Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hintergründe und Entwicklungen 2
2.1 Die Funktion des Spielens für die kindliche Entwicklung 2
2.2 Veränderungen in der kindlichen Lebenswelt seit 1945 6
3. Aktionsräume und Freiflächen zum Spielen 10
3.1 Die (utopische) Vision - Die perfekt bespielbare kindliche Wohnumwelt gemäß DIN 18
034 10
3.2 Das Machbare - realisierbare Maßnahmen zur Verbesserung der kindlichen Wohnumwelt
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4. Fazit 19
5. Literatur 21
1. Einleitung
Das kindliche Spiel, gerade das Spiel vor der eigenen Haustür mit Gleichaltrigen, ist alles andere als ein unnützes Tun in der frühen Entwicklungsphase eines Menschen. Vielmehr erfüllt es eine überaus wichtige Funktion sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Persönlichkeitsbildung eines Individuums. Im spielenden Erleben und Erfahren der Umwelt tritt ein junger Mensch erstmals in Kontakt mit seiner sozialen Umwelt und erlernt so, quasi spielend, wichtige Verhaltensnormen sowie die geschriebenen als auch die ungeschriebenen Gesetze einer Gesellschaft (vgl. Koschany, 1991). „Spielen ist Kennenlernen, Be-greifen von sich selbst […] aber auch der Umwelt: der dinglichen, baulichen und der sozialen Umwelt“, schreibt Adolf Wocelka hierzu (Wocelka, 1991, S. 57).
Inhalt und Ziel dieser Arbeit soll es im ersten Hauptteil sein, einerseits aufzuzeigen, in welchen Ausprägungen das kindliche Spiel entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung eines Menschen hat, und andererseits, in welchem Maße das freie Spielen für Kinder im Zuge von Wiederaufbau und immer stärkerer Motorisierung aus den Städten größtenteils vertrieben wurde. So sollen einige Aspekt sozialpädagogischer Erkenntnisse einen näheren Einblick und größeres Verständnis für die Wichtigkeit des Spielens gewährleisten.
Im Anschluss an diesen ersten Hauptteil soll dann versucht werden, ein idealtypisches Bild einer rundum spiel- und kinderfreundlichen Stadt zu skizzieren, mit all ihren Merkmalen, die dazu beitragen würden, Kinder zum spontanen Spielen vor der eigenen Haustür zu animieren. Die Frage in diesem Kapitel soll sein, welche Eigenschaften eine Stadt mitbringen müsste, damit Kinder gefahr- und sorglos, inmitten einer Vielzahl guter Spielangebote, ihre Umwelt entdecken könnten. Abschließend beschäftigt sich die Arbeit dann im letzten Kapitel mit praktischen und - das sollte besonders hervorgehoben werden - realisierbaren Maßnahmen, die mit einfachen Mitteln dazu beitragen könnten, die oftmals sehr kinderunfreundlichen Städte diesbezüglich wieder attraktiver und spielfreundlicher zu machen. Neben diesen Aspekten soll darüber hinaus auch auf die Notwendigkeit einer kompromissreichen Planung aller beteiligten Kräfte wie Stadtplaner, Architekten, Kommissionen und
natürlich Eltern hingewiesen werden, um deutlich zu machen, auf welcher Weise ein Umdenken und somit eine langfristige Verbesserung nur möglich wäre.
2. Hintergründe und Entwicklungen
2.1 Die Funktion des Spielens für die kindliche Entwicklung
In diesem beginnenden Kapitel des ersten Hauptteils soll es einleitend darum gehen, die überaus wichtigen Funktionen des Spiels für die kindliche Entwicklung zu charakterisieren. Es soll pointiert gezeigt werden, in welchem Maße die spielerische Erkundung und Aneignung der Welt, insbesondere der direkten Wohnumwelt, eine zentrale Rolle bei der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit spielt. Dass dem wohl tatsächlich so ist, lässt sich schon in der bereits erwähnten und zu späterem Zeitpunkt noch einmal genauer zu betrachtenden DIN 18 034 - Spielplätze und Freiflächen zum Spielen erfahren. In dieser wird bereits ausdrücklich auf die „große gesundheitliche, erzieherische und gesellschaftliche Bedeutung des Spiels für die Entwicklung und das Wohlbefinden des Menschen“ und insbesondere des Kindes verwiesen (DIN 18 034, S. 5). Was es mit dieser besonderen Bedeutung des Spiels en detail auf sich hat, soll nun im Folgenden erläutert werden. Dabei soll es vornehmlich darum gehen, aufzuzeigen, welchen Stellenwert das spielerische Entdecken für die Sozialisation eines Kindes hat.
Zuerst gilt es dabei darzustellen, wie ein Kind seine Umwelt erlebt und in welcher Weise es erstmals und dann immer intensiver mit ihr in Kontakt tritt. Geht man davon aus, dass bis zum dritten Lebensjahr die Wohnung der Eltern, bzw. der Bezugspersonen, ganz wesentlich die unmittelbare Umwelt des Kindes ausmachen, so steht in etwa nach diesem dritten Lebensjahr die tatsächliche Eroberung der Umwelt im Vordergrund (Koschany, 1991, S. 49). Diese Umwelt beginnt für jedermann direkt nach Verlassen der eigenen Wohnung, bzw. der eigenen Wohnstätte. Sobald die privaten Räumlichkeiten verlassen werden, betritt man sozialen Raum und tritt somit in Kontakt mit anderen Menschen und seiner Wohnumwelt. Großhans schreibt dazu: „Das
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Wohnumfeld beginnt also bei der Wohnungstür, d.h. […] dort, wo die private Sphäre sich von der öffentlichen Sphäre scheidet“ (Großhans, 1991a, S. 3). Von hier aus nun beginnt das Kind seine Umwelt zu erkunden. Mit zunehmendem Alter und wachsender Reife ist das Kind immer mehr in der Lage, selbstständig größere Radien um die heimische Wohnstätte auf eigene Faust zu erkunden. Ganz entscheidend dabei sind natürlich ab diesem Zeitpunkt die sozialen Kontakte, die ein Kind bei diesem Sozialisationsprozess eingeht, beispielsweise die Kontakte zu Nachbarskindern (Koschany, 1991, S. 49). Gerade dieses gemeinsame Spielen mit Anderen in der je nach Alter relativ unmittelbaren Wohnumwelt ist es, dass eine so wichtige Funktion bei der Persönlichkeitsbildung eines Menschen zu haben scheint. Genauer befasst sich Uwe Ratke mit diesem Phänomen in seinem Buch Kinderspielplätze - Gestaltung, Betreuung und Erwartungen der Kinder aus dem Jahre 2002. Er konkretisiert die Funktion des kindlichen Spiels, indem er unter anderem schreibt: „das freie, schöpferische Spiel […] ist eine Voraussetzung dafür, daß Kinder sich zu gesunden, der Umwelt gut angepassten Mitbürgern entwickeln“ (Ratke, 2002, S. 15).
Des Weiteren verweist Ratke auf den Philosophen Plato, der seinerseits schon im vierten Jahrhundert vor Christus die besondere Bedeutung spielerischer Welterfahrung betont hat. Plato, so Ratke, sei schon davon überzeugt gewesen, dass Kinder am geeignetsten durch spielerisches Tun und Erfahren mit den geschriebenen wie ungeschriebenen Gesetze einer Gesellschaft konfrontiert und vertraut gemacht werden könnten (Ratke, 2002, S. 17).
Ratke geht weiter ins Detail und formuliert die spezifischen Funktionen des kindlichen Spielens genauer:
Mit dem Ausführen „ergänzender Spielhandlungen“ erwirbt und erweitert das Kind Fähigkeiten und entwickelt Bedürfnisse, die sich auf seine Lebenssituation auswirken. So verbessern die ergänzenden Spielsituationen beispielsweise die Anpassung des Spielers an die Lebenssituation, sie erhöhen seine Lebenschancen“ (Ratke, 2002, S. 22).
Es geht also für Kinder in besonderem Maße darum, in Spielsituationen soziale Normen und Verhaltensregeln zu erlernen, die in späteren realen Situationen von großer Wichtigkeit sein könnten. Insbesondere geht es dabei um das Erfahren der eigenen
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Position in einer Gruppe. Welche Stellung nimmt man mit seiner Person in einem sozialen Gefüge ein und wie geht man damit um? Der Erleben und Erkennen von Gleichheit sowie von Andersartigkeit in Bezug auf andere Personen, meist in etwa gleichaltrige, ist eine entscheidende soziale Erfahrung auf dem Weg zum stabilen sozialen Individuum. Es bildet die Grundlage der Selbsterfahrung und somit die Basis, seine eigene soziale Identität zu finden und zu akzeptieren (Ratke, 2002, S. 22-23). Auf eben diese wichtige Funktion bei der Herausbildung sozial entscheidender charakterlicher und persönlicher Merkmale weist auch Kurt Böckmann hin:
Im Spiel werden Sozialverhalten, Verantwortungsgefühl und Kontaktfähigkeit
geübt. Partnerschaftliches Verhalten, notwendiges Miteinander, gewolltes
Füreinander müssen sich dabei immer neu bewähren (Böckmann, 1979, S. 19).
Dementsprechend sollte klar sein, dass kindliches Spielen nicht als nutzloses Übergangsphänomen auf dem Wege hin zum fertigen, produktiv arbeitenden Erwachsenen angesehen werden sollte. Vielmehr ist es ein entscheidender Bestandteil des gesamten Entwicklungsprozesses. Gerade in einer Gesellschaft, in der Arbeit und Beruf und somit Leistung die dominierenden Triebfedern seien, so Ratke, könne die wichtige Funktion des Spielens, gerade auch für das erfolgreiche Fortbestehen eben jener Gesellschaft, leicht verkannt werden (Ratke, 2002, S. 24). Oft nicht erkannt wird darüber hinaus die Funktion, dass Spielen häufig eine Art „Katharsis-Effekt“, also eine Art Ventilfunktion für die Kinder hat. Seelischer Stress in der Schule oder in der Familie können im freien und kreativen Spiel leichter verarbeitet werden, so dass damit im besten Falle psychischen Störungen vorgebeugt werden könne (Ratke, 2002, S. 19-20).
Ein noch herauszustellendes Merkmal der kindlichen Welterfahrung auf spielerische Weise stellt die Begegnung mit Grenzerfahrungen dar. Geht es beim Spielen im Wohnumfeld doch eben nicht darum, alle möglichen Gefahren für Kinder restlos auszuschalten. Vielmehr sollen Kinder, so steht es ebenfalls auch in der DIN 18 034, auf selbstständige Weise lernen, Gefahren selbst zu erkennen und richtig einzuschätzen. Dazu gehört, dass nicht alles Spielen von Beginn an völlig risikofrei sein darf (DIN 18 034, S. 5).
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Timon Karl Kaleyta, 2006, Freiflächen zum Spielen, München, GRIN Verlag GmbH
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