. Viele Nachfrage verspricht aber solchem nicht, Euer sonst gnädiger König Frch.“ 3
Im kulturellen Leben hingegen stößt das Nibelungenlied auf großes Interesse. Der Künstler Johann Heinrich Füssli (1741-1825) verehrt Bodmer und dessen Ansichten über das Nibelungenlied. Bemerkenswert an Füsslis Bildern, die leider nur noch fragmentarisch in Zeichnungen enthalten sind, ist die Darstellungsweise der Figuren des Nibelungenliedes. Patriotische Züge sowie die Thematik von Sieg und Untergang sind bei Füssli nicht zu finden. Vielmehr widmet der sich den inneren Gefühlen der Personen und kehrt diese nach außen. Fritz R. Glunk bemerkt hierzu: „Was er vor uns stellt, sind die dunklen Seiten, die seelischen Brüche und Abgründe des Nibelungenliedes.“ 4 Wohl
1 Frembs, Susanne: Nibelungenleid und Nationalgedanke nach Neunzehnhundert. Über den Umgang der Deutschen mit ihrem ’Nationalepos’. ibidem-Verlag. Stuttgart, 2001.S. 15.
2 Heinzle, Joachim in Uns ist in alten mären S. 163.
3 Glunk, Fritz R.: Meisterwerke kurz und bündig Das Nibelungenlied. Piper Verlag. München, 2002, S. 12 4 Glunk, S. 61.
5
aufgrund der Ausblendung des Heldenmythos und der Verherrlichung wurden Füsslis Arbeiten von dem bald aufkommenden Nationalenthusiasmus ignoriert und man drückte ihm das negativ bezeichnende Etikett „symbolistischer Maler“ 5 auf.
Eine weitere Person des kulturellen Lebens, die sich mit dem Nibelungenepos auseinandersetzt, ist Johann Wolfgang von Goethe. Anders jedoch als Füssli zeigt Goethe wenig Faszination und hält sich mit seiner Ansicht über das Nibelungenlied bedeckt. Auch kann bei ihm nicht die Rede von einem aufkommenden Nationalgedanke sein. Bodmer hatte ihm eine Abschrift zukommen lassen, die Goethe jedoch ruhen lässt. Erst mit dem Ende des Deutschen Reiches 1806, als das Nibelungenlied vermehrt in das Interesse der Nationalpatrioten gelangt, beschäftigt Goethe sich mit dem Inhalt, jedoch kann er sich nicht recht damit identifizieren. Als Friedrich von der Hagen 1807 Goethe bittet, eine Rezension zu den Nibelungen zu verfassen, lehnt dieser ab, da er zwar findet, dass Stoff und Inhalt zur deutschen Poesie gehörten, Form und Gehalt jedoch schwer einzuordnen seien.“ 6 Goethes Auseinandersetzung mit dem Epos wird im Laufe seines Lebens jedoch widersprüchlich. Während er vorher behauptete nichts mit dem Werk anfangen zu können – wer bräuchte schon „Dunkelheiten einer barbarischen Vorzeit“, äußert er 1829: „Und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beyde sind gesund und tüchtig. 7 Nicht nur, dass Goethe plötzlich das Werk rehabilitiert, nein er vergleicht es wie Bodmer mit dem Ilias. Wie auch immer Goethe letztendlich zu dem Nibelungenlied gestanden haben mag, aus seinen Aussagen lässt sich ebenso wenig wie bei dem Maler Füssli eine nationalistische Begeisterung erkennen.
5 Vgl. Ebd. S. 64.
6 Vgl. Ebd. S. 66
7 Ebd. S. 72.
6
Quote paper:
Friederike Günzel, 2007, Das Nibelungenlied uns seine Rezeption - vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Kurzvortrag Humboldt - Die Bildung des Menschen
Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Presentation (Elaboration), 15 Pages
Die Rolle Hagens im Nibelungenlied
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 22 Pages
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt
History - World History - Antiquity
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Einheitsstiftende Themen und Motive in James Joyces "Dubliners&qu...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Das Kind Otto in Goethes Wahlverwandtschaften
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Norbert Elias' Zivilisationstheorie: Die Prozeß- und Figurationsth...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Das Heilige Land - Frauen auf Pilgerfahrt im frühen Christentum
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 10 Pages
Die Modernisierung bei Weber und Durkheim
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Termpaper, 21 Pages
Interkulturalität in Joseph Conrads 'Herz der Finsternis'
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Richard Wagners Mythensynthese im Ring des Nibelungen
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Ironic Mode(s) - Die verschiedenen Ebenen der Ironie im Tristram Shand...
English Language and Literature Studies - Comparative Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Individuum und Gesellschaft: Norbert Elias und Max Weber im Vergleich
Cultural Studies - Basics and Definitions
Termpaper, 21 Pages
Das Nibelungenlied als Nationalepos
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Economy - Theory of Competition, Competition Policy
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Friederike Günzel has published the text Das Nibelungenlied uns seine Rezeption - vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Friederike Günzel has uploaded a new text
Preußen - Deutschland und Rußland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Winfried Baumgart, Uwe Liszkowski, Werner Markert
Marianische Gesänge des 18. bis 20. Jahrhunderts 2
Vertonungen für Singstimme und...
Peter Wagner
Eine Untersuchung über den Ursprung unserer Ideen von Schönheit und Tu...
Über moralisch Gutes und Schle...
Francis Hutcheson, Wolfgang Leidhold
Geschichte der deutschen Literatur 2: Vom 19. Jahrhundert bis zur Gege...
Bengt Algot Sørensen
Kursthemen Deutsch. Schreibweisen des Realismus. Vom 19. Jahrhundert b...
Dietrich Erlach, Bernd Schurf
Konrad Von Megenbergs Buch Von Den Nat]rlichen Dingen: Ein Dokument De...
Dagmar Gottschall, D. Gottschall
Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert
Ilse Utz, Jay Winter, Geoffrey Parker, Mary R. Habeck
0 comments