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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Sprache und Politik 3
2.1. Formen der Sprachlenkung 3
2.2. Wie verschieden Meinungen sein können 5
3. Die Entstehung des Staates Makedonien und der makedonischen Sprache 7
4. Mazedonisch- eine sich selbständig entwickelte Sprache 7
4.1. Der makedonische Standpunkt und Beispiele ähnlicher Ansichten 7
4.1.1. Evm fbe KiZkh und seine Auffassung für die Entwicklung der makedonische
Sprache 7
4.1.2. eZ Dhg kdb und seine H bklhjbZlZ gZ Zabdhl gZ keh gkdZlZ
ibkf ghkl h FZd hgbZ 10
4.1.3. Peter Rehder über die Geschichte der makedonischen Sprache 12
4.2. Standpunkt der bulgarischen Sprachwissenschaft und Vertreter ähnlicher Ansichten 13
4.2.1. Ivan Duridanov und die makedonische Frage 13
4.2.2 Gustav Weigand und die Ethnographie von Makedonien 15
4.2.3. Otto Kronsteiner und die Frage der makedonischen Literatursprache 16
5. Eine kontrastive Gegenüberstellung beider Sprachen und die daraus resultierende
Ergebnisse 17
5.1. Das Bulgarische und die Grenze zwischen dem Ost- und Westbulgarischen 17
5.2. Das Makedonische und seine Dialekte 18
5.3. Gemeinsamkeiten beider Sprachen auf den verschiedenen Sprachebenen 18
5.4. Unterschiede 19
6. Schlussfolgerung 20
Literaturverzeichnis 22
3
1. Einleitung
Linguistische Forschungen im Bereich der Balkanologie, insbesondere solche die Gruppe der slawischen Sprachen betreffen, sind sehr oft durch zahlreiche politische Faktoren beeinflusst, sowohl in der Vergangenheit, wie aber auch in der Gegenwart. So wird die Analyse einer Sprache, ihrer Herkunft, ihrer Entwicklung und Zugehörigkeit, bzw. die Frage nach ihrer Eigenständigkeit, von der engen Verbundenheit zwischen Sprache und Politik auf dem Balkanhalbinseln geprägt. 1
Dem nach muss die Frage gestellt werden, in wie weit diese Sprachen politischen Eingriffen ausgesetzt wurden oder werden.
Im Folgenden sind der Zusammenstoß politischer Einheiten, die geografische Veränderungen und die Wechselbeziehung von Sprachpolitik und Sprachentwicklung in Betracht zu ziehen. Die Ausarbeitung beschränkt sich auf die mazedonische und auf die bulgarische Sprache, mit dem Ziel festzustellen, ob von einem Sprachkontinuum, bzw. von einem Dialektkontinuum, gesprochen werden kann oder nicht.
Im Weiteren wird die Geschichte der Entstehung des Staates Makedonien und der makedonischen Sprache angeführt.
Ergänzend werden die Forschungen verschiedener Sprachwissenschaftler und Historiker behandelt um den Spektrum der so weit auseinander gehenden Meinungen abdecken zu können.
Zwei entgegen gesetzten Thesen werden untersucht zusammen mit den prägenden Faktoren und Zusammenhänge.
In einem direkten kontrastiven Vergleich grammatischer und sprachlicher Strukturen beider Sprachen, werden die Gemeinsamkeiten und hauptsächlich die Unterschiede erörtert und in Relation mit ähnlichen Befunden auf der anderen Seite gestellt.
2. Sprache und Politik
2.1. Formen der Sprachlenkung
Sich mit einer Sprache zu identifizieren bedeutet nicht nur Teil einer Sprachgemeinschaft zu sein, sondern offenbart die Zugehörigkeit einer kultur-politischen Gruppe. Um die
1
Schaller, Helmut:
Sprache und Politik auf der Balkanhalbinsel .In: Südosteuropa-Jahrbuch 27.Sprache und Politik: Die Balkansprachen in Vergangenheit und Gegenwart.
Hg. Helmut Schaller. München: Südosteuropa- Gesellschaft,1996.S.11-19.
4
Einschließung einer solchen Gruppe zu unterstützen oder zu fordern, werden staatliche Eingriffe vorgenommen.
Diese Prozesse untersucht auch Helmut Schaller in seinem Aufsatz „ Sprache und Politik auf dem Balkanhalbinsel “ In Südosteuropa-Jahrbuch 27.
Er stellt offen die Frage nach einer gezielten Sprachlenkung im südeuropäischen Raum. So eine Sprachpolitik bezweckt, durch gezielte Interventionen, eine Veränderung der Sprache auf inhaltlicher, struktureller und systembezogener Ebene. Das Ergebnis ist ein künstlich modifizierter Sprachgebrauch.
Die Methoden für die Umsetzung der Sprachlenkung sind zahlreich. Anzuschneiden wären hier die Eingriffe des Staates in das Schriftsystem einer Sprache durch die Festlegung einer
Schrift oder durch die Ersetzung oder das Entfernen bestimmter Schriftzeichen:
„ Ein Sonderfall sind die Eingriffe des Staates in das Schriftsystem durch Rechtschreibreformen….Das Ziel ist entweder die Vereinfachung des geltenden Schreibsystems, die Vereinheitlichung innerhalb der Staatgrenzen oder die Einführung eines ganz anderen Alphabetes, oft unter politischem Aspekt,….“
So entspricht im makedonischen Schriftsystem dem bulgarischen y die Zeichenkombination ja, dem s die Kombination von r und l. Für die diagraphische Darstellung von ^q im Bulgarischen findet sich im Makedonischen eine monographische Darbietung: Die Einführung von | und im makedonischen Alphabet kann auch nur mit einem Akt der Sprachlenkung erklärt werden.
Als folgenschwerer bestimmt Helmut Schaller die politische Anteilnahme an Sprachreinigung
oder an Sprachpflege, da sie das System der Sprache systematisch verändern. Das Ersetzen
von Wörtern fremden Ursprungs und die Einführung von neuen, bzw. neu angepassten Ausdrücken, oder von Lehnwörtern, können politisch bedingt sein.
Neben der schon genannten Formen der Sprachlenkung wäre auch die ideologisch bedingte zu
erwähnen, die auf dem Balkanhalbinsel in verschiedenen Formen zu beobachtet werden kann. Ihre Erscheinungen finden sich in Wortneubildungen, Bedeutungsänderungen schon existierender Wörter oder Verbindungen politischen Inhalts.
In diesem Zusammenhang spricht Helmut Schaller auch von einer deutlichen Sprachlenkung im Makedonischen:
„ Sprachlenkungen liegen offensichtlich vor, wenn z.B. im Mazedonischen als südslavischer Sprache ein dreifaches Artikelsystem als Norm vorgeschrieben wird, im Gegensatz zum Bulgarischen mit einem einfachen Artikelsystem.“
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Eine wichtige Fragestellung, die hierzu in Betracht gezogen werden muss, betrifft die Terminierung im Bereich der Linguistik Südeuropas. Es ist zu untersuchen, inwieweit sich einzelne Begriffe und Bezeichnungen selbstständig entwickelt haben oder aber durch externe Faktoren beeinflusst wurden. Die Sprachgebiete, die dadurch betroffen werden, sind der Wortschatz und die Schriftsysteme.
So finden sich die größten Unterschiede im Bereich des Wortschatzes des Bulgarischen und des Makedonischen in der verschiedenen Ausbreitung der Lehnwörter, türkischen oder griechischen (belangt mehr die makedonische Sprache) Ursprungs und deren ungleichen Ersetzung durch Neubildungen, durch vorhandenen Equivalenten oder durch Wörter russischen Ursprungs, was aber vor allem die bulgarische Sprache im Bereich der Verwaltung betrifft.
2.2. Wie verschieden Meinungen sein können!
Der Zusammenhang zwischen Sprache und Politik wird noch deutlicher, wenn die verschiedenen und zum Teil sehr weit auseinander gehenden Auffassungen, bezüglich der Herkunft der makedonischen Sprache, untersucht werden. An dieser Stelle werden zwei Beispiele der kontradiktorischen Thesen vorgestellt.
Radoslav Katiþiþ betrachtet die makedonische Sprache als eine eigenständige Sprache, die ein eigenes Diasystem ist:
„ Nach dem genetischen Kriterium ist Makedonisch also […]eindeutig ein eigenes Diasystem und kann daher als Sprache angesehen werden, zumal es sich zu anderen südslawischen Diasysteme, die unbestritten als eigene Sprachen angesehen werden qualitativ und quantitativ genau so verhält, wie diese zueinander….Das sind harte und wissenschaftlich überprüfbare Tatsachen.“ 2
Im Weiteren betont er mehrmals, dass Die makedonische Standardsprache gut ausgebaut ist und ihre Funktion als Staatssprache vollständig erfüllt.
Es ist daher noch mehr verwirrender, wenn man dann an einer anderen Stelle des Aufsatzes folgendes liest:
„ Das Makedonische stimmt meistens entweder mit dem Bulgarischen oder mit dem StandardneuÆtokavischen überein, zeigt aber auch spezifische Eigenschaften.“
2
Katiþiü, Radoslav:Die
politischen Implikationen des Sprachbegriffs im Südosten Europas.
In:
Südosteuropa- Jahrbuch 27. Sprache und Politik: Die Balkansprachen in Vergangenheit und Gegenwart.
Hg. Helmut Schaller. München: Südosteuropa-Gesellscheft, 1996.S.35.
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Dazu wäre auch zu erwähnen, dass sich R. Katiþiü an keiner Stelle auf anderen Quellen, Untersuchungen oder Analysen verschiedener Sprachwissenschaftler bezieht.
Gustav Weigand dagegen vertritt in seiner Ethnographie von Makedonien folgende Meinung: „ Man könnte die Frage aufwerfen, ob nicht die makedonischen Slawen ihre eigene Sprache haben, die in der Mitte zwischen Serbisch und Bulgarisch steht .Eine solche Annahme wäre durch nichts gerechtfertigt, denn[…],stimmen Makedonisch und Bulgarisch im Lautsystem, Flexion und Syntax durchaus überein, und es gibt nur ganz unwesentliche lautliche Eigenheiten, die allein dem Makedonischen zukommen,….“ und weiter:
„ Während früher über den Charakter des makedonischen Bulgarisch kein Zweifel bestand, ist in neuerer Zeit durch eine aus politischen Gründen geschickt betriebene Propaganda von serbischer Seite aus der Versuch gemacht worden, der politischen Welt die Meinung beizubringen, dass die in Makedonien gesprochene slawische Mudart ein serbischer Dialekt und die Bevölkerung serbisch sei.“ 3
In seiner im 1924 in Leipzig erschienenen Ethnographie beschreibt G.Weigand den Werdegang der makedonischen Sprache. Nach der Gründung der Volksrepublik Makedonien wird eine Kommission, die sich mit der Standardisierung und Befestigung der Sprache beschäftigt, gegründet. Zu deren Hauptaufgaben gehören: die Festlegung einer einheitlichen Orthographie und die Verfassung einer Grammatik der neuen Sprache.
Die Fragestellung, die sich mit der Bestimmung der makedonischen Sprache und mit der Ermittlung der Eingriffe in deren Sprachsystem befasst, bleibt sehr problematisch. Von bulgarischer Seite wird der jugoslawischen Sprachpolitik vorgeworfen, gezielt antibulgarische Entfremdung der Sprache vorgenommen zu haben. N. Reiter spricht sogar von einer antibulgarischen Standardisierung der makedonischen Sprache:
„ Man kann sogar von einer gezielt antibulgarischen Standardisierung der mazedonischen Schriftsprache aufgrund gewagter Kontinuitätsbelege sprechen, um die notwendige Legimation zu erreichen. 4
3
Schaller, Helmut:Gustav
Weigand Sein Beitrag zur Balkanphilologie und zur Bulgaristik.
Hg. München: Hieronymus GmbH,1992. S.116.
4 Reiter,N.: Die serbisch-makedonische Symbiose .In: Jugoslawien. Integrationsprobleme in Geschichte und Gegenwart. Göttingen 1984. S. 178-184.
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Silviya Daleva, 2006, Bulgarisch und Makedonisch - Zwei Einzelsprachen oder Varianten ein- und derselben Sprache?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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